Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 5 (31.1.1908)
- Date
- 1908-01-31
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 84 Dr. Lwcv s MAocvenscdrlN. Nr. 5 (Csorna), Josef Gold st ein (Naghsomkut), Ignaz Schulmann (llngvLr), Bela R e i t t e r (Szatmär), Bernhard Rosenberg (GLlßecs), Emil BLrkLny (Eperjes), Adi A rje (Abauj-Szünto), Jakob Majrovics (Dees), Abraham Herzl (Preßburg), Salomon Freudenthal (Preßburg), Eduard S ch l ä n g er (Preßburg), ferner aus Budapest: Berthold S ch l a u g e r und Emil Weiß. Als Sprecher der Deputation fungierte Redakter Großberg, der iu seiner Ansprache ausführte, daß die strenggläubigen jüdischen Kaufleute, die allwöchentlich von Freitag Abend bis Samstag Abend ihre Geschäfte geschlossen halten und überdies an einer Reihe von jüdischen Feiertagen ihre Lokale nicht öffnen, schon durch das bisher in Geltung befindliche Sonntagsruhegesetz gegenüber den andersgläubigen Kaufleuten stark im Nachteile sind. Da nun gegenwärtig an der definitiven Regelung der Sonntagsruhe gearbeitet wird, ja sogar eine Verschärfung der gegenwärtigen Vorschriften bevorsteht, so stehen die strenggläubigen jüdischen Kaufleute vor dem Dilemma, entweder materiell zugrunde zu gehen oder aber das strenge Gebot der jüdischen Religion, den Sabbat zu halten, übertreten zu müssen. Da nun der größte Teil der orthodoxen Kaufleute das Erstere wählen wird, wäre der Staat der Tatsache gegenübergestellt, Tausende von Steuerzahlern zu verlieren. Die Deputation bittet daher im Namen ihrer Mandanten, der Minister möge mit ihnen keine Ausnahme machen, sondern im neu zu schaffenden Gesetze den vor einigen Jahren bestandenen Zustand wiederherstellen, daß speziell in der Provinz allen Kaufleuten ohne Unterschied der Konfeffion das Offenhalten der Geschäfte an Sonntagen bis 12 Uhr mittags gestattet werde. Handelsminister Koffuth nahm das vom Sprecher der Deputation überreichte Memorandum in liebenswürdigster Weise entgegen und erwiderte Folgendes: „Werte Deputation! Geehrter Herr Redner! Sie werden es begreiflich finden, daß ich jetzt, nach der bloßen Anhörung Ihrer Bitte, Ihnen keine definitive Antwort erteilen kann. Ich muß ja die Frage, um welche es sich bei Ihrem Verlangen handelt, vorerst zum Gegenstand des Studiums machen, auch muß die Angelegenheit mit Berücksichtigung der Jntereffen der übrigen Bevölkerung des Landes gelöst werden. Der Regelung der Sonntagsruhe-Vorschriften wird wahrscheinlich eine Enquete vorangehen, und da werde ich einigen Mitgliedern aus Ihrer Mitte Gelegenheit geben, Ihre Wünsche daselbst ausführlich zu begründen, oder aber, falls keine Enquete stattfinden sollte, werden die interessierten Kreise aufgefordert werden, ihre Ansichten schriftlich darzulegen, und so wird eine bezügliche Aufforderung auch an Sie ergehen. Aber Sie mögen vollauf versichert sein, daß ich Ihr Verlangen einer ernsten Erwägung unterziehen werde, und seien Sie überzeugt, daß mich hiebei mein bestes Wohlwollen leiten wird." Nach der mit lebhaften Eljenrufen aufgenommenen Rede verließ die Deputation das Ministerium. Der Bürgermeister von Galvefto» (Texas) über die jüdische« Einwanderer. Der Bürgermeister' von Galveston (Texas), H. A. Landes, der, wie erinnerlich, der ersten Gruppe der durch die „3to" beförderten jüdischen Emigranten im Namen der Stadtverwaltung einen herzlichen Empfang bereitet hatte, äußert sich in dem New-Iorker Organe der Gegner der Einwanderungsbeschränkung. „The Federation Rewiew" über die jüdischen Einwanderer in Texas, wie folgt: „Es hatte mir eine besondere Freude bereitet, jenen jüdischen Einwanderern einen herzlichen Willkommgruß zu entbieten, die in ihrer Heimat nur eine ärmliche, entbehrungsreiche Zukunft ohne jede Hoffnung auf persönliche Freiheit oder Wohlergehen vor sich hatten. Sie hatten Glück, als sie zu ihrer neuen Heimat Texas erwählten, wo jedem Einzelnen die Möglichkeit gegeben ist, in kurzer Zeit wohlhabend, glücklich und zufrieden zu werden. Diese Gelegenheit wird Jedem mit der größten Freude unter der einzigen Bedingung geboten, daß er ein fleißiger, rechtschaffener, die Gesttze achtender Bürger werde, der sich allen unseren Gesetzen anzupaffen geneigt ist. ... Unter dieser Bedingung läßt Texas an all die Tausende, die in überfüllten Ländern ihr Fortkommen nicht finden können, die Einladung ergehen, hierher zu kommen, hier ein Heim zu finden und loyale Bürger unseres Staates zu werden." Die Klagen der Krakauer Judenschaft. In der in der letzten Woche stattgefundenen Budgetberatung des Krakauer Gemeinderates ergriff der Vizepräsident der israelitischen Kultusgemeinde Gemeinderat Dr. Rafael Landau das Wort, um über die Zurücksetzung der Juden seitens der Kommune Klage zu führen. Er führte unter anderem an, daß trotz seiner wiederholten Beschwerden die Handwerkerinnungen keinen Juden in ihre Mitte aufnehmen. Die Stadt stellt prinzipiell keinen jüdischen Lehrer in ihren Schulen an, höchstens wenn die betreffende Schule aus durchwegs jüdischen Schülern besteht und man schon anstandshalber einen jüdischen Lehrer nicht umgehen kann. Dies ist — führte Dr. Landau aus — eine umso gröbere Ungerechtigkeit, als die jüdischen Lehrer weder in der Qualifikation noch in Bezug auf Verläßlichkeit und Disziplin ihren christlichen Berufskollegen nachstehen. Worin die christlichen Lehrer den jüdischen voraus sind, ist einzig und allein — der Taufschein. Dr. Landau beschwerte sich auch darüber, daß die christlichen Fleischhauer jeden Augenblick auf ihre jüdischen Verufsgenossen und mittelbar auf die Juden überhaupt die unerhörtesten Pressionen üben, und die Stadtverwaltung sie mit verschränkten Armen gewähren läßt. Die Wohnungsmiete in den jüdischen Vierteln steigt von Tag zu Tag und ist für die arme Bevölkerung schon heute unerschwinglich. Wenn nun die Kommune daran geht, zur Steuerung der Wohnungsnot mitten iu der Stadt Häuser für Unbemittelte bauen zu lassen, so haben die Juden hievon blutwenig, denn diese würden im Innern der Stadt inmitten der christlichen Bevölkerung nicht wohnen können, da sie dort infolge der Strömung, die dort herrscht, nicht leben könnten. Man müßte für die armen Juden auf der in der Nähe des Judenviertels gelegemn Gregorski-Straße billige Wohnungen errichten. Dort sind die Gründe auch sehr billig zu haben. Liga zur Bekämpfung des Mädchenhandels. Die Liga zur Bekämpfung des Mädchenhandels hat vor einigen Tagen in Lemberg ihre Filialtätigkeit eröffnet. Mit lobens vertem Eifer beteiligen sich vorwiegend Juden an dieser wichtigen sozialen Arbeit, sind es doch hauptsächlich die armen jüdischen Mädchen, die den Lockungen und Vorspiegelungen der Mädchenhändler, dieser Hyänen in Menschengestalt, zum Opfer fallen. In Czernowitz ist die Liga schon seit einiger Zeit mit großem Erfolge tätig. Wie viel es da leider zu tun gibt, geht aus einem der letzten Wochenberichte der Czernowitzer Filiale hervor, der auch deshalb von Interesse ist, weil er eine gerechte Klage gegen unsere jüdischen Hausfrauen enthält, die zum Teile an der traurigen Lage der jüdischen Mädchen der ärmeren Klaffe mitschuldig sind. Dieser Bericht sagt u. A. „In der vergangenen Woche haben wir an dieser Stelle über einen traurigen Fall berichtet, in welchem ein Mädchen von seinen Eltern, einem Musikkapellmeister, um den Betrag von 200 K auf die Dauer von drei Jahren förmlich verkauft wurde, und schon liegen uns andere zwei gleiche Fälle, ebenfalls Czernowitzer Kinder betreffend, zur Behandlung vor. Wenn nur die Hälfte dessen, was uns Mädchen, denen es geglückt ist, aus den Klauen dieser Bestien in Menschengestalt mit heiler Haut zu entrinnen und in die Heimat zurückzukehren, erzählen, Wahrheit ist, so ist es höchste Zeit, daß endlich energisch eine Aktion unternommen werde, damit diesem unter dem Deckmantel der Damenkapelle mit unseren Kindern im Oriente betriebenen Schandgewerbe ein Ziel gesetzt werde. Doch auch bei uns scheint es in dieser Hinsicht sehr traurig bestellt zu sein. Da erhielten wir vergangene Woche ein Dankschreiben von einem Mädchen, welches einer hierorts gastierenden Damenkapelle angehörte und nach bestandener langwieriger Krankheit von uns in die Heimat befördert wurde. In diesem von der Hand eines 17jährigen Mädchens herrührendcn Briefe heißt es unter Anderem: „Wenn Sie für die unglücklichen Mädchen, zu denen auch ich zähle, etwas tun wollen, so trachten Sie, daß den in Czernowitz spielenden Damenkopellen, die mit Animiermädchen arbeiten, die