Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 5 (31.1.1908)
- Date
- 1908-01-31
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 5 Dr. Llocb's MocbenscbrM. Seite 88 Moral geleitet werden." Unter diesem Aufruf prangen auch die Unterschriften folgender vier „Polen": Dr. Nathan Löwenstein, Dr. Josef Gold, Rudolf G a l l, Dr. Henryk K o l is ch er. Diese vier Herren sind angeblich als Vertreter der Juden Galiziens ins Parlament gewählt worden, oder haben wenigstens behauptet, im Parlament diese Juden vertreten zu wollen — natürlich vor der Wahl. So lange die Juden solche „Vertreter" aufzuweisen haben, wird man es den Polen nicht verübeln können, wenn sie die Juden verachten. Schließlich muß man sich doch erst selber achten, wenn man von anderen Achtung heischt! Korrespondenzen. Der Dank der Antisemiten an Rothschild. Wie erinnerlich, hat der vor zwei Jahren verstorbene Baron Nathaniel Rothschild in seinem Testamente zwanzig Millionen Kronen für die Errichtung einer allgemeinen Heilanstalt für Nervenkranke bestimmt, in welcher Kranke ohne Unterschied der Konfession Heilung finden sollten. Das Stiftungskuratorium ist ebenfalls interkonfessionell, wobei den Juden ein äußerst geringer Einfluß gewahrt wurde. Wie recht die einflußreichen Persönlichkeiten der Wiener jüdischen Gemeinde hatten, als sie — leider erfolglos Baron Rothschild von einer Stiftung abzubringen versuchten, die bei der heutigen Strömung den Juden wenig Nutzen bringen und dem Hause Rothschild nicht einmal den Dank der Herren von Wien eintragen würde, beweist die nachfolgende Stilblüte des unter dem Protektorate des Piusvereines erscheinenden Parteiorganes der Christlich- Sozialen, der „Reichspost". Diese leistete sich nämlich vorige Woche folgende Notiz: „Ein Rothschildspital in Ober-St. Veit. Den Bewohnern von Ober-St. Veit droht eine Gefahr, gegen die sie sich jedoch mit aller Energie und Ausdauer zu wehren gewillt sind. Es soll ihnen nämlich das unangenehme Geschenk eines Rvthschildspitales gemacht werden. Bedeutet schon die Errichtung eines Krankenhauses für einen Bezirksteil, der bisher zu den Sommerfrischen der Wiener zählte und sich in ein Villenviertel ansgestalten soll, an sich eine schwere Schädigung, so würde sie in diesem Falle doppelt nachträglich sein, denn die armen Bewohner von Ober-St. Veit würden damit der Gefahr einer totalen Verjudung ihrer hübschen Gegend ausgesetzt werden, die natürlich eine ganz erhebliche Verschlechterung aller Verhältnisse zur Folge hätte. Die zweifellos durchaus jüdische Aerzteschaft des geplanten Spitals würde eine Ansiedlung jüdi'cher Geschäftsleute im Orte zur Folge haben, die die seit Jahrzehnten ansässigen Inhaber der alten Geschäfte wenn nicht verdrängen, so doch schwer schädigen würden. Die Absicht, einen Bezirk, der Zu den besten Forts der christlichsozialen Partei gehört, durch die Anlage eins Rvthschildspitales zu verjuden, muß deshalb im Interesse der Bewohnerschaft mit allen Mitteln hintangehalten werden und deshalb find auch die bedrohten Ober-St. Beiter der Unterstützung aller maßgebenden christlichen Kreise gegen die Aufdrängung des bedenklichen Geschenkes sicher." Es ist wohl überflüssig, auf die „Moral" dieser Geschichte hinzuweisen. Sie schreit von selbst so gewaltig, daß man sie vielleicht auch in den Arbeitszimmern unserer Reichen hören und in Zukunft darnach handeln wird. Uuterstntzungsverein für jüdische Hochschüler aus Mähren und Schlesien in Wien, IX., Porzellangasse 22. Die Sorge um die Wohlfahrt und gedeihliche Entwicklung der Jugend sollte ernste Pfl'chk jedes sozial denkenden Menschen fein. Der jüdische Student ist gerade in der Zeit seines Studiums, der wichtigsten seines Lebens, d-e der Vorbereitung zum künftigen Beruf dient, gezwungen, sein Studium zu vernachlässigen, um seinen Unterhalt zu verdienen. Müde und abgehetzt soll er sich seinen Studien widmen, soll schwere geistige Arbeit leisten, während ihn die Sorge um sein materielles Fortkommen quält. Kann er dann, überreizt und verbittert, den wabrlich nicht geringen Anforderungen genügen, die an ihn gestellt werden? Eine Begleiterscheinung der stetig wachsenden Frequenz an unseren Hochschulen ist die Tatsache, daß auch die Zahl der unbemittelten jüdischen Studenten, und zwar unverhältnismäßig wächst. Die vorhandenen Wohltiitigkeitsinstitutionen genügen schon längst nicht, umso mehr, als der größte Teil derselben dem jüdischen Studenten völlig verschlossen bleibt. Es muß besonders hervorgehoben werden, daß der bestehende „Allgemeine Unter stützungsverei n", wohl zum größten Teile von jüdischem Gelbe erhalten, für jüdische Studenten aber wertlos ist. da die Berwaltung des Vereines deutschnational-antisemitischen Studenten llbertraaen wurde und Juden bis auf vereinzelte Fülle eine Unterstützung nicht erhalten oder überhaupt nicht zu verlangen wagen. Die Lage dieser jüdischen Studenten, die meist aus armen oder doch unbemittelten Fannlien stammen, rst viel schlimmer, als die ihrer arischen Kollegen; denn ihr Judentum ist ihnen bei Erlangung von Lektionen, Stipendien usw. hinderlich. Die mährisch-schlesischen Studenten bilden das zweitstärkste Kontingent der jüdischen Studentenschaft Oesterreichs. Es kann einem fühlenden Juden nicht gleichgültig sein, ob eine so stattliche Anzahl von Akademikern imstande ist, die jüdische Intelligenz würdig zu repräsentier-». oder ob sie mangels der notwendigen Unterstützung ihren Studien nicht Nachkommen knm und gezwungen ist, den guten Ruf von jüdischem Fleiß, Ernst und jüdischer Tüchtigkeit in Frage zu stellen. Der „U n t e r st ü tz u n g s v e r e i n für jüdische Hochschüler a u s M ähre n n n d S ch l e si e n in SBien" bat sich nach Muster der hier bereits besteh nden landsmannichastlichen Vereine gleicher Tendenz die Ausgabe gestellt, hier helfend und stützend einzugreifen. Jeder Jude, der sich ein warmes Herz und Jntereffe für jüdische Not bewahrt hat. muß nach Kräften dazu beitragen, dem Vereine die Erreichung reines edlen Zieles zu ermöglichen. Für den Ausschuß des Unterstützungsverein für jüdische Hochschüler aus Mähren und Schlesien. Der Schriftführer: Der Präses: M. U. Dr. Ignaz H. Körner Dozent Dr. Arthur Mahler. Carl Beer, Holleschau; Dr. Jakob Eben, Olmütz; Sigmund Fürst, Unq-Hradirch; I Ph. Glesinger, Teschen; Dr. Alois Hilf, Mähr.- Ostran; San uel Jellinek, Gaya; Ignaz Knöpfelmacher, Kremsier; Dr. Ludwig Körner. Göding; Adolf Lieblich, Jglau; Karl Löw. Prerau; Jaques Mayer, Proßnitz; Josts Markus. Wagstadt; Dr Albert Mayer, Freistadt; Gustav Neubamr, Eibenschitz; Kais. Rat Dr. S. U. Perl, Neutitichein; Josts Polen*. Mislitz; Salomon Pollak, Bielitz; Alois Reik. Friedet; I. U. Dr. Josef Rain, Mähr.-Weißkirchen; Dr. Sigmund Rosenfeld, Znaim; Dr. Theodor Sonnenschein, Troppau; Davib Sp-tz-r, Leipnik; Dr. Salomon Spitzer, Brünn; Josef Taußig, Trebitsch; Tr Sigmund Weiß, Boskow'tz; Dr. Gustav Zweig, Proßmtz; Zweck des Vereines ist nach § 2: Der Verein bezweckt die Förderung und Wahrung des materiellen Wohles der jüdischen Hochschüler. Der Zweck wird erreicht durch: a) V-rleibung von Geldunterstützungen, b) Gewährung von Beiträgen zu Prüfungs- und Promotionstaxen, e) Zahlung von Kollegiengeldern, ci) K-wälirung von unverzinslichen Darlehen an mittellose ordentliche Mitglieder. e) Gewährung von Speisemarken, D leihweise Ueberkassunq von Studienbehelfen, g) Eintragung von mittellosen, ordentlichen Mitgliedern in den „Verein zur Pflege kranker Studierender in Wien", h) Stundnivermiltlung. § 5. M tglieder des Vereines sind: a.) Stifter mit einem einmaligen Beitrage von K. 460.— b) Gründer „ „ Beitrage von K. 50.— e) Förderer „ Mindestbeiträge von K. 4.— d) Mitglieder (Hochschüler) mit einem Jahresbeiträge von K. 4.- Orthodoxe Kaufleute beim ung. Handelsminister. Budapest. Montag, vormittags 11 Uhr, begab sich eine Deputation jüdisch-orthodoxer Kaufleute zum Handelsminister Franz Kossuth und zum Staatssekretär Josef Szterenyi, um in Angelegenheit der Schaffung des Sonntagsruhegesetzes ein Memorandum zu überreichen. An der Deputation nahmen teil: der Redakteur der „Allgemeinen jüdischen Zeitung" Leopold G r o ß b e r g, die Kaufleute Ignaz I u n g r e i s (Lörincz), Ignaz K a l i s ch (Galänta), Jakob Brück (Bonyhäd). Jakob Stern (D.-Szerdahely), Hermann Steiner (Nyitra), Sigmund Gestettncr