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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-01-24 · 4 (24.1.1908) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
4 (24.1.1908)
Date
1908-01-24
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 4 Dr. Llocb's MocbenscbrM. S«tte 87 während zurückgeht. Während im Jahre 1897 von den Verurteilten O'310/o Juden waren, waren es im Jahre 1902 bloß noch 012% und 1905 011%. Dr. Wadler macht hiebei noch auf den Umstand aufmerksam, daß das Hajdukenunwesen in Serbien „die Inanspruchnahme der Gerichte. gefährlich macht". Dies und die Rassenverschiedenheit berücksichtigend — Umstände die statistisch nicht mehr meßbar find — kommen wir bezüglich der kriminellen Belastung der Juden zu einem noch günstigeren Ergebnis. Auch in Bulgarien kann die Verfehligkeit der Juden eine günstige genannt werden. Auf die Juden entfallen dort 0'9% der Einwohnerzahl, während von den in die Gefängnisse eingelieferten Delinquenten nur 0'78% Juden waren (im Durchschnitt der Jahre 1899—1906). In Rumänien bleibt der Anteil am Verbrechen ebenfalls durchwegs weit hinter dem Anteil der Bevölkerung zurück. Denn von den wegen Verbrechen Angeklagten waren im Durchschnitt der Jahre 1869—1898 1'87% Juden und von den wegen Vergehen und Uebertretungen Angeklagten im selben Zeiträume 3*72%/ während es dort 4'6% Juden gibt. Ungünstig jedoch ist die Kriminalität der Juden in Bosnien'tzerzegowina. Hier weisen die Juden die größte kriminelle Belastung auf. Dies ist jedoch -auf die übermäßige Beteiligung der Juden an den Vergehen zurückzuführen, „eine Erscheinung, die in der Kriminalität der Juden mit bemerkenswerter Regelmäßigkeit wiederkehrt". Es ist jedoch zu bemerken, daß auch da die Zahl der jüdischen Verbrecher zurückgeht, während sie sich im Allgemeinen in den Jahren 1900 bis 1904 in aufsteigender Linie bewegt. An Verbrechen im engeren Sinne find sie nur mit 0'29% beteiligt (1904), während sie 0'52% der Einwohnerzahl ausmachen. Absolut ist also ihre Kriminalität zwar nicht günstig, relativ jedoch — und das ist das Entscheidendste — zufriedenstellend. Agram (Jubiläum des Oberrabbiners D r. I a c o b i.) Die hiesige israelitische Kultusgemeinde beging kürzlich das vierzigjährige Amtsjubiläum ihres Seelsorgers, des Oberrabbiners Dr. Hosea I a c o b i, in besonders würdiger Weise. Um halb 11 Uhr vormittags fand in der Synagoge ein feierlicher Gottesdienst statt. Der Jubilar wurde von den Tempelvorständen Samuel Ornstein und Anton Kohn abgeholt und am Eingänge des Tempels von den Mitgliedern des Ausschusses der Kultusgemeinde mit den beiden Vizepräsidenten k. und k. Hofbaumeister Leo Hönigsberg und Advokat Doktor Dragutin Goldmann an der Spitze (Gemeinde-Präsident kön. Rat Josef Siebenschein war durch Krankheit am Erscheinen verhindert) erwartet. Nach der Begrüßung des Jubilars seitens des ersten Vizepräsidenten Hönigsberg geleitete der Ausschuß den Oberrabiner unter Musikklängen zu seinem dekorierten Sitze, woraufder Gottesdienst in folgender Ordnung abgehalten wurde: Psalm 118; Festpredigt des Oberrabbiners; Gebet des Oberkantors; Gebet des Oberrabbiners; Festgesang „Talmide chachomim". Die Festrede des Jubilars war ein Kabinetstück der Rhetorik. Die Gesänge wurden unter Chor- und Orgelbegleitung von dem Komponisten derselben Oberkantor Rendi mit bekannter Meisterschaft exekutiert, der auch das von ihm vorgetragene hebräische Gebet verfaßt hatte. Dem Gottesdienste wohnten u. A. an: Se. Exzellenz Korpskommandant FML. R. Gerba, Generalstabschef Oberst Eduard Zanantoni, Banalrat Dr. Nikodem Jaksic, Sektionsrat Miloust Smodic, Landesschulinspektor Franz Krema, Bürgermeister' Dr. Amrus mit den Senatoren Katkic und Seifert, Polizeichef V. v. . Belosevic, Stadtpfarrer Peter Mrzljak, Paroch Ambrozije Pavlovic, Pastor Beyer, ferner die Rabbinen und Vorsteher fast sämtlicher Kultusgemeinden Kroatiens-Slavoniens, die Direktoren und Profesioren sämtlicher Lehranstalten Agrams usw. Nach dem Gottesdienste fanden die Gratulationen in der Wohnung des Oberrabbiners ' statt. Es gratulierten: die Kultusgemeinde unter Führung der beiden Vizepräsidenten Leo Hönigsberg und Dr. Goldmann, die das kostbare Ehrengeschenk und die prachtvoll ausgestattete Adresse der Gemeinde überreichten; die Rabbinen aller Gemeinden Kroatiens und Slavoniens unter der Führung des Oberrabbiners Dr. Ignatz Ernst Warasdin; die Vorstände auswärtiger Gemeinden unter der Führung des Esieker Vorstehers Dr. Hugo Spitzer; die Vereine: Chewra-Kadischa unter Führung des Präsidenten Jonas Alexander,, der israel. Frauenverein unter Führung der Präsidentin Hermine Weiß und des Sekretärs Edmund Friedfeld, Chewra-Gemiluth-Chaffodim unter Führung des Herrn Samuel Ornstein, „Talmud-Thora" und isr. kroat. literarischer Verein unter Führung des Sekretärs Prof. Doktor Gavro Schwarz, der Beamten- und Lehrkörper der Gemeinde unter Führung des Gemeindesekretärs Oberkantor Josef Rendi, die Redaktion der „Smotra" (Alexander Licht); der Universitäts- Verein (Karl Steinhardt); der literarische Klub der jüdischen Jugend unter Führung der Obmänner Hans Stern und Walter Rendi, die Volksschüler unter der Führung des Lehrers Adolf Weiß und das Festkomitee unter Führung des Obmannes Prof. Dr. D. Segen. Der Jubilar dankte allen Deputationen in gerührten Worten. Abends fand im großen Saale der Bürg. Schießstätte ein Festbankett statt, an dem eine zahlreiche Gesellschaft teilnahm und wobei es an Ovationen für den hochverdienten Jubilar nicht fehlte. Agram. (Josef S i e b e n s ch e i n.) Wehmütige Trauerklage ertönt in unserer Gemeinde ob des gewaltigen Verlustes, den ihr der Tod geschlagen, der ihren langjährigen Führer Josef Sieben schein Mittwoch am 15. Jänner aus dem Garten des Lebens entwurzelt hat. Mit ihm sank ins Grab ein Mann rastloser Arbeit, unermüdlichen Schaffensdranges, unverfiegender Begeisterung für die Wohlfahrt und Blüte der Gemeinde, für die Ehre des Judentums. Mit fester Hand ergriff er das Steuer der Gemeinde noch als Jüngling, mit Energie und Umsicht führte er es dreißig Jahre hindurch als gereifter Mann und erfahrener Greis, ein Steuermann mit festem Ziele, mit weitreichenden Plänen, Großes wollend. Dauerndes anstrebend, reich an eigenen Ideen und Anregungen anderer aufnehmend. Mit tiefem Verständnis für die großen Aufgaben der ersten jüdischen Gemeinde in Kroatien, der die Wahrung der Ehre des Judentums unseres ganzen Landes anvertraut ist, die mit ihren Institutionen den übrigen Gemeinden beispielgebend voranschreiten muß, vereinigte er ernsten Sinn für alle Geringfügigkeiten des Gemeindelebens, achtete er behutsam auf all die kleinen Schrauben in der großen Maschine, auf all die kleinen Teilchen im großen Organismus der Gemeinde, damit keines vernachlässigt werde und Schaden bringe. Ein Mann unerbittlicher Pflichttreue, peinlicher Gewissenhaftigkeit, musterhafter Ordnungsliebe und unendlicher Arbeitslust, war er nicht der Repräsentant, sondern der wahre Leiter und Führer der Gemeinde von Erfolg zu Erfolg schreitend, ihr Ansehen werbend nach Außen, sie stärkend, ausbauend und entwickelnd nach Innen. Was die Agramer Gemeinde seit 1875, da Josef Siebenschein mit 37 Jahren zum ersten Male Präsident wurde, geworden ist, ist sein Verdienst, die Frucht seiner Wirksamkeit. Damals eine bescheidene, von Parteien zerklüftete, an Mitteln arme, mit Institutionen mäßig versehene — heute eine große, geeinigte, reiche, mit vielen Anstalten ausgestattete Gemeinde; damals für sich lebend ohne Zusammenhang mit den anderen Gemeinden, ohne Interesse für die Strömungen und Bewegungen des Gesamtjudentums — heute die Führerin der kroatischen Gemeinden, in innigem Zusammenhänge mit allen bedeutenden Erscheinungen und Bestrebungen des Judentums. Das ist das Werk Josef Siebenfcheins. Sein Lob verkünden die wachsenden Finanzen, der mustergiltige Haushalt der Gemeinde, eine blühende Schule, ein wohlgeordneter Religionsunterricht in den Mittelschulen mit der Talmud-Thoraschule; seiner kräftigen Unterstützung, seiner Begeisterung für alle Ausstrahlungen des jüdischen Lebens verdanken ihr Aufblühen alle Anstalten unserer Gemeinde, ob sie der Wohltätigkeit dienen oder ob sie die Erziehung der Jugend im jüdischen Geiste fördern. Am frischen pulsierenden Leben, das heute in unserer Gemeinde herrscht, hat er regen Anteil genommen, nicht etwa nur mit Beiträgen, sondern persönlich, begeistert und durchglüht von Eifer und Liebe für das Judentum, für dessen Fahne er

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