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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-01-17 · 3 (17.1.1908) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
3 (17.1.1908)
Date
1908-01-17
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Dr. Lloco s Mocvenscbrlll. Lr. » Bäte £4 höher steigen ließ und schon wenige Jahre nach seinem Einritte zum Disponenten seines großen Geschäftshauses ernannte. Zn dieser Stellung war es ihm vergönnt, mit Esterka in Bciefverkehr zu bleiben. Das Berliner Haus stand mit Benzion in regem Geschäftsverkehr und in stetem Briefwechsel. Die Briefe, die Esterka im Namen des Vaters und Siegmund in Vertretung des Geschäftes besorgten, beschränkten sich zwar nur auf das Geschäftliche, aber es machte sich von selbst, daß hin und wieder ein wärmerer Ton durchleuchtete, der nur den beiden verständlich war. Später konnte Sügmund auf seinen Reisen nach Galizien einigemale ganze Stunden in der Nähe Estcrkas verweilen, denn, so oft er seine Mutter besuchte, fand er Anlaß, bei Benzion als Geschäftsfreund vorzusprechen, und da es sein materielles Jniereffe erforderte, nahm dieser gar keinen Anstoß daran, daß Siegmund r ft stundenlang neben seiner Tochter saß, um alle Rechnungen zu ordueu. So entfachte sich die ft it frühen er Kindheit in ihnen keimende Neigung zur hellen Liebesflamme, und ohne daß ne es ausiprachen, wußten sie, daß sie einander fürs Leben angehören . . . Esterka fand in ihrer Mutter eine treue Verbündete, welche mit ganzem Herzem die Vereinigung ihrer Tochter mit Siegmund ersehnte. Sie versuchte es wiederholt, ihren Gatten dafür zu gewinnen, jedesmal aber erhielt sie eine derbe und heftige Zurechtweisung, sich nicht um Dinge zu kümmern, die sie nichts augingen. Warum Benz on mit solcher Entschiedenheit gegen diese Partie sich auflehnte, wurde bereits früher angedeutet. Anfangs suchte er sich und andere glauben zu machen, er sei deshalb gegen Siegmund eingenommen, weil dieser, in einer Weltstadt lebend, ihm als Schwiegersohn nicht fromm genug wäre. Aber diese Ausflucht konnte nicht lauge herhalten, denn Siegmunds Frömmigkeit und Anhängigkeit an die Glaubensgenossen trat unzweifelhaft zutage. Das ganze Städtchen erfuhr daß Siegmunds Chef, ein vielfacher Millionär, ihm die Hand seiner einzigen Tochter und die Uebergabe seines großen Geschäftshauses angeboten habe, falls er den Glauben wechsle, daß Siegmund aber diese Zumutung mit aller Entschiedenheit zurückgewicsen habe, weil er mit jeder Fiber seines Seins an der Religion der Väter hing. Trotzdem er die Gesinnungen Benzious kannte, ließ Siegmund nicht ab, sich durch verschiedene Leute ihm auzutragen, übrigens drängte auch die Mutter Esterkas trotz der heftigsten Verweise immer wieder darauf, daß Siegmmid der würdigste Bräutigam für ihre Tochter sei. Ganz so leicht, wie er sichs gedacht, vermochte Beuzion also Siegmund nicht abzuschütteln, und um der Sache mit einem Schlage ein Ende zu machen, veranlaßte er Benjamin Höcker, seinen einzigen Vertrauten, insgeheim eine Partie für seine Tochter zu unterhandeln. Ist Esterka erst einmal Braut, kombinierte er, dann werde sie sich schon fügen, denn, wie er seine Tochter kannte, werde sie es nicht wageu, gegen den Vater sich aufzulehnen, und die „dumme Liebelei" sich aus dem Kopfe schlagen. Glücklicherweise witterte der rothe Jtzig Hersch, der f'üher der ganzen Angelegenheit fernstaud, daß der ihm verhaßte Benjamin Höcker jetzt auf allzuvertrautem Fuße mit Beuzion verkehre; er nahm sich fest vor, diesen Vertraulichkeiten auf den Grund zu kommen und dann die Pläne seines Gegners, gleichviel um was es sich handelte, zu durchkreuzen. Durch welche Mittel es dem schlauen Patron gelungen, den geheimen Anschlägen auf die Spur zu kommen, hat der Leser bereits erfahren . . . Von jenem Augenblicke au bildete Beuzion. ohne daß er es ahnte, nur eine willenlose Schachfigur, um welche zwei heftige Gegner mit einander kämpften. Als Esterka von dem roten Jtzig Hersch erfuhr, was ihr Vater gegen sie im Schilde führe, fühlte sie sich wie vernichtet. Wohl war sie an die Roheiten des Vaters gewöhnt, aber daß er sie wie einen Ballen Ware an den erst Besten verschachern würde, nein, das hätte sie nicht erwartet! Aber was jetzt beginnen? Ihren Vater zur Rede zu stellen, chm mit aller Entschiedenheit offen zu erklären, daß sie keinem andern als Siegmund angehören werde, dagegen sträubte sich in ihr ein angeborenes Gefühl von kindlicher Scheu. Der Angelegenheit ihren Lauf lassen, war sehr gefährlich, wie leicht könnte sie eines schönen Tages von ihrem Vater mit der Mitteilung überrascht werden, sie sei Braut, und dann Widerstand leisten, würde erst recht zu öffentlichen Szenen führen, welche sie lieber nicht erleben mochte. Aus dieser verzweifelten Ungewißheit befreite sie ihre Mutter, welche für sie den Kampf aufuahm. „Du Haft jetzt sehr häufig Besuch. Benzion", begann die kluge Frau, als sie zusammen bei Tische saßen. „Welchen Besuch meinst Du denn?" „Den wackern Reb Benjamin Höcker." „Dich haben diese Besuche nicht zu kümmern!", brummte Benzion mißtrauisch werdend. „Ich fürchte, daß sie mich sehr viel zu kümmern haben." „Wieso?" „Weil sie unser"Kind betreffen." „Steck Du nur nicht überall Deine Nase hinein", brauste er auf, „das ist meine Sache!" „Auch meine", beharrte sie. „Was?!", schnellte er auf, „glaubst Du, ich werde das dulden?!". „Und Du Töchterchen", wandte er sich in schäumendem Zorne an Esterka, „willst Du vielleicht auch mir etwas in dieser Sache hineiureden?" „Und hätte ich, lieber Vater, nicht auch das Recht dazu?", fragte Esterka durch seine Herausforderung mehr Mut fassend. „Ha, ha, ha!", höhnte Benzion in erzwungenem Lachen, indem er sich wieder in seinen Sessel sinken ließ, „das wäre eine schöne Geschichte! . . . Und wen möchtest Du denn zum Bräutigam haben?" „Siegmund Reifmann!" Benzi'on sprang wie ein gereizter Wolf auf. „Siegmund Reifmann?!" knirschte er, „hörst Du Mädel, nennst Du mir noch einmal diesen verhaßten Namen, dann raufe ich Dir das Haar aus und schlage Dich braun und blau!" Die arme Esterka fürchtete, daß der gereizte Vater seine Drohung zur Wahrheit machen werde und flüchtete weinend in ein anderes Zimmer. Ihrem Beispiele folgtdie Mutter, welche die Wutausbrüche ihres Gatten nicht minder fürchtete. Wie besessen raste der alleingebliebene Benzion du-ch das Zimmer und ließ die wilde Wut an seinem Barte aus, den er mit den zitternden Fingern zerwühlte und mit den Zähnen arg zerkaute. Auf einen so hartnäckigen Widerstand von Frau und Tochter, zu deren Einschüchterung sonst immer ein verweisendes Wort genügte, war er durchaus nicht gefaßt! Dem mußte ein Ende gemacht werden, aber schnell, sehr schnell... In verhaltenem Grimm trommelte er an die Fensterscheibe, da ließ sich an der Türe ein Hüsteln und Scharren vermhmen und eine Minute später stand ein spindeldürres Männlein mit einer höckerigen Schulter vor ihm. „Gott gebe Ihnen einen guten Tag", wisperte das Männlein unterwürfig. „'n Tag!" wetterte Beuzion zum Gegengruß. „Warum denn so unmutig, Rib Beuzion?" „Weil ich Grund dazu habe!" polterte dieser. „Aber Rib Beuzion", schmeichelte der Höckerige, „ich sollte glauben, daß Sw Grund haben, lustig zu sein!" „Und warum lustig?" „Wir feiern ja bald mit Glück die Verlobung Ihrer Tochter — bei Rib Leibisch Rebhuhn ist alles in bester Ordnung." „Aber bei mir nicht." „Wieso denn Rib Benzion?" „Dieser verfluchte Reifmann steckt mir wie ein Bein im Halse! Jetzt mengen sich mir auch schon die Weiber hinein!"

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