Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 3 (17.1.1908)
- Date
- 1908-01-17
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 48 Nr. 8 Dr. LLmr^s WmtzenjchrM» Ausführungen aller dieser Herren kommt die Indignation zum Ausdruck, die darüber besteht, daß Sonderbestrebungen der Landesverbände auf die Interessen des Verbandes schädigenden Einfluß nähmen. Hierauf gelangt folgende von Rabbiner Dr. Rosenmanu vorgeichlagene Resolution zur einstimmigen Annahme: „Die Generalversammlung beschließt: Es sei unter Berücksichtigung^der Bestrebunaen der einzelnen Landesverbände im Jnteiesse des Standes ein Zusammenwirken mit denselben anzustreben." Bor den Wahlen erklärt Prof. Dr. Pollak, daß er nach lLjahriger Tätigkeit als Schriftführer infolge mehrfacher' Ueberbürdung durch Amtsobliegenheiten beim besten Willen nicht mehr in der Lage fei, die Schriftführung übernehmen zu können. Er dankt für das bisher ihm entgegengebrachte Vertrauen und verspricht, auch fernerhin im Interesse veS Verbandes zu wirken. - ie Wahlen ergaben: Obmann: Rabbiner Inspektor Dr. Feuchtwang; Schriftführer: Dr. M. Rosenfeld; Ausschußmitglieder: Prof. Dr. Goldhammer, Prof. Dr Griiufeld, Rabbiner Dr. LazaruS. Rabbiner Dr. Proßuitz, Prof. Inspektor Kunitz, Rabbiner Dr. Rosenmann und Prof. Dr. Weiß. Zu Revisoren wurden Rabbiner Dr. Bauer und Prof. Kollek gewählt. Im Namen aller Mitglieder dankt Prof. Dr. Griiufeld dem Vorsitzenden für sein hingebungsvolles Wirken im Interesse de« Verbände«, womit die VormittagSsttzung geschloffen wird. In Fortsetzung der Tagesordnung erteilt der Vorsitzende am Abend in Anwesenheit zahlreicher Gäste, darunter Ehrwürden Oberrabbiner Dr. Güdeman«. Lektor M. Friedmanu, Vize-Präsident Landesschulrat Dr. Gustav Kohu und viele Vorstandsmitglieder der israel. Kultusgemeinde, Herrn Prof. Dr. Weiß das Wort zu seinem anderthalbstündigen Vortrage: „Hebräisch in der Mittelschule". Der ausgezeichnete Vortrag über deffen Inhalt in voriger Nummer ausführlich berichtet wurde, erregte, wie die lebhafte Teilnahme an der Diskuffion zeigte, dar größte Interesse der Zuhörer. Es ergriffen das Wort Oberrabbiner Dr. Güdeman«, M. Paul-Schiff, Landesschulrat Dr. Gustav Kohu, Rabbiner Dr. David, Dr. Max Winteruitz, Lektor Friedman«, Dr. Löhner und Prof. Dr. Grünfeld. Der Vorsitzende erwiderte jedem der Redner und konstatierte daß die DiSkuffion sich auf der Höhe des Vortrages gehalten habe und daß die Versammlung im Wesen mit dem Vortragenden übereinstimmte. Nach einem Schlußworte der Herrn Landesschulrates Dr. Gustav Kohu, worin er im Namen des Kultusvorstander dem Verbände den Dank aussprach und erklärte, denselben jederzeit fördern und stützen zu wollen, schloß Rabbiner Dr. Feuchtwang den VI. Verbandstag. Nach ernster Arbeit vereinigre die Festteilnehmer ein gemütlicher Abend in Kuhners Lokalitäten. (Eiugesendet) Brünn, 12. Jänner 1908. Geehrter Herr Redakteur! In dem Berichte über die Verhandlung der Frage „Hebräisch in der Mittelschule" an dem am 30. Dezember 1207 abgehaltenen Verbandstage der Religionslehrer sind meine Worte nicht ganz richtig wiedergegeben worden. Ich sagte, es sei nicht der richtige Standpunkt, wenn man alle Schuld an Mißerfolgen dem Lehrer zuschreibe, wie dies auch von den meisten meiner Vorredner geschah, sondern der Kampf gegen das Hebräische entstamme derselben Wurzel, wie der gegen die altklassischen Sprachen. Man betrachte diese, sowie noch manche andere Gegenstände als Ballast. Denn man wünsche, daß die Mittelschule fürs p-attische Leben erziehe. Aufgabe des Lehrers sei es, in der Jugend Begeisterung und Idealismus zu erwecken, wa» bei den heutigen Verhältnissen sehr schwer ist. Mit der B-tte, diesen Zeilen Aufnahme in die nächste Nummer Ihrer gesch. Blatter zu gewähren, zeichnet hochachtend Dr. M. G r ü n f e l d. Generalmajor Ritter von Schweitzer Mitglied einer jüdischen Gemeinderepräsentanz. Be! der jüngst stattgehabten Neuwahl der Budapester Gemeinderepräsentanz wurde auch der,pensionierte Generalmajor Eduard Ritter von Schweitzer in die Repräsentanz gewählt. Generalmajor von Schweitzer hat. wie noch erinnerlich, aus dem Grunde um feine Pensionierung angesucht, weil ihm seinerzeit recht deutlich nahegelegt wurde, daß er bereits die höchste Stufe erreicht habe, die ein Jude, ohne seinen Glauben aufzugeben, beim Militär erreichen könne. „Exzellenz" könne ein Jude in der österreichisch-ungarischen Armee nicht werden. Generalmajor Schweitzer hat noch während seiner aktiven Dienstzeit sich gerne mit den Angelegenheiten seiner Glaubensbrüder, so wett dies im Dienste zuläffig war, beschäftigt. Sei seiner Pensionierung lebt er in Budapest und nimmt an den jüdischen öffentlichen Angelegenheiten regen Anteil. So wurde er auch in den von der Regierung eingesetzten (Budapester) israelitischen Gemeindedistrikt entsendet. Em Preisausschreiben über Palästina. Die Ungarische israelitische Gesellschaft hat aus der in ihrer Verwaltung stehenden Kunewalder-Stiftung eine Preiskonkurrenz ausgeschrieben. Es wird die „Geschichte Palästinas von der Zerstörung de» zweiten Tempels bis . zu unserer Zeit mit besonderer Berücksichtigung seiner jüdischen Bevölkerung und seiner Beziehung zur jüdischen Diaspora" verlangt. Einreichungstermine: 1. Juni 1911. Der Preis beträgt 100 Dukaten und wird im Sinne der letztwilligen Verfügung des Stifters nur an Juden ausgefolgt. Die Arbeit soll volkstümlich und so gehalten sein, daß sie erwachsene Juden beiderlei Geschlechtes zur Lektüre dienen könne und geeignet sei, das jüdische Wiffen zu fördern und das religiöse Gefühl der Juden zu heben. Der Preis wird nur einer selbständigen Arbeit zugeurteilt werden. Die Arbeit bildet daS Eigentum des Verfassers, doch fällt das Eigentumsrecht der Gesellschaft zu, wenn der Verfasser seine preisgekrönte Arbeit nicht innerhalb eines JahreS nach Zuerteilung des Preises selbst herauSgibt. In diesem Falle erhält der Verfasser 100 Freiexemplare deS von der Gesellschaft herausgegebenen Werkes. Die mit einem Motto versehenen und von fremder Hand niedergeschriebenen Konkurrenzarbeiten sind an den Präsidenten der Gesellschaft, Budapest, V. XLäor-utor» Nr. S zu senden. Merau. Am 19 Dezember 1907 fand die konstituierende Versammlung des Vereines „Asyl für mittellose kranke Israeliten" in Meran statt. In den Vorstand traten gemäß den Statuten ein: als Präsident Fr. Stransky, Banquier in Meran, und die Kuratoren der Königswarterstiftung die Herren Sanitätsrat Dr. R. Hausmaun, Gustav Katzenstein, Dr. Kares, Gustav Nie in Meran. Bei der Versammlung wurden in den Vorstand gewählt: die Herren Dr. Wilh. Herfch, Meran, Kommerzialrat M. Joß, Prag. Jonas LöwBeer, Brünn, Dr. Viktor Pick und Karl Zinner, Meran. Zum geschäftsführenden Vize-Präsidenten wurde Herr Dr. Wilh. Herfch gewählt. Als Revisoren wurden per Akklamation bestimmt: die Herren Heinrich Guttmanu, Meran, und Josef Kraus, Prag. Weiters wurde die Wahl von zehn Schiedsrichtern vorgenommen und nachdem noch von Herr« Dr. Hersch ein Bau- und Kaffabericht erstattet worden ist, wurde die Versammlung geschloffen Dieser Verein, der nun in Meran seine Tätigkeit entwickelt, hat innerhalb sechs Monaten an 800 Mitgliedern geworben und hat in dieser kurzen Zeit über 100.000 K Spenden gesammelt. Das war allein nur dadurch möglich, daß die Tendenz dieses Vereines eine rein humanitäre und rein internationale, das gesamte Judentum umfassende ist. In Meran besteht wohl ein kleines Asyl, in welchem brustleidende Glaubensgenossen aus aller Herren Länder ausgenommen werden, doch müssen 3Ö0 bis 400 Gesuche jährlich abgewiesen werden, weil i« diesem kleinen Hause kein Platz ist. Dieser Verein, der sich nun am 19. Dezember r907 konstituierte, hat es sich zur Aufgabe gemacht, dieses kleine Asyl zu vergröbern, dasselbe gemeinsam mit den Kuratoren der Königswarterstiftung auszngestalten und zu verwalten und so die Not vieler armer kranker Glaubensgenossen zu lindern. Der Bau ist unter Dach, er kostet mit der Einrichtung 460.000 K; zu diesem Betrage fehlen ~ uns noch 160 000 K, zur Erhaltung dieses Asyls sind jährlich 85.000 K nötig. Der Verein wendet sich nun an alle Glaubensgenossen mit der Bitte, Baubeiträge zu spenden und dem Vereine al» Mitglieder beizutreten, damit er das erbaute HauS auch zu erhalten im Stande ist. Wir sind gewiß, daß es auch der Wohltätigkeit aller Menschenfreunde, an welche wir hiermit appellieren, gelingen wird, dieses überaus humanitäre Werk zu vollenden, zum Heile des gesamten Judentums und zum Wähle vieler hunderter von kranken Glaubensgenossen, deren Not wir lindern und von denen wir viele wieder ihrem Berufe zuführen. Berlin. Eine große Volksversammlung veranstaltete die Berliner Zionistische Vereinigung im Anschluß an die Tagung des Großen Aktionskomitees in den Sophiensälen. Jedes verfügbare Plätzchen im Saal und auf den Galerien war besetzt, alle Gänge gefüllt, und nur dem Fehlen der Polizei war es zu danken, daß der Saal nicht vorzeitig gesperrt wurde. Mindestens 1500 Personen harrten der Eröffnung. Als Präsident W o l f ss o h n den Saal und die Tribüne betrat, wurde er von einer spontanen, stürmischen Ovation begrüßt. Dr. Hantle eröffnete die Versammlung, hieß die fast vollzählig erschienenen Mitglieder deS Großen Aktionskomitees willkommen und warf einen kurzen Blick auf die Entwicklung unserer Bewegung in Berlin. Präsident Wolffsohn, wieder von minutenlangem Beifall empfangen, sprach dann von unseren bisherigen Erfolgen, unseren Aussichten, unseren Zielen. „Man sagt uns, Ihr habt euch gemausert, ihr seid vernünftiger geworden. Das ist wahr; aber nicht nur wir, sondern auch die andern. Das jüdische Bewußtsein ist gewachsen durch unsere Arbeit", lieber unsere politischen Aussichten sprach sich der Präsident recht hoffnungsvoll auS. „Mehr und mehr beginnt jetzt auch die türkische Regierung einzusehen, daß nicht nur für unS, sondern auch für sie unsere Bewegung von großem Nutzen ist. Meine letzten Verhandlungen in Konstantinopel haben mir gezeigt, daß unsere Arbeit keine Utopie, sondern eine erreichbare Möglichkeit ist. Wenn wir nur recht wollen, wird es kein Märchen sein. Ich hoffe, daß wir selbst mit unseren Augen es noch sehen werden, das Aufblühen unseres Landes, die E^M'mg unseres Volkes". Nachdem -der