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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-01-17 · 3 (17.1.1908) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
3 (17.1.1908)
Date
1908-01-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 8 Dr. Llocd's TKHocbcnscbriff, SrAe 47 einschließlich der drei Herren im Priesterkleide, welche seitwärts deS Almemor platzgenommen batten. Wie ich später wahrnabm: ein Rabbiner, ein Vorleser, und einer, dem die Aufgabe zusiel. aus der Tbora einen aus etwa zehn Worten bestehenden Ab'atz hebräisch abzuteien - sämtliche drei fromme Herren natürlich ohne Kopfbedeckung. Nun kam der Gottesdienst, der, wie der Rabbiner Löwy in Paris glauben machen will, ganz besonders die Eignung besitzen soll, den Zuhörer zu erbauen und - Synagogen zu füllen. Cbor und Orgel besorgen den gesanglichen und musikalischen Teil. Der Vorleser liest einige Gebete und Psalmen in deutscher Uebersetznng wie ein Schuljunge, der sein Pensum aufsagt. Farblos, uninteressant, für den Zuhörer langweilig. Ein einziger Absatz wird im hebräischen Texte vorgelesen: Das „Schema Israel . . dann aber gleich ins Deutsche übersetzt. Die gleiche Ehre wird dem Absätze zuteil, den der zweite Vorleser aus der Thora liest. Und als würde damit die Heiligkeit der Handlung verletzt worden sein, eilt der Vorleserkollege mit der deutschen Uebersetzunq herbei, um den hebräischen Satz ins Deutsche zu übertragen. Darauf beschränkt sich das Lesen der Thora! Endlich besteigt der Rabbiner die Kanzel. Eine Konfirmationsrede, für jeden Tempel pissend, schön, vernünftig, nicht uninteressant. aber salbungsvoll. —dem Milieu entsprechend. Ein Hymnus. Die Vorstell . . ., pardon, der Gottesdienst ist zu Ende. So sieht daS Wunder aus, von deffen Wirkung Herr Rabbiner Lömy erwartet, „daß der Gläubige nach diesem Gottesdienst den Tempel verlassen wird, beseelt und getragen von den besten Absichten, mit dem Blick in eine leuchtende Zukunft und einem reinen Ideal im Herzen!' Beim Verlassen des Gotteshauses sah mich mein Freund fragend an: „Welchen Eindruck haben Sie gewonnen?" Ich erwiderte! „Ich gla ibe, in einer Vorschule für — die Taufe gewesen zu sein." _ Ed. Singer.^ Ein Muster-Renegat. Halle a. S. Als ein Zeichen der Zeit, das in den weitesten Kreisen bekannt zu werden verdient, sei hier ein Vorfall besprochen, dessen erster Abschnitt sich in Torgau, dessen Vor- und Nachspiel sich hier abspielte. Die Söhne eines hier wohnenden Pferdehändlers haben sich, obgleich sie Barmizwa geworden, ja, die Eltern sogar zur Erinnerung an dieses Familienereignis ein Porauches mit dem Namen des ältesten Sohnes, Kurt geheißen, der Synagoge gespendet hatten, taufen lassen. Das ist auch hier kein unerhörtes Ereignis mehr, man nimmt es aber nicht mehr so tragisch wie in früheren Jahren. Nachdem Kurt W. „Christ" geworden, Jura studiert, zum Referendar avanziert und nach Torgau versetzt worden war hielt er es an der Ze.it, sein Christentum so ostentativ zu betonen, daß die Rangbeförderung nicht ausbleiben konnte. Sc benutzte denn der „Neochrist" aus Halle vor einigen Wochen die erste beste oder richtiger, wie sich nachher herausstellte, die erste schlechte Gelegenheit, um auf die Juden in gemeinster Weise zu schimpfen und ihnen alles erdenklich Schlechte nachzusagen. Es geschah bei einem offiziellen Essen, an welchem, wie erzählt wird, auch Offiziere teilnahmen, daß der ehrenwerte Exjude und Referendar Kurt W., deffen Eltern übrigens noch am Leben sind, seine Anklagerede gegen die Juden hielt, bis dies einem ihm gegenübersitzenden Amtsrichter endlich zuviel wurde und dieser den Zukunftsanwalt, als den sich Kurt W. bereits fühlen mochte, daran erinnerte, daß es denn doch nicht anständig sei, auf eine Religionsgemeinschaft alle Schlechtigkeiten zu häufen, wenn man obendrein auch noch Verwandte in derselben habe. Schließlich verbat sich der Amtsrichter das Geschwätz »nd die fernere Gesellschaft des Herrn Referendars. Der Schluß häßlichen Auseinandersetzung, bei der sich natürlich die ganze Gesellschaft auf Seiten des Amtsrichters, der kein Jude ist, befand, war eine Forderung des „forschen" Referendars an den Amtsrichter. Dieser erklärte aber, von einem Menschen, der sein eigenes Nest beschmutze und sich gegen seine früheren Glaubensgenossen in so unverkennbarböser Absicht ausdrücke, weder eine Forderung anzunehmen, noch ihm in anderer Form Satisfaktion zu geben. Nun ging die ganze Angelegenheit an das Justizministerium, dessen Bescheid bald darauf einzig und dahin lautete, daß der Referendar Kurt W. durch sein Benehmen sich der Zugehörigkeit zur juristischen Korporation unwürdig gezeigt habe und deshalb aus derselben zu entfernen sei. Nun wäre eigentlich die Geschichte zu Ende, wie dies auch mit der juristischen Karriere des Herrn Kurt W. aus Halle der Fall war. Der Exjude und Exreserendar hat aber in seiner Vaterstadt Halle in einem Bankgeschäft eine Stellung gefunden. Nun wird man meinen, daß eine antisemitische Firma auf eine so schätzenswerte Kraft reflektieren würde. Aber weit gefehlt! Einem jüdischen Bankhause war es Vorbehalten, dem getauften Judenfeind Unterschlupf zu gewähren. Die Arier bedankten sich für solche Gesellschaft. Korrespondenzen. Verband der israelitische^ Religionslehrer an österreichischen Mittelschulen. Montag den 30. Dezember 100/ fand die 6. Generalversammlung des Verbandes unter dem Vorsitze des Obmannes Rabbiner Insvektor Dr. D. Feuchtwang, im Stzimqssaale der isiaelitrichen Kul'usgemeinde sinlt. Auweiend waren die Wiener Mitglieder: Rabbiner Dr. Bauer, Dr. Frankfurter, Prost Tr. K o Id h-immer, Prof. In'vektor Kanitz, Pros. Kostet, Rabbiner Dr. Mandel. Prof. Dr. Pottak. Ribbnier Reich, Prof. Dr. Reift, Dr. Roseuscld» Rabbiner Rosenmann, Prof. Tr. Weift, Tr. Wcschlcr; ferner Herr Redakteur Dr. I. S. Bloch. Ans der Fremde waren erschienen: Pros. Tr. Griinfcld (Brünn). Rabbiner Dr. Lazarus (Göding), Rabbiner Tr. Proftnitz (Eger), Rabbiner Tr. Rabbinowitz (Mähr. - Weißkirchen). Rabb'iier Dr. Schächter (St. Pölten) mit» Rabbiner Dr. Sicher (Rachod). Ibr Fernbleiben hatten erit'chnldigt: Rabbiner Tr. Abeles (Wien), Rabbiner Dr. Bach (Wien), Rabbiner Pros. Dr. Brach (Briir), Rabbiner Tr.Friedmann (L'nz). Tr. Hirsch (Krumen). Tr. Kanitz (Wien), Rabbiner Tr. Mandl (Rentiljcheul) und Rabbiner Dr Tauber (Preran). Der Borinitrgg war non den internen Geschäften der Generalversammlung ansaesüllt, während der Abend dem Vortrage des Herrn Pros. Tr. A. Weift und der sich daran schließenden Diskussion ein» geräumt war. In der Vormittagsütznng erstattete der Obmann den Rechenschaftsbericht. aus welchem hervorgeht, daß der Ausschuß in der abaeiameiien Funktwusveriode im Interesse der Slandesehre und Stellung der R'lkgianslehrer unermüdlich gearbeitet. vieles erstrebt und nicht Unbeträchtliches erreicht habe. Es wurden verschiedene Petitionen und Memoranden nn die bezüglichen hohen Behörden gerichtet und nicht weniger als viernial Deputationen in das Ministerium entsendet. Der Vorsitzende betonte namentlich, daß der An ichns; im Interesse aller Kollegen, auch derer, die außerhalb des Verbandes stebm. gewirkt und Allen fühlbare Erfolge erzielt habe. Es mußte auch der Tatsache aedacht werden, daß in jüngster Zeit in einzelnen Kronländern des Reiches Separat! erbände entstanden 'eien, die, vielleicht obne es zu wollen, manche Schritte des Neicksverbandes durchkreuzt hätten. Der Verein habe in der abgelauseneu Periode ans Zuschriften großer Korporationen und Vereine antworten müsstn, so z. B. auf die Einladung der Friedensgesellschaft und viele andere. Der Verband sei auch bei einem traurigen Anlässe bervoraetreten. Es war dies das Ableben Sr. Exzellenz Minister Dr. v. Härtel. Der Verein hatte alle Ursache, der herzlichsten Teilnahme Ansdnick zu verleihen, denn er habe stets großes Entgegenkommen bei ihm gefunden und manche Errungenschaft, wie die Verleihung des Professortitels an einzelne Lehrer, sei ihm persönlich zu danken gewesen. Der Vorsitzende begrüßt es herzlich, daß die Versammlung sich bei dem Gedenken von Härtels von selbst erhoben habe, um der Teilnahme Ausdruck zu geben n >d läßt diese Kundgebung vrotokollarrsch vermerken. Rabbiner Dr. Feuchtwang referiert auch über die Tätigkeit des Vereines hinsichtlich der Schaffung eines einheitlichen Lehrplanes. Ein Komitee habe sich wohl konstituiert, eine Enquete sei veranstaltet worden, doch sei es zu seinem Resultate gekommen. Schuld daran wären erstens die Gründung der Levaratverbände» die ihre besonderen Lehrpläne einftihren wollten, und ferner der Umstand, daß dem Verbände von hoher Stelle klar bedeutet wurde, daß an eine Gemeinsamkeit dieser Pläne gar nickt zu denken sei, io lange die Inden Oesterreichs nickt eine Einheitlichkeit vorsi^llten, die in einer Behörde die Spitz? bat und für alle Juden Oeüerrcichs als maßgebend gälte. Nach Auszählung weiterer Punkte aus der Wirksamkeit des Ausschusses dankt der Obmann allen stinen Mitarbeitern ganz besonders dem Obmann-Stellvertreter Prof. Dr Weift und dem Schriftführer Prost Tr. Postak und läßt seine Rede in eni dreimaliges Hoch aus Se. Majestät den Kaiser ansklingen. irr welches die Versammlung begeistert einstimmte. Hieraus bringt Obmaim-Skellvertreter Pros. Dr. Weift eiu'ge Ergänzungen des Berichtes des Obmannes zur Kenntnis der Generalversammlung. Tre Erwähnung der Gründung des böhmischen Separatvereines veranlaßt Rabbiner Dr. Proftnitz zu erklären, daß der Verein in Böhmen gegen den Reichsverband keine feindliche Spitze enthalte. An der werteren Debatte über dieses Thema beteiligten sich Dr. I. S. Bloch, Prof. Dr. Grünfeld, Rabbiner Reich, Prof. Dr. Werft u. a. I» den

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