Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 3 (17.1.1908)
- Date
- 1908-01-17
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 43 Dr. Blocb's MocbenscbrM. Nr. 8 nichts merken wird, weil eben, frei nach Hraba, die Gemeinde so glänzende Geschäfte machen wird. In diesem Punkte erkennen wir die Argumentierung eines leichtsinnigen Beamten, der mit der nächsten Gehaltserhöhung rechnet und ein größeres Darlehen aufnimmt. Die Erhöhung will aber nicht kommen und statt der rosigen Zukunft tritt der Pfänduugsbote ein. Immerhin bleiben Herrn Hraba und der für das Schuldenmachen neuerdings so begeisterten Gemeinderatsmajorität noch 47 Millionen übrig, deren Zinsen und Rückzahlung durch keinerlei' Versprechungen gedeckt sind. Auch darum braucht sich angeblich der Herr Steuerträger kein graues Haar wachsen zu lassen. Denn da vom Jnvestitiousaulehen so viel Schulen rc. gebaut werden, so wird der Betrag dafür im Budget erspart und zur Zinsenzahlung verwendet. Das ist eine glänzende Budgetierung! Genau jo, als wollte sich Jemand einen Anzug anschaffen und nimmt dazu eine in 90 Jahren tilgbare Schuld auf, in dem er sich und noch irgend einem, der es ihm glauben will, sagt, es sei doch gleichgiltig, ob er dem Schneider 10 fl. monatlich zahlt oder der Kassa. In zwei Jahren aber braucht er einen neuen Anzug und muß nun dem Schneider 10 fl. zahlen und der Vorschußkasse auch. Es gehören wirklich Barriörestöcke dazu, um ein solches Anlehen zu bewilligen und sich nicht darüber zu empören. Aber die Christlich-Sozialen haben sie eben. Im Gemeinderai sowohl als auch im Landtag wie schließlich in der Wählerschaft. Wir wurden mit der gewissenlosen antisemitischen Schleuderwirtschaft eigentlich ganz zufrieden sein. Denn sie wäre durchaus geeignet, den politischen und materiellen Bankerott der christlich sozialen Verwaltung herbeizusühren. Es ist aber zu befürchten, daß die Luegersippe von der stumpfsinnigen Bevölkerung, welche über den ersten Schreck durch eine verdrehte und verdrehende Darstellung der finanziellen Sachlage hinübergefoppt wurde, in der Zukunft nichts zu befürchten hat. Daß der christlichsoziale Spießer in ein paar Jahren widerwillig, aber gehorsam die größeren Lasten auf sich nehmen wird, die ihm und allen Steuerträgern aufgehalst werden, damit die christlichsoziale Partei ihre nimniersatteu Anhänger noch in ein paar Anstalten unterbringen könne, die ein gutes Geschäft sein werden — für die Parteiqrößen, welche dort mit großen Gehältern an die leitenden Stellen gelungen. Wenn einmal die Umlagen erhöht sind, dann werden die Steuerträger schon zu spüren bekommen, wohin sie christlichsoziale Lotterwirtschaft eigentlich geführt hat. Mit kommunalen Großunternehmungen — , / von denen Großschlächterei und Brauhaus zu Großblamagen geführt haben, der Wald- und Wiesengürtel ein von den Anrainern teuer gekauftes Geschenk an bte Anrainer bedeutet — wird Reklame gemacht, aber zugleich mit den Umlagen werden sich erfahrungsgemäß auch die Lebensbedingnisse verteuern und dann steht es eben den Wienern frei, den knurrenden Magen mir dem Luegermarsch zu übertönen. Wenn es nur Christlich- Soziale wären, deren Vertrauen zu den lügenhaftesten und rückständigsten Demagogen so bestraft wird, so würde ihnen recht geschehen. Leider aber sind es noch Massen anderer Steuerträger, armer Teufel, mit deren Steuergroschen unverschämter Raubbau getrieben wird und in ihrem Namen sollte denn doch endlich die Regierung den Rettern des christlichen Volkes von Wien das Handwerk legen, das sie entweder im Vertrauen auf die grenzenlose Dummheit des christlichsozialen Wählers treiben oder aus innerer Verzweiflung über ihrepolitischeUnhaltbarkeit trotz äußerem Glanz. Sicher aber im Vertrauen auf die jüdischen Kapitalisten, die das Anleben geben werden. Hoch Schneider, hoch Lueger, hoch Liechtenstein! Die angcblidjctt Wurzel« des Judenhasses historisch beleuchtet. Bortrag gehalten im Verein zur Abwehr des Antisemitismus. Erweitert und mit Anmerkungen versehen von Dr. I. Taglicht, Rabbiner in Wien. II Die Gkburtsstätte einer neuen Richtung, nämlich des nicht bloß schreienden, sondern auch schreibenden, theoretischen Judenhasses war Griechenland, und zwar Griechenland in weitester Ausdehnung, die von griechischer Sprache und Bildung beherrschten Länder und Städte, besonders aber Alexandrien. Hier begegnen wir dem. ersten Ghetto. Das den Juden zugewiesene Quartier besteht aus zwei Stadtteilen, die nach den ersten Buchstaben des Alphabetes benannt waren.") Unter den Theoretikern des Judenhasses ist in erster Reihe Manetho") zu nennen, dessen erlogene Geschichtskonstruktion durch Schiller Gemeingut — wenn man so sagen kann — der gebildeten Welt geworden ist. Manetho erzählt:") König Amenophis hat einü die Götter zu schauen verlangt und seinen Wunsch dem ebenfalls Amenophis heißenden Sohne des Poapis knndgctan. Dieser riet dem König, das Land von den Aussätzigen und sonstwie unreinen Menschen zu säubern, dann werde sein Wunsch, die Götter zu schauen, erfüllt werden. So wurden achttausend Unreine in. die Steinbrüche östlich vom Nil abgeführt. Nach einiger Zeit wurde ihnen die von den Hirten verlassene Stadt Auaris eingeräumt. Hier erwählten sie sich in der Person eines Priesters von Heliopolis einen Führer mit Namen Osarsiph. Sie sch ckteu nun Gesandte an die vertriebenen Hirten nach Jerusalem mit der Bitte, ihnen im Kampfe gegen Amern phis beizustehen. Es gelingt ihnen auch, den König zu vertreiben und dreizehn Jahre lang in furchtbarer Weise in Egypten zu Hausen. Nach dreizehn Jahren je?och, wie es der Priester Amenophis vorhergesagt hatte, werden sie in einer gewaltigen Schlacht besiegt. Der Gesetzgeber der Unreinen aber, der heliopolitanische Priester Osarsiph, ändert seinen Namen in Moses. — Diese Unreinen und Aussätzigen sind also die Vorfahren des israelitischen Volkes. Diese Mär des Manetho ,3) findet sich nun bei allen später» Schriftstellern, die sich mit Juden beschäftigen, bei Mnaseos von Patara, Apollonius von Molon, Poseidonios, Apion, Tacitus u. a. Mnasevs ist der Entdecker einer neuen Tatsache. Er erzählt"), die Juden hätten in ihrem Kultus einem Eselskopf göttliche Ehren erwiesen. Ein gewisser Zabydos habe einst durch List diesen goldenen Eselskvpf entwendet. Poseidonios"), der ebenfalls von einer Ausweisung der Israeliten auS Egypten wegen Aussatzes und anderer ekelhasten Krankheiten spricht, berichtet auch. Epiphanes habe im Allerheiligsten des jüdischen Tempels eine steinerne Statue gefunden, die einen Mann mit laugwallendem Barte auf einem Esel reitend und ein Buch in der Hand haltend darstellte. Das sei das Bild des Moses gewesen, des Gründers von Jerusalem und Stifters der von Menschenhaß und Gesetzwidrigkeit erfüllten Gebräuche.") Den Ursprung dieses angeblichen Kultus erfahren wir bei Tacitus.") Auf der Wanderung durch die Wüste seien die Juden von fürchterlichem Wassermangel gequält worden. Bereits lagen sie verschmachtend darnieder, als eine i") Vhilo in Flaccum 8. ") Unter Ptolewäus Philadelphus 285 — 246. Ioiephus c. Ap. I. 26. l3) Schon Hekatäns bei Diod. 36. 3 berichtet, eine pestähnliche Krankheit habe die Eghpter veranlaßt, die zahlreichen Fremden zu vertreiben, durch deren Religionsübung sich die heidnischen Götter augenscheinlich beleidigt fühlten. Iosephus contra. Apionem 2. 9. Antt. L 3.^6. *" w) Um 100 v. Ehr. auf der Insel Rhodos. 16) Bei Diodor 34. 1. ") Hist. 5. 3. Val. Graetz Geschichte m, S. 270.