Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 3 (17.1.1908)
- Date
- 1908-01-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Jahrgang XIV 4 ♦ A Ur. 3 VIm up. Dioch s > ♦ Zentralorgan S---G 1-i. ft. Ko sttparftsffen-Amk Glearlng-Werftebr Ittr. 810.976. Nrdslktion und Administration: Wien IX/1. Werggasse Nr. 39. Telefon Nr. 14.847. %-i-» für die gesamten Unteressen des Zudentnms. . Jiimrr 1908. — LrscLelnt jeden Fretrag. -* Brief-Adresie: Hüten, IX/S, Werggasse 39. Telegramm-Adresse: Wlocb's MocbenscbrM, Hüten. Wien. 17 u---« SrrftgLprrk» für Vrstrrrrirh: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 „ Anzeigen: Die 4mal gespaltene Pelitzeile 24 Heller. *---* Inhalt: Leitartikel: Nach uns die Sintflut! — Die angeblichen Wurzeln des Judenhasses historisch beleuchtet. — Jüdische Geschichte als Teil des Religionsunterrichtes. — Jahrmarkt des Lebens: Die Gräber der „Vergessenen". Zur Naturgeschichte des Blutaberglaubens. „Der religiöse Liberalismus". Ein Muster-Renegat. — Korrespondenzen: Verband der israelitischen Religionslehrer an österreichischen Mittelschulen. Generalmajor Ritter von Schweitzer Mitglied einer jüdischen Gemeindercpräsentanz. Ein Preisausschreiben über Palästina. Meran. Berlin. Interessante Ziffern aus dem preußiichen Etat. Russische Greuel. Konstantinopel. Der Xuwerus elau3us im amerikanischen Einwanderungsgebiet. — V e r m i s cd t e s: KranzablösungSspenden rc. Spendenliste aus der Plenarsitzung. Vortragszyklus ans jüdischer Geschichte, Literatur und Kultur. Kaiserlicher Rat Kohnberger. Wien. Konzerte der Toynbee-Halle. Trauerfeier für A. Goldfaden. Humanitärer Verein der Mattersdorfer. Wien-Floridsdorf Baden. Prag. Preßburg. Tachau. Nikolsburg. Berlin. Breslau. Arco. — Feuilleton: Zwischen Hammer und Ambos. — Literatur. — Neue Bücher. — Briefkasten. — Inserate. Mach «ns dir Sintfiut I In der letzten Freitagsitzung des Gemeinderates hat sich Lueger mit Unwohlsein entschuldigt. Wahrscheinlich hat er einen Anfall von Patriotismus gegen seine Vaterstadt gehabt oder von Vorsicht. Denn in dieser Sitzung wurde die Befugnis zur Aufnahme des 360 Millionen-Anlehens ertellt. 288 Millionen hat man vor einigen Jahren gepumpt^ so daß die Stadt Wien für die nächsten neunzig Jahre an Abzahlungen und Zinsen jährlich 29*/* Millionen aufzubringen haben wird. Allerdings ohne Erhöhung der Gemeindeumlagen. Sv sagt uns wenigstens Herr Hraba und Herr Hraba muß das wissen. Denn als Kompagnon eines jüdischen Wechselstubenbesitzers hat es dieser Stadtrabenvater gelernt, Finanzminister von Wien zu sein und Schulden zu machen, von denen eigentlich niemand etwas merkt. Möchte uns Herr Hraba nicht ein bischen erklären, wieso es kommt, daß ein Anleheu dem anderen auf den hohen Zinsfuß tritt? Bor ein paar Jahren 265 Millionen und jetzt gar 360? Zu einer Zeit, wo sich das allgemeine Geschäftsleben und die Konjunktur, damit auch Steuern und Umlagen derart gehoben haben, daß der Staat kolossale Ueberschüsse erzielt! Wir werden Herrn Hraba unter vier Augen sein Geheimnis verraten: das neue Anlehen ist notwendig, um die Zinsen des alten zu bezahlen. Es ist nämlich kein Geld da, gar kein Geld. So wenig, daß man trotz 100 Millionen jährlicher Einkünfte in das neue Anlehen eine Post von 132 Millionen ausgenommen hat für Amtshäuser. Grunderwerbung, Pflasterung, Kanalisierung, Feuerwehr, Brücken, Gärten, Straßensäuberung, Friedhöfe, Märkte und Versorgungshäuser, lauter Dinge, die jahrzehntelang aus den laufenden Einnahmen bestritten wurden und bestritten werden mußten. Wasserwerke, Gaswerke, Straßenbahnen müssen gebaut werden — setzen Sie die Pumpe in Bewegung, wenn es nicht anders geht, Herr Kommunal-Finauzminister. Aber, wenn die Stadt wächst, wachsen auch ihre Einnahmen — Lueger hat das doppelte Steuereinkommen wie seine liberalen Vorgänger und er braucht Anlehen wie zur Neubewaffnung der Armee, wenn es sich darum handelt, den Bevölkerungszuwachs ein paar Notwendigkeiten zu geben. Welch eine ungeheure Aufregung entstand, als der Kriegsminister seine Rüstungskcedite im Betrage von 359 Millionen verlangte. Welche Tumulte entstanden nicht bei der Bauüberschreitung der Alpenbahnen, Koerbers Projekt eines 200-Millionen-Anlehens trug wesentlich zu seinem Sturze bei — aber das alles sind verhältnismäßig Lappalien gegen den Bedarf von über 600 Millionen, den die Christlich- Sozialen für die Kommune Wien in den letzten fünf Jahren hatten, und zwar unter demselben Lueger, der die oppositionelle Tobsucht bekam, wenn die Liberalen für eine Wasserleitung ein Anlehen machten. Trotzdem aber wird es keine Erhöhung der Gemeindeumlagen geben. Hokus, pokus, eins, zwei, drei — alles Geschicklichkeit und keine Zauberei. Herr Hraba und Genossen haben das denkbar einfachste Rezept dagegen gefunden, ein goldenes Ei des Kolumbus. Also man nimmt die 360 Millionen und legt 194'4 Millionen davon in geschäftlichen Unternehmungen an. Diese Unternehmungen, sagt und singt Herr Hraba, sind so gut, daß sie nicht nur die Verzinsung und Rückzahlung ihres eigenen Anlagekapitales einbringen, sondern auch noch sür weitere 119 Millionen Kronen. Diese 194 */a Millionen Kronen, die in Geschäften angelegt werden, sollen sich also nicht nur mit 4'3"/<, verzinsen, sondern mit zirka 7^°/0. Wunderschön. Nur müssen die Geschäfte noch so freundlich sein, diese selten bestehende Verzinsung auch wirklich zu tragen. Bis jetzt haben wir bei den kommunalen Geschäften der Christlich-Sozialen nichts dergleichen gesehen. Sehen wir vom städtischen Bräuhause ganz ab, in dem so viel Hopfen und Malz buchstäblich verloren gegangen ist. Nun aber hat Herr Hraba triumphierend verkündet, daß die Gemeinde aus Gas- und Elektrizitätswerken sowie Straßenbahnen bis jetzt 37 Millionen herausgezogen hat. Aber er vergaß mitzuteilen, daß in derselben Zeit für diese Betriebe mehr als 70 Millionen Kronen an Zinsen und Tilgungsquoten (vom 285 Millionen-Anlehen 1902, 60 Millionen- Anlehen 1898 und 30 Millionen-Anlehen I960) zu zahlen waren. Diese riesigen Summen konnten ohne Erhöhung der Umlagen nur dadurch aufgetrieben werden, daß er Schulbauten, Beamteugehälter rc. zum Teil aus dem übriggebliebenen Rest der Anlehensgelder bestritt, solange — bis eben jetzt das 360 Millionen-Anlehen nötig wurde, von dem man