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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-01-10 · 2 (10.1.1908) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
2 (10.1.1908)
Date
1908-01-10
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 3 Dr. Llocb's Mocvenscdrin. Seite 33 Rabbiner Deutschlands" Provinzialrabbiner Doktor C a h n-Fulda, für das Berliner Rabbinerseminar der Vorsitzende des Kuratoriums Hermann Gumpertz- Hamburg, für die Thoralehranstalt in Frankfurt a. M. Louis Fei st-Frankfurt a. M., für den „Bund ge - setzestreuerjüdischerLehrer" Lehrer Wolf-Aurich, für den „Verband der Sabbatfreunde" Herr Dr. E. Biberfel d-Berlin, für den „Bund jüdischer Akademiker" stuä. E h r m a n n-München, für den „V e rein zur Förderung gesetzestreuen Judentums in der Schweiz" Rabbiner Dr. C o h n-Basel. Von den weiter vertretenen Körperschaften, die infolge der knappen Zeit nicht zu Wort kommen konnten, seien genannt: „Verein zur Erhaltung des überlieferten Judentums in Berlin", Verein für rituelle Speisehäuser in Hamburg", „Jüdisch- Literarische Gesellschaft in Frankfurt a. M.", „Verein zur Wahrung der religiösen Interessen des Judentums in Westphalen", „Verein für die jüdischen Interessen Rheinland s", „Verein zur Wahrung der Interessen des gesetzestreuen Judentums in Baden". Aus den zahlreichen telegraphischen und brieflichen Begrüßungen sei eine mit lebhaftem Beifall aufgenommene Sympathiekundgebung der orthodoxen Ungarischen Landeskanzlei in Budapest, sowie ein warmer Glückwunsch des Chiefrabbi Doktor Adler-London hervorgehoben. Der Preußische Kultusminister hatte mitgeteilt, daß er infolge des Fasttages zu seinem Bedauern verhindert sei, an der Versammlung teilzunehmen, daß er aber von den Zielen der Vereinigung und von der Tagesordnung des Vereinstages mit lebhaftem Interesse Kenntnis genommen habe. Der Oberpräfident der Provinz Brandenburg wünschte der Tagung brieflich glücklichen Verlauf. Nach Beendigung der Begrüßungsansprachen erstattete der stellvertretende Vorsitzende den Rechenschaftsbricht für die Zeit von September 1906 bis Dezember 1907. Der Bericht gedenkt zunächst der von der „Freien Vereinigung" geleisteten Subvention zur Förderung des Religionsunterrichtes auf dem Lande, zur Errichtung und Wiederherstellung von Ritualbädern, ferner der Zuschüsse an einzelne Provinzialverbände gesetzestreuer jüdischer Gemeinden u. s. w. Ein wichtiges Kapitel sei die rituelle Verköstigung j ü d i s ch e r S o l d a t e n, ein Gebiet, auf dem manches geschehen sei, aber noch mehr geleistet werden müsse. Eine fernere regelmäßige Rubrik in der Tätigkeit der Unterstützungskommission bilde die Verköstigung jüdischer Gefangener namentlich während der Pessachzeit, ferner Stipendien zur Ausbildung von Präparanden, Seminaristen, Schauchtim und M oh a l i m. Unter den die Interessen der Vereinigung berührenden allgemeine «jüdischen Angelegenheiten war es insbesondere die Ausführung des Preußischen V o l ks sch u l g e s e tz e s, die den Vorstand beschäftigte. Eme aus Sachverständigen bestehende Sonderkommiffion zur Beratung der Gemeinden bei ihren Verhandlungen mit Kommunen ist stark i» Anspruch genommen worden und suchte für die Erhaltung bestehender jüdischer Volksschulen und für die Gründung neuer einzutrelen. In gleicher Richtung wirkte eine von dieser, Kommissilm herausgegebene Broschüre unter dem Titel: „Das neue Volksschul-Unterhaltungsgesitz, Materialien und Ratschläge für die jüdischen Gemeinden Preußens", die an sämtliche in Betracht kommende Gemeinden und Lehrer versandt worden ist. Eine ganze Reihe von Eingaben an die Regierung und persönliche Verhandlungen gelten der auf Anregung der „Freien Vereinigung" vom Abgeordnetenhause beschlossenen Resolution zur Förderung des Religionsunterrichtes. Der Bericht spricht die Hoffnung aus, daß diese Schritte nicht ganz ohne Erfolg sein und daß eine entsprechende Position, wenn auch nicht in der von der Vereinigung notwendig erachteten Höhe, in den Etat eingestellt werde. Die Frage der besseren Vorbildung der jüdischen Religionslehrer, die in den letzten Monaten vielfach Gegenstand der öffentlichen Erörterung war, habe sowohl die Schulkommission als den Vorstand der „Freien Vereinigung" wiederholt beschäftigt, doch glaubte der Vorstand weitere Schritte zur Feststellung der tatsächlichen Verhältnisse tun zu sollen, bevor er in der überaus schwierigen Frage mit formulierten Anträgen an die Staatsregierung herantrete. In Angelegenheit der Sonntagsruhe habe die Vereinigung am 16. Jänner ausführliche Eingaben an die beteiligten Regierungsstellen gerichtet und diese Eingaben auch persönlich mit Nachdruck vertreten. Um die Herbeiführung ortsstatutarischer Bestimmungen zugunsten der den Sabbath feiernden Geschäfte zu erleichtern hat der Vorstand das gesamte hierbei in Betracht kommende Material unter dem Titel: „Die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe und die Interessen des gesetzestreuen Judentums" zusammengestellt und als Broschüre herausgeaeben. Das Heft bat bereits vielseitig gute Dienste geleistet. Der Bericht erwähnt dann die Tätigkeit der „Freien Vereinigung" gegenüber der tierschützlerischen Agitation gegen das Schächten und erwähnt die Beratungen, die wegen des religiösen Notstandes in Rußland auf Anregung hervorragender russischer Rabbinen im Schoße de« Vorstandes gepflogen worden sind. Von den neugebildeten Arbeitskommissionen haben ihre Wirksamkeit bisher ausgenommen: die „Kommission für Schulwesen und Lehrerbildung", diejenige für „Literatur und Presse", die „Kommission für ländliche Wohlfahrtspflege" und die ,.P a l ä st i n a-K o m m i s s i o n". Soll die „Freie Vereinigung", so schließt der Bericht, den vielgestaltigen Aufgaben gewachsen sem, die sie bisher ergriffen und im Geiste ihres Programms weiter ergreifen muß, so bedarf sie der begeisterten, opferfreudigen Hingebung aller ihrer Mitglieder in Stadt und Land, dann bedarf sie nicht nur bedeutender materieller Mittel, sondern vor allem auch der tätigen Mitarbeit aller Gleich st redenden und der Unterordnung aller Einzelwünsche unter das gewaltige Ziel, das uns entgegenleuchtet: „Die Kräfte zu vereinen im Dienste der alten unverkürzten Gotteslehre von Sinais Höhen." Hierauf ergriff der erste Referent Dozent Dr. I. Wohlgemut h-Berlin das Wort zn seinem Vortrage über das „Wesen des gesetzestreuen Judentums". Der Redner wies einleitend darauf hin, daß das orthodoxe Judentum nicht etwa eine besondere Sekte im Judentum sei, sondern im Gegenteil das historische Judentum darstelle. Die Bezeichnung „orthodox" oder „gesetzestreu" bilde einzig und allein ein Erkennungszeichen, das sich im Kampfe des Tages als notwendig erwiesen habe, heute noch wie vor Jahrtausenden sei das Wesen dieses Judentums in der Thora, in der schriftlichen und mündlichen Lehre und in der Betätigung dieser Lehre im Leben zu suchen. Da die gedankenreichen Ausführungen des Redners im Wortlaute erscheinen werden, so erübrigt nur ein Eingehen darauf in dem knappen Rahmen dieses Berichtes. Provinzialrabbiner Dr. Bamberger -Hanau sprach über „Gebetbuch und Tradition". Der Redner führte aus, daß das jüdische Gebet, wie es von den Ordnern des Gebetbuches übermittelt sei, nicht ein Bittgebet im landläufigen Sinne genannt werden könne, sondern für den Betenden ein Erziehungs- und Läuterungsmittel bilde zu dem vornehmlichen Zwecke, um die Welt- und Lebensanschauung des Judentums ständig in ihrer Ursprünglichkeit vor Augen zu führen. Hierauf folge, daß an dieser Gebetordnung, die das Judentum mit der Vergangenheit und der Zukunft verbindet, keinerlei Aenderung vorgenommen werden könne, ohne Wesentliches von dem Bestand des Judentums preiszugeben. Der dritte Referent Moritz A. L o e b-Frankfurt a. M. war wegen der vorgerückten Stunde gezwungen, sein Referat über die „Gegenwartsaufgaben der gesetzestreuen Judenheit" abzukürzen. Der Redner gab einen historischen Ueberblick über die Ursache der schwierigen Lage, in der sich das gesktzestreue Judentum heute befindet, Schwierigkeiten, denen jedoch durch intensive geistige und praktische Arbeit mit Erfolg begegnet werden könne. Er kennzeichnete die verschiedenen Arbeitsgebiete, auf denen sich die Tätigkeit der Vereinigung in wirtschaftlicher und religiöser Beziehung bewegen müsse. Zum Schluß ergriff der Vorsitzende das Wort zu einer zündenden Ansprache, in der er die deutsche Orthodoxie in Anlehnung an das Wort der Haftorah mit einem Baume verglich, dessen Wurzelarbeit zum guten Teile vollendet sei und der nun die Aufgabe habe, als kräftiger Stamm zum Lichte emporzustreben. Das könne nur durch die Einigung und Sammlung aller Kräfte erreicht werden. Nach Dankesworten des Herrn Rabbiner Dr. M un k- Berlin wurde die Versammlung unter minutenlangen stürmischen Beifallskundgebungen geschloffen. Der Tagung war am Vorabend eine zwanglose Zusammenkunft der auswärtigen Gäste mit den Berliner Gefinnungsgenoffen und den Delegierten des „Verbandes der Sabbathfreunde" im Burg-Hotel vorangegangen, die stark besucht war. Manche alte Bekanntschaft wurde aufgefrischt, manches neue

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