Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 2 (10.1.1908)
- Date
- 1908-01-10
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3021764-3021767--17007-3041858- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 32 Dx. Blmtz'S WmtzLNjltzrM. 2 bringt die Resolutionen des Referenten und des Dr. Luttinge r, die beide mit stürmischem Beifall angenommen werden, zur Abstimmung. Die erste Resolution lehnt die Landtagswahlreform ab, fordert von den jüdischen Abgeordneten, die Gesetzwerdung zu verhindern und die Bildung jüdischer Wahlkreise zu fordern. In das Komitee zur Einberufung eines Judentages wurden gewählt: Dr. Vierer. Dr. Luttinger, Gemeinderat Menschel. Schaffer und Hart. Berlin. (Generalversammlung der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums.) Der Vorsitzende Prof. Dr. Philippson konstatierte bei Beginn der Versammlung an der Hand des Jahresberichtes das äußere und innere Erstarken der Gesellschaft, wie es in der stets wachsenden Zahl der Mitglieder, sowie in den Publikationen der Gesellschaft zum Ausdruck kommt, betonte aber auch die Notwendigkeit der Beschaffung weiterer Hilfsmittel, wenn die Gesellschaft ihren eigentlichen Aufgaben, der Förderung wissenschaftlicher Arbeiten auf dem Gebiete jüdischer Forschung, gerecht werden solle. Die Versammlung erteilte sodann dem aus seinem Amte scheidenden Schatzmeister Stadtrat I. Landsberger -Glogau Decharge, wählte den bisherigen Ausschuß wieder und die Herren Dr. Max Ginsberg und Max B e e r zu Revisoren. In dem nun folgenden Vortrag entwickelte Rabbiner Dr. P o r g e s ein äußerst interessantes Bild des nordfranzösischen Bibelexegeten Joseph Bechvr Schor, den er einen der selbständigsten und scharfsinnigsten Bibelerklärer nannte. Er war grundsätzlicher Vertreter des Peschat und verfolgte mit seinem Kommentar vorwiegend praktische Zwecke. Wie Schor eine Auseinandersetzung mit der christlichen Bibelauslegung nicht gescheut, vielmehr für seine Pflicht gehalten habe, so möge auch, schloß Redner, die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums darum besorgt sein, daß auf wisstmchasllicher Grundlage eine wirksame, zeitgemäße Apologetik geschaffen und zu den Resultaten der modernen Bibelforschung Stellung genommen werde. Den nächsten Vortrag hielt Dr. Jul. Guttmann- Breslau. Er ging aus von einer Schilderung der persönlichen Beziehungen Kanls zu jüdischen Kreisen und des starken Einflusses, den seine Philosophie aus das gebildete Judentum seiner Zeit ansübte. Dieser Einfluß sei darum von geschichtlicher Bedeutung, weil er in die Zeit fällt, in der sich das moderne Judentum bildete. Wenn Kant selbst dem Judentum in religiöser Beziehung ohne innere Teilnahme ja selbst scharf ablehnend gegenüberstand, so gebe sein Urteil über das Judentum im wesentlichen die in letzter Linie auf Spinoza zurückgehendc Anschauung der damaligen Zeitliteratur wieder, der er sich allerdings um so bereitwilliger angeschloffen habe, weil sie es ihm ermöglichte, alles, was der von ihm angcstrcbten idealisierenden Umdeutung des Christentums widerstrebte, als Beisatz jüdischer Geister zu beseitigen. Nur so erkläre es sich, daß ihm selbst seine tiefe innere Gemeinschaft mit den Grundideen des Judentums habe entgehen können. Diese Gemeinschaft wurzle in der gleichen Grundauffaffung von dem Verhältnis des Menschen zum Sittengesetz und gehe durch die gesamte Auffassung der sittlichen Persönlichkeit und ihrer Beziehung zur sittlichen Gemeinschaft, wie sie sich in dem Universalismus des Judentums und dem sozialen Geist seiner Sittlichkeit bekundet, hindurch. Die Gleichheit der sittlichen Denkweise setze sich auch in die eigentlich religiöse Ideenwelt hinein fort, die bei Kant wie im Judentum eben entscheidend von dem Problem der Sittlichkeit her bestimmt werde. In der religiösen Wertung des Individuums und der religiösen Betrachtungsweise der Geschichte träfen beide in dem Typus der Religiosität zusammen, dem die religiöse Entwicklung des modernen Geistes mehr und mehr zustrebe. Der Generalversammlung war vormittags eine Ausschußsitzung vorausgegangen, in der hauptsächlich über das Corpus Tannaiticum und die Germania Judaica beraten wurde. Beide wissenschaftlichen Unternehmungen nehmen erfreulichen Fortgang. Mit großem Beifall nahm die Versammlung die Mitteilung entgegen, daß der erste Band des Maimonideswerkes vorliegt und in wenigen Tagen auf dem Büchermarkt erscheinen wird. Aus dem Jahresbericht ist noch hervorzuheben, daß der erste Band der gesammelten Schriften David Kaufmanns fertig gestellt ist und den Mitgliedern der Gesellschaft kostenlos zugefandt wird. Die öffentliche Hauptversammlung der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums". Berlin. Im großen Oberlichtsaale der „Philharmonia" tagte am 26. Dezember 1908 die öffentliche Hauptversammlung der „Freien Vereingung für die Interessen des orthodoxen Judentums". Der geräumige Saal faßte etwa 1000 Mitglieder und Freunde der Vereinigung aus allen Teilen des Reiches. Auch eine Reihe von Gesinnungsgenossen aus Oesterreich-Ungarn und der Schweiz waren anwesend. Der erste Vorsitzende, Rabbiner Dr. Brauer- Frankfurt a. M., eröffnen die Versammlung kurz nach 11 Uhr mit herzlichen Begrüßungsworten und wies darauf hin, daß die „Freie Vereinigung", die seit zwei Jahrzehnten im Geiste ihres Begründers Samson Raphael Hirsch für die Kräftigung des überlieferten orthodoxen Judentums nach innen und außen wirke, zum ersten Male in der Reichshauptstadt ihren Vereinstag abhalte. An der Stätte, an der Israel Hildesheimer ganz im gleichen Sinne gewirkt hat, werde die „Freie Vereinigung" naturgemäß mit Sympathie begrüßt, aber es sei doch ein erfreulicher Fortschritt, daß dank den Erfahrungen der letzten Jahrzehnte die weitesten Kreise der gefetzestreuen Judenheit die Notwendigkeit erkannt hätten, ihre Kräfte zu sammeln und sich zu einem großen Ganzen zusammenzuschließen, um im Innern aufbauend zu wirken und den Gefahren von außen gemeinsam zu begegnen. Der Vorsitzende schloß mit dem Hinweis, wie die religiöse Ueberzeugungstreue, die das gemeinsame Einigungsband der orthodoxen Juden Deutschlands bilde, sich betätige in der unerschütterlichen Treue zu Kaiser und Reich nach dem Bibelworte: „Fürchte Gott und den König". Die Hauptversammlung könne nicht würdiger eröffnet werden als in dem Gedanken an seine Majestät, den Kaiser und König, den Wahrer des Friedens und der Gerechtigkeit im Reiche, den Förderer alles religiösen Lebens. Seine Majestät der Kaiser und König Wilhelm II. lebe hoch. Die Versammlung erhob sich und stimmte dreimal stürmisch in das Kaiser-Hoch ein. Hierauf wurde folgendes Huldigungstelegramm an den Kaiser gesandt. Ew. Kaiserlichen und Königlichen Majestät, dem Schirmherrn und verständnisvollen Förderer alles wahrhaft religiösen Lebens im deutschen Vaterlande, entbieten die aus' allen Teilen des Reiches zur Abhaltung ihres Bereinstages hier versammelten Mitglieder der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums", der Gesamtvertretung der gesetzestreuen Juden Deutschlands, ehrfurchtsvollen Huldigungsgruß mit dem Gelöbnis unwandelbarer Treue. Namens des Vorstandes der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums". Rabbiner Dr. Brauer, Kommerzienrat Hirsch, Frankfurt a. M. Halberstadt. Vorsitzende. Die hierauf eingelaufene Antwort lautet: Vorstand der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums. Seine Majestät der Kaiser und König lassen für den Huldigungsgruß und das Gelöbnis treuer Anhänglichkeit danken. Auf allerhöchsten Befehl der Geheime Kabinetsrat von L u c a n u s. Eine ganze Reihe von Körperschaften und Gemeinden hatten zu dem Vereinstage Delegierte entsandt und entboten der Versammlung ihre Grüße. Es sprachen für die Synagogengemeinde „AdaßJisroel" I. Rosenb l ü t h-Berlin, für die „Vereinigung gesetzestreuer Rabbiner Deutschlands" Rektor Dr. D. Hoffman n-Berlin, für den „Verband orthodoxer