Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-01-10 · 2 (10.1.1908) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
2 (10.1.1908)
Date
1908-01-10
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3021764-3021767--17004-3041855
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Dr. JBiocb’s umocbenscbrrn« Seite 39 Nr. 2 Im abgelaufenen Jahre wurde unser Inventar durch folgende Spenden bereichert: Herr Salo Fuchs widmete ein herrliches Schiwisfi. Herr Gerson Koralek Porauches und Schulchandecke für den Zeremoniensaal. Herr Direktor Wilhelm Kux ein Maskirbuch und Herr Leopold Hendel einen Thorazeiger aus Silber. Ueberdies renovierte Herr Josef Quittner dar von ihm und seinem verstorbenen Bruder gespendete Trauzelt und ein Ungenannter die Malerei des Tempels. Allen diesen Wohltätern sei auch an dieser Stelle der wärmste Dank abgestattet. Die Wahrnehmung, daß die bisherigen Zuflüsse nicht genügen, um den Pensionsfond in absehbarer Zeit zur Erfüllung seiner Bestimmung zu befähigen, veranlaßte die Vercinsleitung, diesem Fonde 2000 Kronen aus der ordentlichen Gebahrung zuzuwenden, was wir nach Tunlichkeit alljährlich wiederholen wollen. Wir hoffen dadurch eine künftige allzuschwere Belastung des Vereines zu verhüten. Infolge der anläßlich der letzten Wahlen in den Vorstand der Kultusgemeinde zutage getretenen Uneinigkeit der Tempelvereine hat die angestrebte zeitgemäße Regelung des Trauungs¬ und Bestattungswesens bedauerlicherweise keinen Fortschritt zu verzeichnen. Wir werden aber auch in Zukunft diesem als richtig erkannten Ziele nachstreben, in der Hoffnung, damit unserer großen Gemeinde zu dienen. Auf Verlesung des Gebahrungsausweises, der rund K 68.765 an Einnahmen und Ausgaben aufweist, des Bilanzkontos, das einen Saldo der Aktiven von K 162.977 76 ergibt, sowie des Vermögensausweises des Stiftungssondes und Pensionsfondes wird auf Antrag des Herrn Oberinspektors Schimmerling, der darauf hinweist, daß jedem Mitglied ohnehin der Jahresbericht zugesandt wurde, einverstöndlich Verzichter. Zum Bilanzkonto stellt Herr Doktor Ludwig Deutsch die Anfrage, was die Post Debitoren für Bedeutung habe. Der Vorsitzende erwidert, daß dies teils Gr Haltsvorschüsse, teils gespendete Beträge seien, die beim Bilanz-Abschlüsse noch ausständig waren. Es wird hieraus bezüglich des Gebahrungsausweises und Bilanzkontos dem Vorstände das Absolutorium erteilt. Zum zweiten Punkt der Tagesordnung, Neuwahl dreier Mitglieder in den Vorstand, bemerkt der Vorsitzende H. B e t t e lh e i m, daß statutenmäßig aus dem Vorstande die Herren G. B e t t e l h e i m, Heinrich G o l d s ch m i d t und Julius K o p st e i n auszuschciden haben. Eine Wiederwahl sei zulässig. Er sagt weiters: Wenn ich mir zu dieser Neuwahl das Wort nehme, so habe ich nicht die Absicht, eine Programmrede zu halten. Es sind nun 25 Jahre, daß ich dem Präsidium angehöre (Bravo!) und die Art meiner Amtsführung Ihnen daher hinlänglich bekannt ist. Ich kann nur wünschen, daß Sie einen Besseren und Würdigeren aus diesen Sitz berufen mögen (Ruse: Das ist nicht möglich!) und daß ich gerne diesem den Platz räumen würde. Es wäre auch wünschenswert, wenn frische, jüngere, tatkräftige Kräfte in den Vorstand kämen. Wenn Sie der Ansicht sind, daß ich noch auf diesem Platze meine Pflicht tue, nur dann bitte ich Sie, mich wieder zu wählen. Herr K o p st e i n sagt: Auch ich habe nicht die Absicht, eine Kandidatenrede zu halten. Ich gehöre die Hälfte der Zeit, auf die mein geehrter Herr Vorredner zurückblicken kann, dem Vorstande an, und es ist nun das 4. Mal, daß ich vor Sie trete, um Sie zu bitten, mir ein Mandat anzuvertrauen. Daß ich den Obliegenheiten als Kassier gewissenhaft und in voller Pflichterfüllung nachgekommen bin, brauche ich Sie wohl nicht zu versichern. Bei dieser Gelegenheit, meine sehr geehrten Herren, möchte ich eine Bitte an Sie richten. Wir sind trotz aller Anstrengung, wie sie aus unserem Jahresbericht gehört haben, nicht imstande gewesen, die Zahl unserer Vereinsmitglieder zu erhöhen. Wenn aber jeder von Ihnen in seinem Kreise für uns wirken wollte, so wären wir in der Lage, viel mehr noch zu leisten und vor allem befähigt, unsere Funktionäre, die in würdigster Weise den Gottesdienst verrichten, so zu entlohnen, wie wir es gerne wünschten. Ich bitte Sie also, meine Herren! uns in der Acquifition neuer Mitglieder helfen zu wollen. Wenn Ihre Wahl wieder auf mich fallen sollte, werde ich in gewohnter Weise meine Pflicht tun. Herr Wilhelm Pappenheim ergreift das Wort: Etwas, was 25 Jahre währt, ist jedenfalls von guter Währung. 25 Jahre! Nach 25 Jahren feiern die Menschen die filberne Hochzeit. Wir find aber in Oesterreich im Begriffe die Goldwährung einzuführen. Und so kann ich nur aus dem Grunde des Herzens wünschen, daß auch hier die Goldwährung eingeführt werde und daß es unserem hochverehrten Präsidenten noch eine lang? Reihe von Jahren vergönnt sei, in so selbstloser außerordentlicher Weise zum Wohle des Vereines zu wirken, denn es ist keine Frage, daß wir nie das erreicht hätten, was wir erreicht haben, wenn unser Obmann die Sache nicht in die Hand genommen hätte. Ich bitte, daß die Goldwährung eingeführt werden möge. «Lebhafter Beifall.) Herr Obmann G. B e t t e l h e i m dankt für die überaus freundlichen Worte und bittet die Herren E h r e n f e l d und W a i z n e r, als Skrutatoren fungieren zu wollen. Bei der hierauf vorgenommenen Wahl werden in den Vorstand gewählt: die Herren G. B e t t e l h e i m und Heinr. Goldschmied mit allen abgegebenen Stimmen, Herr Jul. K o p ft e i n mit 40 Stimmen: eine Stimme entfällt auf Herrn Baumeister Melcher. In den Ausschuß werden einstimmig gewühlt die Herren: Salo Fuchs, Dr. Alfred G l o g a u, Leopold Hendl. Gerson Koralek. Wilhelm Pappenheim, Josef Steiner, Dr. Ad. Steiner, Isidor T r e b i t s ch. Herr Moritz Fried bittet eine Anregnng geben zu dürfen. Er habe an den hohen Feiertagen bemerkt, das; den Kindern der Zutritt in den Tempel verweigert wurde. Das Bestreben, die Kinder zum Judentum zu erziehen, darr den Eltern nicht dadurch erschwert werden, daß man den Kindern, die aus irgend einem Grunde ohne Eltern an den Festtagen den Tempel aussuchen, den Zutritt verweigere. Er wolle kernen intrag stellen, sondern überlasse diese Anregung ruhig dem Ermessen des Vorstandes. Herr Dr. Bloch sagt: Es existiert ein großer Verein „Tefilat neorim", der die Aufgabe har. Kindergottesdienste zu veranstalten und der auch von der Gemeinde zu diesem Zwecke unterstützt wird. Der Gottesdienst wird in würdigster Weiie versehen, dorthin könne man die Kinder senden: Redner sei nickt dafür, die Kinder allein in die große Synagoge, wenn sie ohne elterliche Begleitung kommen, hinein.zulasfen. Redner glaubt im Namen der Vereinsmitglieder, dem Präsidenten für seine viele Mühe, für seine immense Arbeit während 25 Jahren den Dank aussprechen zu dürfen und bittet die Versammlung, sich zur Ehrung des Präsidenten von den Sitzen zu erheben. Die Generalversammlung erhebt sich. (Lebhaftes Beifallklatschen, Bravorufe.) Obmann G. B e t t e l h e i m dankt für die Ehrung und führt in Erwiderung der seitens des Herrn Fried gegebenen Anregung aus, daß der Verein seit vielen Jahren die Gepflogenheit habe, es keinem Besucher des Tempels zu verwehren, die Kinder mitzunehmen. Außerdem erhalten die Lehrer an den Mittelschulen Eintrittskarten und es brauchten daher die Schüler nur bei diesen um eine solche bittlich zu werden. Außerdem bekomme aber jeder arme Mittel- sowie Hochschüler, der in der Vereinskanzlei ansuche, eine Gratis-Entreekarte. Sehr viele Hochschüler machen auch hievon Gebrauch. Wenn also ein Schüler keine Eintrittskarte habe, so sei dies seiner eigenen Nachlässigkeit zuzuschreiben. Herr Bettelheim dünkt den Herren für ihr Erscheinen und schließt um 8 Uhr die Sitzung. Girre jüdische Gemeinde an Ernesto Nathan. Anläßlich der Wahl Ernesto N a t h a n'» zum Bürgermeister von Rom richtete das Präsidium der Fünfkirchner israelitischen Kultusgemeinde an denselben ein Begrüßungsschreiben, dessen Verfasser der Fünfkirchner Oberrabbiner

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.