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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-01-10 · 2 (10.1.1908) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
2 (10.1.1908)
Date
1908-01-10
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 28 Dr. 3Biocbys Mocvenscvrirr. Nr. 2 der Parteien, hebräische Inschriften anzubringen, beinhalte, seine Zustimmung nicht erteilt und beantragt, zu beschließen, den Parteien möge angelegentlichst nahegelegt werden? zur Wahrung des konfessionellen Charakters des jüdischen Friedhofes auf die Grabsteine in Zukunft auch hebräische Worte setzen zu lassen. In der Debatte ergreift zunächst Herr Kultusvorsteher S ch r a m e k das Wort und führt aus: Wenn man sich nicht schämt, bei Lebzeiten Jude zu sein, so dürfe man sich auch nicht schämen, nach dem Tode als Jude zu gelten. Die einzelnen Parteien seien auszufordern, den jüdischen Charakter des Friedhofes durch hebräische Inschriften zu wahren. Er wünscht, daß die Parteien sich hiezu schriftlich verpflichten. Der Präsident teilt mit, daß auf den Anmeldezetteln, welche im Friedhofsamte ausgegeben werden, ein diesbezügliches Ersuchen an die Parteien, auch bisher, fettgedruckt ist. Kultusvorsteher S. Steiner schließt sich ganz den Ausführungen des Herrn S ch r a m e k an. Hofrat Dr. R a p p a p o r t ist gegen die beiden Vorredner Steiner und S ch r a m e k, da eine Verpflichtung in der Praxis undurchführbar ist und auch ein Zwang nicht ausgeübt werden könnte, weil diejenigen, die im Friedhofe die Anmeldungen zu besorgen pflegen, in der Regel nicht berechtigt find, für die Parteien bindende Erklärungen abzugeben. Dr. Markus Spitzer weist zunächst darauf hin, daß in anderen Gemeinden der Kampf gerade in entgegengesetzter Weise geführt werde, nämlich um auch deutsche Grabinschriften durchzusetzen. Wenn man für die hebräische Inschrift auf jüdischen Friedhöfen eintritt, so geschehe dies aus Pietät für die Toten und aus Pietät für das Judentum. Heute kann man ganze Straßen auf dem Friedhofe durchgehen, ohne auch nur einen hebräischen Buchstaben zu sehen. Es sei bemerkenswert, daß die Gemeinde in den alten Friedhöfen konservativ ist und für Entzifferung alter hebräischer Inschriften so viel opfert Warum ist man nur dort konservativ und nicht auch auf dem jetzigen Friedhof? Juristisch betrachtet steht die Frage so: die Gemeinde ist der Herr des Friedhofes und kann diejenigen Verfügungen treffen, die sie für die Wahrung des konfessionellen Charakters desselben notwendig hält. Ein jüdischer Friedhof ohne jüdischen Stein ist kein jüdischer Friedhof. Kultusvorsteher Dr. Breuer ist gegen die zwangsweise Einführung der hebräischen Inschriften. Er ist überzeugt, daß ein großer Teil der Gemeindemitglieder gegen einen solchen Zwang protestieren würde. Auch er würde fich einem solchen Proteste anschließen. Kais. Rat Jonas Weil spricht sich für den Vorschlag des Vertreterkollegiums aus. Vertreter Dr. Leopold K o h n ist der Ansicht, daß ein obligatorischer Beschluß nicht zur Durchführung gelangen könnte. Aber gegen die Ansicht, daß man kein guter Jude sei, wenn man auf den Grabstein nicht hebräische Inschriften setze, müsse er sich wenden. Erst gestern habe die „Neue Freie Presse" über neue Katakombensunde in Rom berichtet, (Dieser Bericht fand sich schon vor zwei Wochen in der „Oesterr. Wochenschrift" Anmerk. d. Red.) woraus hervorgeht, daß auf den ausgegrabenen Grabsteinen keine einzige hebräische Inschrift zu finden war. Die Inschriften waren durchwegs griechisch, d. h. in der Sprache, die jedem verständlich war. Die alten Inschriften werden nicht aus Liebe zur hebräischen Sprache entziffert, sondern, weil wir aus ihnen erst all die großen Männer kennen lernen, die einst in Wien gelebt haben und so in die Lage kommen, ihr Andenken gebührend zu ehren. Dr. Alfted Berger steht auf dem Standpunkte, daß ein imperativer Beschluß ganz gut durchgeführt werden könnte, da es bei einem gemeinsamen Friedhofe kein Individualrecht gebe, sondern ein jeder, der dort einen Platz erwirbt, fich der geltenden Friedhofsorduung zu fügen habe. Die Gemeinde habe ihr Recht, auf den Text der Inschrift Einfluß zu üben, in anderen Fällen bereits geltend gemacht. Was die Katakomben betrifft, so sei daS kein Beweis, da diese' in eine Periode fallen, in der die Juden vieles aufgegeben haben. In diese Zeit fällt -uch die Entstehung der Septuaginta. Vertreter Salo Cohn ist auch gegen den Zwang. Kais. Rat Sachs ist wohl der Ansicht, daß die Majorität der Gemeindemitglieder für eine hebräische Inschrift ist, doch stellt er im Interesse des Friedens in der Gemeinde den Vermittlungsantrag, daß die hebräische Inschrift obligatorisch eingeführt werde, und nur wenn jemand hievon enthoben werden will, sei das Vertreterkollegium berechtigt, dies zu bewilligen. Vizepräsident Dr. Gustav Kohn: In der Sache^seien wir ja alle einig, daß in einen jüdischen Friedhof jüdische Inschriften gehören. Zwangsweise ist dies jedoch undurchführbar. Er beantragt, der Vorstand möge fich heute bloß prinzipiell einigen, daß die Verbreitung jüdischer Inschriften auf dem jüdischen Friedhofe angestrebt werde. Die Form, in welcher dies zu geschehen habe, sei der nächsten Sitzung Vorbehalten. Schließlich wird der Antrag des Vertreterkollegiums mit großer Majorität angenommen. XXXXI Generalversammlung des israelitischen Bethausvereines „Chewra Beth Hatfilah" am 4. Dezember 1908. Herr Obmann G. B e t t e l h e i m eröffnet um 7 V4 Uhr die Sitzung, konstatiert die statutenmäßige Beschlußfähigkeit der Versammlung, begrüßt die Erschienenen und gibt bekannt, daß die Herren Mitglieder Salo Cohn, Dr. H. F i a l l a, Max Frank, Emil Fürth, Dr. C. Hecht, Leop. Hendl, Direktor Wilh. Kux, kais. Rat Ed. R e i k h, Polizeirat S t u k a r t und Js. T r e b i t s ch ihr Fernbleiben entschuldigt! haben. Schriftführer Herr Simon verliest das Protokoll der vorjährigen Generalversammlung, das sodann genehmigt wird. Hierauf erstattet Herr Obmann G. B e t t e l h e i m den Rechenschaftsbericht und sagt: Hochgeehrte Versammlung! Wenn wir das abgelaufene Vereinsjahr in seiner Gesamtheit überblicken, so können wir von demselben nur sagen, daß es fich durch keinerlei ungewöhnliche Vorfälle von den vorangegangenen unterschieden hat. Ein Aufruf, den wir unter Beilage des letzten Jahres' berichtes an alle im IX. Bezirk wohnhaften Gemeindemitglieder versendet haben, hat kaum hingereicht, den alljährlichen Ausfall an Vereinsmitgliedern wettzumachen. Wir zählten am Schluffe des abgelaufenen Jahres 316 Mitglieder. Es sind nämlich 23 Mitglieder zugewachsen, während 21 ausgetreten und 6 durch den Tod abberufen wurden: u. zw. die Herren Jakob Blau, bis zu seiner Erkrankung Vorsteherstellvertreter unseres Gotteshauses, Dr. Alois Baß, Ignatz Herrschmann, Jakob Jeiteles, Fritz Krauß und Leopold Z e r n e r. An dieser Stelle haben wir auch eines schmerzlichen Verlustes zu gedenken, von dem wir erst vor wenigen Tagen betroffen wurden. Unser früherer Seelsorger Rabbiner Wilhelm S o r wurde am 15. Dezember 1907 nach einem langen Leben rastloser Tätigkeit im Dienste unseres Glaubens zur Ruhe gebettet. Erfüllt mit Begeisterung für unsere heilige Religion, die er mit größtem Eifer und Beredsamkeit verkündete, umfaßte seine Liebe und Milde alle gleichmäßig, die seiner Fürsorge anvertraut waren, seine Gemeinde, die große Zahl seiner Schüler, wie seine Familie. Wir alle werden dem echten Priester ein liebevolles Angedenken bewahren. Sie haben durch Erheben von den Sitzen Ihrer Trauer für die im Laufe des Jahres Verschiedenen Ausdruck gegeben und gestatten, daß diese Trauerkundgebung im Protokoll vermerkt werde. Es wurden 75 Knaben und 45 Mädchen konfirmiert und 90 Brautpaare getraut. Die Spenden und Sitzmieten find wesentlich zurückgeblieben, doch schreiben wir dies nur dem Umstande zu, daß die wohlhabenden Mitglieder wegen der diesjährigen Blatternepidemie und dem frühen Eintritte der Feiertage ihre Andacht auswärts verrichteten. Dagegen zeigen die Einnahmen aus den TrauungStaxen eine wesentliche Zunahme.

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