Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 2 (10.1.1908)
- Date
- 1908-01-10
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1 m. Biocb’s Mocbenscvrtn. Seite 87 Des hochinteressanten Inhalts wegen hielt Verfasser es für angezetgt, die kompetente Bestätigung der Originalurkunde des betreffenden Autogramms beizufügen. Der hochverehrte Herr Dr. Lud. August v. Frankel, Sekretär und Archivar, Ritter des k. k. österreichischen Franz Joseph-Ordens, Inhaber noch mehrerer Oe den und Medaillen für Kunst und Wissenschaft, Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher und humanitärer Vereine rc., erteilte uns in gewohnter Güte die gewünschte Bestätigung, wie sie hier mitfolgt. *) Das Autographum lautet: „30. Mai 52. Um das Jahr 1849 wurde Horwitz zur- Erzherzogin Maria Dorothea, Ww. des Erzherzogs Josef, Palatin von Ungarn, berufen. Diese hohe Frau, eine Judenfreundin einerseits, eine Gönnerin und Beförderin der hebräischen Literatur anderseits, wollte die Bekanntschaft des Rabbi Horwitz machen. Von dieser Stunde an war diese hohe Frau dem Horwitz sehr gewogen, er mußte von Zeit zu Zeit bei ihr erscheinen, wo sie sich oft stundenlang mit ihm über Themata der Wissenschaft unterhielt. Sehr oft äußerte sie gegen Horwitz ihre entschiedene Sympathie für das jüdische Volk, daß sie der vollen Hoffnung lebe, daß Israel eine große Zukunft bevorstehe; daß es wieder in sein Erbe in Palästina eingesetzt werde und der heilige Tempel wieder auf Zion prangen werde, daß es, ihrer Meinung nach, Sache der hochgestellten, mit Reichtum gesegneten Männer in Israel wäre, .vor allem von der hohen Pforte den Grund und Boden Palästinas zu kaufen. Zu Ende des Jahres 1851 wurden mehrere hundert Familien israelitischer Religion von seiten der löbl. Polizei in Wien ausgewiesen: Horwitz begab sich zur Frau Erzherzogin und legte in sehr ergreifenden Worten das herbe Geschick dieser Familien, die in der rauhen Jahrszeit auswandern sollten, der hohen Frau mit der Bitte ans Herz, sie wolle bei Sr. Majestät ihre mächtige Fürsprache für diese unschuldigen, unglücklichen Israeliten einlegen. Die Erzherzogin versprach, dies mit aller Bereitwilligkeit tun zu wollen, bezeichnet^ aber gleichzeitig Zeit und Stunde, wo sie mit Sr. Majestät sprechen wollte. Als Horwitz über diese genaue Bezeichnung der Stunde sein Befremden zu erkennen gab, sagte die Erzherzogin: „Das tue ich darum, daß Sie um diese Stunde zu dem lieben Gott beten sollen, daß meine Fürsprache in Gnaden ausgenommen und berücksichtigt werden möge." Ein providentielles Ereignis ist es, wenn zahlreiche Familien, die dem herben Geschick ausgesetzt werden, in hilfloser Lage im Winter ihre Wohnstätt en verlassen müssen und nur durch einen, von der göttlichen Providenz gesandten Engel, Erzherzogin Maria Dorothea, errettet, vor Not und Elend bewahrt werden. Ein providentieller Moment ist es ferner, wenn ein Gelehrter, wie Lazar Horwitz. dessen hervorragender Charakter Bescheidenheit war, zu einer Erzherzogin berufen, und das edle Werkzeug wird zur Errettung Tausender israelitischer Seelen von unabsehbarem Elend! Wenn Mitglieder dieser Hunderte israelitischer Familien aus dieser Mitteilung ersehen, wer ihr unbekannter Retter aus der Bedrängnis des Jahres 1851 war, so werden sie für ihre erlauchte Retterin und Wohltäterin Dankgebete zu Gott entsenden." Wien, 6. März 1886. Dr. L. A. Franke l. *) Auf Wunsch des Herrn Rabb. Josef Natonek bestätipe, daß diese mir vorgelegte Kopie mit dem von sel. Rabbiner Lazar Horwitz eigenhändig geschriebenen Originale vollkommen identisch ist. Die Notiz ist vom Herrn Rabbiner Horwitz zwar nicht unterschrieben, aber die Schriftzüge desselben sind mir aus langjährigem amtlichen und persönlichem Verkehr sehr wohl bekannt. Korrespondenzen. Aus der öffentlichen Plenarsitzung des Wiener israelitischen Kultusvorstandes vom Sonntag de» 5. Jänner 1908 unter dem Borsitze des Präfidenten Herrn Dr. Aisred Stern. Beginn 11 Uhr vormittags. Nach Verlesung des Einlaufes richtet Kultusvorstand Max Frank die folgende Anfrage an den Präfidenten : „In der letzten Nummer der „Neuen Nationalzeitung" findet fich in dem Zeitungsbericht über die jüngste Budgetberatung deS Kultusvorstandes die Behauptung, daß von der im Voranschläge unter dem Titel „Gnadenakte" angeführten Summe 7000 Kronen an zwei Wiener jüdische Zeitungen gegeben wurden. Der Interpellant richtet nun an den Präsidenten das Ersuchen, diesen Punkt in öffentlicher Sitzung aufzuklären, da ihm daran liege, daß es festgestellt werde, daß im Gemeindebudget nichts verschleiert ist und die veranschlagten Summen auch ausschließlich den bestimmten Zwecken zugesührt werden. Präsident Dr. Alfred Stern: Die Zeitungsnotiz, von welcher ich soeben Kenntnis erhalte, ist vom Anfang bis zum Ende erfunden. Die unter dem Titel „Gnadenakte" angegebenen Summen werden ausschließlich für den angeführten Zweck verwendet. Unter Post 30 befindet sich eine Summe von 6000 Kronen für Jnseratengebühren. In dieser Summe find jedoch nicht nur die fixen Jnseratenbeiträge an die jüdischen Blätter, sondern auch an alle T a g e s b l ä t t e r, die amtliche „Wiener-Zeitung" inbegriffen, in welchen die Inserate der Gemeinde veröffentlicht zu werden pflegen. Die Zeitungsnotiz in der „Neuen Nationalzeitung" ist demnach vollständig erfunden". Sodann wird beschlossen, sowohl die Interpellation wie auch die Beantwortung zu protokollieren. Bei der hierauf erfolgten Wahl der zwei Vizepräsidenten werden die Herren Landesschulrat Dr. Gustav K o h n zum ersten und Baurat Theodor Ritter v. Goldschmidt zum zweiten Vizepräsidenten einstimmig wiedergewählt. Vizepräsident Doktor Gustav K o h n dankt für die neuerliche Wahl und verspricht, anstatt eine längere Programmrede zu halten, nach wie vor seine ganze Arbeitskraft dem Wohle der Gemeinde zu widmen. (Beifall.) Vizepräsident Baurat v. Goldschmidt dankt ebenfalls für das Vertrauen und konstatiert mit Freuden, daß er diesmal sämtliche Stimmen auf fich vereinigt habe, was im vorigen Jahr nicht der Fall war. Er erblickt darin den Ausdruck der Zufriedenheit mit seinen Leistungen und will auch in Zukunft seine Pflicht im ehrlichen Sinne erfüllen. (Beifall.) Hierauf werden die nachfolgenden bisherigen Mitglieder des Vertreterkollegiums wiedergewählt: Dr. Alfred Berger, Salo Cohn, Dr. K a tz a u, Dr. Leopold K o h n, Wilhelm v. K u f f n e r, Bernhard Pollak vonParnau, Hofrat Dr. Benjamin Rappaport, Dr. Maximilian Steiner. Hernach werden die verschiedenen Kommissionen im Sinne des Vorschlages des Vertreterkollegiums per Akklamation gewählt. Hier sei auch die Bemerkung des Herrn Gemeindesekretärs kais. Rat Dr. Lieben verzeichnet, daß, obgleich der Voranschlag für das Jahr 1908 im Sinne der Statuten während voller 14 Tage zur Einsicht für jedermann auflag, kein einziger Steuerzahler von diesem Rechte Gebrauch gemacht hat. Den nächsten Punkt der Tagesordnung bildete eine interessante Friedhofsangelegenheit. Die Friedhofskommisfion hatte noch im Sommer des vorigen Jahres dem Vertreterkollegium den Beschlußantrag unterbreitet, daß jede Partei, welche im Wiener jüdischen Friedhof ein Grab- oder Gruftmonument errichten laffe, verpflichtet werde, eine hebräische Inschrift — und sei es auch nur den hebräischen Namen — anbringen zu laffen. Das Vertreterkollegium hat nun in Anbetracht des Umstandes, daß für die Durchführung einer imperativen Verfügung in dieser Richtung jede Handhabe fehle, zu einem Beschlüße, welcher eine Verpflichtung