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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-01-10 · 2 (10.1.1908) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
2 (10.1.1908)
Date
1908-01-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 2 Dr. Blocö's Mocoenscvrm- Seite 25 Ueber dem großen Beratungssaal des Kongresses in Oxford sollten die goldenen Worte des indischen Königs Acoda stehen, die er niederschrieb, als er ein Schüler Buddhas geworden. „Der König Pyadasi, ein Liebling der Devos, ehrt alle Religionen . . . Man darf die eigene Religion nicht überschätzen, indem man die übrigen in Verruf bringt oder ohne legitimen Grund mißachtet; im Gegenteile ist es notwendig, dem anderen Glauben bei jeder Gelegenheit diejenige Achtung entgegenzubringen, die ihm gebührt. Indem man so handelt, trägt man zum Fortschritte der eigenen Religion bei, indem man die andere achtet.^Handelt man aber anders, so schadet man nur der eigenen Religion, indem man die religiöse Ueberzeugung der anderen zu diskreditieren trachtet. Derjenige, der seinen Kult überhebt, indem er die anderen erniedrigt, tut doch dies sicherlich, um seinem Berufe zu folgen und in der Absicht, seine eigene Religion in desto schönerem Lichte zu zeigen. Wer sich jedoch dermaßen verhält, fügt seiner eigenen Religion die empfindlichsten Schläge zu. Nur die Eintracht ist^das einzige gute, denn dank dieser vermögen alle entsprechend ihren religiösen Ideen zu leben." Diese Worte wurden dreißig Jahre vor der jetzigen Zeitrechnung gesprochen und diese auf dem vom großen König einberufenen Konzil ausgesprochenen Ansichten können als die wahren Vorläufer der Kongresse für die Geschichte der Religionen^ betrachtet werden. Was hat es für die unsterbliche, weil göttliche Menschheit zu bedeuten, daß diese Gespräche auf Jahrtausende zurückreichen? Die Geschichte iftHgeduldig, wie die. Natur! Freiheit und Ehrlichkeit in'.der Erforschung der Glaubensbekenntnisse, Freiheit und Ehrlichkeit in der Ausübung des Glaubens: In diesen Leitfäden der alten indischen Weisheit spiegelt sich die ewige Jugend der Menschenwürde wieder. („Corriere della Sera".) Hebräisch in der Mittelschule. Anläßlich des sechsten Verbandstages der israelitischen Religionslehrer an den österreichischen Mittelschulen hielt am 30. Dezember im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde Herr Professor Dr. Adolf Weiß einen mit vielem Beifall aufgenommenen Vortrag über die Notwendigkeit des hebräischen Unterrichtes, den wir, weil sich viele Kreise für diese Frage interessieren und weil die bevorstehende Enquete über die Reform des Mittelschulwesens möglicherweise sich auch mit dieser Frage beschäftigen dürfte, auszugsweise mitteilen. Angesichts der im Publikum vielfach gehörten Klagen über den hebräischen Unterricht hält es der Vortragende für eine Pflicht der Mittelschul-Religionslehrer, sich zu äußern, und glaubt, daß fortgesetztes Schweigen darüber überall ungünstig ausgelegt werden dürfte. Ohne die Religionslehrer dürfe über den Religionsunterricht nicht entschieden werden und dieser müffe vor bleibendem Schaden bewahrt werden. Obgleich die Zustimmung der Religionslehrer zur Abschaffung des hebräischen Unterrichtes sie^ von manchem Odium entlasten würde, zwinge sie ihre Gewissenspflicht, sich entschieden gegen diesen Schritt auszusprechen. Vom religiösen Gesichtspunkte sei kein Zweifel darüber, daß der Religionsunterricht vor allem Unterricht in der Thora sein und bleiben müsse. Gegen diesen seien alle anderen Bestandteile des Religionsunterrichtes von verschwindender Bedeutung. Allerdings falle diese Aufgabe zunächst den Eltern zu. Leider seien gegenwärtig nur mehr vereinzelte Eltern. in der Lage oder geneigt, dieser Aufgabe gerecht zu werden. Was blieb also anderes übrig, als daß die Kultusgemeinde in ihrer pflichtgemäßen Fürsorge für die religiösen Interessen subsidiarisch an die Stelle der Eltern trat? Der Vortragende müffe bekennen, daß die Vertretung der Wiener Kultusgemeinde ihre Aufgabe im idealsten Sinne erfaßt, daß die gedeihliche Gestaltung der Religionsunterichtes jederzeit den Gegenstand der schwersten und ernstesten Sorge des Knltusvorstandes gebildet habe. Tatsächlich sei bereits ein Versuch gemacht worden, den hebräischen Unterricht auszuschalten, und zwar von 1878 bis 1891, die Erfolge aber könnten zur Wiederholung dieses Versuches nicht ermuntern. Im Jahre 1891 sei der Kultusvorstand durch eine elementare Bewegung unter den Kultuswählern zur Wiederherstellung des hebräischen Unterrichtes gezwungen worden. Der hebräische Bibelunterricht könne in keinem Falle durch eine Bibelübersetzung substituiert werden, weil ihre Sprache viel eindringlicher, tiefer und bleibender auf das Gemüt der Jugend wirke. Die Sprache, in der Israels heiligstes Erbe der Menschheit überliefert wurde, die Sprache, in der die erhabensten Lehren der Gerechtigkeit und Nächstenliebe, die völkerbeglückenden und heute noch vorbildlichen sozialpolitischen Einrichtungen verkündet wurden, in welcher mit hinreißender Beredsamkeit die universalistischen Ideen der Propheten vorgetragen wurden, die Sprache, in der jene herzergreifenden Gesänge gedichtet wurden, die noch heute Millionen Herzen in Synagogen und Kirchen erheben und trösten, dürfe der israelitischen Jugend nimmermehr vorenthalten werden. Auch vom national-geschichtlichen Standpunkte komme man zu dem gleichen Ergebnis. Seit dem Bestehen des Judentums wurde der Erlernung des Hebräischen die eifrigste Fürsorge zugewandt. Sie bildete die Sprache des Gottesdienstes und habe auch in den späten Zeiten des Mittelalters zahlreiche Dichter zu herrlichen Liedern begeistert, denen keine Poesie der Welt gleichwertige gegenüberzustellen hat und die das nationale Lied und die innigen Beziehungen Israels zu Gott so ergreifend schildern. Die hebräische Sprache hat eine Literatur von unvergänglichem Werte, die alle Gebiete des menschlichen Wissens umfaßt. Sie hat auch nie aufgehört, eine lebende Sprache zu sein, noch jetzt erscheinen täglich hebräische Bücher und Zeitungen. Sie ist das Bindemittel der Juden aller Länder und den unglücklichen Stammesbrüdern, die vom Schicksal in die Fremde verschlagen worden find, gibt die gemeinsame Sprache des Gottesdienstes Trost und Aufrichtung. Sie erhält das jüdische Zusammengehörigkeits- und Brüderlichkeitsgefühl. Sie ist das Geheimnis der unverwüstlichen Lebenskraft des Judentums. Aber auch zahlreiche ethische Grünve fordern das Festhalten an dem hebräischen Unterrichte. Sollen die Juden das Feld der Bibelforschung ausschließlich der christlichen Theologie überlassen, die, wie Friedrich Delitzsch kürzlich nachgewiesen hat, durch mißverständliche Auffaffung des Alten Testamentes oft zu Jrrtümern gelangt ist? Ist es nicht Ehrensache der Juden, ihr überliefertes Schrifttum zu pflegen? Auch die Notwendigkeit, die Jugend zur Charakterfestigkeit in nationaler und religiöser Hinsicht zu erziehen und sie zu einem selbständigen Urteile über die Wahrheit der so oft gegen das Judentum gerichteten Anklagen und Verleumdungen zu befähigen, weist zwingend auf die Notwendigkeit des hebräischen Unterrichtes hin. Vom pädagogischen Standpunkte muß die Tatsache zugegeben werden, daß der hebräische Unterricht eine Mehrbelastung der israelitischen Schüler in sich schließe, daß diese Sprache wegen ihrer Zugehörigkeit zu einem von den klassischen und neueren Sprachen verschiedenen Sprachstamme den Schülern schwierig erscheine und daß die dafür verfügbare Zeit — eine wöchentliche Stunde — eine gründliche Einübung des Gelernten ausschließe. Andererseits werden aber unausgesetzte Bemühungen darauf gerichtet, die Methode zu verbeffern, Hilfsmittel zu schaffen, das Stoffquantum zu vermindern und durch technische Kunstgriffe die Geistesarbeit der Schüler zu erleichtern. Auch werden trotz des geringen Zeitausmaßes tatsächlich bedeutende Erfolge erzielt. Die oft gehörte Klage, daß die Schüler zu viel Grammatik zu lernen hätten, entspricht der Wahrheit nicht. Von Grammatik erfahren die Schüler nur einige geringfügige Einzelheiten, um die Neben- und Hauptbestandteile der Wörter kennen zu lernen. Vokabeln, Paradigmen, Unregelmäßigkeiten und Syntax werden nicht gelehrt. Die angeführten Elementarkenntniffe find jedoch keine Erschwerung, sondern ein Hilfs-

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