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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-01-03 · 1 (3.1.1908) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
1 (3.1.1908)
Date
1908-01-03
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Seite 17 Nr. i c c, Jblocö s TtSäocöendcbritt seiner wahrhaften Frömmigkeit und rastloser Arbeitsamkeit im reichsten Maße auch die reine Menschenliebe ohne Unterschied der Konfession, wie dies im ganzen Preßburger und Neutraer Komitat bekannt ist. Für seine eigene Person fast bedürfnislos, spendete er jedem an sich Wendender: nicht nur mit vollen Händen, sondern auch in einer Weise, die jedem Beteiligten davon überzeugte, daß ihm das Wvhttun ethisches Bedürfnis sei und innere Freude verursache, und wer so wie Schreiber dieser Zeilen Gelegenheit hatte, sein Wohlrun jahrelang aus unmittelbarer Nähe zu beobachten, muß darin übereinstimmeu, daß die menschliche Gesellschaft in dem Verblichenen das Muster eines wahrhaften, edlen Juden verloren hat. Zahllos sind die Beispiele seiner originellen bekannten und diskreten Wohltaten und Spalten könnte man damit zu Nutz und Fronunen so mancher Reichen füllen. Das Andenken des Gerechten gereicht zum Segen. Budapest. Die Vorstandswahl der hiesigen fortschrittlichen Gemeinde ergab: Dr. Philipp Weinmann «Vorsitzendem, Ludwig Adler, Sigmund L. Breituer, Tr. Wilhelm Grauer, Max Grünbaum, Sigmund Kornfeld und Mor. Stiller. Budapest. Den großen Preis der Franz Jost'pb- Jubiläumsstiftung für Wisstnschasl und Literatur erhielten zwei jüdische Journalisten: Dr. Hugo Cs ergo und Michael P ü s z t o r. Wieselburg den 29. Dexember 1907. Frau Berra Fellner geborene F l e s ch, Schwester des Herrn Rabbiners Dr. H. F l e s ch in Kanitz, ist gestern unter großer Beteiligung beerdigt worden. Herr Rabbiner Löwinger und Rabviner Dr. F l e s ch hielten derselben warme Nachrufe. Kattowitz. Zu Repräsentanten der jüdischen Genwinde wurden folgende Herren gewählt: Dr. Med. Preiß, Bernhard Guttmann, Julius Nothmann, Hermann Dombrowski, Elkan Dzialosczynski, Spediteur Kalschinsky, Justizrat Badrian, Josef Brauer und Isaak Markus. Berlin, den 28. Dezember 1907. Eine vereheliche Redaktion ersuchen wir, im Interesse ihres Leserkreises höflichst um gefl. Aufnahme nachfolgender Warnung! Nach den sehr unangenehmen Erfahrungen, die wir aus unserer unter Leitung des Herrn A. Grajevsty, Direktors der in Jerusalem domizilierenden Tabor-Reisegesellschaft, ausgeführten Orientreise gemacht haben, erbieten wir uns, einem jeden, der sich etwa der Führung des genannten Herrn anvertrauen will, Auskunft über dessen programmwidriges Verhalten zu erteilen, da wir uns für verpflichtet halten, andere vor ähnlichen Unannehmlichkeiten zu schützen. Jsak Cohn und Frau Flora, geö. Weht Berlin NW. Schiffbauerdamm 29. Die Aankees. Erzählung von L. Juschkiewitsch. Ucöerictzt von Malwina Binmberg. Zum erstenmale nach dem Begräbnis ihrer während des Pogroms geschändeten und da: u ermor det: u Tochter Marusia zeigte sich Chawa im Laden. . . . Wie schwer wurde es ihr, über den Hof zu gehen! Ja, hier war es geschehen . . so war es . . . Nein, sie will nicht daran denken. Ihr schien, daß ihr aus allen Fenstern neugierige Blicke der Menschen folgen; die Tränen zurückhaltend und an das fürchterliche Unrecht denkend, woinir Gott fie heimgesucht, schlich sie aus dem Flur. „Ich bin noch kleiner geworden, begann sie, nachdem sie die ersten Begrüßungsworte mit der Ladenbesitzerin gewechselt, „uu, nichts, Gott bat es so gewollt. . . Und wenn Gott wrll. . . Da bin ich wieder bei euch! Ja. ja, ich weiß wie viel ich euch schuldig bin. . . Aber . . . mein Narr wirr euch schon bezahlen. Fürchtet nichts." Geta, die Lad.nbtsinsrin. ci:\: großgewacweue, hagere Frau mir wildroüenNu Aua-.n, zog -in re ecbmaleu, blutleeren Lippen zusammen. . . . Was V Haben die Hooligans sie vülletchr nicht beraubt? Nicht alles mitgenomm.n, was aus de.. Brettern war? Hat sie für eine Million Ware im Laden V“ Ihr braucht nicht zu erzähl-, n . . saute Chawa mit Ruhe. „Wozu Worte? . . . Aber ihr leid -An frischer Auköknmling ans unserer Straße und wißt nicht. . . . Wie lebt ein Makler? In Schuld en. Für die Wohnung zum Beispiel yat mern Narr schon -wer Monate nichts bezahlt, aber der Wirt wird uns iuau hruansw'rirn auf die Straße. Er weiß schon. Uno wenn Gott will, verdient ein Makler hundert Rubel aus einmal. . . Ja, meine Teure, alles nimmt mau aus Kredit, so dreht sich das Leben. . „Ich verstehe," erwiderte Geta nach kurzem Schweigen, „wo soll man es aber vernehmen, um alles zu borgen? Und was ist jetzt dieser Lao-a? Ehedem brachte mein Mann jede Woche vwr vis fünf Rubel nach Hause; ihr wißt aber doch, daß man ihn zum Krüppel g macht hat. Man hat ihm beide Hunde gebrochen, die rechte und die linke. . . . Nu — mir den Füßen, soll er nähen?1 „Meine Teure," bar Ghana, „m-.iur- Teure. . . . Ich kann tu Trauen ansorcchen. . . Und in leisem Flüsterton begannen Beide von den Grausamkeiten der Plünderung zu sprechen und Beide brachen in Tränen ans, vor ihren cig.nen Worten sich fürchtend. „Niau muß sortsahren von hier," drängte Gela. „Was und wie die Leute auch reden mögen, ich weiß nur das Erue: man wird uns Alle rorschlageu. Es wird einmal kommen eine beacht, eine solche 8!acht, daß die Räuber gehen mit Aexrou von Haus zu Haus, und wie Viele unser sind, so Viele 'werden sie in einer solchen Nacht ausmorden. Und ich sage zu meinem Alten: „Fahren wir! . . . verknusen wir den Laden — mögen sie;eht verflucht! . . . Zwei Käuferinnen traten herein, sie erkannten Chawa und begannen mir ihr von der armen Marusia zu sprechen, Und plötzlich. Niemand wußte wieso, war das Gespräch auf das Thema des Schicksals der Juden im Allgemeinen überge^.angen. „Ja, Alle scharen sich zusammen," begann die Aeltere der beiden zuletzt Gekommenen mit rauher Stimme. „Vielleichr glaubt ihr, daß ich länger hier bleiben werde? Ich habe einen Sohn . . . Gorr sei es gedankt, einen guten Sohn. . . . Noch ein bischen und er wirb mich zu sich nehmen . . . „dorthin". Gelobt ui Gott, gelobt sei Gott i" „Und ich habe dort einen Schwiegersohn," sagte die Zweite, „er hat einen Oostladen. ... Ja, gerade in diesem Laden werde ich stehen und verlausen und ihm einige Kopeken ersparen. ..." Wie betäubt kehrte Cnawa nach Hause zurück. Ueberall ein und dasselbe, . . . Angst und Flucht. . . . Warum sollen sie dableibru? Ist >,s nicht rnung an dem einen Opfer, an der armen Marusia? Plötzlich blickte sie Zum Himmel empor, und als ob die Serie Marusias ihre Angen zu sich zöge, spricht sie mit Rührung und Trauer: „Dir ist schon gut. du, meine Liebe, mein armes Opfer — was aber wird mir uns noch sein?" In der Wohnung traf sie Gäste: den Makler Lejsor und Weiß. Kohan, ihr Narr Kvhau, ging auf und ab im Zimmer und gestikulierte lebhaft. „Nu, komm schon herein!" ries er erregt. „Höre, was Lejsor sagt!" Chawa hatte Lejsor für sein ernstes Wesen gern und auch dafür, daß er sogar Dummheiten glatt und hübsch zu erzählen verstand. Er war groß gewachsen, stark und hatte

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