Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 1 (3.1.1908)
- Date
- 1908-01-03
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Delle 13 Vr. Liocb's Mocbenscbrtrr. Nr. 1 Samstag von 10—11 Uhr geöffnet, doch kann sie über Wunsch auch sonst besichtigt werden. Auf Grund reiflicher Erwägung hat die Vereinsleitung einen Bethausvorstand bestellt in den Herren: Michael F e i t l er, Siegmund G e w i t s ch, Jonas L a m ber g, Moriz Ma n tl er, Rudolf Weil und Samuel Weiß, die durchwegs ihre Pflicht aufs Gewiffenhafteste erfüllten und dadurch um die würdige Repräsentation beim Sabbath-Gottesdienste, sowie durch manche dankenswerte Anregungen sich wesentliche Verdienste um den Verein erworben haben. Der Bericht erwähnt endlich die Allerhöchste Auszeichnung des verdienstvollen verehrten Kasseverwalters Herrn kais. Rates Friedrich Pol lack mit dem Orden der Eisernen Krone. Der Vorstand hat Veranlassung genommen, dem sehr geschätzten Kollegen zu dieser seltenen und hohen Auszeichnung zu beglückwünschen und ladet die Generalversammlung ein, sich diesem Glückwünsche auch heute anzuschließen mit dem Wunsche, daß es diesem ausgezeichneten Kollegen vergönnt sein möge, bis an die äußerste Grenze menschlichen Lebens im Dienste der Oeffentlichkeit und demnach auch indirekt zur Ehre des Judentums zu wirken. (Lebhafter Beifall.) Am Schluffe hebt der Redner hervor das einträchtige und harmonische Verhältnis zur Muttergemeinde und fügt hinzu: „Wir wollen nach wie vor, im besten Einvernehmen mit der Gemeindevertretung, unsere Tätigkeit entfalten und hoffen, daß, wann immer es das Interesse des Vereines erheischt, wir auch seitens des Vorstandes der Kultusgemeinde nach jeder Richtung hin die Förderung erfahren, die ein solcher Verein, wie der unsere, auch verdient." (Lebhafter Beifall.) Kassaverwalter kais. Rat Friedrich P o l l a k dankt zunächst in herzlichen Worten für die ihm seitens der Generalversammlung bereitete Ovation, er beleuchtet sodann an der Hand des Ziffernmateriales die finanzielle Situation des Vereines, welcher den Aufgaben und Verpflichtungen nur Dank der besonderen idealen Opferwilligkeit der Vereinsmitglieder gewachsen war. Redner wünscht, daß diese ideale Opferwilligkeit sich nicht vornehmlich bei traurigen Anlässen, sondern auch bei freudigen Gelegenheiten manifestieren soll. (Lebhafter Beifall.) Der Delegierte des Kultusvorstandes Herr Salo Cohn beglückwünscht zunächst den ausgezeichneten Kassaverwalter zu der ihm gewordenen seltenen Auszeichnung, gibt seiner Freude Ausdruck über die Ordnung und Opferwilligkeit, welche in diesem Vereine vorwaltet und spricht der Vereinsleitung im Namen des Kultusvorstandes den Dank aus. (Lebhafter Beifall.) Im Namen der Revisoren erstattet Herr Ignaz Reschovsky den Bericht und beantragt, der Vereinsleitung das Absolutorium zu erteilen. Die Generalversammlung genehmigt diesen Antrag einhellig. Zu Revisoren für das neue Vereinsjahr werden die Herren Ignaz Reschovsky und Leopold Stow asser, zu Stellvertretern die Herren Dr. Karl Löwy und Moriz Mantler bestellt. Beim 6. Punkt der Tagesordnung „Wahlen in den Vorstand" erklären die zum Austritt gelangenden Vorstandsmitglieder ein Mandat wieder anzunehmen. Herr Hermann Liebermann verweist darauf, daß er bereits 36 Jahre in der Vereinsleitung wirkt und deswegen wohl davon absehen dürfe, eine Kandidatenrede zu halten. (Lebhafter Beifall.) Er ist bereit, wie bisher, seinen Eifer und seine Mühe den Agenden des Vereines zu widmen. Der Vizepräsident des Vereines Herr Friedrich P o l l a k (VL, Schmalzhofgasse) verweist seinerseits, daß er auf eine mehr denn 40 jährige Wirksamkeit im Dienste des Vereines blicken darf (lebhafter Beifall); das entbinde auch ihn einer besonderen Kandidatenrede und er begnüge sich mit der Konstatierung seiner Bereitwilligkeit, die Aufgaben und Pflichten wie bisher weiter zu erfüllen, wenn die Vereinsmitglieder ihm das Vertrauen weiter bewahren. (Lebhafter Beifall.) Kaiser!. Rat T o f f l e - wendet sich an die Vereinsmitglieder zunächst mit der Bitte, durch eine erhöhte Propaganda für die Ausbreitung des Vereines und die Besserung seiner Finanzen zu wirken. Wenn die Vereinsmitglieder finden, daß er durch seine bisherigen Leistungen ihr Vertrauen gerechtfertigt habe, dann ist er gerne bereit, in seiner bisherigen Stellung weiter zu wirken. (Lebhafter Beifall.) Kultusvorsteher S. Steiner spricht den Vorrednern für ihr segensreiches Wirken, insbesondere aber dem Präsidenten des Vereines für seine hervorragende Tätigkeit den Dank aus und empfiehlt die einhellige Wiederwahl der ausscheidenden Vorstandsmitglieder. (Lebhafter Beifall.) Für das durch das Dahinscheiden des Vorstandsmitgliedes Herrn Leopold Bauer freigewordene Mandat in den Vereinsvorstand werden von einer Anzahl Vereinsmilglieder die Herren August F i s ch l und Samuel Weiß kandidiert, welche sich der Generalversammlung persönlich vorstellen. Herr August F i s ch l betont, daß er seit 23 Jahren in dem Bezirke ansässig und seit 30 Jahren Vereinsmitglied ist. Bereits früher einmal ist man an ihn herangetreten, er möge sich um ein Mandat für den Vereinsvorstand bewerben, nur Berufspflichten hielten ihn damals zurück. Dermalen ist er in der Lage, sich den Aufgaben des Vereines zu widmen, er bringe den besten Willen mit, zum Wohle des Vereines beizutragen. (Lebhafter Beifall.) Herr Samuel Weiß erklärt, daß nur religiöse Gefühle ihn bestimmen, bei den Vereinsgenossen sich um ein Mandat zu bewerben. Wie Abraham sei er in jene Jahre und in das Alter gekommen, da der Mensch mehr und mehr an das Ewige und das Göttliche denkt, und so drängt es ihn, den Rest seiner Lebenstage und seiner Kraft dem Dienste des Judentums zu weihen. (Lebhafter Beifall.) Der Vorsitzende bestellt als Skrutatoren die Herren David Kohn, S. Lemberger, Karl Reiß und Ludwig Mahler. Abgegeben wurden 95 Stimmen. Gewählt wurden mit sämtlichen Stimmen Hermann Liebermann, Friedrich Pollak und Josef Toffler, mit 59 Stimmen Herr August Fischl; 30 Stimmen fielen auf Herrn Weiß, 5 Stimmen auf Herrn Waller. Es kommen sodann drei durch mehrere Vereinsmitglieder überreichte Anträge zur Diskussion, von welchen der erste einen Turnus empfiehlt zu dem Behufe, daß bei jedem Gottesdienst Vorstandsmitglieder anwesend sein sollen. Der zweite Antrag, bezweckt die Schaffung von Notausgängen und der dritte befürwortet die Einrichtung einer elektrischen Ventilation. Der Vorsitzende, Herr Dr. Jakob Engel, bemerkt zu dem ersten Antrag, daß der Gottesdienst im Vereinstempel ein solch mustergültiger ist, daß es Jedem eine Freude bereitet, an demselben so oft als möglich teilzunehmen. Allein schwere Berufspflichten sind oft stärker als der Wille des Einzelnen und die Vereinsleitung hat aus diesem Grunde Bethausvorsteher bestellt, welche die repräsentativen Pflichten in der würdigsten Weise erfüllen; die Schaffung neuer Notausgänge sei nach dem Gutachten der Architekten schwer durchführbar, würde den Tempel entstellen und müsse für jene Zeit Vorbehalten bleiben, wenn an die Erweiterung des Tempels geschritten werde. Die elektrische Ventilation einzuführen, ist ein kostspieliges Unternehmen, dem die Finanzen des Vereines nicht gewachsen find. Bereinsmitglied Fabrikant Heinrick Bäck empfiehlt nachdrücklich den Antrag auf Einführung einer elektrischen Ventilation. Die Inhaberinnen der Frauensitze beschweren sich an hohen Feiertagen über die unerträgliche Hitze im Tempel, schon infolge der Gasbeleuchtung. Was sich heutzutage die kleinsten Kaffeehäuser gestatten, darf für diesen Verein nicht unerschwinglich sein. Er selber sei bereit, zu den Kosten der Ventilation einen Beitrag zu leisten. An der weiteren Diskussion beteiligten sich die Herren Ignaz Reschovsky, S. Lemberger, Rudolf Sohr, Adolf Hirsch, kais. Rat Josef T o f f l e r und Ignaz Klein. Der Vorsitzende, Herr Dr. Engel, bemerkt, daß die Vereinsleitung die Anträge neuerlich in Erwägung und Beratung ziehen werde, dankt den Vereinsmitgliedern für ihre lebhafte Teilnahme und erklärt die Generalversammlung für geschlossen.