Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 1 (3.1.1908)
- Date
- 1908-01-03
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Kette 10 Dr. JBlocD'a Mocbenscvrttt. Nr. 1 der Bräutigam sich die Liebe seiner Vorgesetzten und Kameraden erworben hat. Ein schöner Anblick war es, als die erschienenen Soldaten nach der Zeremonie vor der Synagoge Aufstellung nahmen, hier ihre Lanzen zu einem Triumphbogen formierten, unter welchen das Brautpaar unter großem Verfalle der zahlreich angejammelten Zuschauer die Synagoge verließ. Der Begründer des Slöjd Unterrichtes. Vor kurzer Zeit starb in seinem mittelalterlich gebauten Schlosse, das tief im Hochwalde unweit des schwedischen Städtchens Naas gelegen ist, der Begründer des Slöjd¬ Unterrichtes und selbstloser Leiter der größten Slöjd-Schule der Welt, Otto Salamon. Slöjd, oder deutlicher gesprochen die Erziehung zur Hausindustrie, wurde durch diesen reichen schwedischen Juden nicht nur begründet, sondern mit vielen Opfern auf eine wissenschaftliche Basis gestellt. Die Schule in Naas hat eigentlich den Zweck, Slöjd-Lehrer heranzubilden. Die Anstalt befindet sich gerade gegenüber dem alten Schlosse, in welchem der Verstorbene mit seiner Frau und zwei Söhnen mit einer nicht geringen Dienerschaft lebte. Beide Gebäude liegen in der Mitte der ausgedehnten Salamon'scken Besitzungen, die in echt schwedisch-feudalem Stile bewirtschaftet werden. Der jüdische Gutsherr stand bei seinen Bauern und Dienern in solchem Ansehen, daß sie, so oft der gutsherrliche Wagen sichtbar wurde, verebrungsvoll ein Knie beugten. Trotz dieser aristokratischen Allüren gilt es in Schweden als Sprichwort, daß die Salamon'sche Schule mehr als jede andere Institution geeignet sei, die demokratischen Grundsätze in der Welt zu verbreiten und das Volk von dem Geburtsadel zu emanzipieren. Otto Salamon wurde im Jahre 1859 in Gothenburg, Schweden, geboren, woselbst er auch seine erste Bildung g»- uoß. Sein Onkel, I. A b r a h a m s o n, ein reicher Wollhändler, kaufte das große Gut bei Naas mit dem aus dem 15. Jahrhundert stammenden Schloß und errichtete auf demselben eine Hausindustrieschule für Bauernkinder. Otto Salamon wurde in dieser Schule als Leiter angestellt. Er fand jedoch bald, daß die Schule in jenem kleinen Stile und mit der damaligen Methode nicht zu dem von seinem Onkel angestrebten Ziele, die Förderung der Hausindustrie und gewerblichen Fertigkeit unter den Bauern, führen könne. Die Schule wurde ausgelöst und an ihrer Stelle eine Uebungsaustalt für schwedische Lehrer errichtet. Dank der Opferwilligkeit des Herrn Abrahamson konnte selbst der ärmste Lehrer den auf sechs Wochen bemtssenen Kurs nebst vollständiger Verpflegung in Naas gegen ein minimales Entgelt von 36 Kronen absolvieren. Diese Methode hat sich als die richtige erwiesen. Bald war der Slöjd-Unterricht über ganz Schweden verbreitet, dann wurden die Absolventen der Kurse in Naas auch in andere Länder berufen, bis später die verschieden» n Regierungen Stipendien an Lehrer schufen, um ihnen die Möglichkeit zu geben, den Unterricht in Naas zu nehmen. Interessant ist eine Schilderung des Unterrichtes, den Miß Elizabeth E. L a u g l y anläßlich des Todes Salamons in einem englischen Blatte gibt. »Zur Zeit, als ich in Naas war, waren wir 143 Hörer, die neunzehn verschiedene Sprachen vertraten. Aus Japan und Rumänien, aus Egypten und Indien, aus aller Herren Länder waren Lehrer und Lehrerinnen nach Naas gekommen, um dem geistvollen Unterrichte Salamons zu folgen. Und Otto Salamon hat das tägliche Unterrichtspensum in vier Klassen, in schwedischer, deutscher, französischer und englischer Sprache vorgetragen. In tausenden von Schulen, in allen Weltteilen, hängt das Bild Salamons neben demjenigen Froebels und Pestalozzis und die vielen Bauernknaben, die nach dem Unterrichte in Slöjdarbeiten von irgend einem Hetzkaplan gegen die Juden gehetzt werden, erfahren es vielleicht nie, daß sie ihre Fertigkeit in erster Linie der Opferwilligkeit und Menschenliebe eines Juden zu danken haben." Das Leben während der Knrse war ein einfaches und durchaus demokratisches. Miß Langly erzählt, daß, als manche wohlhabendere Hörer aus Amerika ein komfortableres Leben beanspruchten und dafür bezahlen wollten, sie von Salamon barsch abgewiesen wurden. Die Schule sei für arme Lehrer gegründet und eine Ausnahme von der festgesetzten Lebensweise wäre eine Zurücksetzung für die Minderbemittelten, was den demokratischen Prinzipien der Anstalt widersprechen würde. Die jüdischen Bankiers in der amerikanischen Krise. Jetzt, nachdem die Folgen des amerikanischen Krachs ganz übersehen werden können, ist es jedenfalls erfreulich, konstatieren zu können, daß in die großen Bankskandale, durch welche so viele Menschen ihr Vermögen verloren haben, kein einziger jüdischer Bankier von Namen verwickelt war. Die amerikanischen jüdischen Blätter stellen mit berechtigtem Stolze fest, daß die jüdischen Finanziers gerade in dieser kritischen Zeit bewiesen haben, daß ihr Ruf der Solidität ein berechtigter ist. Es gab wohl jüdische Opfer, aber das waren nicht Spekulanten, sondern leichtgläubige Spareinleger und Aktienkäufer, die ihr geringes, schwer erworbenes Vermögen verloren. Die Gerüchte über Texas. Seit einiger Zeit werden in einzelnen jüdischen Blättern Berichte veröffentlicht, wonach die von der „Jto" nach Texas beförderten und dort untergebrachten Emigranten daselbst als Sklaven behandelt wurden, so daß mehrere von ihnen nächtlicherweise von ihrem Arbeitsplätze flüchten. In letzter Zeit beklagte sich ein gewisser Apatowsky im eigenen und im Namen einiger Emigrantengenossen darüber, daß ihm bei seiner Ankunft in Galveston gegen seinen Willen der Bart wegrafiert wurde und daß er in Semper, Coloredo, wo er zu Waldarbeiten verdungen worden sei, eine schreckliche Behandlung seitens des Arbeitgebers habe erdulden müssen. Sowohl Israel Zangwill, der hierüber befragt wurde, wie auch der Präsident des New-Iorker Jnformationsbureaus der „Jto", Cyrus Sulzberger, haben nun die ganzen Gerüchte auf Grund eingeholter authentischer Daten als lügenhafte Erfindungen bezeichnet. Zur Charakteristik des genannten Apatowsky, dessen Erfindungen auch ernste europäische Blätter aufgesessen find, führt Mr. Sulzberger an, daß Apatowsky durch die „Jto" nach Pueblo gesandt wurde, wo er jedoch jede ihm angebotene Arbeit wiederholt zurückwies; hierauf entschwand er der Aufsicht der „Jto"-Organe, begab sich nach Semper, wo er auf eigene Faust einen Arbeitsvertrag einging. Wenn er nun dort große Widerwärtigkeiten auszustehen hatte, so ist das seine eigene Schuld. Wie wenig Glauben den Worten Apatowskys geschenkt werden darf, geht übrigens aus einem von Sulzberger reproduzierten Briefe der Frau Apatowsky aus Warschau hervor, die sich bitter darüber beklagt, daß ihr Mann sie ohne jeden Abschied verlassen habe und seit seiner Abreise nichts habe von sich hören lassen. In New-Iork versucht jetzt Apatowsky aus seinem „Martyrium" Kapital zu schlagen und lehnt jede ständige Arbeit ab. _ Eine Darlehenshilfskasse in Jerusalem. Wohlhabende jüdische Frauen in Jerusalem haben eine Aktion eingcleitet, deren Zweck es ist, eine Darlehenskasse zu gründen, welche jüdischen Hausfrauen kleine Darlehen gegen leichte Rückzahlungsbedingungen gewährt. Den Bemühungen dieser Damen ist es nun gelungen, die Hilfskaffe zu eröffnen und ihre segensreiche Tätigkeit zu sichern. Die Hilfskasse steht auf ausschließlich charitativer Grundlage.