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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-01-03 · 1 (3.1.1908) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
1 (3.1.1908)
Date
1908-01-03
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 1 Dr. Llocv's MocdenscvrM, Seite 9 Dürfen wir das ruhig mitansehen? Haben wir nicht genug an dem nichtswürdigen Abfall, der wie Knochenfraß am Gemeindekörper nagt: Nicht genug daran, daß monatlich Schlachtopfer der Selbstsucht und des Selbstbetruges fallen? Hütet Euch vor dem „Haus der Barmherzigkeit". Zur Wiener Köpenilr-Affaire. Der im September laufenden Jahres desertierte Proviant-Offiziers-Stellvertreter Leopold Goldschmidt verübte am letzten Samstag einen überaus verwegenen Kasseneinbruch. Goldschmidt ist rassenreiner Arier, aber das „Deutsche Volksblatt" wußte es schon am selben Tage, daß Leopold Goldschmidt ein „jüdischer" Gauner sei, und erfrechte sich, den Fall folgend zu glossieren: „Es ist das neuerlich ein Beweis dafür, wie berechtigt, die Stellungnahme des Militärs gegen das Judentum ist. Der Jude scheut zwar den Waffendienst, drängt sich aber mit Vorliebe in die militärische Aerzteschaft, das Verpflegswesen und die Rechnungsbranche ein; mit welchem Erfolge zeigt der gestrige Fall." In den Adern Gcldschmidts fließt unverfälscht arisches Blut und nach dem Gesetze von der Duplizität der Ereignisse darf mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit angenommen werden, daß dieser Gauner dem brutalen und lügenhaften Blatte parteipolitisch sehr nahe steht. Wie jüdische Soldaten, denen Gelder anvertraut wurden, sich verhalten, mögen folgende zwei Fälle, aus verschiedenen Epochen herrührend, bezeugen. „Am 6. Juni 1859, im Feldzuge gegen Italien und Piemont, war der beim Bagagetrain fungierende Proviantoffizier des Infanterie-Regimentes Nr. 41 zur Fassung der Verpflegsgelder mit dem Stabsführer Jakob Schreiber in Monza eingetroffen. Letzterer hatte Briefe mit bedeutenden Geldbeträgen bei sich. Als sie in Monza ankamen, war kein Fuß von österreichischen Truppen mehr dort und die Beiden wurden von den mittlerweile einrückenden Piemontesen gefangen genommen. Stabsführer Schreiber hatte noch gerade Zeit, das Geld am bloßen Körper zu verbergen und wurde dann in die Kriegsgefangenschaft nach den Pyrenäen abgeführt. Wiewohl dieser Untcrofflzier in der Gefangenschaft nur eine karge Verpflegung erhielt und kein eigenes Geld zur Bestreitung der sonstigen Bedürfnisse besaß, so ließ er sich dennoch nicht beikommen, zu den ihm anvertrauten Geldern — welche ein unredlicher Mann ohneweiters als ihm vom Feinde abgenommen bezeichnet haben würde — zu greifen, sondern brachte bei seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft alles Geld ohne den geringsten Abgang zurück." Wörtlich so zu lesen in der Geschichte des Infanterie- Regimentes Nr. 41. Im Gefechte bei Auhof am 16. Mai 1809 wurde Major v. Marinowsky schwer verwundet und starb am nächsten Tage. „Welch ritterlichen, von den edelsten Gefühlen beseelten Mann der österreichische Kommißrock birgt, bewies bei dieser Gelegenheit im hellsten Lichte der Korporal Josef Pollak," berichtet der k. und k. Major Gustav Ritter Amon v Treuenfest in seiner Geschichte des Infanterie-Regimentes Nr. 7. Dieser Brave trug im lebhaftesten Feuer den tötlich verwundeten Major in ein Haus und beschützte ihn gegen die Brutalitäten der vom Gefecht erhitzten und durch die vielen Verluste erbitterten Württembergs, geriet dadurch in Gefangenschaft, hielt aber treu aus, bis sein Kommandant für immer die Augen schloß. Kurz vorher hatte der Major dem Korporal 150 Gulden mit dem Ersuchen heimlich zugesteckt, dieselben gelegentlich seiner Familie zu übergeben. Dieser redliche Unteroffizier verwahrte dieses anvertraute Gut während seiner achtmonalllch n Gefangenschaft, in der er oft der bittersten Not ausgesetzt war, wie ein Heiligtum und übergab dasselbe nach seiner Ranzionierung, ohne auch nur einen Kreuzer für sich verwendet zu haben, der Familie. In Anerkennung dieser schönen Tat mit einem Douceur von 6 Dukaten belohnt/^bleibt dieselbe im Regimente als ein glänzendes^Beispiel ritterlicher Aufopferung und Edelsinns bewahrt." Vielen ähnlichen schönen Zügen wie diese der jüdischen Unterofstziere Schreiber und Pollak begegnet man in den Kriegschroniken; aber au? einen jüdischen Soldateu-Defraudanten bin ich noch nie gestoßen. Moritz Frühling. Vom Zabrmarkt des Lebens. Ausstellung eines jüdischen Künstlers in Wien. Der jüdischer Maler Richard P o l l a k-K a r l i n, ein Prager Künstler, der durch seine Teilnahme an der Jahresausstellung im Prager Kunstvereine stets die Aufmerksamkeit des Publikums geweckt hat und dess n aussteigender Entwicklungsgang mit Interesse verfolgt zu werden verdient, eröffnet am 1. Jänner l. I. eine Ausstellung seiner Arbeiten im Salon Miethke in Wien. Der Künstler hat soeben erst einen namhaften Erfolg in Berlin zu verzeichnen gehabt, indem sein Porträt des bekannten Wiener Schauspielers Gustav Maran, das er dort in der Ausstellung jüdischer Künstler gezeigt hat. allgemeinen Beifall fand. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" führte dieses Porträt in ihrer Kritik an erster Stelle an und nannte es „ganz ausgezeichnet". Bei dieser Gelegenheit sei von der Ausstellung jüdischer Künstler bemerkt, daß sie u. a. Werke von Josef Israels, Kamill Piffaro, Salomon I. Solomon, Lazar Krestin, M. Coschell, Lesser Ury, Antokolski, S. Wagner, Sandor Jaray, Alfred Nossig, Benno Becker, Eomund Edel, Leopold Horowitz und Ruchomowsky enthält. Der König von Italien für eine jüdische Schule. Das neue italienische Gesetz, durch welches der Religionsunterricht aus den öffentlichen Schulen eliminiert wird, hat es zur Folge, daß die einzelnen Konfessionen, also auch die Juden, in eigenen konfessionellen Schulen für den Religionsunterricht sorgen müssen. Die römische Judengemeinde hat nun den Beschluß gefaßt, eine jüdische Elementarschule zu errichten, und hat zu diesem Zwecke eine öffentliche Sammlung eingeleitet. Als erster unter den Spendern stellte sich der König von Italien ein, der 3<>00 Lire für die Zwecke der jüdischen - Elementarschule gezeichnet hat. Die jüdische Gemeinde von Rom hat die Absicht, einen Monumentalbau aufzuführen, in dem die Schule, Bibliothek rc. untergebracht werden sollen. Eine militärische Trauung in der Londoner Synagoge. Eine interessante Trauung fand vorige Woche in der East-Londoner Synagoge statt. Der Bräutigam war der Laucier-Korporal T. Abrabams. die Braut Miß A. Lubrvwsky. Der Bräutigam erschien in Paradeuniform. Ungefähr vierzig Offiziere und Unteroffiziere der regulären Armee waren erschienen und bildeten einen farbenreichen Kreis um dem Trauhimmel. Fcldkaplan Rev Michael Adler, der die Trauungszeremonie vollzog, erinnerte rn seiner Rede an die vielen Heldentaten, welche jüdische Soldaten für En lands Größe verrichteten, und gedachte der Tapferkeit, durch welche

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