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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-01-03 · 1 (3.1.1908) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
1 (3.1.1908)
Date
1908-01-03
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 1 Dr. Dlocb's Mocbenscbrjkl. Seite 7 Wenn ich oben davon gesprochen habe, daß die Regulierung der Gehalte unserer Lehrer sich nicht allzulange hinausschieben lassen wird, so kann ich mit Vergnügen berichten, daß eine solche bei unserem Beamtenkörper bereits erfolgt ist, und eine Steigerung des D'sizits, wie ich bereits berichtete, deshalb nicht veranlaßte, weil im vorjährigen Voranschlag bereits für diesen in Aussicht genommenen Fall eine entsprechende Summe in der außerordentlichen Reserve in Aussicht genommen war. Diese endlich durchgeführte Regulierung der Gehalte des Beamteukörpers war eine Forderung, deren Durchführung wir uns nicht verschließen konnten und durften. Die allgemein herrschende Teuerung, welche in gleicher Weise alle Bedürfnisse des Lebens belastet und die naturgemäß den auf fixe Bezüge angewiesenen Beamten am allerschwersten trifft, verlangte gebieterisch die eheste Reform als ein Gebot sowohl der Menschlichkeit, als auch der Erkenntlichkeit und Dankbarkeit gegenüber unserer mustergiltigen, arbeitswilligen und stets pflichtgetreuen Beamtenschaft. Ich kann bei dieser Gelegenheit nicht umbin, auch meinerseits allen Herren Beamten, an ihrer Spitz" Herrn kais Rat Lieben, welche ich bei Einholung von Informationen über das Budget so häufig in Anspruch nehmen mußte, meinen gesten Dank für ihre stete Bereitwilligkeit auszusprechen, ebenso wie ich insbesondere dem Herrn Liquidator Emil Kotz für die so überaus mühsame Zufammeristellurig der einzelnen Budgetposten und des Voranschlages selbst meine besondere Anerkennung hiemit ausspreche. Ganz flüchtig möchte ich nochmals die Post von Li 16-000 erwähnen, welche Sie im Voranschläge zur Durchführung der bevorstehenden Kuituswahleu beziehungsweise für die Kosten der Drucklegung der Wählerverzeichnisse rc. finden-- und zwar hauptsächlich nur deshalb, weil bei der in Aussicht stehenden Aenderung unseres Statuts, soviel ich weiß, oeplam. ist, daß Wahlen in der Regel nur alle drei Jahre statrfi -den'' sollten. Wenn dies Annahme findet, so bedeutet es ein reines Ersparnis von K 17.500 für 2 Triennien oder K 3000 für jedes Jahr. st Aus den bisher erwähnten Hauptposten setzt sich im/ Wesentlichen das ganze Plus des Bndgetocfizits per 1908 gegen jenes des Vorjahres zusammen, denn wenn in den anderen bisher nicht erwähnten Posten auch ab und zu ver st hältnismüßig kleine Steigerungen zu verzeichnen sind, so liegt/, dies ausschließlich innerhalb der Grenzen des Regulären undck wird übrigens durch eingesetzte Ersparnisse fast vollständig^ wettgemacht. A Jedes Gemeinwesen, sei es der Staat oder die Kommune, hat die Möglichkeit, wenn es sich einem so gewaltigen^ Anschwellen des Äusgabenetats gegenübergestellt sicht. ent-st weder neue Einnahmsqnellen zu erschließen, oder die vor-/ handenen stärker auszunühen. Beide Wege sind uns eigentlich . verschlossen. Das sehen Sie am besten daraus, daß die Einst! nahmen unseres heurigen Budgets nahezu mit demselben)? Betrage eingestellt sind, wie die des vorjährigen. Der Haupt-/? einnahmsposten repräsentiert bei uns ja die Kultussteuer, während die anderen Einnahmsposten mehr oder weniger? vom Zufall abhängig sind. Was nun die Steuer anbelangt,,! so haben wir eine Erhöhung der Sätze gar nicht in Betrachty gezogen, von dem Gedanken ausgehend, daß wir eine weitere; Belastung unserer Gemeindemitglieder, solange wir sie ver-st meiden können, unbedingt auch vermeiden wollen. ,% Wenn ich auch weiß, meine sehr geehrten Herren, daß f meine Darstellungen nicht geeignet sind, Ihnen ein gar zu q erfreuliches Bild unser Finanzen zu geben, so kann ich es?* mir doch nicht versagen, auf die großen Aufgaben hinzuweisen, die unserer trotzdem in vielleicht nicht allzu ferner- Zukunft harren. Gar zu lange entbehrt schon unsere Geü meinde eines Heims, welches des Ranges würdig wäre, den : sie unter den jüdischen Gemeinden des Kontinentes einzu-. nehmen berechtigt ist und auch tatsächlich einnimmt. Der Saal, in dem wir hier tagen, entspricht auch nicht den? primitivsten Anforderungen, die man an solche Räume zu stellen berechtigt ist. er ist aber noch glänzend im Vergleiche zu unseren Amtslokalitäten. die dem großen Parteienverkehr gewidmet sind. Gerade wir Inden, die wir den zehnten Teil der Bevölkerung der Reichshanpt- und Residenzstadt bilden» haben die Pflicht, zu zeigen, daß wir hier in Wien durchaus keine quantite negligeable bilden, ein Eindruck, den man beim Besuche unseres Rathauses nur allm leicht gewinnt. Sicher wären wir es auch dem Ansehen unserer Gemeinde schuldig, und es würde unhl auch dem Wunsche einer großen Anzahl unserer jüdischen Mitbürger entsprechen, wenn wir endlich an die Errichtung eines Monumentaltempels schreiten würden, wie er sich in anderen meist kleineren Gemeinden erhebt. Eine zweite große moralische Verpflichtung obliegt uns, nämlich deu uns auvertrauten, aus verschiedenen Stiftungen und Widmungen bestehenden Fond in der Höhe von gegenwärtig 432.000 Kronen durch dringenden Appell an die Opferwilligkeitunserer wohlhabenden jüdischen Mitbürger baldmöglichst ans jene Höhe zu bringen, die es uns erlaubt, endli b das so dringend ersehnte Kinderspital ins Leben zu rnfen. ES gibt wohl nicht leicht eine Aufgabe, die dem jüdischen Herzen näher liegt, als die Sorge um arme kranke Kinder und darum dürfen wir wobl hoffen, daß ein solcher Appell nicht ungehö't verhallen würde Das bis heute fast unorganisierte Armeuwesen wird durch die Heuer durchgeführte Errichtung ein-r Z ntralstelle für das jüdische Armen- Wesen boffntlich zu d,m Ziele führen, daß die Gaben zwkck- , mäßiger verteilt werden, als es bei dem bisherigen System der Fall sein konnte. Um aber den von mir kurz skizzierten; Zücken wenigstens einigermaßen näher zu kommen, ist es nnüumaänckich notwendig, da eine Einnahmserhöhnng uns nicht . zu Gebote steht, an eine moderne Reduktion unserer Ausgaben, wo dies mö stich ist, zu denken, und diese sebe ich ’ in erster Linie in der Durchführung der eigenen Regie. Wenn auch, wie ich weiß, die Anschauungen nach dieser Richst nng noch sehr geteilte sind, so kann es für mich doch keinem Zweifel unterliegen, daß der gesunde Gedanke, der in dem Prinzip der eigenen Regie gelegen ist, einmal doch siegreich zum Durchbruch gelangen wird. Weil ich aber keinesfalls diesbezüglich eine Debatte herausbeschwören will, erwähne . ich nur eil passant, daß ich hierbei in erster Linie an die : Wäsche unserer beiden Woblfahrts Institutionen, wrfür wir gegenwärtig einen Betrag von fast K 36.000 zu leisten haben, und an die Medikamente denke, die bei uns einen Ausgaben- ' etat von fast K 40.000 verursachen und mit der Chewra zusammen sogar den Betrag von K 63.000 erreichen. Ich 'bin fest überzeugt, daß die Durchführung dieser Anregungen . im Stande wäre, unser Ausgabe-Budget nicht unbedeutend; zu vermindern. Nur streifen möchte ick bei dieser Gelegenheit ’bie bedauerliche Tatsache, daß Einrichtungen, die für jede j andere Gemeinde Einnahmen bilden, wie die Koscher-Fleisch- Negie und die Mazzoth-B'weitung bei uns bisher das Budget in nicht unbedeutender Weise belasten. Ich bin sicher in Uebereinstimmung mit allen verehrten Herren Kollegen, wenn sich dem Wunsche Ausdn ck gebe, daß wir diesem Punkte bei . unseren nächsten Beratungen unser Hauptaugenmerk zumenden. -1 Damit ist mein Referat selbst zu Ende, welches mit , der Bitte schließt, unseren Voranschlag zu genehmigen, und , nun gestatten Sie mir, meine sehr verehrten Herren, nicht als Budget-Referent, sondern als Mitglied dieser Versammlung Ihnen noch einen Gedanken zu unterbreiten, der mich schon längere Zeit beschäftigt, und lassen Sie mich [ demselben vor allem eine Bitte mitgeben. Die Bitte nämlich, es möge die Neuartigkeit desselben nicht im Voraus Ihr Urteil zu ungunsten meiner Anregung beeinflussen. Unsere Gemeinde umfaßt zirka 170.000 Seelen, also d'e Bevölkerung einer respektablen großen Stadt. Und dieser fleißigen, schwer erwerbenden Bevölkerung, die ihre wenigen Ersparnisse gerne sicher verwaltet sieht, ist es unsere Pflicht, diese Möglichkeit zu schaffen. Die Kommune Wien hat durch die Errichtung

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