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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-01-03 · 1 (3.1.1908) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
1 (3.1.1908)
Date
1908-01-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
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eite 4 Dr. LLoev's MocdenscbrM. Nr. 1 geschaffen, auf die Gemüter einen tiefen Eindruck zu machen. Das herrliche Gotteshaus, die großartige Beleuchtung; die Funktionäre in Olendendes Welß gehüllt, weiß das Almemor und der prachtvolle Lhoravorhang. Der herrliche Gesang, die erschütternde Tragik des Unesane Taukef, das herrliche Pianissrmo, mit dem der Ehor beim Duchenen die Demut und die Anbetung vor Gott versinnlicht, dieses Pianissrmo, das wie ein Hauch aus weiter Ferne klingt und die Herzen erbeben macht, oder die Zerknirschung, die aus dem llschamnu dringt; vedarf es da noch eines neuen Zeremoniells? Und soll das Heil Israels vom unbedeckten Haupte oder vom Durchemandersitzen von Männern und Frauen kommen, damit die Französin sich noch angelegentlicher r:n Tempel ausplauschen kann, als dicS schon jetzt geschieht? Und die Sehnsucht nach Zion wollen Sie uns auch streichen? Herr Rabbiner! Man ist wohl nach Ihrer Meinung ein Barerlandsverräter, wenn man Franzose ist und das ZtonSrdeal im Herzen tragt? Hören Sie einmal was Macauley, dieser hervorragende Parlamentarier und Geschichtsschreiber, in seiiiem Essay, Civil Disabilities of the Jews, 1831 auseinandersctzr. Die Judenfrage war damals im nglischen Parlamente ausgerollt worden und unter dem Vorwände, daß die Juden oaterlandSlos seien und sich nach Palästina sehnen, verweigerre man ihnen die Gleichberechtigung. Nachdem nun Macauley in diesem Essay überzeugend ausgeführt, daß man die Sehnsucht nach Palästina im Herzen tragen und dennoch ein guter Bürger des Landes, in dem man wohnt, sein kann, fährt er fort: „Dieses Argument" (nämlich der Vorwurf der Vaterlandslosigkeit) „gilt aber für den Chrüten geradeso wie für den Juden. Der Christ glaubt, so gut wie der Jude, daß einmal eine Zeu kommt, wo die gegenwärtige Ordnung der Dinge aufhören wird. Ja viele Ehrlsten glauben, daß der Messias bald sein Königreich auf dieser Erde errichten und sichtbar über alle Bewohner der Erde regieren wird. Ob dies eine orthodoxe Lehre ist oder nicht, wollen wir hier nicht untersuchen. Die Anzahl ötm Leuten, die daran glauvl, ist größer als die Anzahl der in England lebenden Juden. Und viele, die daran glauoen, zeichneu sich durch Nana, Reichtum und Gelehrsamkeit aus. Es wird von den Kanzelt! der schotlischen und englischen Kirche gepredigt. Edelleute und Parlaruentarier haben zugunsten der Sache geschrieben. Worin weicht also dieser Lehrsatz — was die politische Tendenz anbelangt — von dem Lehrsatz der Juden ab? Wenn ein Jude nicht die Fähigkeil besitzt, für uns Gesetze zu schaffen, weil er daran glaubt, daß er oder seine späteren Nachkommen nach Palästina zurückgesührl werden, können wir daS Parlament einem fanauschen Puruanen öffnen, der in der Erwartung lebt, daß, ehe noch diese Generation ausstirll, alle Reiche der Welt sich in ein einziges göttliches Reich uuftösen werden?" Wollen Sie nun vielleicht Herr Rabbiner Lsvy diese Auftläuing eines erleuchteten Geistes gellen lasten und uns die Sehnsucht nach Zion, den historischen Rückblick auf unsere einstige Größe gestörten? — doch nein! cs ist zu spät, denn vor wenigen Tagen wurde der Tempel der reformierten Judengemeinde eröffnet und das 145 Seiten starke Büchelchen, das das neue jüdische Gebetbuch repräsentiert, liegt vor uns. Ausgemcrzl ist Alles, wie es Rabbiner Lsvy versprochen, es ist zusammengeschrumpft auf einige wenige Geberstücke und Psalmen, und alle» bis auf die Anfangszeile, die hebräisch ist, in französischer Sprache abgefaßr. Nur einige wenige Gebete, wie das Adaun Aulom, Weohawto, Elohai nezaur und das Kavifchgedet sind hebräisch. Wir hatten Gelegenheit, dem ersten Freitagabend- und dem Sonntagvormittag-Gottesdienft beizuwohnen. Ter Betsaal, den man für einen Konzertsaal halten könnte, wenn nicht das kleine Almemor an der Hauptwand den Zweck kennzeichnen würde, faßt zirka 100 Personen. Zum ersten Gottesdienst hatten sich 3 Männer und 12 Frauen eingefunden. Wie ein Sacrilegium kam es mir vor, als der Rabbiner unbedeckten Hauptes das Almemor bestieg. Ter Gottesdienst, der eine halbe Stunde währte, bestand darin, daß der Rabbiner eine Reihe von Gebetstücken in französischer Sprache — nur die erste Zeile rezetierte er hedrarsch — aus dem Geberbuche vorlas, nachdem er vorher stets, wie der Lehrer in der Schule, den Anwesenden die Nummer der Seite angegeben hatte. Dann erklang aus einem Seitensaal die Orgel und eine Männerstimme sang Lecho daudu, dann kam der Kiddusch und mit dem Kadischgebet schloß der Gottesdienst. Der Samstag-Gottesdienst soll, wie man mir erzählte, ebenfalls von so kurzer Dauer und wenig besucht sein. Dagegen war der Sonntag- Gottesdienst von zirka 150 Personen besucht, die den großen und den kleinen Betsaal ausfüllten. Der Rabbiner rezitierte mehr Gebete in französischer Sprache, als am Freitagabend, ein Chor, aus Damen und Herren bestehend, intonierte Gebetstücke in hebräischer Sprache, dann wurde die Thora ansgehoben und der Chor sang französisch. Der Rabbiner verlas den Wochenabschnitt in hebräischer und in französischer Sprache, hielt dann, nachdem er die Thora zurückgestellt eine diesbezügliche Predigt und schloß den Gottesdienst, der eine Stunde währte, mit einem französischen und einem hebräischen Kadisch. Das Publikum war von dem Gottesdienst anscheinend zufriedengestellt, wie ich aus einzelnen Aeußerungen hören konnte. Die Damen namentlich waren von den gemischten Chören sehr begeistert, und schon deshalb wollen einige den Tempel öfters besuchen. Einige Herren waren von der Kürze des Gottesdienstes sehr erbaut. Eine Dame meinte, daß sie rm Tempel und im Ritus zu wenig Luxus finde. Ja, dieses aristokratische Judentum, das de» Tempel in der Copernicusgasse besucht, wird auf die Dauer bei der Einfachheit des ganzen Milieus in seiner Andacht erkalten. Das Tempelchen liegt im aristokratischen Viertel des Etoile in der Nachbarschaft der vornehmen Avenuen Kleeber und Viktor Hugo und die mondänen Pariserinnen, welche den Sonntagsgottesdienst besuchen, würden ihrer Frömmigkeit bald satt werden» wenn dieser ^onntagsgottesdienst nicht so eine günstige Gelegenheit wäre, mit einem kleinen reichgeschmücktcn Gebetbuchc in Händen, einen Korso in den eleganten Avenuen abzuhalten und dann etwa gar für eine fromme Katholikin gehalten zu werden. Das kleine Tempelchen in der Nue Copernic wird an Sonntagen sicherlich stets gefüllt sein, denn Leute, die aus Neugierde hingehen, oder solche, die aus Opportunilätsgründen sich billig mit ihrem Gott abfinden wollen, wird es immer in Paris geben. Herr Rabbiner Lövy aber hat hier die dominierende Stellung, die seinem Ehrgeize bei Gründung der neuen Gemeinde vorschwebte: nur er allein führt das große Wort und von der Kanzel aus dirigiert er den Chor mit Blecken und Gcberden. Nur zu, Herr Rabbiner, die Zeit wird uns wohl bald lehren, ob Ihr verstümmeltes Judentum in Paris Wurzel fassen wird! Paris im Dezember 1007. F. Jas IndSet der Kultusgememde Mira. In Nachfolgendem bringen wir das ausführliche, für die Budgetdebatte grundlegende Referat des Herrn Knltusvorstcher Max Frank, das sowohl für die gediegene, fachmännische Arbeit, als auch für die lobenswerte Tendenz des Finanzresereiiten außerordentliche Anerkennung fand. Biele unsere Leser dürften sich für den Haushalt der Kaltusgemeinde interessieren und werden die Schwierigkeiten beurteilen lernen, welche sich vei Herstellung des Gleichgewichtes ergeben. Die dem Referate folgende Debatte, die wir in der vorigen Nummer brachten, stand wie dieses auf der Höhe. Fiuanzreferent Kultusvorsteher Max Fra u k: Geehrte Herren! Ich beehre mich, Ihnen hiemit den Boranschlag für die Gemeindebedürfnisse im Jahre 1908 zu unterbreiten, Die Gesamtsumme der Ausgaben stellt sich auf X 3,110.744 90, denen Einnahmen von K 2,912.765'39 gegenübergeftellt sind, so daß unser Budget mit einem rechnungsmäßigen Fehlbeträge von X 197.979-51 abschließt. Gestatten Sie mir nun, meine Herren, Ihnen in der Hauptsache, ohne in allzu geringfügige Details einzugehen, eine Begründung der einzelnen Posten zu geben, besonders jener, welche die Erhöhung der buvgetierteu Ausgaben gegenüber dem Voranschlag pro 1907 verursachen. Da ist es denn vor allem der Abschnitt A, Bethäuser und rituelle Angelegenheiten, ab Seite 6/7, der gegen das vorjährige Budget ein Minderersordernis von X 87.240 ergibt, hauptsächlich tu der im Vorjahre präliminierten Reserve, Seite 29, Pvst 28/29, Beitrag zum Bau der Bethäuser im XIX. und IV./V. Bezirk per X 75.000 gelegen, welche Post natürlich Heuer entfällt, da diese Verausgabung im Jahre 1907, und dies sogar in höherem Maße, bereits erfolgt ist; ferner sind Miudererfordernisse, Seite 9, Zahl 45 X 2500, Die im Vorjahre sür Anschaffung eines Harmoniums budgetiert waren, bei den Reserven, Seite 13, Zahl 51, von X 2000, Seite 17, Post 36 von K 1000, Seite 27, Zahl 88, von X 2500, Seite 31, Zahl 19, von X 1000, Seite 37, Zahl 12 von K 1000 durch Entfallen des vorjährigen Präliminares für Renovierungen und Herstellungen per X 5500 durch die behufs infolge des projektierten Neubaues einer Mikwah nicht mehr eingesetzten K 12.000 Reserve Mikwah, Seite 35, Zahl 3, und der gleichfalls gestrichenen X 950 für Mazzot-Bereitung Seite 37, Zahl 7; endlich durch voraussichtliche Mehrerträgnisse beim Tempel XV. Bezirk. Seite 14, per K 1100, XVI. Bezirk, Seite 16, per K 800, bei temporären Bethäusern, Seite 22, per X 1600, bei Fleischregie, Seite 32 per X 4000 und an sonstigen Ersparnissen in vielen kleinen Posten .K 3000. Dagegen sind folgende Mehrerfordernisse gegen das vorjährige Budget angenommen: Gehaltserhöhungen: Seite 7, Zahl 1 K 2000, Seite 11, Zahl 1/2 K 3200, Seite 15, Zahl 1. X 2000, Seite 17, Zahl 1 X 2000, Seite 19, Zahl 1 X 1500, ferner „Neuer Sounenbrenuer", Seite 9, Zahl 47 K 4000, für temporäre Bethäuser, Seite 25, Zahl 63 X 3500, für Bethausvereine Seite 29, Zahl 25/26 K 800, Reserve Seile 33, Post 20 X 5000, für arme Bräute, Seite 27, Zahl 10 X 1000; ferner sind

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