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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-12-27 · 52 (27.12.1907) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
52 (27.12.1907)
Date
1907-12-27
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 52 Dr. Vloch's Wochenschrift. Seite 673 Hamburger (Prag), Dr. Stroß (Münchengrätz) und Dr. Podvinec (Prag). — In die Memorandum-Kommission wurden gewählt: Die Herren Dr. S ch a n z e r (Pilsen), Magistratsrat Dr. August Stein (Prag), Doktor P o r g e s (Karolinenthal), Kammerat M. Steindler (Beneschau), Jakob P i ck (Nachod), Dr. S k a l l (Weinberge), Dr. Oe st reicher (Leipa), Siegfried L i e b e r s (Prag) für Bnai Brith „Bohemia", Dr. Gustav Kuh (Prag) für den jüdischen Volksverein, Dr. R o s e n b a u m für die Landesjudenschafts-Repräsentanz, Ludwig Dux (Weinberge) für die „Cesko-zidovska jednota", Rabbiner Dr. Eman. S ch w a r tz für den Rabbinerverband, Oberlehrer Siegmund Springer für den israelitischen Landeslehrerverein, Dr. Rudolf Bloch für Bnai Brith „Praga", Dr. N. L. K o h n e r für den Zentralverein zur Pflege jüdischer Angelegenheiten. — Dem Präsidium des Bundes bleibt es Vorbehalten, bei den Ausschußfitzungen zu intervenieren. — Als Grundlage der Beratungen der Memorandum-Kommission wurde nachstehendes Quästionär festgesetzt : 1. Besteht die Notwendigkeit einer Anstalt für die Heranbildung von Religionslehrern in Böhmen? — 2. Soll diese Anstalt auch andere Kultusfunktionäre heranbilden? Insbesondere : a) Kantoren? b) Thora-Borleser? c) Schächter? — 3. Soll, falls die Frage 2 verneint wird, für die Religions-Lehramtskandidaten an der Anstalt Unterricht im Gesang, Thora-Borlesen und Schächten erteilt werden, und zwar u) obligat? b) nicht obligat? — 4. Ist mit der Anstalt ein Proseminar für Rabbinatskandidaten zu verbinden? und zwar a) als bloße Lehranstalt? c) als Internat? — 5. Organisationsplan a) der Lehranstalt für Religionslehrer, b) des Unterrichtes für Kultusfunktionäre, e) des Proseminars, ä) hinsichtlich der sprachlichen Ausbildung. — 6. Ist mit der Errichtung der betreffenden Anstalt oder Anstalten zu warten, bis die Verhältnisse des Lehrerstandes fich gebessert haben, insbesondere a) bis der Lehrerpenfionsfond die vollen statutenmäßigen Pensionen auszahlen kann? b) oder bis das Gesetz über die Pensionsversicherung der Privatangestellten in Wirksamkeit tritt? — 7. Ist die Anstalt mit dem beabsichtigten jüdischen Schulverein in Verbindung zu bringen, eventuell in welcher Art? — 8. Beiläufige Kosten der Anstalt. 9. Wie sollen die Kosten für die Errichtung der Anstalt aufgebracht werden? a) durch Einführung einer Besteuerung der jüdischen Kultusgemeinden? b) durch Einführung einer Besteuerung der einzelnen Juden? e) durch freiwillige Beiträge? — 10. Welche Vorteile sollen im Falle der Bejahung der Frage 9 e den beitragenden Kultusgemeinden gewährt werden? — 11. Inwieweit soll die Hilfe des Staates und des Landes in Anspruch genommen werden? a) Geldbeiträge? b) Gewährung des Oeffentlichkeitsrechtes für Zeugnisse? e) Gewährung eines Vorzugsrechtes für Absolventen der Anstalt bei Anstellungen? — 12. Wem soll die Verwaltung der Anstalt zustehen? a) dem Gemeindebunde? b) oder einem von den beitragenden Gemeinden gewählten Ausschüsse? Zu den jüngsten Kowrnunalwahlen in England. Die jüngst in allen Städten Englands stattgefundenen Kommunalwahlen haben nach einer Richtung eine gewisse Ueberraschung g-bracht. In keiner einzigen der 28 Vorstädte, aus welchen Groß-London gegenwärtig besteht, wurde ein Jude zum Mayor gewählt. Die Juden Londons, die in den letzten Jahren daran gewöhnt waren, in ihrer Mitte wenn auch keinen aktiven Lordmayor, so doch wenigstens einen Lordmayor „in posse“ zu haben, sehen sich jetzt, wenigstens für die nächsten fünf Jahre, einer solchen Möglichkeit beraubt, da der Lordmayor in der Regel aus der Mitte der Alderman gewählt wird, und unter diesen befindet sich kein einziger Jude. Hingegen wurden in zwei großen Provinzstädten Juden zu ersten und zweiten Bürgermeistern gewählt. So wurde in Salford, einer Stadt neben Manchester, Mr. Frankenburg zum dritten Male zum Bürgermeister gewählt. Der jüdische Mayor of Salford nimmt auch an allgemeinen jüdischen Fragen sehr lebhaftes Interesse und hat erst in den jüngsten Tagen während der letzten Massenversammlung der „Jto" in Manchester das Wort ergriffen und zu Zwecken der wissenschaftlichen „Jto"-Expedition nach Nordafrika eine namhafte Summe gespendet. In Lancashire, einer bedeutenden Industriestadt, wurden Mr. Arnold Bloom und Alderman H. Feldmann zum ersten, beziehungsweise zweiten Bürgermeister gewählt. Der feierlichen Einführung der Gewählten gingen Festgottesdienste sowohl in den Synagogen wie in den Kirchen der betreffenden Städte voran. Ans der territorialiftischen Bewegung. Nach der Massenversammlung im Manchester Hippodrom, in welcher M r. Z a n g w i l l vor einem 4000köpfigen Auditorium seine sensationelle Rede hielt und der u. A. auch der Mayor von Salford anwohnte, veranstaltete die Birminghamer Organisation der „I t o" in der T e m P er a n c e Hall gleichfalls ein Maffenmeeting der dortigen Bürger, bei welchem auch der L o r d- Mayor von Birmingham zugegen war. In diesen beiden Massenversammlungen wurde einstimmig die Resolution gefaßt, daß fich die Manchester, bezw. die Birminghamer Juden und ihre Mitbürger mit dem Programm der „Jto" vollkommen einverstanden erklären, welches lautet „zu schaffen ein Territorium aus autonomer Basis für diejenigen Juden, welche in den Ländern, in denen sie gegenwärtig wohnen, nicht bleiben können oder nicht bleiben wollen." Weiters wurde beschlossen, Kopien dieser Resolution an alle führenden jüdischen Organisationen zu versenden. * * * Das Zentral-Emigrations-Regulierungs-Departement für Rußland in Kiew versendet an seine Filialen und an die „Jto"- Ortsgruppen in Rußland das nachfolgende Zirkular: „Die Krise, welche Amerika jetzt durchmacht, dürfte fich unserer Ansicht nach auch auf jene westlichen Staaten Nordamerikas ausdehnen, wohin unser Emigrations-Departement via Galveston den jüdischen Emigrationsstrom lenkt. Gegenwärtig findet über New-Iork und Baltimore eine sehr starke Rückwanderung aus den Oststaaten Nordamerikas nach Europa statt, und obwohl wir bis jetzt von einer Rückwanderung auch aus den westlichen Staaten nichts gehört haben, beschlossen wir dennoch aus Vorsicht, mit der Absendung weiterer Emigranten nach Galveston zurückzuhalten. Bis nun war es uns nicht allein möglich, die Emigranten zu führen, sondern es gelang uns auch, dieselben gut unterzubringen. Da wir jedoch im gegenwärtigen Augenblicke von einem vollen Erfolge nicht überzeugt sind, haben wir uns entschloffen, bis zur Klärung der Lage im Westen Amerikas einen besonderen Delegierten nach Galveston zu entsenden und die Vormerkungen für die zehnte Emigranten-Partie bis nach Erhalt authentischer Nachrichten seitens dieses Delegierten einzustellen. Der nächste Transport dürfte erst in 6 bis 8 Wochen erfolgen. Für den Fall, als die Emigration via Galveston infolge der Verhältniffe für einige Zeit eingestellt werden müßte, find wir jetzt schon mit der Frage der Regulierung der jüdischen Emigration nach anderen Gebieten auf gleicher Basis wie nach Galveston beschäftigt. Wir haben uns diesbezüglich auch bereits mit der Londoner Leitung ins Einvernehmen gesetzt, welche die nötigen vorbereitenden Schritte unternehmen wird. Ueber das endgültige Resultat werden wir Ihnen zur Zeit berichten." Eine neue jüdische Universität in Amerika geplant. In einer jüdischen Versammlung in Chicago betonte der bekannte Reformrabbiner Professor Dr. Emil G. Hirsch die Notwendigkeit der Gründung einer jüdischen Universität in Chicago. Er wies darauf hin, daß die Vorurteile gegen die Juden an keiner amerikanischen Universität in dem Maße vorherrschend seien, wie in Chicago, an deren Universität Dr. Hirsch Professor für semitische Sprachen ist. „Aber nicht nur die Hochschulen sind der Nährboden solcher Vorurteile", führte der Herr Professor aus. „sondern auch in den Colleges und zwar nicht unter den Studenten,

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