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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-12-27 · 52 (27.12.1907) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
52 (27.12.1907)
Date
1907-12-27
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 872 Nr 62 Wu Vlocb's Mocdenscbrm, Falascha in Abessinien. Zugunsten einer von einem internationalen Komitee beschlossenen Entsendung einer Expedition nach Abessinien zwecks Aufsuchung der des Schutzes bedürftigen versprengten dortigen, unter dem Namen „Falascha" bekannten Juden wurde ein Beitrag von Frcs. 1000.— bewilligt. Dem „Auskunftsbureau für jüdische Auswanderer" in Basel wurde auch für das Jahr 1907/08 eine Subvention von Frcs. 1000.— gewährt und einer Reihe von Kultusgemeinden an kleinen Orten zur Erhaltung des Religionsunterrichtes, sowie dem akademischen Verein „Charitas" in Graz die Subvention für das lausende Jahr erneuert. Die „Mitteilungen" berichten ferner über die Zukunftsaussichten der russischen Juden: Der Vize Präsident der Duma Baron A. v. Meyendorf, ein noch junger, vielseitig gebildeter Politiker, der als Vertreter der baltischen Deutschen gewählt worden, hat sich einem jüdischen Publizisten gegenüber bezüglich der Judenfrage folgendermaßen geäußert: „Die Frage der Judenemanzipation wird nach meiner Ansicht in der nächsten /Zeit nicht aufgeworfen werden. Die überwiegende Majorität der Dumainitglicder bält sie überhaupt für sehr unwichtig. Ich meinerseits kann die Verblendung der Politiker nicht begreifen, welche nicht einsehen, daß die Ausnahmegesetze gegen die Inden auf die Russen selbst demoralisierend wirken und in ihnen die niedrigsten Instinkte entfalten. Schon aus diesem Grunde allein mußte ehestens die Gleichstellung der Inden mit der übrigen Bevölkerung in Erwägung gezogen werden. Abgesehen davon, daß ihre furchtbare Notlage und das wirtschaftliche Elend im Ansiedlungsrayon vom Humanitären Gesichtspunkte eine schleunige Verbesserung ihrer Lage erfordert. Aber in der Duma herrscht ein kaum zu schildernder grenzenloser Haß gegen die Juden. Die Atmosphäre ist, wie übrigens auch in der russischen Gesellschaft, von Antisemitismus getränkt. Ich lasse es mir angelegen sein, in den Couloirs hin und wieder mit verschiedenen Gruppen von Deputierten in ein Gespräch über diese Frage zu treten, aber nie höre ich ein günstiges Wort. Von allen Seiten fliegen feindselige und gehäsiige Aeußerungen gegen die Juden. Die Situation der wenigen Abgeordneten, welche für die Gleichstellung eintreten möchten, ist eine sehr schwierige, besonders da es gerade die aus den Gouvernements des Ansiedlungsrayons stammenden Dumamitgliedrr sind, welche einen geradezu leidenschaftlichen Kampf gegen die Verleihung der Bürgerrechte an die jüdische Bevölkerung führen. Da diese Abgeordneten als Sachverständige gelten, indem sie darauf Hinweisen, daß sie allein aus den Gegenden kommen, wo die Juden in großen Massen wohnen, finden ihre pathetischen Reden, in welchen sie auf die Gefährlichkeit und den schädlichen Einfluß dieses Volkes Hinweisen, bei den meisten Zuhörern Glauben. Gegen alle logischen Argumente und vernünftigen Erwägungen berufen sie sich auf ihr „russisches" Gefühl und beschwören uns geradezu, jeden Gedanken an eine Aufhebung der einschränkenden Gesetze fallen zu lassen. Besonders gesteigert wurde bei den echten Rusien die Animosität gegen die Juden durch den Anteil, welchen sie an der revolutionären Bewegung nahmen, obwohl von einer so geknechteten und gedrückten Bevölkerungsklaffe doch keine andere, als eine revolutionäre Gesinnung erwartet werden kann. Ich muß gestehen, daß ich selbst, wenn ich Jude wäre, noch viel radikaler auftreten würde." Auf die Frage, ob nach seiner Ansicht die gegenwärtige reaktionäre Strömung von Dauer sein würde, erwiderte Baron Meyendorf: „Ich fürchte, daß die Reaktion einen längeren Bestand haben wird, als man glaubt, und daß der Geist Pobjedonoszew die russische Ge- . fellschaft noch lange in seinem Banne halten wird. Der fanatische Nationalismus gewinnt von Tag zu Tag an Boden. Mir selbst fehlt jedes Verständnis für diese Unduldsamkeit, vielleicht weil ich kein echter Russe bin. Meine Großmutter war eine Französin, mein Vater ein Deutscher. Aber ein nüchterner Beobachter kann finden, daß das Nationalgefühl eine ungeheure Macht im Völkerleben bildet. Mit Bezug auf die Behandlung der Juden in Rußland muß ich wiederholen, daß ich für die vollständige Gleichstellung eintreten würde. Die einzige Einschränkung, die ich zulassen würde, wäre inbezug auf den Großgrundbffitz, da zu befürchten wäre, daß bei den gegenwärtigen Verhältnissen und bei der gänzlichen Unwissenheit der Bauern, wenn der Landerwerb ganz freigegeben wäre, die großen Kapitalisten zum Schaden der ökonomischen Entwicklung ungeheure Grundkomplexe in ihrer Hand vereinigen könnten. Ferner wäre es unter den jetzigen Umständen nicht möglich, die Juden zu Staatsämter zuzulassen. Ihre Stellung als Staatsbeamte wäre bei der gegen sie herrschenden Feindseligkeit für sie selbst eine unerträgliche Qual und sie würden durch ihre russischen Kameraden hinausgedränzt werden. So ergeht es ja auch den Armenier, die alle Rechte besitzen und sehr arbeitsam und tüchtig sind; nichtsdestoweniger findet sich selten ein Armenier in einem Staats amt. Es würden auch im Falle der Verleihung bürgerlicher Rechte an die Juden die antisemitischen Agitatoren noch viel entschiedener gegen sie auftreten und dann bei manchen Gehör finden, welche sich jetzt noch schämen, an einem Kampfe gegen eine ohnehin rechtlose und bedrängte Bevölkerungsklaffe sich zu beteiligen." Israelitischer Hrrmanitätsverein für die westlichen Bezirke Wiens „Nachlat Jeschnrnn". Am 21. Dezember 1907 fand im Freitischlokal, VI., Kollergerngasfe 1, die 40. ordentliche Generalversammlung des. „Israelitischen Humanitätsvereines für die westlichen Bezirke Wiens" statt, welche von zahlreichen Vereinsmitgliedern besucht war. Außerdem nahmen an der Versammlung teil : Die Frauen Fanny Fröhlich und Therese König als Vertreterinnen des „Frauen-Wohltätigkeitsvereines", Frau Regine Landeis, die Präsidentin des „Vereines zur Ausspeisung armer Schulkinder im XII. bis XV. Bezirk, Herr Kultusvorsteher Samuel Steiner als Vertreter der Kultusgemeinde, Herr kaiserl. Rat Josef Toffler als Vertreter des Mariahilfer Tempelvereines. Der Präsident dieses Vereines, Herr Dr. I. Engel, hatte seine Abwesenheit entschuldigt. Nachdem der Präsident Herr Dr. Karl L ö w y die Erschienenen herzlichst begrüßt hatte, wurde das Protokoll der 39. ordentlichen Generalversammlung verlesen und genehmigt. Sodann erstattete der Präsident den mit lebhaftem Beifalle aufgenommenen Jahresbericht, in welchem er besonders auf die Gründung der F r a u e n s e k t i o n des Vereines hinwies und die eifrige Tätigkeit derselben, insbesondere ihrer Präsidentin Frau Dr. .Sidonie Kohn rühmend hervorhob. Herr Kul-nsvorsteher S. Steiner erklärte, daß die Kultusgemeinde dem Vereine stets das wärmste Interesse entgegenbringe, und beglückwünschte' den Verein und seinen Präsidenten zum vierzigjährigen Bestände. Herr k. Rat Toffler, der die Grüße des Tempelvereines überbringt, bemerkt, daß der Verein Bewunderungswürdiges leiste und es nur sehnlichst zu wünschen sei, daß alle die reichen Juden, die in diesen Bezirken wohnen, Mitglieder des Humanitätsvereines werden mögen, damit dieser immer Größeres zu leisten imstande sei. Nachdem sich noch die Herren I. Klein. L. Gollerstepper, Toffler, Dr. Landau, Kneppler, Dr. Kahn und Kultusvorsteher Steiner an der Debatte über den Bericht des Vorstandes beteiligt hatten, gelangt ein Schreiben des durch eine Geschäftsreise am Erscheinen verhinderten Kasseverwalters Herrn Hermann König zur Verlesung, welches einige Bemerkungen über die finanzielle Gebahrung des Vorstandes enthält. Frau Dr. Kahn berichtet über die Tätigkeit der Frauensektion. Im Namen der Revisoren beantragt Herr Liebermann die Erteilung des Absolutorinms an den Vorstand, was einstimmig geschieht. Hierauf werden die Ergänzungswahlen für den Vorstand vorgenommen. Die ausfcheidenden Vorstandsmitglieder, die Herren Richard Knepler, Ignaz Reschofsky, Moriz Tiller und Jakob Winkler, sowie die Revisoren, die -Herren Hermann Liebermann und Ernst Schüller, werden einstimmig wiedergewählt. Am Schluffe verweist der Präsident auf das Jubiläum des vierzigjährigen Bestandes des Vereines und spricht den Wunsch ans, es möge dieser Anlaß der Beginn einer kräftigen Bewegung zur Anwerbung neuer Mitglieder und eines weiteren Gedeihen des Vereines sein. An die Generalversammlung schloß sich ein gemeinsames Abendessen sämtlicher Teilnehmer, zu dem sich auch der Rabbiner des Bezirkes, Herr Dr. I. T a g l i ch t, der durch Berufspflichten abgehalten war, früher zu kommen, mit seiner Frau Gemalin eingefunden hatte. Während des Mahles wurde eine Reihe ernster und heiterer Toaste ausgebracht. Pr Lg. (Israelitischer G e m e i n d e b u n d.) In der am 18. d. M. stattgehabten Sitzung konstituierte sich der Ausschuß durch Wahl des Herrn Dr. Arnold Rosenbacher zum Obmann, der Herren kais. Rat Jg. Kallberg (Karolinenthal) und Dr. A. S ch a n z e r (Pilsen) zu Obmann- Stellvertretern, des Herrn Dr. Ludwig Pick zum Kassier, des Herrn Dr. H. Rosenbaum zum Geschäft sleiter und des Herrn Dr. N. L. K o h n e r zum Schriftführer. In den Ausschuß wurden kooptiert die Herren : Adolf Bauer (Raudnitz), Dr. Thein (Pardubitz), Dr. Geduldiger (Königgrätz), Ernst Wiener (Smichow), Josef F a n t l (Budweis), Doktor

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