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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-12-27 · 52 (27.12.1907) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
52 (27.12.1907)
Date
1907-12-27
Page
– (sequence 14)
Language
German
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0 Seite 874 sondern auch in den Fakultäten selbst. In meinen Beziehungen als Professor habe ich den Einfluß dieses Vorurteiles gar oft zu spüren. Gegen ein solches Uebel können wir uns nur durch die Gründung einer jüdischen Universität schützen. Es soll dies jedoch keine jüdische Universität in jenem engen Sinne sein, daß in ihr nur Juden als Hörer oder Lehrer ausgenommen werden sollen, sondern nur in dem Sinne, daß sie von Juden dotiert und erhalten werde. Ist sie einmal eröffnet, so soll sie allen Konfessionen und Farben zugänglich sein. Christen und Nichtchristen, Juden und Heiden, die gelbe und schwarze Rasse sowohl wie die weiße sollen in ihr willkommen sein. Als einzige Vorbedingung für die Erlangung eines Postens in der Fakultät werden nur die Befähigung und die Vorurteilslosigkeit zu gelten haben. Wir besitzen das Geld dazu. Weshalb sollen wir nicht rasch an die Ausführung schreiten? Das Marokko-Gelbbuch über die Juden. Während der jüngsten Kämpfe in Marokko wurde die Stadt Settat ausgeplündert. Die Juden von Settat hatten vor vier Jahren dieselben Schrecknisse durchzumachen. Diesmal sind wieder ungefähr 400 jüdische Familien obdachlos geworden. Anläßlich der Maffakres in Casablanca sind zahlreiche Juden nach Settat geflüchtet. Diese Unglücklichen sind nun auch aus dieser Stadt vertrieben worden. In dem vom französischen Ministerium des Aeußern über die marokkanischen Wirren herausgegebenen Gelbbuche findet sich der folgende, vom Vertreter der wissenschaftlichen Mission in Marokko, M. Gentil, erstattete Bericht über die Haltung der Juden von Marrakesch zur Zeit der Ermordung des Doktor Mauchamp. „Nach dem schrecklichen Drama flüchtete sich die ganze französische Kolonie in das Schulgebäude der „Alliance Israelite“, das sich in der Mellah (das jüdische Ghetto) befindet. Der Direktor der Schule, M. Falcon, gab neuerliche Beweise seiner Hingabe für die Interessen Frankreichs. Nicht ohne Rührung denke ich stets an den Heldenmut, den einzelne Juden auch hier an den Tag legten. Besonders hervorgehoben müsien der Präsident der Judengemeinde Joschua Coreos der Vizepräsident Frojinan, der Präsident des „Vereines gewesener Alliance-Schüler" Edhery werden, deren Schutz und selbstaufopferndem Heldenmute wir es zu danken haben, daß wir nicht Opfer der Wut der rasenden Menge geworden." Einschränkung oder Regulierung der Einwanderung? Von Jacob H. Schiff in New-Iork. Ist die Agitation für die Einschränkung der Einwanderung gerechtfertigt? Kein Mensch, der die Geschichte dieses Landes und die Fortschritte, die es in jeder Richtung gemacht, sorgfältig studiert hat und auch keiner, der imstande ist, genau zu beurteilen, welch hervorragende Stellung Amerika sich in der Welt errungen, wird mit ruhigem Gewissen die obige Frage bejahend beantworten können. Es ist im Rahmen dieser Ausführungen weder möglich, noch notwendig, darzulegen, wie dieses Land nur infolge des ständigen und uneingeschränkten Zufluffes der Bevölkerungsüberschüffe der Alten Welt aus einer kleinen Kolonie zu einer bedeutenden Weltmacht angewachsen ist. Das find so bekannte und so sehr anerkannte Tatsachen, daß man bei ihnen nicht länger zu verweilen braucht. Trotz aller Argumente, die schon seit jeher gegen die Zulassung von Elementen vorgebracht wurden, die auch in ihrer alten Heimat als „undesirable" betrachtet waren, läßt es sich nicht leugnen, daß das amerikanische Volk, als Ganzes genommen, das ordnungsliebendste und die Gesetze respektierende Volk der Welt ist. Nehmen wir zum Beispiel unsere großen nordatlantischen Hafenstädte: New-Iork, Boston, Philadelphia oder Baltimore, wo ein so großer Perzentsatz der zu uns Eingewanderten angesiedelt ist. Kein anderer Faktor, als die vielen tausend arbeitsfähigen Elemente, welche diesen Städten Zuströmen und ihnen mehr oder minder geschickte Arbeitskräfte zuführen, hat dazu beige- Nr. 58 tragen, daß diese Städte zu Handelsemporien des Landes geworden sind. Nur dieser Einwanderung war es zu danken, daß unsere Kaufleute und Industriellen heute die Konkurrenz ans allen Gebieten des Handels und der Industrie auszuhalten und selbst zu schlagen imstande sind. Der Taglöhner oder Stückarbeiter, der unsere Sprache nur mit Mühe erlernt oder den ganzen Tag über sich schindet, um ein klägliches Auskommen zu finden, trägt unstreitbar mehr zur Hebung der Metropole bei, als der eingeborene Millionär der mit seinem Vierergespann durch die Fifth Avenue oder den Central-Park jagt. Warum also die Einwanderung einschränken? Viel notwendiger uud zweckdienlicher als die Aufstellung neuer Schranken gegen die Einwanderung wäre eine bessere und gesündere Verteilung der hereinkommenden Massen, Es ist nicht zu leugnen, daß die Wohnungsverhältnisse und andere Zustände in New-Aork und anderen großen Hafenstädten viel zu wünschen übrig lassen und daß der Rückgang in Handel und Industrie, der früher oder später eintreten muß, einen Arbeitsinangel zur Folge haben wird, der viele Menschen, die sich h^ute selbst erhalten, befchäfrigungslos machen und dadurch eine allgemein schwierige Situation schaffen wird. (Diese „schwierige Situation" ist inzwischen beteits eingetreten. Anm. d Red.) Während jedoch solche Zustände, wenn sie auch eintreten, nur temporärer Natur sein können und allmählich wieder verschwinden, ist es andererseits geboten, ja unerläßlich, daß Mittel und Wege gefunden werden, welche, ohne das Land im Allgemeinen der Vorteile zu berauben, welche eine starke Einwanderung noch immer zu bringen vermag, geeignet wären, den Strom zu regulieren und ihn in jene Zentren zu leiten, wo es nicht nur erwünscht ist, sondern wo die Ankömmlinge glücklicher leben könnten, als in den überfüllten Zentren der nordatlantischen Küste und wo schließlich eine Vermehrung der Arbeitskräfte nicht geeignet ist, eine Störung im ökonomischen Leben dieser Zentren hervorzurufen. Unter diesen Voraussetzungen ist im vergangenen Jahre unter Führung der Jewish Territorial-Organisation („Jto") in Gemeinschaft mit mehreren anderen jüdischen Organisationen eine Bewegung entstanden, welche die Ablenkung der Auswanderung aus Rußland, Rumänien und Galizien nach Galveston bezweckt, woselbst die entsprechenden Vorbereitungen getroffen wurden, um die Einwanderer zu empfangen und sie so rasch als möglich nach verschiedenen Punkten des großen amerikanischen Hinterlandes weiter zu 'befördern. Ohne Schwierigkeit wird für die Ankömmlinge in den einzelnen sich bildenden Zentren lohnende Arbeit gefunden. Ja, diese Einwand rer werden mit Freuden ausgenommen und ihre Arbeit wird gut bezahlt. Galveston mit seinem bewunderungswürdigen Bahnsystem, wie die fünf Finger an der Hand, ist als Eintritts¬ und Verteilungsstation herrlich gelegen. New-Orleans, Mobile und manche der südatlantischen Häsen könnten später ebenfalls benutzt werden, um die Bewegung zu fördern, welche die Ablenkung des Einwanderungsstromes von den nordatlantischen Hafenstädten und seiner Hinüberleitung in das Innere des Landes, wo nicht nur mehr Platz für sie vorhanden ist, sondern Wie sie auch direkt verlangt werden. Dort würden sich die Einwanderer auch weit wohler fühlen, als es in den überfüllten Ghettohäusern von New-Aork und anderen nördlichen Hafenstädten überhaupt möglich ist. Es wurde behauptet, daß eine Bewegung, wie ich sie eben in Umrissen zeichnete, nur dann von sicherem Erfolge begleitet sein könne, wenn im Wege der Gesetzgebung so eine Art Hafenlimit geschaffen würde, welches die Zahl derjenigen Einwanderer, die in den Hafen von New-Iork und anderer Städte des Nordens durchgelafsen werden, jährlich durchgelasstn werden sollen, beschränken, d. h. im Voraus bestimmen würde. Die Bestimmung eines solchen uuurerus clausus wäre sicherlich nicht erwünscht, aber es könnten Mittel gefunden werden, durch welche die Einwanderung nicht registriert, sondern sie in Bahn n gelenkt würde, wo sie einer sehr großen Anzahl von Menschen sehr viel Gutes bringen könnte. Dr. Mocv s Mocbens srm.

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