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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-12-27 · 52 (27.12.1907) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
52 (27.12.1907)
Date
1907-12-27
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 52 Dr. Vloed's MocvenscvriN. Seite 871 Baurat Marmorek gibt die Erklärung ab, daß die neu zu bauende Mickwah nicht bloß nach dem Urteil des Wiener Rabbinats, sondern nach dem Gutachten hervorragender orthodoxer Autoritäten Ungarns allen, selbst den strengsten jüdisch-rituellen Normen entspricht. Die Kultusvertreter Salo Cohn und Hofrat Benjamin Rapoport betonen den Ernst der finanziellen Situation, die eine Vermehrung der Einnahmen kaum erwarten läßt, warnen eindringlich vor Lieblingsideen wie Kinderspital und anderen kostspieligen Unternehmungen, welchen die Steuerkraft der Gemeinde nicht gewachsen ist. Baurat W. Stiaßny: Für das jüdische Museum. In der Generaldebatte über das Budget der israelitischen Kultusgemeinde ergriff das Vorstandsmitglied Herr Baurat Stiaßny das Wort zu nachfolgenden Bemerkungen: Redner zollte den bisherigen Sprechern in der Generaldebatte ungeteiltes Lob für ihre von einem hohen Standpunkt gehaltenen Reden, in welchen sie, wie von hoher Warte aus, einen Ueberblick über die großen Aufgaben der Kultusgemeinde und die Mittel zur Erreichung derselben gehalten hatten. Er selbst wolle die Aufmerksamkeit der Kollegen auf eine gewiß nicht unwichtige Angelegenheit lenken, Die Kultusgemeinde besitzt in der Seegasse im IX. Bezirk, in der ehemaligen Vorstadt Rossau, einen aus dem fünfzehnten Jahrhundert stammenden und bis 1780 in Benützung gebliebenen Friedhof. In Würdigung des hohen, historischen, geschichts- und kunstwissenschaftlichen Wertes seiner Monumente hat der Vorstand vor längerer Zeit photographische Reproduktionen desselben veranlaßt. In der ehemaligen Gemeinde Döbling findet sich der sogenannte Währinger jüdische Friedhof, der von 1780 bis 1879 belegt wurde. Auch hier sind zahlreiche Grabmäler von historisch denkwürdigen Personen, darunter künstlerisch wertvolle Monumente, während des genannten Zeitraumes errichtet worden, welche noch der photographischen Aufnahme harren. Aber es ist Ehrenpflicht der Kultusgemeinde, die Geschichte der beiden Friedhöfe und der dort ruhenden Geschlechter zu schreiben und damit einen der wertvollsten Beiträge zur Geschichte der Wiener Judenschaft zu sichern. Den Weg dazu hat schon sein verewigter treuer Freund David Kaufmann in seinem in hohen Ansehen stehenden Werke gezeigt. Aber auch sonst gab es in Wien an verschiedenen Orten zahlreiche alte jüdische Grabsteine, die bei Umbauten alter Häuser aus den Fundamenten ans Licht befördert wurden. Die meisten derselben sind über Einschreiten des Redners dem Jüdischen Museum überlassen worden; zu den wertvollsten zählen die Funde, welche bei dem Neubau der Hofburg zutage gefördert wurden und welche einem alten Friedhofe angehörteu, der sich vom Burgtor bis zum ehemaligen Kärntnertore ausgedehnt hat. Seiner Majestät Ober st Hofmeisteramt hat in munifizenter Weise diese Grabsteine dem Jüdischen Museum zum Geschenk gemacht. Diese in Wien verstreut aufgefundenen Grabmäler sind von dem Kustos der Wiener Universität, Dr. Frankfurter, studiert, beschrieben und schon vor mehr als Jahresfrist in einem glänzenden Vortrage dem Wiener Publikum vorgesührt worden. Alle Vorbereitungen zur Drucklegung dieses Werkes, welche vorbildlich für die von der Gemeinde zu veranstaltenden großen Publikationen werden sollten, sind getroffen; allein dem Jüdischen Museum fehlen die Geldmittel, um diese wertvolle Arbeit des genannten Gelehrten zu publizieren. Es harren aber noch andere wissenschaftliche Arbeiten, wie die des Universitätsprofessors Dr. Ehrmann über jüdische Aerzte, sowie andere der Veröffentlichung durch das Museum; dieses ist aber durch Geldmangel verhindert gewesen in den letzten Jahren, die mit großen Ausgaben ve bundene Publikation von Jahresberichten vorzunehmen. Die Vorträge im Jüdischen Museum, welche bereits den XI. Zyklus erreicht haben, sind zu allgemeiner Berühmtheit gelangt und vereinigen die vornehme und geistige Gesellschaft Wiens. Unsere Sammlungen sind in fortwährender Zunahme begriffen; sie bilden in Wahrheit eine Vereinigung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judentums, wie sie an keinem Orte der Welt in solcher Vollständigkeit zu finden ist und nach menschlicher Voraussicht auch nirgends wird hergestellt werden. Aber das Kuratorium des Museums ist nicht im Stande, auch nur die wichtigsten dieser Objekte zur Aufstellung zu bringen, da das Geld zur Vergrößerung der Lokalitäten für das Museum mangelt. Von großem Interesse ist es, die Wirkung zu beobachten, welche die zahlreichen bildlichen Darstellungen, darunter viele Kunstwerke der Reproduktion, und die zierlichen, oft reizvollen Gegenstände für den rituellen Gebrauch auf die Beschauer ausüben. So ist es insbesonders „Die gute Stube" von Isidor Kaufmann, ein prachtvolles Stilleben dieses großen Künstlers, welches die Besucher, die ihrer Jugend eingedenk sind, oft zu Tränen rührt. Um noch andere solcher Kunstwerke zu errichten, benötigen wir nur reichliche Geldmittel. Redner schloß seine mit Beifall aufgenommenen Ausführungen, indem er erklärte, daß das Jüdische Museum der Mittel- und Brennpunkt hervorragender geistiger Bestrebungen des Judentums, insbesonders in Wien sei und bleiben werde, daher es die kräftige Unterstützung der Allgemeinheit und des Kultusvorstandes beanspruchen könne. Er beantragt, daß das Vertreterkollegium einzuladen sei, mit Vertretern des Kuratoriums des Jüdischen Museums in Verhandlungen wegen Ausgestaltung des letzteren zu treten. Dieser Antrag wurde einstimmig dem Vertreterkollegium zugewiesen, welches sich demnächst mit demselben beschäftigen wird. Ueber Antrag Dr. Bergers wird das Budget in der Spezialberatung en bloc zum Beschlüsse erhoben. Die Anträge Stiaßny und Weil gehen an das Vertreterkollegium. Mitteilungen der „Israelitischen Allianz z« Wien". Aus der Plenarsitzung des Vorstandes vom 27. Oktober 1907 unter Vorsitz des Präsidenten Herrn David R. v. Gutmann, Die präfidialiter während der Monate August und September bewilligten Subventionen, und zwar: Der Schule „Or Thora" in Botosani für das laufende Jahr Frcs. 750.—; dem Privatgymnafium des Herrn Rabbiner Dr. Jung in Ung.'Brod X 2000.—; der hebräischen Schule des Herrn Aba Apfelbaum in Rzeszow K 400.—; der Bibliothek und Lesehalle in Jtzkany K 200.—; sowie die Sendung von Frcs. 2000.— zugunsten der Opfer der Exzeffe in Casablanca (Marokko) wurden genehmigt. Rumänien. Für die Verköstigung armer Schulkinder in verschiedenen Städten wurden mit Rücksicht auf die herrschende Notlage für das laufende Schuljahr Frcs. 3000.—, ferner der jüdischen Mädchenschule in Piatra Neamtz pro 1907/08 Frcs. 400.—, der Knabenschule in Vaslui Frcs. 400.—, der Knabenschule in Adjud Frcs. 200.—, der Mädchenschule „Cultura" in Bacau Frcs. 300.— und auf Grund der mit den anderen Organisationen gepflogenen Verhandlungen für die Opfer der rumänischen Judenverfolgungen zum gemeinsamen Fond ein fernerer Beitrag von Frcs. 22.500.— bewilligt.

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