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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-12-27 · 52 (27.12.1907) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
52 (27.12.1907)
Date
1907-12-27
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 870 Nr. 62 Dr. Lwcb's Mocbenscbrlrr. soviel, als ein gutes Budget. Puch dieses Budget berücksühtigt alle berechtigten Bestrebungen in unserer Gemeinde, deshalb werde ich mit gutem Gewissen dafür stimmen. Die Rede des Herrn Professors Dr. Ehrmann begleitete die Versammlung mit wiederholten Aeußerungen lebhaften Beifalles. Kultusvertrcter Dr. M. Steiner spricht im Sinne Prof. Ehrmanus. Der letzte Vortrag eines bedeutenden Gelehrten hat den klaren Nachweis erbracht, daß die freie vorausfetzuugslose Wissenschaft eine Verherrlichung der jüdisches Grundlagen bildet. (Bravo.) Redner lenkt sodann neuerlich die Aufmerksamkeit auf das Kapitel Jugendfürsorge, da es notwendig ist, der zunehmenden Verwahrlosung der jüdischen Jugend in entsprechender Art zu begegnen. Kultusvorsteher phil. et jur. Dr. Marcus Spitzer hebt einleitend hervor, daß die öffentliche Budgetdebatte vornehmlich den Zweck habe, unsere Gemeindemitglieder mit den wesentlichsten Ziffern des Gemeiudehaüshaltes, wie auch mit dem Inhalte der Tätigkeit des Vorstandes, der Richtung und Tendenz dieser Tätigkeit vertraut zu machen. Der zur Beschlußfassung vorliegende Entwurf sei ein glänzendes Zeugnis für die peinlich genaue und gewissenhafte Feststellung des Präliminares der Ein-- und Ausgaben, ja man könne der Verwaltung eher zum Vorwurfe machen, daß sie die jetzt bei Budgetierungen beliebte Anwendung der Grundsätze der Schönheit verschmähe und in zu hohem Maße der Aesthetik des Häßlichen huldige, so daß zu hoffen sei, daß im Rechnungsabschlüsse das Defizit verschwinden werde. Redner wünscht auch, daß mit der gewohnten Praxis, außerordentliche Ausgaben und Investitionen, die späteren Geuerationeu zugute kommen, aus den laufenden Einnahmen zu decken, gründlich gebrochen werden möge. . Die Verwaltung selbst anlangend, sei der Vorstand bestrebt, den Gottesdienst in den Gemeindetempeln auf der traditionellen Höhe zu erhallen. Wie aus den den Bethausvereiueu gewährten Subventionen hervorgeht, ist sich der Vorstand der hohen Bedeutung dieser Vereine in unserem Gemeiudelebeu vollkommen bewußt und hat derselbe wiederholt freudjgst die Opferwilligkeit und Hingebung der Vorstände und Mitglieder dieser Vereine anerkannt. Durch die endliche Regulierung der rituellen Schlachtung und der Bewilligung des Baues der Mikwah, beides in einer den rigorosesten ritual-gesetzlichen Anforderungen entsprechenden Weise, hat der Vorstand die ihm statutenmäßig obliegenden Aufgaben gelöst und müsse die Ansicht, aus dem rituellen Schlachten eine Einuahmsquelle zu schaffen, bekämpft werden, nachdem sich dies nur in solchen Gemeinden rechtfertigen laste, in welchen die überwiegende Mehrzahl der Mitglieder das Bedürfnis nach Koscher-Fleisch empfinde. Dar Erfordernis seitens des Unterrichtes beläuft sich auf über L 300.600.—, aus welchem Betrage alle jene Institutionen erhalten und gefördert werden sollen, welche die Erziehung unserer Jugend zu guten treuen Juden zum höchsten Ziele haben. Das ins Leben gerufene Lehrer- Seminar verspricht dank der ausgezeichneten Leitung und der hervorragenden Ährkräfte, wie auch des guten Schülermateriales in einigen Jahren eine wertvolle Bereicherung des LchrpersoualS zu bieten, und hoffen wir auch von der in Angriff genommenen Reform der Lehrpläne ersprießlichere Erfolge auf dem Gebiete des Religionsunterrichtes und gibt der Redner dem Wunsche Ausdruck, daß diese Lehrpläne vor der abschließenden Beratung des Kultusvorstandes in den Mischen Blättern veröffentlicht werden mögen, damit auch weiteren Kreisen Gelegenheit zur Aeußerung gegeben werde. Der zweistündige Religionsunterricht in den öffentlichen Schulen kann unmöglich hiureichen, um einen bedeutenden Wissensstoff zu erfassen und geistig zu verarbeiten, insbesondere das Hebräische als Objekt eines Sprachstudiums zu betrachten, und dies schon mit Rücksicht daraus, daß den Schülern nicht selten jede Vorbildung und jedes Vorbild im Elteruhause mangelt. Die Schule muß die Stätte eines Herz- und gemüterhebenden, für unfern Glauben begeisternden Religionsunterrichtes sein. Den Bibelschulen, deren Einrichtung und Unterstützung der Vorstand stets zu seinen vornehmsten Pflichten zählen wird, fällt die Aufgabe zu, die Kenntnis der jüdischen Literatur zu vermitteln und die eingehende Pflege der hebräischen Sprache zu ermöglichen, der Sprache, in welcher die unsterblichen Gedanken und Ideen unserer Geistesheroen ihren treffendsten und unveränderlichen Ausdruck gefunden, welche die Sprache der Heiligen Schrift, die Muttersprache unseres Volkes ist und immer größerer Verbreitung und Würdigung sich erfreut. Anlangend die Wohlfahrts-Einrichtungen in unserer Gemeinde, die über K 600.000.— in Anspruch nehmen, sei bemerkt, daß sich diese weit über eine gewöhnliche Armenpflege, weit über ein dürftiges Almosengeben emporheben und vielmehr Institutionen in sich begreifen, welche den berechtigten sozialen Ansprüchen nicht erst unserer Zeit, sondern unserer alten Bibel Rechnung tragen und sich in ihrer Gesamtheit als Gemiluth Chesed im weitesten Umfange darstellen. Allein der Kultnsvorstand der größten Gemeinde des Reiches ist nicht nur ein Verwaltungsorganismus für die Gemeindebedürfnisse, sondern ist auch berufen, mit seinem ganzen Einflüsse und voller Kraft für Alles entschieden einzutreteu, was dem gesamten Judeutume frommt, und jene zu schützen, welche um ihres Glaubens willen Unrecht leiden und verdient diese, der Gesamtheit gewidmete Wirksamkeit des Vorstandes besonders hervörgehoben zu werden. Wie jenes feine Instrument durch Schwingungen Katastrophen anzeigt, welche sich in unbegrenzten Fernen ereignen, so hat der Vorstand auch auf alle Verfolgungen unserer Brüder auf der ganzen Erdenrunde mit echt jüdischem Herzen hilfsbereit zu reagieren. Mit Rücksicht darauf, daß das Büdget in allen seinen Einzelheiten von jüdischem Geiste durchweht ist, erklärt Redner für das Budget zu stimmen. (Lebhafter Beifall folgte diesen Ausführungen.) Präsident Dr. Alfred Stern sieht sich zur Konstatierung veranlaßt, daß wir diesmal vor einem wirklichen ernstlichen Defizit stehen. Bei der Ziffer „Subventionen für die Bethäuser" muß man auch die 33°/, Rückgang der Einnahmen für Trauungstaxen infolge der Konkurrenz der Vereinsbethäuser in Betracht ziehen. Kais. Rat Weil gibt seiner Befriedigung Ausdruck über das Budget und Referat, welche beide ein getreues Spiegelbild bilden der Aufgaben, welche die Kultusgemeinde zu erfüllen hat und zu erfüllen redlich sich bemüht. Redner kommt im weiteren Verlaufe seiner Ausführungen auf die dringende Notwendigkeit eines Kin ders p i t a l e s zu sprechen und appelliert in warmen Worten, seine dahinzielenden Bestrebungen zu unterstützen. In bezug auf das Kapitel Friedhof bezeichnet Redner es als beklagenswert, daß die schöne ehrwürdige Tradition im Judentums — gleiche Behandlung von Arm und Reich im Tode — im äußeren Bilde unseres Friedhofes nicht in Erscheinung tritt. Während wir auf unseren alten Friedhöfen keine Absonderung der Gräber von Verstorbenen, für welche schöne Denkmäler errichtet werden, von denen, die nur bescheidene Grabsteine sich gestatten konnten, finden, ist auf unserem Zentralfriedhofe eine Scheidung zwischen den Begräbnisstellen der Reichen und der Armen entständen, die schon vom ästethischen Gesichtspunkte sehr unangenehm berührt und mit dem schönen jüdischen demokratischen Geiste kontrastiert. Wir sehen auf einigen Feldern des Friedhofes durchwegs mehr minder schöne Monumente, auf anderen Feldern find dagegen die Gräber der Minderbemittelten und Armen mit durchwegs bescheidenen Grabsteinen massiert, während eine propörtionelle Verteilung aller Grabsteine — der nionumentalen und einfachen — in jeder Richtung eine würdigere wäre. Läßt sich das Geschehene auch nicht mehr gutmachen, so soll dies wenigstens für die Zukunft in diesem Belange vermieden werden.

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