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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-12-20 · 51 (20.12.1907) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
51 (20.12.1907)
Date
1907-12-20
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Dr. Llocd'sMocbenscbrM. Nr. 51 Sette 858 Rnßbamn, Herrn O. Stein und anderen Damen der Gesellschaft. Unter den weiteren musikalischen und gesanglichen Einlagen ist auch das gediegene Klavierspiel des stuä. gym. Otto Löwy lobend hervorzuheben. Das vorbereitende Komitee, bestehend aus den Herren Ernst und Alfred Freud, M. Elsner (Bilin), M. Mandl und Siegfried Löwy, erledigte sich ihrer schwierigen Aufgabe in bester Weise und der Verein blickt mtt Stolz auf die gelungene Veranstaltung zurück, die ein Ansporn für weitere tätige Arbeit bilden wird. Siffek. (Chanuckafeier.) Am Sonntag den 2. Dezember 1907, nachmittags halb 5 Uhr, fand im hiesigen Tempel eine Chanuckafeier statt, die durch den damit verbundenen Dankgottesdienst für die Genesung unseres geliebten Königs eine besondere Weihe erhielt. Die Festpredigt in kroatischer Sprache hielt Rabbiner Dr. Heiß. Chor und Orgel intonierten unter Leitung des Oberkantors Psalm und die Volkshymne. Es war ein erhebender Gottesdienst, dem außer den Gemeindemitgliedern auch zahlreiche Nichtjuden beiwohnten. Darauf erfolgte im hell erleuchteten Kapitelsaale die Chanuckabescherung der armen Kinder, die der israelitische Frauenverein in edelster Weise veranstaltete. In Abwesenheit der Präsidentin hielt die Vizepräsidentin Frau Hirschmann eine herzliche Ansprache an die Kinder, worauf Rabbiner Dr. Heiß den Kindern die Bedeutung des Festes klarlegte und dem Frauenverein seinen Dank ausdrückle. Nach Verteilung der Geschenke, die in vollständigen Winteranzügen bestanden, wurde den Kindern eine opulente Jause geboten. Wieder Einer. Im Jahre 1899 wurde in HoraLdiowitz (in Böhmen) eine städtische Sparkafsa errichtet und als ihr leitender Beamter Herr W. Herman aus Raudnitz berufen, ein junges, bartloses Männchen, das in der genannten Stadt anfing, die „Leeren" des Antisemitismus zu verbreiten. Bis dahin hatte die jüdische Bevölkerung mit der katholischen im besten Einvernehmen gelebt. Es gelang Herman, nur einen minimalen Anhang zu gewinnen. Als der Gefertigte (nach nahezu fünfundzwanzigjähriger pädagogischer Tätigkett in HoraLdiowitz) nach Klattau berufen wurde, war es Herman, der mit seinen wenigen Getreuen in sämtliche böhmische Zeitungen eine niederträchtige Notiz lanzierte, in der er es als eine nationale Schmach bezeichnete, daß der Feuerwehr- und der Gesangsverein dem jüdischen Lehrer bei seinem Abgänge eine Abschiedsfeier veranstaltete. Und heute? . . . Heute hat sich ebenderselbe Herman höchst persönlich dem Staatsanwalte in Pisek zur Verfügung gestellt, weil er das obgenannte Geldinstitut um wenigstens 70.000 Kronen (die Summe ist noch nicht fichergestellt) b estohlen hat. Dies teilt den werten Lesern Ihres Blattes ohne jeden wetteren Kommentar mtt A. Baum. Klattau, 15. Dezember 1907. Feuilleton. Der KaaUeschuwoh. Von Dr. F. Rich. H e i n s ch e l. (Schluß.) «Machen Sie keine Umstände", tönte es von außen zurück. „Ich komme in einer Sache von größter Dringlichkeit." Rosen öffnete. Als der Rabbi eingetreteu war und Platz genommen hatte, begann er, ohne die Frage nach der Ursache des Besuches abzuwarten: «Herr Doktor, wenn ich Sie so anrede, daun hat das eine Bedeutung, machen Sie sich sofort auf dem Wege ins jüdische Hospital. Jeder Aufschub kann verhängnisvoll sein. Ich bitte Sie dringend um die größte Eile.". „Herr Rabbiner wissen doch, daß ich ein Gelübde abgelegt, nie wieder den ärztlichen Beruf auszuübeu, außer-." Der Rabbiner ließ ihn nicht ausreden und rief dazwischen: „Ich kenne den Wortlaut Ihres Gelübdes und dennoch bttte ich, eilen Sie, ehe es zu spät wird; ich selbst begleite Sie. Auf dem Wege erzähle ich Ihnen das Weitere." Als sie auf der Straße angelangt waren, mietete Rosen einen Wagen, der sie rasch zum Hospitale brachte. Auf dem Wege erzählte ihm der Rabbiner, was ihn selbst heute ins Spital geführt. Rosen saß mit kreidebleichem Antlitze im Wagen, indem der Rabbiner auf ihn einsprach. Seine Gattin, lag im Spitale in den letzten Zügen, wenn auch bei vollem Bewußtsein, und seine Tochter lag im Bette nebenan vor Schrecken fast gelähmt. Ehe wir die beiden Männer ins Krankenzimmer eiutrcteu lassen, müssen wir die Ursachen schildern, die Mutter und Tochter ins jüdische Hospital der Residenzstadt brachten. Pia Rosen führte im Vereine mit Frieda Reich ein stilles, beschauliches Leben. Pia blieb schwächlich und leidend und Ruts Erziehung lag fast ganz in Friedas Händen; diese liebte Frieda auch so innig wie ihre Mutter. Pia beschäftigte sich mit der Verwaltung ihres Vermögens und mit Akten der Wohltätigkeit. So waren zwölf Jahre vergangen und Rut, die fünfzehn Jahre zählte, sollte in ein jüdisches Pensionat der Residenzstadt gebracht werden, um ihre Bildung zu vervollkommnen. Pia, die ihr Kind in ihrer Nähe haben wollte, entschloß sich deßhalb, mit Frieda in die Residenz zu übersiedeln, damit sie ihr Kind, so oft sie Verlangen danach tragen sollte, sehen könne. Ahnte Pia ihr nahes Ende und wollte sie sich deßhalb von ihrem Kinde nicht auf längere Zeit trennen? Als sie in der Residenzstadt angekommen waren und einen Wagen bestiegen, der sie in's Hotel bringen sollte, scheuten die Pferde; der Kutscher hatte die Herrschaft über die Tiere verloren und wurde vom Bocke geschleudert. Pia öffnete die Wagentür und fiel dabei so mrglücklich auf das Steinpflaster, daß sie wie leblos liegen blieb. Auch Rut wurde auf die Straße geschleudert, kam aber mit einigen Hautabschürfungen davon. Als sie aber ihre Mutter auf der Straße liegen sah' und tot wähnte, ward sie vor Schrecken wie gelähmt und schaute mit irren Blicken um sich. Nur Frieda kam mit heiler Haut davon, verlor auch angesichts des schweren Unglückes nicht die Besinnung und traf alsbald Anstalten zur Ueberführuug der beiden Kranken in's jüdische Spital, in welchem sie vor Jahren zur Krankenpflegerin ausgebildet wurde. Pia kam rasch wieder zu sich. Der Primarius sagte zu Frieda, nachdem er die Patientin untersucht hatte: „Die innere Verletzung, welche Frau Rosen beim Sturze aus dem Wagen erlitten, wäre wohl nicht unbedingt tödlich, doch sie leide auch an einem veralteten schweren Herzübel und der Kräfteverfall sei ein so rapider, daß die Stunden der Patientin gezählt seien. Das junge Mädchen wäre von gesunder kräftiger Konstitution und dürfte bei aufmerksamer Pflege wohl wieder ganz gesunden. Pia selbst fühlte, daß ihre Kräfte im Abnehmen seien und bat Frieda, sie möge ihr rasch den orthodoxen Seelsorger herbeiholen; sie müsse vor ihrem Tode noch mit einem Seelsorger sprechen. Frieda wußte, wo Rabbi Salmon wohnte, und nach einer Stunde saß dieser bereits am Krankenbette. Pia erzählte ihm ihre Lebensgefchichte und vergoß dabei bittere Tränen der Reue und Scham. Der Rabbiner kannte ja diese Geschichte bereits aus Rosens Mund, er ließ sie aber erzählen und unterbrach sie nicht, er dachte, die Aussprache gewähre der Schwerkranken einige Erleichterung. Als sie mit ihrer Erzählung fertig war, ließ sie Frieda rufen — die während der Besprechung im Nebenzimmer weilte — und bat diese, die Kassette zu holen, die im Reisekorbe verwahrt sei: Sie entnahm der Kassette ein großes geschlossenes Kuvert, auf welchem geschrieben stand: „nach meinem Tode zu öffnen" und übergab es den Rabbiner. Es enthielt ihren letzten Willen. Zum Schluffe bat sie den Rabbiner noch, er möge nach ihrem Tode für sie beten. Der Rabbiner beruhigte und tröstete sie: „Ich werde für ihr Leben bitten; Gott kann ja helfen." Doch sie schüttelte verneinend den Kopf und blickte dabei den Rabbiner und Frieda an, als wollte sie sagen: „Wenn ihr mich lieb habet, mit mir fühlet, dann betet nicht um mein Leben, die

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