Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 51 (20.12.1907)
- Date
- 1907-12-20
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 51 Dr. Llocb's Mocdensevrrn. Seite 853 durch seinen Hauspfarrer am 27. Juni desselben Jahres taufen. Der Gutsherr nahm selbst die Ehre eines Taufpathen an und der Zehnjährige erhielt den Namen des Protektors Bornemisza, also Laszlo. Dieser zehnjährige Knabe deponierte die Aussage, wonach am 3. Juni — am kritischen Tage — in den Nachmittagsstunden der Gombosfaluer jüdische Lehrer Jakob Lefkoviks nach Adamföld kam und in einem Sacke irgend etwas geheimnisvoll trug. Er — der kleine Davidovitcs — fragte ihm, was denn in dem Sacke wäre, worauf der Lehrer aus Gombosfalu entgegnete: Gänse. Er — der kleine Zeuge — bemerkte aber in der Aussage, daß er das nicht glaubte, denn er hätte sofort an dem Sacke herumgetappt, und wenn es Gänse wären, würden diese doch geschrieen haben. Nachher gingen der Adamfölder Lehrer Josefovitcs und der Gombosfaluer Lefkovitcs in den Keller. Er — der Zeuge — ging ihnen nach und als er eintrat, sah er, daß die Beiden bei Weinflaschen und einer Kerze saßen und daß der Gombosfaluer Lehrer ein geöffnetes Federmesser in der Hand hielt. Als er — der Zeuge — aus dem Keller ging, stolperte er und, sich an einer Stiege anhaltend, beschmutzte er sich die Hände mit Blut. Als er daraufhin nach dem Ursprung des Blutes fragte, erteilten die Beiden ihm die Antwort, sie hätten Gänse geschlachtet, hievon stamme das Blut. Auf diese Aussage hin wurden sofort 24 Juden (Männer) aus verschiedenen Teilen der Gegend verhaftet. Außerdem die Frauen derselben, „damit sie den Männern nicht zu essen kochen und heimlich bringen". — Die 24 Verhafteten wanderten in den Kerker, ihre Kost bestand dort aus Brot und Waffer. Der obere Komitatsgerichtshof verhandelte in drei Sitzungen über die Angelegenheit der Juden. Am 12. Juni, am 27. August und am 10. September. Die Königin Maria Theresia beeiferte die Komitatsherren mehreremale zur Beschleunigung in dieser Sache, doch hatte ihr Aneifern keinen Erfolg. (Wahrscheinlich zufolge des in demselben Jahre in Preßburg tagenden dritten und letzten Landtages unter Maria Theresia, der eine stürmische, ja unzufriedene Volksstimmung zur Folge hatte.) Schließlich verurteilte der Gerichtshof am 10. September 9 von den 24 verhafteten Juden zur Tortur (Foltert um ein Geständnis heraus zu bekommen. Indessen hatten die Juden Oberungarns in ihrer harten Not und Pein unzähligemale versucht, ihre Sache einem Fiskal zwecks Verteidigung zu übergeben. Vergebens! Im ganzen Lande fand sich kein Fiskal, der die „Judenverteidigung" übernehmen wollte. Die Juden wandten sich daher an die große Landesgemeinde Preßburg, und infolge energischen Einschreitender Preßburger Judengemeinde erließ Maria Theresia eine strenge Verwahrung an das Saroser Komitatsgericht gegen ein willkürliches oder übereiltes Urteil in dieser Sache, sie ernannte auch Advokaten zur Verteidigung und infolgedessen schickte das Komitat das Urteil gegen die neun Juden zur Tortur an die Kabinetskanzlei. Der Hauptverteidiger hieß Mallster Tobias, der zweite Dssy Samuel, Beide waren von Maria Theresia bestellt. Der eine Anwalt hieß Berthony György, der zweite Winkler Sändor. Die Verteidiger erhielten je einen Gulden Tagesdiäten während der Dauer des Prozesses; die Ankläger je zwei Gulden. Maria Theresia verfügte hierauf, daß nur gegen zwei die Folter zulässig sei, gegen den Gombosfaluer Lehrer Hefkovitcs und gegen den Rebben aus Adamföld Moses Josefovitcs. Am 28. Jänner'1765 begann man mit den Folterungen. Erst kam Lefkovitcs an die Reihe. Dieser aber die Oualen fühlend und die seiner noch harrenden vor sich sehend, willigte eiligst in die Taufe ein und die Tortur wurde eingestellt. Er chatte also nur einen Teil der Folter zu ertragen gehabt, und zwar Fingerpressen an Händen und Füßen, die Handschuhfolter und Strumpftortur, glühende Eisenhandschuhe und eben solche Strümpfe. Nun glaubte man mit Josefovitcs ein leichtes Spiel zu haben. Aber weit gefehlt. Der feste, charaktervolle Rebbe aus Adamföld war ein wahrer Held und nichts vermochte ihn zur Annahme der Taufe zu bewegen?) Der Kaschauer Henker quälte ihn von 9 Uhr morgens bis 5 Uhr abends, und zwar das Schnurrbart- und Barthaar wurde ihm ausgerissen und die kahl gewordenen Stellen mit glühenden Eisenspangen gebrannt. Ferner bekam er glühende Handschuhe und Strümpfe, welch letztere von innen scharfe Nägel hatten. Nachher wurde er auf eine schräge stehende Leiter gespannt und von hinterher mit flammenden Fackeln gebrannt. Endlich wurde über den Unglücklichen flüssig-siedendes Blei gegossen und wurde ihm durch das ein Glied eine glühende Drahtnadel gezogen. Und schließlich wurde ihm vom Kvpfschädel die Haut abgeschlitzt und an der Leiter angebunden ließ man stundenlang Eiswasser auf die wunde Kopfstelle tropfen. Während der ganzen Zeit des himmelschreienden und schmachvollen bestialischen Aktes ließ dieser teure, treue Glaubensbruder nicht ab, Psalmen anzustimmen und beteuerte unausgesetzt seine und aller Juden Unschuld. Die Folter hatte denn auch kein anderes Resultat, als daß der Unschuldige am 31. Jänner seine edle Seele aushauchte. Unterdessen hatte der von der Königin ernannte Verteidiger doch nicht nutzlos sein unvergleichlich schönes und die öffentliche Meinung wie den Gerichtshof und bis zur höchsten Stelle aufrüttelndes Plaidoyer gehalten. Am 15. April kam die königliche Freisprechung aller Beschuldigten, doch — zu spät. So weit der Inhalt (in äußerster Kürze selbstredend) der Akten. Leider ist der Begräbnisvrt des Koudausch ungewiß. Manche wollen ihn in der Nähe der Ortschaft Sarvs am Wege begraben wissen; (daher auch Makoudausch mischarosch —) manche wieder behaupten, er sei vom Henker irgendwo verscharrt worden. Hoffentlich wird auch noch in dieser Beziehung Gewißheit erlangt werden können. Es ist nunmehr lebhaft zu wünschen, daß es dem uneigennützigen Autor auch ermöglicht werde, sein Werk wenigstens in ungarischer und in deutscher Sprache erscheinen zu lassen. Das Werk zeichnet ausführlich das ganze Ereignis, die damaligen jüdischen Zustände speziell in Oberungarn, die Anklage des Komitatsoberanwaltes und die geradezu hervorragende, juridisch und logisch äußerst lehr- und wortreiche Verteidigung im Wortlaute; ferner eine Rechtsabhandlung über die Tortur und ihre Anwendung zum Glaubenszwange und schließlich mehrere historisch merkwürdige Illustrationen. Schreiber dieser Zeilen kann nicht umhin, an dieser Stelle dem wohlverdienten Herrn Komitatsarchivar Dr. Viktor Dworsak für seine edle unverdroffene Mühe den besten Dank zum Ausdrucke zu bringen. Korrespondenzen. Zur Befreiung Hilsners. Das vom Hof- und Gerichtsadvokaten Herrn Doktor Friedrich Glbogen publizierte Maj stätsgesuch zugunsten der Befreiung Hilsners wirkte in zahlreichen Kreisen wie ein elementarer Weckruf zur Aufrüttlurg des öffentlichen Gewissens. Bereits find ihm über fün tausend Zuschriften, größtenteils aus arischen Kreisen, darunter Briefe von pensionierten Richtern, pensionierten Staatsanwälten, Mitgliedern des Adels zugekommen, mit der ausdrücklichen Ermächtigung, ihre Namen unter das Majestätsgesuch zu setzen. Nunmehr regt es sich auch in den Kreisen der Abgeordneten, in jenem Kreise, in welchem die Politik den Charakter gründlich verdirbt und in dem Lärm *■. Im KomUat Sara? mahlt der Volks miiud, daß dieser Josefovitcs aus (Salsiien flammte, doit härte er kurz vor dem traurigen Ereignisse dreimal uacheiuander eiueu Traum gehabt, daß er ausersehen ist, „al kiddnsch haschem" in Ungarn zu sterben, er müsse also nach Ungarn. So wunderte er über die Grenze, wurde in Adamföld von Dawidovitcs als Hauslehrer engagiert, bis ihn sein Schicksal erreichte.