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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-12-20 · 51 (20.12.1907) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
51 (20.12.1907)
Date
1907-12-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 51 Vr. Bloch's Wochenfttzrifl. Seite 847 Moment, das Land des Golus zu verlassen und in unser eigenes Land zu gehen, das wir lieben lernen werden. Wir wollen arbeiten und uns plagen für unser Volk und den Pfad der Freiheit und Gleichheit für die kommenden Generationen ebnen." Mit solchem treibenden Geiste dürfen wir hoffen, nicht nur eine Kolonie zu gründen, sondern auch einen Anschauungs-Unterricht in wahrer Zivilisation geben zu können. Es gibt ein Sprichwort von der Tötung zweier Vögel mit einem Stein, es ist ein barbarisches Sprichwort. Ich möchte lieber zwei Gebäude aufführen mit einem Stein; indem wir ein Haus für den wandernden Juden errichten, wollen wir gleichzeitig ein Muster für die Menschheit schaffen. Und so kann vielleicht der Stein, den andere Baumeister verachtet haben, noch der Schlußstein des Tempels der Humanität werden: n-s vnrb nn\n a'aian idkö p* Die Lage des jüdischen Territoriums. Wo soll nun unser Territorium sein? Das ist die wichtigste Frage, die unsere Organisation beschäftigt, die ganze Zukunft unseres Volkes kann von ihrer Beantwortung abhängen. Die Auswahl ist demnach mit einer feierlichen und ernsten Verantwortlichkeit verbunden und wenn mancher Jtoist die Geduld verlor, weil wir zwei Jahre aus die Betrachtung aller Möglichkeiten in der Welt verwendet haben, so können wir auf solche Schwächlinge wohl verzichten. Wahrhaftig, manches Volk hat mehr Zeit gebraucht, um sich nach einem eigenen Haus umzusehen. Im Jahre 1881 schrieb der erste Territorialist, Leo Pinsker, in seiner „Selbstemanzipation", daß die Auswahl mit großer Vorsicht, durch eine einzige Körperschaft, durch eine Kommission von Sachverständigen getroffen werde müsse. „Nur ein solch höheres Tribunal", schrieb er, „könnte nach gründlicher und verständnisvoller Untersuchung beschließen, auf welchem Erdteile und auf welchem Teile des Kontinents unsere endgiltige Wahl getroffen werden müsse." Vollkommen in Uebereinstimmung mit diesem prophetischen Satze wurde die Aufgabe durch eine einzige Körperschaft, durch ein Komitee von Experten, unternommen. Die einzige Körperschaft ist die „Jto" und das Expertenkomitee unsere „Geographische Kommission". Diese Kommission ist, wie ihnen bekannt, aus fünf der angesehensten Juden der ganzen Welt zusammengesetzt. Rußland ist durch jenen großen alten Mann, Dr. Mandelstamm, Deutschland durch den Präsidenten des Hilfsvereines James Simon und den unermüdlichen Reisenden im Interesse des Judentums Doktor Paul Nathan, Amerika durch den Staatssekretär für Handel und Arbeit im Kabinet Roosevelt, Hon. Oskar Straus und England durch Lord Rothschild vertreten. Der britische Sektionsrat wurde durch den Jnternationalrat mit der Aufgabe betraut, eine Vorstudie auf dem ganzen Gebiete politischer Möglichkeiten zu machen, und nach langem und peinlichem Erwägen aller Für und Wider brachten wir einen Bericht zustande, der, wie ich mit Vergnügen konstatieren kann, von allen meinen dreißig Kollegen gezeichnet wurde. Ein Auszug unserer Untersuchungen zusammen mit unseren Schlußbemerkungen wurde in diesem privaten Blaubuch gedruckt und an der zweiten Jahreswende unserer Tätigkeit durch mich Lord Rothschild überreicht. Vieles in dieser Vorarbeit war trauriger Natur, gezeitigt durch den Hinweis, wie viel Gelegenheiten bereits versäumt wurden. Vor einem Jahrhundert hätten wir zwischen drei Kontinenten wählen können. Ja, noch vor 75 Jahren wurde einem Juden, namens Nathaniel Isaaks, der für einen Zulukönig kämpfte, ein großes Territorium zugefichert mit dem Titel „Chief of Natal". Damals gab es keine „Jto" und sein einziger Gedanke war, das Gebiet an England zu bringen. Heute ist wieder, ein Jude Chef von Natal, und zwar Matthew Nathan, und dieser ist Mitglied des „Jto"-Rates. Aber das Territorium ist jenen Weg gegangen, von welchen Territorien niemals zurückzukehren pflegen. Wir produzieren Männer, wie Sie sehen, die Territorien gewinnen können, und Männer, die sie regieren. Warum könnten wir nicht auch ein Territorium für uns selbst erreichen und regieren! Von den 15 Projekten, die in Betracht gezogen wurden, wurden nur 10 in Verhandlung genommen und von diesen wurden zwei besonders auserlesen. Von diesen zwei Anboten wurde auf Grund sekreter Informationen eines der geographischen Kommiffion zur vorherigen wissenschaftlichen Untersuchung empfohlen. Dieses Territorium ist, obgleich eines der besten, die uns in der ganzen Welt übrig geblieben find, sicherlich auch nicht ganz frei von Fehlern und zu überwindenden Schwierigkeiten, aber Territorien ohne jeden Mangel hat es niemals gegeben, seitdem Adam aus dem Paradiese vertrieben wurde und die Expulfionsemigration ihren Anfang nahm. Selbst Palästina wurde, wie Sie sich erinnern werden, von den ursprünglichen Kundschaftern ungünstig beurteilt; glücklicherweise haben Kaleb und Josua einen Minoritätsbericht unterbreitet. Jeder, der in dichtem Nebel in London landen würde, würde England sicherlich zurückweisen. Sie find sicherlich neugierig wie Eva, den Namen des Landes zu erfahren, aber leider muß ich mich vor der Schlange hüten. Sie wissen, was mit Oftafrika geschehen ist, wie die Christen jenes Landes mit den Zionisten und Antizionisten dieses Landes sich vereinigt haben, um auf unserer Idee herumzustampfen. Auch werden die diplomatischen Schwierigkeiten durch den Umstand vergrößert, daß das in Frage stehende Gebiet um Vieles wünschenswerter ist, als Ostafrika. Vielleicht gefährde ich schon die Aussicht, es zu erreichen, wenn ich Ihnen erzähle, daß es ebenfalls in Afrika, in demselben Weltteile liegt, von welchem wie das Sprichwort sagt, immer etwas Neues kommt. Aber unser Volk besteht aus solch ungläubigen Juden, daß sie verlangen, daß selbst die diplomatischen Schritte ganz öffentlich ausgeführt werden. Und so muß ich denn, um nicht wieder mit dem Mond verhöhnt zu werden, es riskieren, über den Gegenstand etwas mehr zu sagen. Im Juli 1903, zwei Jahre vor der Gründung der „Jto", zur Zeit, da ich den ungünstigen Bericht der zionistischen Kommission, welche die Sinai-Halbinsel behufs Studiums bereist hatte, redigierte, bat mich der selige Dr. Herzl, einen engeren Zionistenrat einzuberusen, um die Idee, Marokko für jüdische Kolonisation zu gewinnen, durchzuberaten. Dieses Land sei beffer als Sinai, sagte er, und es sei auch ein Land, in welchem die Mächte — wie er mit prophetischem Blicke voraussah, früher oder später intervenieren werden. Die Idee erschien mir recht phantastisch, obgleich es eine recht mutige Konzeption war, die Juden gerade dort herrschend machen zu wollen, wo sie am meisten getreten werden. Je mehr ich jedoch seit jener Zeit über Herzl's Plan nachdachte, desto mehr war ich überzeugt, daß es, wenn auch nicht der Form nach, so doch dem Geiste nach eine politische Inspiration war und daß eines der beste» Gebiete, wenn nicht das allerbeste Gebiet für jüdische Kolonisation in Nordafrika liege. Hier in dieser ungeheuer ausgedehnten, halb gekannten, halb bevölkerten und halb regierten Gegend, die zum großen Teile gemäßigtes, nirgends aber tropisches Klima hat, deren Boden ftuchtbar ist; eine Gegend, in der sich durch halbentwickelte und halb verfallene Häfen des Mittelländischen Meeres ein Handelskanal zieht, in dem ein kleiner Kern jüdischer Bevölkerung sich befindet, die von Rußland und Rumänien, den Hauptzentren der Verfolgung, leicht erreichbar; hier irgendwo in dem ausgedehnten Sonnenlande soll eine jüdische Zufluchtsstätte gefunden werden. Ringsum, wo alles von Vernachlässigung und Mißverwaltung und von historischen Chancen spricht, liegt die Ruine großer Städte und uralter Zivilisation. Ich selbst fuhr einst vorbei an dem dunkelgrauen Walle, welcher die Lage Karthagos, der einstigen Rivalin Roms, bezeichnet. Und außer den Spuren alter Staaten, die wiederhergestellt werden können, besitzt dieses ungeheure Nordafrika ganze Gebiete, die niemals entwickelt waren, die sich bis hinunter zur Sahara erstrecken, die von der modernen Wissenschaft überhaupt nicht als Wüste, sondern als ein Land mit großer Zukunft angesehen wird, und bis zum Süden, das sich jetzt als ein Land mit großer zivilisatorischer Vergangenheit erweist. Da gibt es aber auch ein Land, südwestlich von Marokko, das so groß ist, wie England, mit einer herrlichen Seeküste, das eigentlich ein Niemandsland und nur von einigen nomadisierenden Stämmen bewohnt wird. Eine der romantischesten Episoden in

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