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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-12-20 · 51 (20.12.1907) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
51 (20.12.1907)
Date
1907-12-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 846 Wt. Lwcb's Mocbenscbrtkt. Nr. S1 „Jto" wurde schon oft der Vorwurf des Größenwahns wtöa^tutoitomie, sondern die autonome Basis, d. h. autonome Grunddes Verbreitens ungesunder, großzügiger Ideen gemacht. Groß-^lage. Wir können das Fundament unseres Baues so legen, daß zügige Ideen haben wir; für ein gigantisches Problem eineMdie Autonomie, die der auf dem Dache flatternden Fahne gleicht, kleinliche Lösung zu empfehlen, wäre einfach ein Kinder-Mim Wege der natürlichen Entwicklung erreichbar sei, so wie sie spiel ohne Ernst. Wir mögen auch als verrückt gelten, aber H zum Beispiel für die Bürger Rhodesiens oder auch irgend eines so verrückt, um ein Zufluchtsland ohne die Gewähr einer amerikanischen Territoriums erreichbar ist, sobald sie auf dem Autonomie zu schaffen, nein, so verrückt sind wir nicht. Es ist möglich, daß uns ein Erfolg nicht beschieden ist, aber wir können uns wenigstens davor schützen, daß die Sache ein Mißerfolg werde, noch ehe wir sie in Angriff nehmen. Es ist besser, überhaupt nichts zu beginnen, als etwas in Angriff zu nehmen, was erfolglos bleiben muß. Das ist die Art, wie die „Jewish Colonisation Association" oder kurz „Jca" genannt ihre Kolonisationsarbeit in Argentinien in Angriff genommen hat. Der politische Mißerfolg der „Iea"-KoLonierr. Der wirkliche Erfolg dieser Kolonien in agrikultureller Richtung — und ich gratuliere der „Jca" vom Herzen zu ihrem Fortschritte — macht ihren Mißerfolg in politischer Richtung nur noch niederschlagender. Hier gibt es auf einem durch jüdische Hände der Wildnis entriffenen Boden 12.000 Seelen, eine Bevölkerung, die größer ist, als je ein Staat in seinen Anfängen gehabt hat, die sechsmal so groß ist, als die weiße Bevölkerung in Britisch-Ostafrika mit seinem Areal von 200.000 Quadratmeilen. Diese Bevölkerung der „Jca"-Kolonien lebt jedoch, anstatt in einer einzigen Kolonie konzentriert zu sein, zerstreut in fünf kleinen Kolonien, die von einander so weit entfernt liegen, wie London von Paris. Wären sie in einer Gegend konzentriert, besonders in jener Gegend Argentiniens, wo auf einer halben Million Quadratmeile weniger Menschen leben, als in Manchester und Birmingham, so hätten sie sich wenigstens zu einer lokalen Autonomie, als eine selbstständige Provinz von Argentinien unter der freien argentinischen Konstitutton auffchwingen können. Denn diese Autonomie zweiten Ranges ist schließlich beffer als gar keine und in Ländern mit ausgedehnten Gebieten und modernem Verfassungsleben bedeutet Konzentration — Macht. Welche Macht können jedoch die „Jca "-Kolonien jemals erlangen? Schon beginnt der Lokalkommiffär, wie der letzte Bericht naiv erzählt, sich in den Schulunterricht dreinzumischen. Vergebens schwingen die Argentinier jüdischer Konfession die argentinische Fahne vor dem Angesichte des Kommissärs, vergebens fingen die Kinder die argentinische Hymne, der Herr Kommissär beklagt sich, daß dem hebräischen Unterttcht zu viel Zeit gewidmet werde, nun will er ihn durch den Unterttcht im Spanischen ersetzt sehen. Welche Sicherhett hat die „§ca", daß die jüdische Einwanderung nach Argentinien, ja selbst in ihre eigenen Kolonien nicht eines Tages untersagt werden wird, sobald Argentiniens aus unserer Arbeit genügend Nutzen gezogen haben wird? Sie werden nun fragen, mit welcher Berechtigung hofft die „Jto" ein Land mit Selbstregierung zu erlangen, nachdem es doch bekannt ist, mit welcher Eifersucht um jeden Zoll Erde gekämpft wird, daß alle Teile der Erde mit gemäßigtem Klima bereits vergriffen sind, daß die Mächte auf jeden Flecken, mag er noch so ungesund sein, ein wachsames Auge haben? Dieser Einwand wurde mehr als einmal von einem unserer achtenswertesten Gegner Sir Francis Montefiore erhoben, der einfach erklätte, daß ein politisch-jungfräuliches Gebiet höchstens im Mond gefunden werden könnte. Ich fürchte, selbst dort nicht, denn auch da drinnen ist ein Mann und wahrscheinlich ein Anttsemtt. Und dennoch hofft die „Jto" und ihre Hoffnungen find auf zwei Umstände gegründet: Erstens, daß die Mächte selbst es zweckdienlich finden werden, eine Lösung der Judeufrage im Wege einer Autonomie zu fördern, da es die Interessen einer Bevölkerung von 12 Millionen Seelen, d. h. einer Bevölkerung, die so groß ist als diejenige von Schwöen, Norwegen, Gttechenland und Dänemark zusammen, es so erheischen, und zweitens, daß selbst für den Fall, als die Mächte es ablehnen würden, uns zu decken, wie sie es mit Bulgarien und Libetten gemacht haben, so können wir noch immer einen Ausweg finden. Denn unser Programm fordert nicht die betreffenden Boden in genügender Zahl beisammen sind. Wir schließen nur diejenige Art von Kolonisation aus, bei welcher die geschilderte Möglichkeit ausgeschlossen erscheint. Mit einem Worte: unsere Kolonisation muß politisch und nicht philanthropisch sein. Da den „Jca "-Kolonien im Innern Argentiniens diese Anziehungskraft einer politischen Zukunft fehlt, so sind sie auch nicht imstande, mit den Reizen von Buenos-Ayres, einer Stadt, die so groß und so fröhlich ist wie Paris und den Eintrittshafen des Landes bildet, zu rivalisieren. Der überwiegende Teil der Emigranten bleibt in dieser Stadt zurück, wo sie nicht nur ein Ghetto schlechthin, sondern ein korruptes Ghetto errichten. Wodurch sollte auch die vollkommene Degenerierung unseres Volkes, das, herausgerissen aus seiner alten Umgebung, ohne Lehrer und ohne Führung einzig durch die Fluten des Schicksals auf entfernten Boden geschleudert wird, verhindert werden? Dort, wo es keine Vision gibt, geht das Volk zugrunde. Die Autonomie oder die Hoffnung, sie erreichen zu können, würde den Juden eine neue Aufmunterung, eine neue Inspiration bieten. Nicht nur der arme, sondern auch der wohlhabende Jude würde durch das jüdische Zentrum angezogen werden. Seine Bevölkerung würde nicht nur durch die Expulsionsemigration, sondern ebenso durch die Jmpulsionsemigration anwachsen. Im vorigen Jahre kamen nicht weniger als 13.500 jüdische Seelen nach Argentinien, aber wie viele von ihnen gingen in die jüdischen Kolonien. Ihr ganzer Zuwachs betrug im vergangenen Jahre im Ganzen 552, also nicht mehr als die Kleinigkeit von 500 aus der Gesamtzahl von 13.500. Und es ist sicher eine bezeichnende Tatsache, daß, während Moisesville, also die älteste Kolonie, 316 Einwohner verlor,-die neueste und kleinste, Leloir, an.279 Seelen zugenommen hat. Diese Kolonie Leloir, die erst vor wenigen Jahren auf Basis der Selbstkapitalisierung und Selbstregierung durch die Gruppe gegründet wurde, ist der einzige aussichtsreiche Flecken unter den „Jca "-Kolonien, die einzige Siedelung, welche den Optimismus des hingebungsvollen Präsidenten der „Jca", M. Narciffe Leven, rechtfertigt. Hier kann der gesunde Landhunger, der die russischen Juden, die über eigenes Kapital verfügen, jetzt ergriffen hat, ohne die großmütterliche Regierung befriedigt werden. Die Zahl der wohlhabenden Familien in Leloir ist innerhalb eines Jahres von 25 auf 87 gestiegen, d. h. um 250°/o mehr, und ich frage Sie nun,. wenn bei nur teilweiser Beobachtung der itoistischen Prinzipien in einem Jahre ein so glänzender Erfolg erzielt wurde, ist das nicht selbst schon ein absoluter Beweis dafür, daß die „Jto" nicht nur leeren Träumen nachläuft. Diese russisch-jüdischen Kolonisten, die nur im kleinen Rahmen arbeiten und nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind, arbeiten, wie der Bericht der „Jca" hervorhebt, nicht nur nach wissenschaftlichem System und mit den modernsten Maschinen, sondern auch mit Energie, Initiative und in vollkommen brüderlicher Harmonie. Um wie vieles intensiver müßte diese Arbeit erst sein, wenn sie das Gefühl haben würden, für die ganze Bruderschaft Israels zu arbeiten! Erinnern Sie sich noch der Worte, welche Mr. Winsoon.Churchill an Ihren Herrn Dulberg in.Unterstützung der „Jto" gerichtet hat, in denen er ausführte, daß die nationale Kolonisation im Gegensätze zur persönlichen eine Seele habe und einen treibenden Geist? Existiert aber eine solche Seele, ein solch treibender Geist in den russischen Juden? Mögen Ihnen die über Rußland verbreiteten „Jto"-Gruppen hierauf antworten. Hören Sie einmal einen Brief von der „Gruppe der Pioniere in Bjesieza", einem Orte übrigens, dessen Namen ich bisher noch nicht gehört habe. „Geehrter Herr Präsident! Wie lange müssen wir noch Watten, bis die erste Pioniergruppe in unser Territorium gesendet wird. Erfreuen Sie doch unser Herz durch das. große Trosteswort. Wir warten mit Ungeduld auf den glücklichen

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