Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-12-13 · 50 (13.12.1907) · page 18

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
50 (13.12.1907)
Date
1907-12-13
Page
– (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3020846-3021710-3021761--16924-3041771
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Sette 836 Dr. Llocb's Mocöerrscdrm. Nr. 50 Was soll das bedeuten, daß der greise Salmon vier Treppen hoch kletterte, ihn in seiner Mansarde aufsuchte, welche er noch niemals betreten, und warum nannte er ihn „Herr Doktor", wußte er doch, warum er diesen Titel abgelegt, nannte er ihn ja sonst stets Reb Chajim? „Nur einen Augenblick, verehrter Herr Rabbiner, wenn ich bitten darf. Ich öffne sofort. Gedulden Sie sich nur eine Minute." Rosen wollte nur seinen Hausrock gegen einen anderen vertauschen und die Speisenreste vom Tische räumen, um den greisen Rabbiner zu empfangen, wie er es verdiente. (Schluß folgt.) Literat«». Dr. David Reuwark, Professor am Hebrew Union Kollege in Cincinnati. Geschichte der jüdischen Philosophie des Mittelalters. Erster Band: Die Grundprinzipien I. Erstes Buch: Einleitung. Zweites Buch: Materie und Form. 615 S. Preis broch. 15 Mark. Georg Reimer, Berlin 1907. Der gelehrte Verfasser dieses groß angelegten Werkes zeigt in seiner Person deutlich, was eiserner Wille und Ausdauer aus einem Menschen zu machen vermögen. Neumark hat bis zu seinem zwanzigsten Lebensjahre in dem engen, dunklen Bet-Hamidrasch seiner Heimatstadt „gelernt". Neunzehn von vierundzwanzig Stunden verbrachte er bei seinen talmudischen Büchern. Bis zu seinem neunzehnten Lebensjahre war ihm sogar die lateinische Schrift noch fremd geblieben und heute — er steht im 40. Lebensjahre — beherrscht Professor Neumark neun Sprachen in Wort und Schrift und nimmt einen der ersten Plätze in der hebräischen Literatur ein. I. L. P e r e z und Rüben B r a i n i n stellen Neumark höher als A ch a d- Haam in der hebräisch-philosophischen Literatur. Professor Nemnark steht, wie erwähnt im 40. Lebensjahre und es war ein lieblicher Zufall, daß er gerade an der zwanzigsten Jahreswende, des Tages, da er das Bet-Hamidrasch verlassen hatte, sich von seiner Heimatsstadt verabschiedete, um eine Professur in Amerika anzutreteu. Zweieinhalb Jahre nach seinem Austritte aus der Talmudschule bestand er in Lemberg die Reifeprüfung mtt Auszeichnung. Dann bezog er die Wiener Universität, wo er zum Doktor der Philosophie promoviert wurde. Einige Jahre fungierte er in Rakonitz (Böhmen) als Rabbiner, doch verließ er bald diesen Posten, um in Berlin ausschließlich philosophischen Arbeiten zu obliegen. Professor N e u m a r k, dessen Mutter und Geschwister noch in seiner galizischen Geburtsstadt leben, war anläßlich seines Abschiedsbesuches Gegenstand rührender Ehrenbezeigungen seitens der Ortsbewohner, die nicht wenig stolz sind auf ihren berühmten Landsmann. Als der Zug in die Station einfuhr, wurde Professor Neumark von einem vielhundertköpfigen Publikum erwartet und lebhaft begrüßt. Sein Einzug in Gesellschaft seiner Frau, die auch mitgekommen war, gestaltete sich zu einem wahren Triumphzug. Die vornehmsten Juden werben um die Gunst, „ihren" Professor beherbergen und bewirten zu dürfen. Besonders rührend war die Begegnung mit seinen früheren Kollegen aus dem Bet-Hamidrasch, die nicht genug darüber staunen konnten, was aus dem „Bachur", der vor zwanzig Jahren in chassidischer Tracht fast verstohlen die Stadt verließ, nunmehr geworden. Nach zweitägigem Aufenthalte verließ Professor Neumark mit seiner Frau seine Heimatsstadt. Die ganze Gemeinde hatte fie zum Bahnhose geleitet. Hier sei auch erwähnt, daß die amerikanischen Blätter durchwegs die Ernennung Dr. Neumarks zum Professor an dem Rabbinerseminar von Cincinnati sympathisch begrüßen. Während seines Berliner Aufenthaltes hat N e u m a r k eine ganze Reihe philosophischer Werke herausgegeben. Das bedeutsamste aber ist zweifellos die vorliegende großangelegte Arbeü, welche über 600 Seiten Großformat umfaßt. Es stellt sich als eine würdige Huldigung dar für die Lehranstalt, für die Wissenschaft des Judentums in Berlin, aus Anlaß ihres Jubiläumsfestes. Der vorliegende Band umfaßt auch die Grundschriften der Kabbala und ist unstreitig nicht bloß für die Freunde der jüdischen Literatur und Philosophie, sondern für die Geschichte der Philosophie überhaupt von hervorragender Bedeutung. Systematisches Lehrbuch der israelitischen Religion von Dr. W. Feilchenfeld. Vierte verbesserte Auflage. Frankfurt a. M. Verlag von I. K a u f f m a n n, 1907. Zur Abfassung eines „Lehrbuches" gehört mehr als bloße Gefinnungstüchtigkeit und nur über diese verfügt augenscheinlich der fromme Verfasser. Daß das Lehrbuch den Standpunkt des rechtgläubigen Judentums zu wahren bestrebt ist, wäre gewiß ein Vorzug, wenn es gleichzeitig auch den Geboten der Pädagogik und des guten Geschmackes gerecht geworden wäre. Es schadet nicht, die Kinder mit den Vorschriften über Orla Schatnes und K i l a j i m bekannt zu machen, der tüchtigste Lehrer wird es wissen, Sinn und Gehalt dieser Gebote auch der Jugend zum Verständnis zu bringen. Welche Erläuterung soll aber der Lehrer den jungen „reiferen" Schülern und Schülerinnen zu dem Satze bieten, daß „eine Frau, die einen Ehebruch begangen hat, weder mit ihrem Gatten in ehelicher Gemeinschaft bleiben, noch auch nach vollzogener Scheidung ihren Verführer ehelichen darf." (Seite 83.) In Oesterreich würde schon die staatliche Schulbehörde gegen den Gebrauch eines solchen Lehrbuches Einspruch erheben. Sätze wie „Verboten ist namentlich das vertrauliche Zusammenleben (!) von Personen verschiedenen Geschlechtes, die nicht nach Vorschrift des israelitischen Gesetzes als Ehegatten verbunden sind" (Seite 82) machen jedes „Lehrbuch" für den Schulgebrauch ungeeignet. Dr. Rayhel Breuer. Aus dem Tagebuch einer jüdischen Studentin. Gebrüder Knauer, Verlagsbuchhandlung, Frankfurt a. M. Kriefkasterr. „Neugermane". Der antisemitische Hetzschriftsteller Robert I a f f e ist ein Renegat. Getauft ist er erst seit fünf oder sechs Jahren und seine konservativ-antisemitische Gesinnung ist auch noch jungen Datums. In den Jahren i897—1900 war er unter dem Pseudonym „Max Aram" und auch unter vollem Namen einer der fleißigsten Mitarbeiter der „Wett" und ein treuer Anhänger Theodor Herzls. In seinen zahlreichen Artrkeln kämpfte er mit viel Wärme für das zionistische Ideal und er schrieb dann auch einen jüdischen Roman unter dem Titel „Ahasver". K. L. Wie aus New-Aork berichtet wird, wurde Jesaias Zuraskl, ein aus Rußland eingewanderter Jude von 19 Jahren, zum Chormeister des Manhattan Opera-House von New-Iork ernalint. Zuraski, der auf dem Theaterzettel als „Zuro" figuriert, ist vor kaum einem Jahre aus Rußland eingewandert und gilt als einer der hervorragendsten Musiker der Jetztzeit, dem allseits eine große Zukunft prognostiziert wird. Dr. K. in F. Genannter ist Jude. Nach Professor A. Berliners Erklärung aus dem Arabischen herzuleiten. Andere erklären es an dem englischen „Iba dawn“ (Morgen, also gleich: Morgengebet verrichten) oder aus „dat" (Blatt) gleich blättern. David Neumann’sche Stiftung. Am 7. Adar, das ist am 9. Februar 1908, als dem Sterbetage des seligen Herrn David Neumann gelangen die Zinsen aus der David Neumann’schen Stiftung im Betrage von K 400.— an Verwandte des Stifters oder seiner Gattin Helene zur Verleihung. Die mit dem legalen Verwaudtschafts- und Armutszeugnisse belegten Gesuche sind bis 31. Dezember 1907 im Einreichungsprotokolle der Israel. Kultusgemeinde Wien, I., Seitenstettengasse 4, III. Stock, woselbst auch Gesuchsblankette unentgeltlich behoben werden können, während der Amtsstunden zwischen 9 und 12 Uhr vormittags zu überreichen. Auszüge aus den Matriken der israelitischen Kultusgemeinde Wien sind als Gesuchsbelege nicht erforderlich; es genügt vielmehr die genaue Angabe der betreffenden Daten. Auf später eingelangte oder nicht gehörig belegte Gesuche wird keine Rücksicht genommen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.