Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-12-13 · 50 (13.12.1907) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
50 (13.12.1907)
Date
1907-12-13
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3021710-3021761--16919-3041766
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nr. 50 Dr. L-loch's WoüxerrrchrM. Seite 833 Israelitischer Handwerkerverein. Kürzlich fand im Festsaale der Bialaer Kultusgemeinde unter zahlreicher Beteiligung auch aus den Kreisen der Nichtmitglieder die Generalversammlung des israelitischen Handwerkervereines, verbunden mit der Beschenkung von 35 armen Lehrlingen mit Schuhen und warmer Winterkleidung, statt. Eröffnet wurde die Feier mit einer herzlichen Ansprache des Bereinsobmannes Herrn Kestel an die zu beteilenden Lehrlinge, m der er dieselben in warmen, väterlich liebevollen Worten zur Dankbarkeit gegen ihre Wohltäter, zu Fleiß und Gehorsam gegen ihre Lehrherren, sowie zu wahrer und inniger Gottesfurcht ermahnte. Die Ansprache machte auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck. Der Vorsitzende begrüßt hierauf die Erschienenen, besonders Herrn Rabbiner Dr. Glaser-Biala. den Kultusvorstand Herrn Kaiserl. Rat Pollak, dessen Stellvertreter Herrn Tugendhat und gedenkt dann in warmen Worten der im abgelaufenen Jahre verstorbenen Mitglieder M.Dentsch, I. Moschkowitz und O. Schäfer, deren Andenken von den Versammelten durch Erheben von den Sitzen geehrt wird. Aus dem hierauf von Herrn Kestel zum Vortrage gebrachten Rechenschaftsberichte ist folgendes zu entnehmen: Die Zahl der Mitglieder beträgt 135, von denen 33 auf Biala entfallen. 35 den verschiedensten Gewerben angehörende Lehrlinge genießen die Fürsorge des Vereines. Das Gebahrungsjahr schließt mit einem Saldovortrag von 21 Kronen. Die Bekletdung und Beschuhung der Lehrlinge erforderte einen Betrag von 620 Kronen. Im Anschlüsse an den beifällig aufgenommenen Jahresbericht ergreift Herr Kultusvorstand Pollak das Wort. Er verweist darauf, daß die große Zahl der Erschienenen das Interesse dartue, welches man allenthalben dem Handwerkervereine entgegenbringe. Er würdigt das stille, anspruchslose Wirken, sowie die segensreiche Tätigkeit des Vereines. Wenn der Verein mit den ihm zu Gebote stehenden, verhältnismäßig geringen Mitteln seine Aufgabe in so glänzender Weise lösen konnte, so sei dies wohl in erster Linie der ruhigen zielbewußten Arbeit des Vorstandes, besonders aber des Herrn Kestel zu danken. Er dankt diesem namens der ganzen Kultusgemeinde für seine Tätigkeit und wünscht, daß dieser dem Vereine noch viele Jahre erhalten bleibe. Der starke Beifall, der diesen Worten folgte, bewies, daß Herr Pollak nur den Gedanken aller Anwesenden treffend Ausdruck verliehen babe. Da sich niemand mehr zum Worte meldete, nahm Herr Rosenbaum die Verteilung der Geschenke vor. Dieselben bestanden, je nach Bedarf, für den einen in einer kompletten Winterbekleidung, für den andern in einzelnen Kleidungsstücken, für die meisten nebstbei in einem Paar fester, dauerhafter Schuhe. Das freudig leuchtende Antlitz jedes einzelnen, das kurze, aber aufrichtig gemeinte „Danke" ist wohl für den Verein Lohnes genug, ein Lohn, der sich zwar nicht in klingende Münze Umsetzen läßt, wohl aber das Herz des Gebers mit dem Gefühle edler Befriedigung über eine gute Tat erfüllt. — Wir können nur wünschen, daß der Verein überall die kräftigste Unterstützung und Förderung seiner segensreichen Tätigkeit erfahren möge. Berlin. Die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums, die vor kurzem die Einweihung ihres eigenen neuen Heims (Artilleriestraße 14) unter Teilnahme des Kultusministers vollziehen konnte, kann, trotzdem die „Hochschule für die Wissenschaft desJudentums" erst am 6. Mai 1872 durch eine stille würdige Feier eröffnet wurde, auf eine lange Entwicklungsgeschichte znrückblicken. Schon 1824 arbeitete der Vize-Ober-Landesrabbtner Meyer Simon Weyl den Plan zur Errichtung eines „israelitisch-theologisch-pädagogischen Seminars" aus und überreichte ihn dem preußischen Unterrichtsministerium; trotz des wohlwollendsten Entgegenkommens von seiten des Ministers Allenstein kam der Plan nicht zur Ausführung, da ihm die materielle Förderung versagt wurde. Vergebens rief Leopold Znnz 1832 nach der „schützenden Anstalt, die dem Fortschritt und der Wissenschaft eine Grundlage der Gemeinde, ein religiöser Mittelpunkt wurde". 1862 arbeitete Dr. Samuel Reumann, ein eifriger Bewunderer der von Zunz und seinen Genossen neugeschaffenen Wissenschaft des Judentums, in Gemeinschaft mit dem Abgeordneten Veit und mit Lazarus den Plan zur Gründung eines Vereines aus, dem die Aufgabe gestellt wurde, „Anregung und Mittel zum weiteren Auf- und Ausbau der Wissenschaft des Judentums darzubietcn, die Kenntnis und Pflege derselben zu erweitern und dadurch eine ungetrübte Kunde des Judentums im Kreise der Juden und außerhalb derselben zu verbreiten". Aber es währte noch geraume Zeit und bedurfte vieler Arbeit — die von Dr. S. Elbogen verfaßte Festschrift schildert, welck großen Anteil am Gelingen Stadtrat Moritz Meyer, Dr. S. Reumann, Ludwig Philippson, Moritz Lazarus, Haiim Steintbal, A. Geiger, David Cassel hatten — bevor die Anstalt irr bescheidenen Mietsräumen (Spandauer Brücke Rr. 8) eröffnet wurde. Erst unlängst hat die Anstalt ihr eigenes Heim erhalten. Obwohl sie dank vielfacher opferwilliger Förderung im letzten Jahrzehnt ein gewaltiges Stück vorangekommen ist, so ist — wie in der Festschrift betont wird — nur das erreicht, was früher versäumt worden ist. „Roch sind wir weit vom Ziel entfernt, das den Gründern vorschwebte, und die Wissenschaft ist inzwischen mit Riesenschritten vorwärts gegangen." Dr. Elbogen führt weiter aus: „Ein Institut wie die Lehranstalt darf nicht auf den schwankenden Grundlagen der Jahresbeiträge beruhen, darf nicht genötigt sein, in seinen Ausgaben an allen Orten Sparsamkeit zu üben, es muß durch die Erträgnisse des eigenen Vermögens seinen Aufgaben in vollem Umfange gerecht werden können. Hier eröffnet sich jüdischen Männern ein Feld zur Betätigung, hier bietet sich eine Gelegenheit, Begeisterung für.die Wissenschaft. Freude an der Kulturarbeit zu bekunden. Die Wissenschaft des Judentums selbst muß durch Erweiterung und Vertiefung ihrer Probleme, durch Verbesserung ihrer Methoden, durch Verstärkung ihrer Hilfskräfte so weit gefördert werden, daß sie einen ebenbürtigen Rang unter den Wissenschaften einnimmt, daß sie als gleichberechtigte Schwester unter ihnen weilen darf." Slraßburg. Statthalter Graf Wedel empfing das israelitische Konsistorium zur Vorstellung des Konfistorialpräfidenten Dr. L e v i. Dieser versicherte ihn in längerer Ansprache der Treue und Anhänglichkeit der Israeliten für Kaiser und Reich und dankte für den Empfang. Der Statthalter erwiderte in herzlichen Worten und teilte dem Konfistorialpräsidenten mit, daß der Kaiser ihm aus Anlaß des 50jährigen Doktorjubiläums den Kronenorden dritter Klasse verliehen habe. Schließlich krackten die Herren noch persönliche Wünsche vor; besonders wünschten sie, daß bei der nächsten Anwesenheit des Kaisers auch die Vertreter der jüdischen Religionsgemeinschaft zu den Festlichkeiten hinzugezogen würden. London. Das Defizit des bedeutendsten jüdischen Wohltätigkeitsvereins Londons, des „Jewish Board of Guardians", dürfte in diesem Jahre fast 200.000 Mark betragen; der Verein hat 85.000 Mark weniger vereinnahmt und 20.000 Mark mehr verausgabt, als im Vorjahre. In einer jüngst abgehaltenen Versammlung, die sehr zahlreich besucht war, wurde nach einer Rede Lord Nathaniel Rothschilds auf dessen Antrag einstimmig eine Resolution angenommen, „daß die Versammlung des Boards und der Förderer, welche für seine verschiedenen Komitees tätig sind oder mit ihnen in Beziehung stehen, nachdem sie fistgestellt haben, daß das Werk des Boards in seinem gegenwärtigen Maßstabe ebenso wesentlich für die jüdischen Armen als für die Interessen der Gemeinde im allgemeinen ist, sich verpflichtet, keine Anstrengung zu scheuen, um genügend Mittel für die jährlichen Bedürfnisse des Boards aufzubringen." Konstantinopel. Der unter dem Titel „Dentsch-österr. israel. Kultus-Gemeinde" in Ihrer Rovembcr-Rummer «Rr. 4j) erschienene Artikel, welcher Ihnen als eine Berichtigung eingesendet wurde, bedarf selbst einer eingehenden Korrektur, und zwar aus verschiedenen Gründen, die ich mir gestatte, Ihnen nachstehend anzugeber. Wie aus dem am 19. Juni 1890, zwischen dem Großrabbinat in Konstantinopel einerseits und den Vertretern der jüdisct en Gemeinde der Aschkenazim andererseits, abgeschlossenen Vertrag erhellt, besteht in Konstantinopel eine offizielle ottomanische Gemeinde der Aschkenazim, welche alle deutschsprcchenden Juden in Konstantinopel, ohne Unterschied der Rationalität, speziell aber die ottomanischen Untertanen, angebören. Diese Gemeinde, obzwar sie bisher infolge von gewissen Schwierigkeiten, teils auch wegen Mangel an geeigneten Leitern noch nicht systematisch und gründlich organisiert wurde, hat einzig urd allein das Recht, den Titel einer offiziellen, d. h. von den türkischen Behörden anerkannten Gemeinde zu tragen und zu beanspruchen, da sie nicht nur vom Großrabbiner und der türkischen Negierung anerkannt ist, sondern vertragsmäßig das Recht hat, einen eigenen Rabbiner, einen Verwaltungsrat (Oouseil d’admmiatiation), einen amtlichen Gemeindesiegel (aceau particulier ä la Commnnaute!), und einen Gemeinde-Präsidenten (türkisch: Tjemahat-Baschi) zu besitzen, die Habella-Gelder sowie die sorstigkn Einnahmen der Gemeinde verwaltet, und außerdem einen von den ottomanischen Mitgliedern der Gemeinde gewählten und von den lokalen Behörden amtlich anerkannten verantwortlichen Repräsentanten (türkisch: Mouhtar) hat. Dagegen ist die sogenannte Dentsch-österr. isral. Kultusgemeinde vom Großrabbiner bloß als eine besondere Tempelverwaltuug — wie solche hier mehrere bestehen — angesehen und von der türkischen Regierung überhaupt nicht anerkannt. Dem Umstande gegenüber, daß das k. k. Konsulat die Unterschrift des Gemeinde-Präsidenten, der ja ein Oesterreicher sein muß, auf Verlangen beglaubigt, ist zu bemerken, daß die Statuten der genannten Gemeinde weder vom Konsulat nach von der kompetenten inländischen Behörde offiziell genehmigt sind. Aus diesen und anderen hier nicht zu erörtenden Gründen bedarf daher die in Ihrem geschätzten Blatte veröffentlichte Behauptung: - „daß die offizielle (?) Gemeinde hier die unter dem Schutze der österr. Regierung stehenden Deutsch-österr. iirael. Kultusgemeinde ist", einer energischen Zurückweisung. Ebenso ist zu bestreiten, „daß fast 80% (!!) der hiesigen Aschkenasim der Deutsch-österr. israel. Gemeinde angehören", da letztere nach den gedruckten Listen keine 200 Mitglieder aufweisen kann, während in Konstantinopel, nach 1 er letzten Volkszählung vom Jahre 1905 laut den Eintragungen der Register des türkischen Etat-Zivil mehr als 30C0 Aschkenasim domiziliert find, die nicht der österreichischen sondern selbstverständlich der offiziellen türkischen Landesgemeinde angehören. Ein Eingehen auf den weiteren entstellten Inhalt des in Rede stehenden Artikels erscheint nach dem Gesagten ganz überflüssig. Das bisher Geschilderte genügt, um auct

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.