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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-12-13 · 50 (13.12.1907) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
50 (13.12.1907)
Date
1907-12-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 50 Dr. Llocb's Mocbenscbrltt. Sette 831 Alle Freunde und Gönner des Vereines, die der bisherigen Tätigkeit des Arbeitsnachweis-Bureaus ihre Sympathie bewiesen, mögen auch fernerhin in ihren Freundes- und Bekanntenkreisen die gemeinnützigen Tendenzen dieses Institutes propagieren, auf daß sich jeder bei Bedarf von Arbeitern und Angestellten jeder Art an das Amt wende. Verein zur Abwehr des Antisemitismus. Die Leitung des Vereines zur Abwehr des Antisemitismus Publiziert nachstehende Erklärung. Die unwürdige Hetze jüngster Zeit gegen die Hochschule, einerseits vom Standpunkte der Bekämpfung der angeblich dort gezüchteten Anarchie, anderseits von jenem des unverhüllten Judenhasses, welcher jedoch auch im elfteren Falle die eigentliche Triebfeder bildet, veranlaßt den Unterzeichneten Verein, gegen alle dahingehenden böswilligen Unterstellungen auf das Entschiedenste zu protestieren. Er erachtet es insbesonders als seine Pflicht, angesichts der gehässigen Anwürfe von gegnerischer Seite auf die unleugbaren Verdienste hinzuweisen, welche jüdische Gelehrte, von Maimonides angefangen bis auf die heutige Zeit, an unserem medizinischen wie auch juristischen und philosophischen Wissen — trotz aller ihnen in den Weg geworfenen Prügel — besitzen. Es ist bekannt, daß selbst im finstersten Mittelalter Päpste sich mit Vorliebe von jüdischen Aerzten behandeln ließen, der weltlichen Fürsten gar nicht zu gedenken. Deren Qualifikation muß demnach doch kein leerer Wahn gewesen sein, ist man doch bekanntlich niemals so vorsichtig in der Wahl seiner Berater, als wenn es den eigenen heiligen Leib gilt. Sieht man aber ganz von der früheren Vergangenheit ab, so mag es nicht unangebracht erscheinen, die Namen der größeren unter den zahllosen Gelehrten jüdischer Abstammung aus der so angefeindeten neueren und neuesten Periode ins Gedächtnis zu rufen. Es sind dies: auf medizinischem Gebiete Baginsky (Kinderheilkunde), Bamberger, Bernheim (Hypnotismus), Benedikt, Cohnheim, Ehrlich (Antitoxinlehre), v. Fleischl, Gruber, Henle, Hirschberg, Kaposy, Leidesdorf, Lombroso, Magnus, Mendel, Moleschott, Munk, Reißer, Neumann, Politzer, Remak, Schiff, Senator. Schnitzler, Stokrist, Störk, Traube, Valentin, Waldenburg, Weigert, Winternitz, Wolf, Wölfler, Zeißl u. v. a., auf physikalischem: Herz, auf a st r o n o m i s ch e m: Lewy, auf historisch-geographischem: Halevy, Steinschneider, Oppert, Vambery, auf botanischem: Cohn (Ferd.). Auf dem weitverzweigten Gebiete der Politik und Soziologie taten sich besonders L a s s a l l e und Marx hervor und wem wären die Namen Disraeli (Lord Beaconsfield) oder gar unser großer Sonnenfels unbekannt? Danken wir doch erst Letzterem eine geordnete Rechtspflege, außerdem die Abschaffung der Tortur, welche sich gerade gegenwärtig jährt (l./I. 1778). Wir müssen darauf verzichten, die zahllose Reihe weithin leuchtender Namen aus Philosophie, Jurisprudenz, der Kunst und Poesie anzuführen und beschränken uns nur auf die hervorragendsten Repräsentanten: Mendelssohn (Mos.), Spinoza, Glaser, Unger, Mendelssohn (Felix), Meyerbeer, Heine, Börne u. v. a. Sachliche Gründe sind es daher nicht, wenn man gegen die „Präponderanz" jüdischer Professoren, gegen die „Ueberflutung" und wie dergl. Ausdrücke mehr lauten, so zu Felde zieht. Nicht minder unbegreiflich erscheint die Opposition gegen die jüngsten Professoren-Ernennungen; man bedenkt hiebei außerdem nicht, wie viel Zurücksetzung und Uebergehungen vorher stattgefunden haben, ehe diese kleine Entschädigung gewährt wurde; darüber geht man einfach hinweg. Ein weiterer wichtiger Umstand wird überdies hier stets außer Acht gelassen: wir selbst tragen die Schuld, wenn die jüdischen Mitbürger auf das Gebiet der Medizin und Jurisprudenz zusammengedrängt werden. Gewähren wir ihnen denn außer dem Handel — neuestens wohl auch der Technik — andere Felder zur Betätigung? Man mute doch einmal einem Meister im Kleingewerbe zu, einen jüdischen Lehrling aufzunehmen — abgesehen von der Erfolglosigkeit — welcher Behandlung hätte sich dieser Verlassene in der Werkstätte von allen Seiten zu versehen, wenn der Meister, wie auch die Gesellen es mit ihrem so oft hervorgekehrten Christentum für vereinbarlich halten, die schutzlos ausgelieferten arischen Lehrjungen wie Sklaven zu mißbrauchen, diese mitunter auch zu martern? Allerdings läßt sich vom kleinen Mann kaum etwas anderes erwarten, wenn sowohl vom hohen Adel, wie auch von graduierten Doktoren in seltener Einmütigkeit nichts als Schimpf und Hohn auf jene unglückliche durchgeistigte Minorität gehäuft wird, jenem Judentum, dem wir den Monotheismus, die Einführung des Sabbaths und vieler anderer Grundlagen der Kultur zu danken haben. Verein zur Abwehr des Antisemitismus, Wien. Professor Dr. Martin Philippsohn in Wien. Auf Einladung des Vorstandes der Wiener israelitischen Kultusgemeinde hielt Herr Prof. Dr. Martin P h i l i p p s o h n vorigen Donnerstag im Saale des Ingenieur- und Architektenvereines einen Vortrag über die Berliner Juden in der Aufklärungszeit. Dem bedeutenden Historiker wurde in den hiesigen jüdischen Kreisen großes Interesse entgegengebracht und der Vortrag war, wenn auch nicht quantitativ, so doch qualitativ gut besucht. Dem Vortragenden gelang es durch geschickte Gruppierung, das zum größten Teile schon bekannte und so vielfach bearbeitete Thema intereffant zu behandeln und feine Zuhörer bis zum Schluffe zu fesseln. Die Schilderung des Milieus, aus dem die Henriette Herz, Rahel Lewin und Dorothee Veith hervorgegangen, und des Gesellschaftskreises, die diese merkwürdigen Erscheinungen der Aufklärungsperiode geschaffen, war ein Beweis dafür, was meisterhafte Bortragskunst aus einem noch so bekannten Stoffe zu machen imstande ist. Besonders wirkungsvoll war Dr. Philippsohn durch die Tendenz, die seinem Vortrage zugrunde lag. War der Uebertritt dieser Aufklärungsgeister, wenn auch nicht gerechtfertigt, so doch psychologisch erklärlich, so besteht in heutiger Zeit für eine Fahnenflucht aus dem jüdischen Lager nicht einmal diese Entschuldigung. Damals mochten die Epigonen Mendelssohns, in dessen Banne sie standen, in ihrer Uebertreibung und ihrem blinden Optimismus noch glauben, daß die Taufe eine Lösung der Judenfrage darstelle und daß Aufklärung, wiffenschaftliche Forschung mit der jüdischen Religion unvereinbar seien. Das letzte Jahrhundert hat uns jedoch darüber belehrt, daß diese Auffassung eine irrige, verwerfliche ist. Der Vortrag wurde mit lebhaftem Beifall belohnt und dem Vortragenden vom Präsidenten der Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern unter allgemeiner Zustimmung der Dank der Versammlung ausgesprochen. Nach dem Vortrage blieben mehrere Herren bei gemütlichem Souper mit dem Gaste beisammen, der auch hier Gegenstand herzlicher Ovationen war. Börries v. Münchhausen, der Dichter des Buches „Juda" in Wien. Fast unerkannt, wenig bemerkt und von wenigen aufgesucht — hat Börries von Münchhausen, der Sänger des herrlichen Balladenbuches „Juda", in Wien gelesen. Der frühere „Ansorge"-Verein, der jetzt unter dem Titel „Verein für Kunst und Literatur" den musikalisch-literarischen Feinschmeckern wahre Festmahle zu bereiten weiß, brachte am letzten Donnerstag diesen merkwürdigen Dichter an den Vorlesetisch. Baron Münchhausen las zuerst den „Triumphgesang der Juden nach der Zerstörung Babylons", dann „Die Weiffagung Jesaias an Juda" und endlich „Saul bei der Hexe von Endor". Große Verblüffung vorerst bei all Jenen, die nicht wußten, daß Münchhausen schon vor zehn Jahren den jungjüdischen Dichtern präludiert hat, daß er zuerst von allen Modernen die Größe der altjüdischen Geschichte erfaßt und dichterisch verklärt hat. Da stand nun ein eleganter, junger Kavalier aus ältestem, deutschem Geschlechte in moderner Festtracht und rezitierte mit Begeisterung altjüdische Gedichte eigener Faktur.

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