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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-12-13 · 50 (13.12.1907) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
50 (13.12.1907)
Date
1907-12-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 830 Dr. Lioeb's Mocbenscbritt. Nr. 50 Indem die Führer des Antisemitismus jeden Morgen nach Ausnahmegesetzen gegen die Juden schrieen, bereiteten sie den Boden vor für Ausnahmegesetze auch gegen andere als Juden. Wenn sie eine Revision der jüdischen Vermögen verlangten und mit der Konfiszierung der Reichtümer der jüdischen Banken kokettierten, dachten sie nicht daran, daß die von ihnen propagierte Methode der Enteignung eines Tages vom Staat und dem antiklerikalen Parlament auch gegen andere als jüdische Bankiers und jüdische Taschen angewendet werden könnte. Wenn sie indessen die Geschichte gefragt hätten, würde sie ihnen gesagt haben, daß es so kommen mußte. Sie würde sie belehrt haben, daß das, was den Völkern und den Parteien an Ausnahmegesetzen und Konfiskationsprojekten gefällt, das Prinzip ist, und daß dieses Prinzip, wenn es einmal zur Anwendung gelangt, sich unbedingt und schnell im Wechsel der Interessen und der Leidenschaft des Tages gegen die kehren wird, die es heraufbeschworen haben." Die Verdienste der Juden um Oxford. Israel Abrahams, Dozent der rabbinischen Literatur in Cambridge, hielt jüngst in Oxford eine öffentliche Vorlesung, worin er auf die verschiedenartigsten Verdienste hinwies, die sich die Juden vor ihrer Vertreibung aus England (um 1290) um letztere Stadt erworben haben. So waren zum Beispiel die Juden in Oxford die ersten, die zu jener Zeit daselbst eigenhändig errichtete Häuser für sich selbst aufbauten, die aus massiven Bausteinen bestanden, während alle anderen Gebäude der Stadt nur hölzerne waren. Nach ihrer Vertreibung wurden diese Häuser vom Staate konfisziert und in Lehrhallen für die Universität umgewandelt. Diese Steinhäuser dienten verschiedenen nichtjüdischen Architekten in England als Modelle für ihre späterhin errichteten Gebäude. Unter den damaligen Oxforder Juden befanden sich einige berühmte Aerzte, deren Dienste auch im Auslande zuweilen in Anspruch genommen wurden. Bemerkenswert ist auch die von Mr. Abrahams erwähnte Tatsache, daß die Oxforder Juden ein eigenes Tribunal hatten, dessen Existenz von der englischen Regierung gestattet war. Juden in der Medizin. In der Sonntagsnummer vom 8. d. M. enthält die „Neue Freie Presse" nachstehende Zuschrift: „Sehr geehrter Herr Redakteur! Vor vier Jahren bin ich im Wiener Allgemeinen Krankenhause an der Augenklinik an Staar operiert worden. Daß das Resultat dieser Operation so gut war, daß ich Ihnen heute schreiben kann, verdanke ich — wie man mir damals erzählte — nicht nur der Geschicklichkeit des Operateurs, sondern auch der Anwendung des Cocains, dessen schmerzstillende Wirkung von einem jüdischen Wiener Arzt, Dr. Koller, entdeckt worden ist. Als ich dann fragte, ob dieser Arzt noch lebe, hörte ich, daß dieser Wohltäter der Menschheit, weil er Jude war, nicht Assistent an der Augenklinik werden konnte und nach Amerika ausgewandert sei. Seither ist es mein sehnlicher Wunsch, daß an der Front des Allgemeinen Krankenhauses eine Gedenktafel angebracht werde, auf der verzeichnet ist, daß in diesem Hause im soundsovielten Jahre — ich weiß das Jahr nicht — der jüdische Arzt Dr. Koller der Menschheit die segensreiche Anwendung des Cocains vermittelt hat. Unter dem tief betrübenden Eindrücke der christlichsozialen Hetzreden der letzten Tage und dem noch betrübenderen Eindruck, daß in diesem Volksparlament keine mächtige Zurückweisung dieser nur vom Brotneid diktierten und daher unchristlichen Angriffe erfolgt, bitte ich Sie, beifolgende Krone als ersten Beitrag zu einer solchen Tafel entgegenzunehmen. Ein Katholik." Korrespondenzen. Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis. Wien, II., Taborstraße 59. Am Samstag den 30. November d. I. fand im Sitzungssaale der israelitischen Knltusgemeinde die 8. Generalversammlung des Vereines statt. Der Vorsitzende Herr Dr. Alois Klemperer begrüßte, nachdem er die Beschlußfähigkeit der Generalversammlung konstatierte, die erschienenen Vereinsmitglieder und Gäste, namentlich Herrn Dr. Alfred Stern, Präsident der Wiener israelitischen Kultusgemeinde, Herrn kais. Rat Jonas Weil als den zur Generalversammlung delegierten Vertreter der Kultusgemeinde, ferner die Vertreter folgender Vereinigungen: „Frauenhort", „Verein zur Unterstützung israelitischer Handwerker und Kleingewerbetreibender", „Verein zur Hebung der Gewerbe", „Kaiserin Elisabeth Lehrmädchen- und Arbeiterinnenheim"; Herrn Emil Horner als Vertreter des Bankhauses S. M. v. Rothschild, die Herren Rabbiner Dr. E. David, Dr. L. M a n d l, Dr. M. Rosenmann; die Vertreter der Presse sowie Herrn Reichsratsabgeordneten Dr. Julius Ofner. Die Herren Oberrabbiner Dr. Moritz Güdemann, Doktor M. Grunwald, Dr. D. Feuchtwang und Dr. Heinrich Pollak haben ihr Fernbleiben entschuldigt. Der Vorsitzende widmete dem verschiedenen Oberinspektor Herrn Regierungsrat Michael Kulka einen warmen Nachruf (die Anwesenden erheben sich zum Zeichen der Trauer von ihren Sitzen) und wird die einmütige Trauerkundgebung ins Protokoll ausgenommen. Aus dem Berichte, den der Obmann des Vereines Herr Dr. Bela T a u s s i g verliest, entnehmen wir, daß die Zahl der Vermittlungen im abgelaufenen Jahre eine weitere Steigerung von ungefähr 10 Perzent erreicht hat. Es wurden 3578 gegen 3304 Plazierungen im Vorjahre durchgeführt, wovon der größte Teil auf dauernde Vermittlungen entfällt. Während das Amt in den ersten 5 Jahren 10.000 Vermittlungen erzielte, konnte der Verein nach weiteren 3 Jahren auf die ansehnliche Gesamtzahl von 20.126 Vermittlungen Hinweisen. Dieses Resultat ist umso bemerkenswerter, als durch die Stagnation im Baugewerbe ein ergiebiges, vom Verein eröffnetes Feld der Tätigkeit für unqualifizierte Arbeiter in diesem Jahre fast völlig versagte. Nur durch die anderweitige günstige Geschäftslage, welche einen großen Bedarf von Arbeitskräften erforderte, war es möglich, den Kreis der Auftraggeber zu erweitern (hiezu zählen die Magazins-Verwaltungen verschiedener Eisenbahnen) und so den Ausfall im Baugewerbe wettzumachen. Die Zahl der Besucher an den verschiedenen Schaltern betrug im abgelaufenen Geschäftsjahre 39.185. Besonderes Interesse erweckte bei dem Ausweis über die Landesangehörigkeit der vermittelten Arbeitnehmer die Tatsache, daß von 569 angemeldeten Russen 512 plaziert werden konnten. Sowohl der Präsident der Kultusgemeinde Herr Doktor Alfred S t e r n als auch der offizielle Vertreter der Kultusgemeinde Herr kais. Rat I. Weil nahmen die Gelegenheit wahr, ihre vollste Anerkennung auszusprechen und den Vorstand des Dankes der Kultusgemeinde für die überaus ersprießliche Tätigkeit zu versichern. Der Bericht wurde sohin einstimmig genehmigt. Dem Herrn kais. Rat Carl Hirsch, der sich veranlaßt gesehen hat, seine Stelle als Kassier niederzulegen, wurde über Antrag des Vorstandes für seine mehrjährige Tätigkeit der Dank votiert und die Wahl des Herrn Ed. Schwarz zur Kenntnis genommen. Wiewohl es bisher gelungen ist, den Arbeitsnachweis von Jahr zu Jahr fortschreitend auf eine gewisse Höhe zu bringen, so muß der Verein doch bemüht bleiben, damit eine minder günstige Epoche ihn nicht unvorbereitet treffe, den Arbeitsnachweis weiter auszugestalten und immer weitere Kreise von Arbeitgebern für die humanen Bestrebungen dieses Institutes au interessieren.

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