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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-12-13 · 50 (13.12.1907) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
50 (13.12.1907)
Date
1907-12-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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€rtte 828 Br. Lwcv s Mocdenscvrin. Nr. 50 Ec muß zeigen, ob er im Besitze ausreichender Barmittel ist, um sein Reiseziel zu erreichen und sich selbst zu erhalten, bis er ein ständiges Einkommen erlangt. Erscheinen seine vorhandenen Mitteln zu gering, so daß der Ankömmling dem Lande zur Last fallen würde, ist der Angehaltene minderjährig und schutzlos, so muß er die Namen und Adressen derjenigen Personen angebcn, die legrtimiert erscheinen, sich seiner anzunehmen. Jnsolange ein solcher Protektor oder Bocmund sich nicht meldet, bleibt der Einwanderer in Verwahrung. Meldet sich bis zum festgesetzten Termine Niemand, der den Deteniertcn übernehmen möchte, io wird er deportiert. Die Antworten auf olle diese Kreuzfragcn sind mitunter höchst überraschend und werden von dem loyalen Amerikaner fast immer geglaubt. Es sind eigentlich verhältnismäßig wenige, die nicht mit genügenden Geldmitteln berschen herüberlomuikn. In dem mit Ende Juni 1906 abgelaufenen Verwaltungsjahre betrugen diese von Einwanderern mitgebrachtcn Geldvorräte 25 Millionen Dollars, asio durchschnittlich 25 Dollars pro Person. Wichtiger erscheint mir das Alter der Einwanderer. In ihrer überwiegenden Mehrzahl sind sie noch in dem Alter der höchsten Prcdnktionsfähigkeit. Mehr als 82,!/n stehen im Alter von 14 und 44, also in den Jahren, da der Mensch über die größte Energie und Leistungsfähigkeit verfügt und die Wahrscheinlichkeit, der Oeffentlichkeit zur Last fallen zu müssen, am geringsten ist. In einem solchen Alter bedeutet ihre Einwanderung einen ungeheueren Verlust für Europa und einen ebensolchen Gewinn für uns, denn die Durchschnittskosten der Erziehung eines Kindes bis zum 14. Jahre werden durch Nationalökononien mit 500 Dollars bemessen, so daß die Einwanderer des bezeichnenden Jahres für uns einen Gewinn von 500 Millionen Dollars auf Kosten Europas bedeuten. Es ist daher nicht zu verwundern, daß die europäischen Länder alarmiert sind über den Verlust ihres Menschenmateriales gerade in seinem arbeitsfähigsten Alter. Nehmen wir den Durchschnilteverdienst mit einem Dollar pro Mann und Tag, so bedeutet dieser Zufluß von Menschen einen Zuwachs von Erwerbskräften, die einen Geldwert von 600 Millionen Dollars repräsentieren. Aber auch andere Dinge werden an diesen Vcrhörpulteu in Ellis-Jsland bekannt. 97’v, von den Ankömmlingen haben hier schon ihre Freunde oder Verwandte, die sie in Empfang uelmei', zu denen sie sich begeben und die ihnen den Weg zur Selbsterhaltnng führen. Nicht minder wichtig ist es, daß nur die Wenigsten von den Einwanderern ohne bestimmtes Gewerbe herüberkommeu. Vom Bäcker bis zum Holzarbeiter, vom Architekten bis zum Lehrer, vom Kunstschmied bis zum Fuhrmann sind alle Gewerbe und Berufe vertreten. Es gibt aber auch keine Gegend unseres Landes, dem nicht wenigstens einige zustreben würden. Und zu unserer größten Befriedigung finden wir, daß die landwirtschaftlichen, Bergwerks- und andere Schwerarbeiter, an denen es in unserem Lande am meisten fehlt, zum größten Teile aus der Einwandcrermasse geholt werden. Die Spanier des 16. Jahrhunderts kamen mit dem Schwerte in der Hand nach der neuen Welt und beraubten es unter den größten Grausamkeiten und Missetaten seines Geldes. Der Einwanderer des 20. Jahrhunderts kommt mit dem Werkzeug in der Hand und schüttet im Wege der friedvollen Entwicklung unserer Industrie das Geld über das ganze Land ans. Und dennoch gibt es hier solche, die den spanischen Kavalier und Abenteurer herzlich willkommen heißen und jeden fleißigen Einwanderer aus unse.er Küste verbannen möchten. Am schlimmsten ist es allerdings um jene bestellt, die in jene Abteilung des Gebäud s gebracht wurden, über deren Tür die Jnfchrfft am Platze wäre: «Lassiate ogni speranze voi cli’eutrate“. Hier werden diejenigen, die als geistig schwach, verbrecherisch veranlagt, oder unheilbar krank, oder aus welchem Grunde immer ielbsterhaltungsunfähig erkannt wurden, so lange in Gewahrsam gehalten, bis das Schiff, das fie hergebracht, wieder nach Europa zurückkehrt. Es ist ein niederdrückender Anblick, diese Mischung von Kranken, Verbrechern, Hilflosen und Schwachen so beisammen zu sehen. Aber selbst hier wird diesen Unglücklichen noch nicht alle Hoffnung genommen. Sie haben noch die Möglichkeit, an den Kommissär selbst und nach ihm an das Handels- und Arbeitsministerium zu berufen. Und in der Tat sind in dem bezeichneten Jahre im ganzen ungefähr 12.000, das heißt ein Perzent, endgiltig zurückgewiesen worden Die Deportationsgründe, waren in den meisten Fällen Geistesschwäche, ansteckende Krankheit, Pauperismus und Vergehen gegen das Kontraktarbeitsgesetz. Und trotz dieser großen Vorsicht sind es gerade diejenigen, die am allerwenigsten wissen, was an unseren Landungsstellen vorgeht, die auch am lautesten gegen die Einwanderung poltern. Die erste jüdische Rede irr der dritten Duma. Im Verlaufe der Adreßdebatte nahm auch der jüdische Abgeordnete Nisselowitsch das Wort und führte unter anhaltenden Zwischenrufen seitens der Rechten folgendes aus: Der Obmann der polnischen „Kolo", Abgeordneter Dmowsky bat den Antrag gestellt, daß in der Adresse, welche Sr. taiserl. Majestät als Antwort auf die kaiserliche Begrüßung der Duma unterbreitet werden soll, nach den Worten: „haben den allgemeinen Wohlstand" der Satz gesetzt werden möge: „und die gerechten Forderungen aller in Rußland wohnenden Völker befriedigen". Dmowsky sprach im Namen der Polen und ihm haben auch die Litauer und Mohammedaner zugestimmt. Leider bin ich nicht in der Lage, im Namen eines jüdischen Parteiklubs zu sprechen, da wir hier nur durch zwei Personen vertreten sind, aber hinter uns stehen sechs Millionen Juden, hungrige und rechtlose Juden, ohne jede Möglichkeit (Ohorufe rechts! anhaltender Lärm; Vorsitzender läutend: Ich bitte den Redner nicht zu unterbrechen.) Nisselowitsch. Meine Herren! Ich mache Sie aufmerksam, so oft sie mich störend unterbrechen werden, werde ich von vorne anfangen und meinen Protest desto lauter Vorbringen. (Großer Lärm rechts. Der Vorsitzende gibt das Glockenzeichen.) Ich habe in begreiflicher Erregung die Tribüne betreten; ich wußte es ganz gut, daß Sie mir einen solchen Empfang bereiten werden. Aber ich appelliere an das vielgepriesene Gerechtigkeitsgefühl des russischen Volkes. Ich kann den Glauben nicht unterdrücken, daß der bessere Teil des russischen Volkes sich nicht der Pflicht entschlagen wird, unsere gerechten Forderungen zu erfüllen: Aus dieser Ueberzeugung heraus schließe ich mich im Namen der Juden Rußlands dem Zusatzantrage des Herrn Abgeordneten Dmowsky an und bitte an der betreffenden Stelle den Satz einzuschalten: „und die gerechten Forderungen aller in Rußland lebenden Völker befriedigen." Ein jüdischer Held der Wissenschaft. Die englische Presse beschäftigt sich jetzt eingehend mit der Frage der Bekämpfung der massenmörderifchen Pest in Indien und den großen Verdiensten, welche sich der berühmte jüdische Gelehrte, der Bakteriologe Dr. Waldemar Haffkin, erworben hat. Ter genannte Gelehrte steht heute erst im 47. Lebensjahre und genießt bereits einen Weltruf. Geboren in Odessa, ein Schüler Pasteurs, erwarb er sich bald einen solchen Rainen auf dem Gebiete der Bakterienforschung, daß er im Jahre 1893 im Aufträge der britischen Negierung nach Indien ging, um dort die Ursachen der Verbreitung dieser schrecklichen Epidemie zu studieren. Die Pest, war lange Zeit der unbesiegbare Feind der Entwicklung der Völker Indiens. Zur Zeit, da die medizinische Wissenschaft noch nicht auf ihrer heutigen Höhe stand, war die Sterblichkeit in Indien infolge der Pest erschreckend groß. Aber selbst mit dem Fortschritte der medizinischen Wissenschaften wollte die Sterblichkeitsziffer nicht geringer werden. .Blackwoods Magazine" gibt nun aus der Feder Mr. F o r r e st's eine übersichtliche Darstellung des jetzigen Standes dieser Frage und eine Schilderung der Verdienste Doktor Waldemar Haffkins um die Bekämpfung der indischen Pest. Wir erfahren hier die fast unglaubliche Tatsache, daß während der letzten 11 Jahre nahezu fünf Millionen von den Eingeborenen an der Pest zugrunde gegangen sind. Die Pest hatte den schlimmsten Aberglauben und eine unbezwingbare Angst der Bevölkerung zur Folge. Und da heißt es in dem Artikel: „Als im 14. Jahrhundert der „Schwarze Tod" Europa entvölkerte, wurden die Juden massenhaft hingeschlachtet, weil sie verdächtigt wurden, die Brunnen vergiftet und dadurch die Epidemie verursacht zu haben. In Punjab in Indien entstand ebenfalls unter den unwissenden Volksmassen der Verdacht, daß an der Pest die Engländer schuld seien, die die Brunnen vergiftet hätten. In Europa bat sich dieser aus Mißgunst, Unverstand und Hilflosigkeit entstandene Haß in einem allgemeinen Aufstande gegen eine Menschcnklaffe kundgetan, ebenso wie jetzt in dein Lande der vier Flüsse., Es gibt eben nichts Neues unter der Sonne." Merkwürdig genug, die' Indier haben ihre mächtigste Waffe gegen die gräßliche Hautkrankheit einem Juden zu verdanken. „Im Jahre >893", so erzählt Mr. Force st, „ging Monsieur Haffkin nach Indien, um dort eine Schutzimpfungsmethode zu erproben, die er im Pasteurinstitut in Paris an Cholerakranken erprobt hatte. Als hochachtbarer Mann, der er immer war, machte er mit seinem Mittel zunächst an sich selbst einen Versuch. In Kalkutta unterwies er vor allem die medizinischen Fachleute Indiens in seinem System. Haffkin setzte in seine Methode grobes Vertrauen und drang weiter in die Vereinigten Provinzen und den Punjab vor und in der senkenden Hitze des indischen Sommers ritt er von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf, lehrte und predigte den Segen seines Systems- und es gelang ihm, an vielen Tausenden die Jnoculation vorzunehmen. In den darauffolgenden Jahren wiederholte er unter den härtesten Entbehrungen und Gefahren das Experiment und verfiel selbst in ein schweres Fieber, dem er beinahe erlag. Ueber diese eventuellen Erfahrungen äußert sich der berühmte englische Gelehrte Lord Li st er wie folgt: Haffkin verfolgte sein Ziel, trotz der schier unüberwindlichen Schwierigkeiten, mit heldenmütiger Sclbstopferung, die niemals vergessen werden wird. In der Tat, die Opferwilligkeit, mit wklcher er sein Leben Jahre hindurch aufs Spiel setzte und seine Gesundheit

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