Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 50 (13.12.1907)
- Date
- 1907-12-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 50 Sr. Mocv s MscvenscvrM. Seite 827 Bürger zu vergrößern, solange einzelne Konfessionen über ungemein große Ueberschüsse verfügen". Ist diese Forderung eine Bedingung der Waffenbrüderschaft, worüber sich der Präsident des Berbandes der reformierten Seelsorger nicht ausspricht, dann dürsten die ofsiziellen Vertreter der jüdischen Konfession — weder der neotogen, noch der orthodoxen Richtung — von dem sicherlich loyalen Anerbieten kaum Gebrauch machen, weil die Juden mit Recht den Standpunkt einnehmen, daß sie durch diesen Ballast in ihrem Kampfe um die Durchführung bereits verbriefter Rechte stark gehindert würden. Die Lösung der Säkularisationsfrage kann nicht Sache der nichtkatholischen Konfessionen sein.H Es wird sich nun zeigen, ob es den Protestanten nrit ihrem Vorschläge ernst ist, oder ob es sich ihnen bloß darum handelt, in ihrem Kampfe gegen den Katholizismus die Juden ins Treffen zu führen. Die ganze bisherige Politik der Juden Ungarns spricht dafür, daß sie für eine solch unsinnige Tat nicht zu haben sein werden. Das traurige Los jüdischer Soldaten. In der Sitzung des österreichischen Abgeordnetenhauses vom 11. Dezember konstatierte der Minister für Landesverteidigung FML. v. G e o r g i in Beantwortung der Interpellationen der Abgeordneten Winarsky und Dr. Gabel betreffend die Tötung des Infanteristen Michael Herschkovits des Infanterie- Regiments Nr. 51 durch den Korporal Johann Balint, daß sich der in den Interpellationen behandelte Vorfall nach dem Ergebnisse der bisherigen Erhebungen bedauerlicherweise tatsächlich in der geschilderten Weise ereignet habe. Der Minister fährt sodann fort: Im Anschlüsse daran bringe ich den Inhalt des mir vom Reichskriegsmintsterium zur Verfügung gestellten Berichtes des 2. Korpskommandos vom 29. November l. I. dem hohen Hause zur Kenntnis. Infanterist Michael Herschkovits wurde am 24. November l. I. gegen 744 Uhr nachmittags im Zugszimmer Nr. 62 der Stiftskaserne durch einen vom Korporal Johann Balint aus einem Dienstgewehre abgegebenen Schuß getötet. Laut der im kurzen Wege eingeholten Akten befahl am genannten Nachmittage Korporal Balint dem Herschkovits, im langsamen Marschtempo im Zugszimmer zu marschieren, was Herschkovits auch tat. Sodann ließ Balint durch zwei Infanteristen zwei Bänke Übereinanderstellen, damit Herschkovits über dieselben springe. Da er dies nicht ausführen konnte, ließ ihn Balint durch die Bänke kriechen und rief schließlich, er werde Herschkovits erschießen, man solle ihm ein Gewehr bringen. Während ein Infanterist ein Gewehr holte, entnahm Balint aus seinem Koffer eine scharfe Patrone, seiner Angabe nach einen Versager. Balint lud das Gewehr, brachte es in Anschlag, der Schuß ging los und Herschkovits stürzte lautlos zusammen. (Rufe: Unerhört!) Die im Zugszimmer anwesenden Personen behaupten, den Eindruck gewonnen zu haben, daß Balint lediglich einen Scherz machen wollte. Der militärgerichtliche Augenschein wurde am 24. November 1907, die militärgerichtliche Obduktion der Leiche des Infanteristen Herschkowitz am 26. November 1907 vorgenommen. Das Tatbestands-, Lokalaugenscheins- und Obduktionsprotokoll wurden seitens des Garnisonsgerichtes in Wien dem Infanterie- Regiment Nr. 51 zur gerichtsherrlichen Entscheidung übersendet. Infanterist Herschkowitz soll bereits früher von dem Korporal Balint körperlich mißhandelt worden sein. Der genannte Unteroffizier befindet sich in Untersuchungshaft. Ich kann nicht umhin, dem Gefühle^der Entrüstung über diesen geradezu empörenden Vorfall Ausdruck zu geben (Lebhafter Beifall) und halte nur mit Rücksicht auf die im Zuge befindliche Untersuchung mit einer schärferen Verurteilung zurück. Ich kann auch versichern, daß die ganze Armee die gerechte Entrüstung, die über dieses traurige Vorkommnis in der Oeffentlichkeit Platz gegriffen hat, in vollstem Maße teilt. (Beifall.) Nach Abschluß des eingeleiteten Strafverfahrens, dessen Beschleunigung ich betrieben habe, werde ich nicht verfehlen, das Ergebnis dem hohen Hause mitzuteilen. Eirr Tag auf der Einwanderungsinsel. Von Rev. Dr. Joseph Krauskopf, Philadelphia. Für den, der sich noch an jenen alten, dumpfigen, geräuschvollen und schmutzigen Castle Garden, der bis znm Jahre 1802 als Landungsstätte für die Einwanderer in New-Aork diente, erinnert, den wird die heutige Einwanderungsstation auf Ellis Island sicherlich mit freudiger Ueberraschung erfüllen. Jnbezug auf Stattlichkeit 'und sanitäre Einrichtungen ist die Landung der Zwischendeckpaffagiere sogar beffer bestellt, als die Abteilung für Kabinenreffende. Wir betreten das Gebäude und possleren unter Führung des Einwanderungskommiffärs Robert Watchorn die verschiedenen Departements, beobachten die Riesenarbeit, die hier im Verkehre mit tausenden von Einwanderern aller Nationalitäten und Berufe täglich geleistet wird, bewundern das wunderbare System und die unübertroffene Disziplin, die erstaunliche Reinlichkeit, die unbeschreibliche Geduld und die tadellose Gerechtigkeit, die hier an den Tag gelegt wird, und unsere freudige Ueberraschung, die uns beini Eintritte erfüllte, steigert sich zum wahren Entzücken über das Gesehene. Ein kurzes Verweilen in Gesellschaft des Mr. Watchorn reicht schon hin, um sich des Unterschiedes bewußt zu werden, der zwischen dem alten und dem neuen System besteht. Ellis Island trägt heute in allem und jedem gewissermaßen das individuelle Gepräge, das ihm Watchorn aufgedrückt. Ein besserer und geeigneterer Mann als Dir. Watchorn es ist, hätte für den größten aller Landungsplätze sicherlich nicht ausfindig gemacht werden können. Als einer, der sich von ganz unten heranfgearbeitet hat, der selbst einst als Zwischendeckpassagier elngewandert ist, der seine Karrwre als einfacher Arbeiter in emein Kohlenbergwerke begonnen und als solcher das schwere Los des armen Mannes an sich selbst erfahren hat, der ferner späier als Fabriksinspektor es mit angesehen hat, wie der Hilflose ausgebeutet wcrd, und endlich als einer, der ein gutes Gedächtnis hat und in Tagen des Glücks nicht der Tage des Mißgeschicks vergißt, wacht er mit den Augen über seine Beamten, während sein Herz mit den Einwanderern ist. Fast instinktiv errät er Leu Sinn der unzähligen Sprachen, die in Ellis Island gesprochen werden. Geschult durch mehrjährige Erfahrung, hat er sich die seltene Kunst angeeignet, auf den ersten Blick den Charakter eines Mannes richtig zu beurteilen und von seinem Gesichte seine ganze Vergangenheitsgeschichte herabzulesen. Auf der einen Seite fest entschlossen, den Gesetzen des Landes Geltung zu verschaffen, ist er auf der anderen Seite nicht nrinder entschlossen, die Rechte des Fremden zu schützen. Bevor er eventuell einen Unschuldigen leiden lasse, wird er in schwierigen Fällen sein Urteil zugunsten des Einwanderers sprechen, weil er der Ansicht ist, daß eine so große Natron wie die unsrige, viel leichter sich entschließen müsse, ein Unrecht zu ertragen, als einem armen, hilflosen und fast sprachlosen Fremden in unserer Nkitte ein Unrecht zuzufügen. Geleitet von solchem Geiste, hat er bereits viele gesunde Steuerungen eingeführt und geht eben jetzt daran, manche neue Vorkehrungen zu treffen, welche dem größeren Komfort und der gesteigerten Sicherheit des Einwanderers dienen sollen. Zur ebenen Erde befindet sich eine Anzahl Bureaux, in denen die Vertreter der verschiedenen Nationalitäten amtieren, zu dem Zwecke, um im Notfälle ihren Konnationalen bei der Landung Rat und Schutz zuteil werden zu lassen. Wenn z. B der eine oder andere Einwanderer nicht zur Landung zugelassen wird, so tritt der Vertreter der betreffenden Nationalität, welcher der Zurückgewiesene angehört, sofort in Aktion und nimmt sich seiner an, vorausgesetzt, daß seine Sache eine gerechte ist. Wird ein minderjähriges und schutzloses Mädchen zurückgehalten, so bemüht sich das entsprechende konnationale Bureau, ihm einen Verwandten oder jemand anderen ausfindig zu machen, der das Mädchen in seinen Schutz zu nehmen gewillt ist. Wird ein Einwanderer aus dem Grunde zurückgewiesen, weil bezüglich seiner Selbsterhaltung, seines Charakters oder seines Gesundheitszustandes Zweifel obwalten, so kann die betreffende Gesellschaft m irgend einer Form der Regierung gegenüber die Garantie für den zweifelhaften Einwanderer übernehmen. Im ersten Siockwerke sehen wir die Einwanderer in ärztlicher Untersuchung. Einzeln treten sie vor die Aerzte hin. Der eine Arzt untersucht die Augen, der andere die Arme und Finger, ein Dritter wieder den allgemeinen Gesundheitszustand usw. Wird bei einem Trachoma, Tuberkulose, geistige Minderwertigkeit und allgemeine Körperschwäche entdeckt oder auch nur vermutet, so wird der Unglückliche zu spezieller genauer Untersuchung gewiesen, ehe seine Deportierung beantragt wird. Kaum ist diese Untersuchung beendet, sieht sich der Einwanderer schon einer neuen gegenüber. Der Weg von der einen zur anderen gleicht oft dem Schwanken zwischen Scylla und Charibdis. Er nähert sich einem Pult, an dessen Seite ein Dolmetsch steht, um die Fragen des Beamten in die Sprache des Immigranten zu übersetzen. Hier muß er erzählen, woher er komme, weshalb er seine Heimat verlassen habe, welches Gewerbe er hat, was er seit seinen jüngsten Jahren getrieben, ob er schon wegen Betruges oder eines anderen Verbrechens wegen vorbestraft ist, ob seine Schiffskarte mit eigenem oder fremden Gelde bezahlt wurde, ob er vor seiner Abreise nicht einen Arbeitskontrakt abgeschlossen hat und ob er nicht von irgend einer Schifffahrtsgesellschaft zur Auswanderung verleitet wurde. Er muß erzählen, wohin er zu gehen und was er dort zu unternehmen beabsichtige.