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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-12-06 · 49 (6.12.1907) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
49 (6.12.1907)
Date
1907-12-06
Page
– (sequence 13)
Language
German
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WWW« Nr. 49 Dr. Lloed s Mocdenscvritt. Seite 821 der meisten Mitglieder und deren Frauen. Nach dem Entzünden der Chanuckalichter richtete der Rabbiner von Luze, Adler, eine Ansprache an die jungen Krieger. Bezugnehmend auf die vor 59 Jahren erfolgte Thronbesteigung verrichtete er bei offener Bundeslade das Kaisergebet, worauf die Schüler der Volks- und Bürgerschule sowie des Gymnasiums die Volkshymne sangen. Vor Beginn des Gottesdienstes Aelt der Rabbiner im Schulgebäude eine Ansprache über die Bedeutung des Chanuckafestes sowie über die Pflichten der Untertanen gegen den Landesfürsten. Klagenfurt. Samstag, den 1. Dezember, 5 Uhr abends, wurde in unserem Tempel eine Chanuckafeier veranstaltet, die recht würdevoll sich gestaltete. Nachdem unser Rabbiner Herr Josef Günzler die Chanuckalichter angezündet, stimmte er das „Moos Zurmit den jüdischen Mittelschülern an. Hierauf hielt unser Rabbmer eine Rede über die hohe geschichtliche Bedeutung des Chanuckafestes für das Judentum. Wieselburg a. d. Erlauf. Unter großer Teilnahme und mit allen Ehren wurde hier am 29. v. M. das allseits bekannte und geehrte Gemeindemitglied Herr Josef Greger, Privatier, im hohen Alter von 76 Jahren zu Grabe getragen. Herr S. Fried, Kantor und Religionslehrer in Purgstall, hielt im Trauerhause dem Verblichenen einen warmen Nachruf. Sodann wurde der Sarg gehoben und nach Abbs a. d. D. überführt. Am Grabe hielt unser Ehrw. Herr Rabbiner Ch. G. Bertisch eine Trauerrede, welche auf die Versammlung ergreifend wirkte. Ungarisch-Hradisch. Die jüdisch-akademische Ferialverbindung „Achiwah" veranstaltet am 15. Dezember l. I. im großen Saale des „Hotels Koruna" eine Makkabäerfeier mit anschließendem Tanzkränzchen, bei der Herr Reichsratsabgeordneter Adolf Stand die Tendenzrede halten wird. Ung. -Brod. Sonntag um 6 Uhr abends versammelten sich die Schüler des hiesigen Privatgymnasiums im Saale der Anstalt, unter Leitung ihres Direktors Herrn Dr. Kreoko, Mitglied des k. k. Landesschulrates, mit dem gesamten Lehrkörper. Als Gäste erschienen der Gesamtausschuß der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde, unter Führung des Kultusvorstehers Herrn M. H. Brenner und zahlreiche Gemeindemitglieder. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Doktor C. Jung präsidierte der Feier und der Oberkantor Körner mit dem Chorpersonale exekutierte abwechselnd Gesänge aus Hallel. Die Feier hat bei allen Teilnehmern einen tiefen Eindruck zurückgelaffen. Königgrätz. Wie alljährlich fand auch im heurigen Jahre — diesmal am 2. Dezember — im hiesigen Tempel anläßlich der Beeidigung der Rekruten ein solenner Gottesdienst statt. Zur festgesetzten Stunde erschienen die jungen Krieger, an die Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Klauber eine von innigem Gefühl getragene Ansprache hielt. In derselben ermahnte er die Rekruten, sich stets als Nachkommen Israels, des ersten Gotteskämpfers, als Nachkommen der tapferen Makkabäer und als Genoffen derer zu bewähren, die vor etwa 40 Jahren auf den hiesigen Gefilden blutiges Zeugnis dafür ablegten, daß Treue gegen Kaiser und Reich auch in den Oesterreichern mosaischen Bekenntnisses nie ersterben wird. Nach einer Erklärung des Eides schwuren die Rekruten. Mit der Rezitierung des Kaisergebetes schloß die erhebende Feier. Freistadt. Am 1. Dezember fand hier eine Chanuckafeier unter großer Beteiligung statt, bei welcher Kantor Kornblum die üblichen Gesänge mit der Schuljugend in gewohnter Weise zur allgemeinen Befriedigung versah. Unser Herr Rabbiner konnte infolge eines Begräbniffes im Bezirke dieser hübschen Feier nicht, beiwohnen. Zum Schluffe wurde die ganze Schuljugend vom hiesigen löblichen Frauenvereine mit Zuckerwerk beschenkt. Am Abend schloß sich eine „Theater- Akademie", verbunden mit Tanz, durch den hiesigen Frauenverein veranstaltet, an, an der ein zahlreiches Publikum teilnahm, welches die vollste Anerkennung der Präsidentin Frau Dr. Jenny Mayer, Gattin unseres Herrn Kultusvorstehers Dr. Albert Mayer, zollte. Der Reinertrag wurde zur Bekleidung armer jüdischer Schüler verwendet. Krnmau. Fräulein Lilly Spiro, Tochter des allverehrten Kultusvorstehers Herrn Ludwig Spiro, hat sich am l. Dezember "ln Dresden mit dem Rechtsanwalt Herrn Doktor Heinrich N e u m a n n aus Berlin vermählt. Abbazia. (Chanuckafeier.) In den Lokalitäten der „Pension Bremer" wurde das Chanuckafest mit einer erhebenden und gedankenvollen Rede des hier weilenden Komorner Oberrabbiners Dr. Armin Schnitzer eingeleilet. Die Rede machte bei den illustren Gästen eine vollkommene Wirkung. Den gesanglichen Teil versah Kantor I. Grün. Feuilleton. Der KaaUeschumoh. Bon Dr. F. Rich. H e i n s ch e l. (Fortsetzung.) Als Schwester Frieda das Krankenzimmer betreten und ihren Lllick zuerst über das Krankenbett des Kindes schweifen ließ, war sie einen Moment betreten; das Kind hatte eine gewiffe Aehnlichkeit mit einer ihr einst sehr lieben Person, erinnerte sie an längst entschwundene Zeiten, doch diese Gedanken verflüchtigten sich ebenso rasch als sie aufgestiegen, zumal ja auch das düstere Licht der Ampel diesen Zauber erwecken konnte; übrigens sprach ihr der Hausarzt nur von der Tochter eines Herrn Bergmann und deren Kind, des Namens Dr. Rosen wurde gar keine Erwähnung getan. Schwester Frieda nahm es mit ihrer Pflicht sehr ernst, und der Arzt war voll Lobes über ihre fürsorgliche Pflege. Sie wich nicht aus dem Krankenzimmer und gönnte sich tagsüber nur einige Stunden der Ruhe. Die langen Wiuternächte saß sie an den Krankenbetten und beobachtete jeden Atemzug der ihr anvertrauten Pfleglinge. Die kleine Rut war nach 3 Wochen schon außer Gefahr und die vollständige Genesung und Erholung war nur eine Frage von ein paar Tagen; Kinderfleisch, so meinte der alte erfahrene Arzt, wandere nicht weit. Ganz anders verhielt es sich mit Pia. Das Gesicht des Arztes wurde mit jedem Tage länger. Pia lag regungslos in ihrem Bette, hatte für nichts Interesse, nur wenn man ihr ihr Kind reichte, schien es, als kehrten die Lebensgeister in das durchsichtige Geschöpf wieder ein, um in den nächsten Augenblicken wieder in die alte Apathie zurück zu verfallen. Sie sollte doch noch nicht sterben. Es war, als hätte sich in den Monaten, in welchen sie so ganz empfindungslos vor sich hinstarrte, die Wut der Krankheit erschöpft. Der Arzt machte seit einiger Zeit ein freundlicheres Gesicht, wenn er sie besuchte; er schüttelte nicht mehr das Haupt und war nicht mehr hoffnungslos. Eines Tages trat er an ihr Bett: „P'a, Sie werden gesunden. Nur Mut! Aushalten!" „Gott tut noch immer Wunder. Der Wille zur Genesung ist die Hauptsache bei Leiden, wie das Ihrige. Sie müssen die Krankheit moralisch überwinden." Mit ihren müden erloschenen Augen hatte sie ihn starr und ungläubig angesehen, als wollte sie sagen, wäre das möglich, — so kraftlos fühlte sie sich. „Sie werden leben", sagte der Arzt fest. „Wenn Gott uns beisteht und sie selbst, Pia, das Ihre tun, daun werden Sie wieder genesen." „Denken Sie doch an Ihr Kind. Sie müssen leben und leben wollen. Der Wille zum Leben ist bei Ihrem Leiden das beste Heilmittel." „Muß ich?" fragte Pia träumerisch und mit einemmal lächelte sie. „O ja, ich muß leben. Sie haben recht Herr Doktor. Ich habe ja doch ein Kind, für das zu leben meine Pflicht ist." Es wurde besser mit ihr seit diesem Tage. Es kamen jetzt auch schmerzfreie Stunden und allmälig wich auch der Druck von ihrem Gemüt; die Verzweiflung, die Bitterkeit und das Grauen vor dem Leben und den Lebendigan schwanden dahin. Sie konnte jetzt stundenlang mit geschlossenen Augen liegen und den Regungen des wiedererwachenden Lebens in sich lauschen. Sie fühlte es deutlich wie einen schwachen, treibenden Keim, der sich losringen will; sie wußte vielleicht besser als der Arzt mit allem Scharfblick seiner Wissenschaft, daß sie genesen mußte, sie hatte ja doch ein Kind, für das zu leben ihre Pflicht war, aber sie wahrte dies Wissen als ein süßes Geheimnis. „Nun wirds Frühling draußen, Schwester Frieda", sagte sie einmal in März.

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