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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-12-06 · 49 (6.12.1907) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
49 (6.12.1907)
Date
1907-12-06
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Teite 818 Dr. Mocv s Mocbens örln. Nr. 40 zu diesem Zwecke die Schaffung eines Organisationskomitees beschlossen, dem je zwei Vertreter der Vereinigten jüdischen Gruppen und sechs Unparteiische als Mitglieder angehören sollen. Die Weißrussen sür die Erweiterung des jüdischen Ausiedlungsrayons. Das Wilnaer Oktobristen-Organ „Wilenski Wjestnik" veröffentlicht einen offenen Brief an die Abgeordneten der weißrussischen Gouvernements, in welchem ein Herr B e l s k i für die Erweiterung der „Tscherta" vom antisemitischen Gesichtspunkte aus Propaganda macht. Der Verfaffer meint, daß die „Tscherta" erweitert werden müsse, aber nicht weil die „Humanität" oder gar die Interessen des Staates es erfordern. Er vertritt hierbei einzig und allein den Standpunkt des sogenannten Weißrußlands. Er wirft den Großrussen vor, daß sie Weißrußland die ganze Judenlast aufgeladen haben, während sie selbst von ihnen verschont blieben. B e l s k i wünscht daher, daß eine „gerechte Verteilung der Juden im Lande vorgenommen werde." Der Kamps gegen die Cholera. Die fürchterliche, Krankheit die jetzt in Rußland, hauptsächlich ' in Beßarabien wütet, mußte naturgemäß vor Allem auf die in den Ghetti zusammengepfercht lebende ärmere jüdische Maffe katastrophal wirken. Daß die Epidemie trotzdem unter den Juden verhältnismäßig weniger Opfer fordert, als unter den Christen, ist nächst der enthaltsamen Lebensweise der Juden hauptsächlich dem Umstande zu danken, daß die maßgebenden jüdischen Faktoren im jüdischen Ansiedlungsgebiete sofort nach Ausbruch der Epidemie unter dem Titel „Linas Zedek" eigene Organisationen ins Leben gerufen haben, deren Zweck es ist, alle hygienischen Mittel anzuwenden, um ein Umsichgreifen der mörderischen Krankheit im Ghetto zu Hintertreiben. Diese Organisationen veranstalten überall Aufklärungskurse, errichten Isolierbaracken, verteilen populär geschriebene Flugschriften über die Verhaltungsmaßregeln vor und während der Krankheit und verabfolgen an Unbemittelte auch Gratismedikamente. Odessa. Dem Hilfsverein der Deutschen Juden gehen folgende Nachrichten über die neuesten Untaten der Schwarzen. Hundert in Odessa zu. Am Mittwoch den 27. November versuchte eine Räuberbande das Kontor eines Arbeitervereines in Odessa zu überfallen. Als sie von der Polizei überrascht wurden, warfen sie Bomben und verwundeten mehrere Polizisten. Der Vorfall brachte große Erregung in die Stadt und diese Erregung wurde von den Mitgliedern des Verbandes des russischen Volkes benutzt, um von neuem über die Juden in Odessa herzufallen. Gruppen der Schwarzen Hundert begaben sich in die Hauptstraßen der Stadt, überfielen, mit Meffern und Gummiknüppeln bewaffnet, alle Juden, die ihnen begegneten. Eine große Anzahl wurde mißhandelt und verwundet. Zehn lebensgefährlich verletzte Juden wurden in das jüdische Krankenhaus eingeliefert. Am Abend wiederholten sich diese Ausschreitungen. In der Dunkelheit drangen die Exzedenten in die jüdischen Läden und Werkstätten ein, vernichteten Waren und Mobiliar, mißhandelten die Besitzer in der schwersten Weise und raubten, unbelästigt von der Polizei, Waren und Wertsachen, deren sie habhaft werden konnten. Am Tage darauf, am 28. November, fand das Begräbnis des so plötzlich verstorbenen Generalgouverneurs Nowitzki in Odeffa statt, der erst vor Kurzem nach den letzten schweren Ausschreitungen im September nach Odessa berufen worden war, um Ruhe und Ordnung wiederherzustellen. Die Banden des Schwarzen Hunderts nahmen das Begräbnis wiederum zum Anlaß, um sich aufs Neue auf die Juden zu stürzen. Zahlreiche Juden wurden auch an diesem Tage mißhandelt und verwundet und die rohen Gesellen kühlten ihr Mütchen selbst an Frauen und Kindern. Wie am Abend vorher drangen die Exzedenten gruppenweise in jüdische Läden und Werkstätten ein und verübten dort ihre Untaten, ohne daß die Polizei Gelegenheit nahm, irgend einen der Uebeltäter zu verhaften. Die neuerlichen furchtbaren Vorgänge in Odessa sind eine Fortsetzung der Schreckensherrschaft, die das Schwarze Hundert nun seit geraumer Zeit über diese Stadt ausübt. In frischer Erinnerung sind noch die schweren gegen die Juden gerichteten Unruhen, die im August und September in Odessa stattfanden. Von ihrem Umfang gewinnt man ein Bild, wenn man erfährt, daß in der Zeit vom 8. August bis zum 27. September mehr als 300 durch die Schwarzen Hundert Verwundete das jüdische Krankenhaus haben aufsuchen müssen, darunter eine Anzahl Christen. 45 Personen hatten sich außerdem einer längeren Krankenhausbehandlung zu unterziehen. Noch sind die alten Wunden kaum vernarbt und schon wieder hat die jüdische Bevölkerung die Schrecken und Qualen eines Pogroms durchzumachen, der neue Opfer schafft, neues v Elend und neue Hoffnungslosigkeit. ,, Vermischtes. Kanzablösungsspendeu zugunsten der Chewra-Kadischa in Wien, I., Seitenstettengaffe 4 für arme kranke Glaubensgenoffen. Anläßlich des Ablebens des sei. Dr. Moriz Lang, Mc-rienbad: Von Hedwig Wender, Braila K! 20.— . Anläßlich des Ablebens der sel. Elise L o t t: Von Alexander Schlesinger, Budapest K 10.—, Mor. Schlesinger, Budapest L 10.—. Zusammen K 20.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Leo Bauer: Von Rudolf Maier K 20.—, Karl Hirsch 20.—, Dr. Jakob Engel 20.—, Ignaz Gewitich 20.—, Heinrich Spielmann 10.—, S. Läufer 20.—, Adolf Nußbaum 20.—, Rudolf Foges 20. , Heinrich Bäck 10.—, Adolf Trebitsch 10.—, Richard Kohn 10.—, Dr. Schönfeld 10.—, Sigmund Reuspiel 20.—, Josef Stein 50.—, Ignaz Klein 10.—, Leopold Stein 20.-, Max Stein K 2o.—.. Zusammen K 310.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Ignaz .Lustig: Von Frau M. L. K 10. . Anläßlich des Ablebens des sel. Bernhard Herzl: Von Sigmund Blau K 20.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Leopold Klein: Von Josef Unger K 10.—. __ „ Anläßlich des Ablebens des sel. Samuel ZI in dl e r: Von Lina Winternitz K 10.—, Rosinä Zimbler 10.—, N. N. 10.—, Leopold Jellinek 5.-, Max Quittner L 5.—. Zusammen K 40.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Hans Rosenbaum: Von Dr. Bing K 20.—, Salo Cohn 30.—, Leopold Schwarz L 5.—. Zusammen K 55.—. Vortragszyklus ans jüdischer Geschichte. Donnerstag den 12. Dezember 1907, präzise 728 Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architektenvereines, I., Eschenbachgasse 9, ein Vortrag des Herrn Dr. Max Grün w ald statt. Thema: „Oesterreichs Juden in den Befreiungskriegen (Fanny von Arnstein)." Mit Vorführung von Lichtbildern. Eintritt frei, o h n e K a r't e n. Wien. (Versorgungsanstalt der ifrael. Kultusgemeinde, Wien.) Im Betsaale der Versorgungsanstalt, IX., Seegasse 9, findet am Samstag den 7. Dezember 1907, 5 Uhr nachmittags, ein Chanucka-Festgottesd i e n st statt. Wien. (Trauung.) Sonntag den 8. Dezember 1907, um ‘/a2 Uhr nachmittags, findet im ifrael. Tempel, XV., Turnergasse 22, die Trauung des Fräulein Rosa Großmann, Tochter des Herrn Philipp Großmann, mit Herrn Wolf Glaser, statt. Wien-Mariahilf. Sonntag den 8. Dezember, 6 Uhr abends, findet im Tempel, VI., Schmalzhvfgosse 3, eine Trauerandacht für das verewigte Vorstandsmitglied des Tempelvereines Herrn Leopold Bauer statt. Wien. (Schönlaternbethaus.) Am 7. Dezember — Scbabbes-Chanueka — wird beim Morgenqottesdienst, 9 Uhr, ein Sefer-Thora, welches nebst silbernem Thoraschmuck von der Familie des verewigten Herrn Salomon Lichtenst e r n gewidmet wurde, zur Einweihung gelangen.

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