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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-12-06 · 49 (6.12.1907) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
49 (6.12.1907)
Date
1907-12-06
Page
– (sequence 9)
Language
German
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WWWWMS Nr. 49 Wr. Vlocb's Mocdenscvrm. Seite sn die Forderung nach Anerkennung der jüdischen Nationalität an den Hochschulen Oesterreichs und verwies insbesondere auf den der akademischen Freiheit widersprechenden Zwang, der auf die jüdischen Studenten bei Ablegung ihres nationalen Bekenntnisses ausgeübt werde. Der Redner erinnerte den Minister an das im Mai gegebene Versprechen auf rasche Erledigung dieser Angelegenheit und verwahrte sich gegen die erfolgte Einholung eines Gutachtens des Wiener Kultusvorstandes, der keine Berechtigung habe, ein Interpret der Willensmeinung der Juden zu sein. Der Minister erkannte in seiner Erwiderung die Dringlichkeit und Wichtigkeit dieser Frage rückhaltlos an, erklärte jedoch, daß wegen der Arbeitshäufung im Ministerium und der Kompliziertheit der Angelegenheit eine Erledigung vor dem nächsten Sommersemester nicht erfolgen könne. Der Abg. Dr. Mahler meinte, daß die Kompetenz der Kultusgemeinde sich lediglich auf Sachen des Kultus erstrecke, daß ein Wiener Kultusvorstand eine die Judenschaft ganz Oesterreichs bindende Erklärung nicht abgeben könne, daß nur die vom Volke ins Parlament entsendeten Vertreter legitimiert seien, über die nationalen Wünsche und Forderungen eines Volkes Ausschluß zu geben. Des Weiteren betonte er, daß ein nationales Bekenntnis der Juden keineswegs eine aggressive Tendenz gegen eine andere Nation involviere, daß vielmehr eine nationale Lösung der Judenfrage geeignet sei, die Differenzen zwischen den nationalen Parteien zu verringern. Uebrigens handle es sich der Studentenschaft bei Anerkennung ihrer Nationalität nicht um Politik, sondern ihre Forderung sei ihnen Ehrensache, Der Minister versprach eine objektive, von fremden Einflüsse freie Erledigung dieser Angelegenheit und entließ die Deputation mit der Versicherung, daß er auf die anderen Mitglieder des Kabinetts in diesem Sinne wirken werde. Verein zur Hebung der Gewerbe in Wien. Am Sonntag den 1. Dezember d. I. fand im großen Festsaale des Niederösterreichischen Gewerbevereines eine Plenarversammlung dieses Vereines unter dem Vorsitze seines Präsidenten Herrn Brod statt. Schon lange vor Beginn war der große Saal dicht gefüllt und ein weiterer Einlaß unmöglich. Der Präsident begrüßte die anwesenden Honoratioren und erschienenen Gäste und feierte die Wiedergenesung Sr. Majestät des Kaisers in einer solennen Ansprache, die von der Versammlung stehend angehört wurde. Sodann hielt der Präsident dem tagsvorher verschiedenen Mitgliede Regierungsrat Kulka, der ein treuer Anhänger des Vereines gewesen, einen warmen Nachruf. Endlich folgte ein ausführlicher Bericht, was der Verein in den letzten Wochen zur Verhütung einer Katastrophe im Wiener Baugewerbe geleistet. Nach vielen Besprechungen und einer vom Vereine aus allen interessierten Baukreisen einberufenen Experten versa mml u n g im „Hotel de France" wurde beschlossen, der vom Zentralvereine der Baugewerbetreibenden Niederösterreichs einberufenen Enquete beizutreten. Als Delegierte derselben wurden der Präsident Brod, Fabrikant Gottlieb Bettelheim und als Ersatz Bauunternehmer Josef Steiner entsendet, welche laut Beschluß folgende Vorschläge zu unterbreiten hatten: 1. Herabsetzung der Hauszinssteuer. 2. Wiederherstellung des alten Maina qno der Uebertragungsgebühren. 8. Regelung des Kartellwesens. 4. Inangriffnahme der projektierten öffentlichen Bauten. 5. Regel der Unfall- und Krankenkassengebühren. Diese Enquete fand am 27. und 28. v. M. im Festsaale des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft unter Anwesenheit der Vertreter sämtlicher Ministerien statt. Hoffen wir von dieser Enqnßte eine teilweise Besserung der desolaten Zustände im Wiener Baugewerbe. (Beifall.) Sodann hielt Herr Josef Beck seinen ebenso lehrreichen als hochinteressanten Vortrag über „Egypten" an der Hand von 120 Skioptikon-Bildern. Der Dank, der ihm von Seiten des Vorsitzenden zuteil wurde, und der stürmische Beifall der ganzcn Versammlung entschädigten den Vortragenden einigermaßen für die Mühe, der er sich für diesen Vortragsabend unterzogen. In später Stunde schloß der Präsident die Versammlung. Zentralverein zur Pflege jüdischer Angelegenheiten in Prag. Bei der am 24. d. M. unter Vorsitz des Herrn kaiserl. Rates Falkowicz abgehaltenen Generalversammlung erstattete zunächst der Geschäftsleiter Herr Dr. W e l t s ch den Rechenschaftsbericht, der eine erfreuliche Steigerung der Agenden der Handwerker- und Studierenden-Sektion konstatiert, ein Bild der Vereinstätigkeit im Innern und nach Außen hin entrollt, der anregenden Vortragsabende erwähnt und die Richtschnur für die weitere Wirksamkeit mit Rücksicht auf die bestehenden Verhältnisse verzeichnet. Der Bericht, der auch der dahingeschiedenen Gönner, insbesondere des langjährigen Ausschußmitgliedes Herrn Samuel F i f ch l, sowie der munifizenten Spende des Herrn kais.. Rates Moritz Hahn gedenkt und allen Förderern, sowie der Presse den Dank ausspricht, wird einstimmig genehmigt. Ebenso die von den Herren T r o l l e r und Wien verlesenen, ein Bild der günstigen wirtschaftlichen Lage bietenden Kaffabezw. Revifionsberichte. Auch der sich anschließende Bericht der Vorsitzenden der Sektion für Krankenpflegerinnen Frau Julie Leipendur, der in lichtvollen Worten die Pläne für künftige größere Aktionen berührt, wird beifälligst entgegengenommen und der Genannten, ebenso wie Herrn Direktor Wertheimer für seine der Studierenden-Sektion gewidmete hingebende Tätigkeit der Dank ausgesprochen. — In der Debatte werden von einzelnen Mitgliedern Anregungen vorgebracht und Ausschlüsse erteilt, und es gaben die die jüngste kaiserliche Auszeichnung des Vereinsobmannes Herrn kais. Rat Falkowicz betreffenden Worte des Ausschußältesten Herrn Herm. Schütz Anlaß zu einer spontanen herzlichen Ovation für Herrn kais. Rat Falkowicz. Sodann wurden zu Revisoren die Herren: Karl Flammerschein, Gustav Fürth, Jg. Karpeles, Sigm. Springer und Mich. Wien per Akklamation wiedergewählt. Die zum Schluffe vorgenommenen Ergänzungswahlen in den Ausschuß ergaben das nachstehende Resultat: Karl G. Bacher, Kommerzialrat Ben. Böhm, JUDr. Jul. Brandeis, Karl Eisler, Jak. Fischt, I. Glücksmann, Rud. Grab, Jakob Kauders, Komm.-Rat Ludwig Klatscher, JUDr. N. L. Kohner, Mor. Kornfeld, Ad. Oppenheimer, JUDr. Ad. Oppenheimer, Gotth. Utitz, JUDr. Th. Weltsch und als Ersatzmänner Siegm. Hahn, Karl Oplatka, Phil. Herschmann (Beneschau) und Rabbiner Leopold Thorsch (Schlan.) Trier. Zu den heute beginnenden Stadtverordnetenwahlen bat die Zentrumspartei in der ersten Klaffe auch einen Juden (Kaufmann Loeb) auf ihre Liste gesetzt, und zwar wie der Vorsitzende, Stadtverordneter Hartroth, ausführte, aus Rücksichten der Billigkeit und der Toleranz. Es sei eine betrübende Erscheinung im Trierer Wahlkampfe, daß bei vielen Wählern der Gegenseite konfeffionelle Gesichtspunkte für ihre Stimmabgabe entscheidend seien. Ein solcher Zustand paffe nicht ins XX. Jahrhundert. Paris. Gaston Raynal, ein Jude, ist zum Kabinettschef des französischen Ackerbauministers ernannt worden. Eine intereffante Notiz für die antisemitisch.christlichsoziale Preffe, die sie ihren Lesern doch gewiß nicht vorenthalten wird. London. Die Manchester-Univerfität hat beschloffen, das Andenken des jüngst verstorbenen Profeffors der Pathologie und Medizin, Dr. Julius Dreschfeld, durch die Stiftung eines Stipendiums für Studierende der Medizin zu ehren. Ein Ausschuß wurde gewählt, um den gefaßten Beschluß zur Durchführung zu bringen, und es find bereits namhafte Beträge für den gedachten Zweck angemeldet. Außerdem wird auch in der Universität eine Büste Dr. Dreschfelds ausgestellt werden. D. war ein Würzburger Jude. London. Sir Matitijahu, früher ein hoher Staatsbeamter in Indien, wurde von der englischen Regierung zum Statthalter der englischen Kolonie Natal ernannt. Er ist durch diese seine Stellung auch Generalleutnant und Oberkommandant der dortigen Armee, sowie die höchste Instanz in allen administrativen Angelegenheiten. M. ist Jude. Ein Judentag in Rußland. Aus Petersburg wird uns berichtet: Vier jüdisch-politische Organisationen, und zwar: die „Volksgruppe", „Demokratische Gruppe", die „Zionisten" und die „Jüdische Volkspartei" (Dubnow), haben sich nach längeren Verhandlungen dahin geeinigt, in möglichst kurzer Zeit einen Judentag in Rußland einzuberufen. Zu diesem Kongreffe sollen vorerst sämtliche jüdischen Wahlmänner, die nach dem jetzigen Wahlgesetze ein Wahlrecht für die Duma besitzen, eingeladen werden. Es wurde

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