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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-12-06 · 49 (6.12.1907) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
49 (6.12.1907)
Date
1907-12-06
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Nr. 49 Dr. Lwcv s Mocvenscbrln. Seite 816 für das großherzige Entgegenkommen und die für das neu zu schaffende Institut aufgewendete Mühe den Dank aus. Es gelangt der Bericht über die Abhaltung von Borträgen aus der jüd. Geschichte zur Verhandlung. Es wird umJndemnität für eine Budgetüberschreitung von 300 Kronen angesucht. Kaiserl. Rat Jonas Weil nimmt Veranlassung, das segenstifteude Wirken dieser Veranstaltungen hervorzuheben, den Vortragenden für ihre hervorragenden Leistungen den Dank auszusprechen. Mit Genugtuung begrüßt er die stets zunehmende Popularität sowohl jenes alljährlich von Herrn Rabbiner Dr. M. G r u n w a l d abgehaltenen Vortragszyklus als auch der anderen von hervorragenden Männern des Judentums gehaltenen Vorträge. Redner spricht dem Initiator dieser Vorträge Herrn Dr. Maximilian Steiner den besonder« Dank aus. Kultusvorsteher Salo Cohn schließt sich den anerkennenden Worten des Vorredners im allgemeinen an, hätte aber gewünscht, daß auch die anderen Rabbiner herangezogen werden, und daß die Vorträge im Tempel stattfänden. Man würde dadurch die Kosten für Lokalmiete in der Eschenbachgasse und die Reisespesen für die Männer, welche von anderwärts zu Vorträgen geladen werden, ersparen. Es werden auch Vorträge gehalten, die gar nicht in das Gebiet der jüd. Geschichte gehören, wie z. B. die Vorträge von Dr. Karpeles. Redner beantragt, die Veranstaltung der Vorträge überhaupt dem Kuratorium für das. jüdische Museum zu übertragen, welchem zu diesem Behufe eine Subvention von 3000 Kronen jährlich zu bewilligen wäre. In diesem Falle, aber nur in diesem Falle, wäre auch er bereit, aus Eigenem dem in schlechter finanzieller Lage befindlichen jüd. Museum für 3 Jahre einen Jahresbeitrag von je 500 Kronen zu widmen. Kultusvorsteher Dr. Markus Spitzer möchte nicht mit einem neugeschaffenen Institut, welches sich segensreich bewährt hat, Experimente machen. Unter den wenigen Institutionen, die wir neu eingerichtet haben, bilden die Vorträge geradezu einen Lichtpunkt; fie haben alle Erwartungen glänzend erfüllt, welche wir an fie gestellt haben (Bravo). Dr. Grunwalds Vorträge verbreiten Belehrung über unsere ruhmreiche Geschichte, nach Form und Inhalt berechnet zur Fortbildung der Jugend. Es steht uns nicht zu, die anderen Leistungen zu kritisieren. Vielleicht wikden hie und da ungeeignete Themen gewählt, darüber können ja die Ansichten verschieden sein. Eines ist sicher, in der Wiener Gemeinde herrscht ein Durst nach jüdischem Wissen, das Verlangen nach Belehrung ist lebendig geworden. Die Vorträge find zu einem integrierenden Bestandteil des Wiener jüdischen Gemeindelebens geworden. Kultusvorsteher Baurat Stiaßny dankt Herrn Salo Cohn für seine zugunsten des Museums gesprochenen freundlichen Worte; eine ähnliche Anregung des Vorstandes vor einigen Jahren hat bei. seinen Kollegen im Kuratorium auf Widerstand gestoßen, er zweifelt jedoch nicht, daß eine neuerliche gemeinsame Beratung zu einer Verständigung führen wird. Vizepräsident Dr. G. Ko hu zeigt aus den Protokollen über die Beschlüsse, welche das Institut der Vorträge geschaffen haben, daß der Vorstand diese Einrichtung zu denjenigen Pflichten und Aufgaben zählt, die er selber zu erfüllen hat. Die Heranziehung auswärtiger Gelehrter bedarf gewiß keiner Rechtfertigung. Es war nie die Absicht und lag nie im Plane des Vorstandes, die amtierenden Rabbiner mit der Abhaltung dieser Borträge zu betrauen. Eine Ausnahme in dieser Beziehung bildet nur Dr. Grunwald. Schon vor seiner Wahl zum Wiener Rabbiner hatten wir von seinen diesbezüglichen Leistungen genaue Kenntnis, diese seine Qualifikation war bei der Wahl mit bestimmend, in seinem Vertrage wurde ihm die Abhaltung der Vorträge als Verpflichtung auferlegt. Das jüdische Museum genießt ein hohes Ansehen, seine Vorträge finden zahlreichen Besuch, allein die Vorträge Dr. Grunwalds zeigen einen gleichen Zlüwang des Publikums —so sehr, daß oft Hunderte von Menschen keinen Platz im Vortragssaal mehr finden. Kais. Rat Jonas W e i l ist gegen jede Aenderung und Umgestaltung des nun zur guten Gewohnheit gewordenen Instituts. Die Borträge Dr. G r u n w a l d s find geeignet, die Zuhörer mit Begeisterung für das Judentum zu erfüllen, die Jugend uns heranzuziehen; die Berufung hervorragender Laien zur Abhaltung von Vorträgen bringt uns die persönliche Bekanntschaft von Männern, auf welche das Judentum stolz sein darf. Das jüdische Museum verdient gewiß unsere wärmste Sypmathie, und wir sind bereit, bei geeigneter Gelegenheit dies auch mit der Tat zu bekunden. Professor Dr. E h r m a n n bemerkt, das Publikum des Museums ist ein sozial höher stehendes, die Vorträge der Gemeinde ziehen den breiten Mittelstand an und ergänzen sich gegenseitig. Der Begriff „jüdische Geschichte" darf nicht in gar zu engem Sinne gefaßt werden; wieSpinoza, so gehört Heinrich Heine zur jüdischen Geschichte und die interessanten Vorträge des Herrn Dr. Karpeles waren sehr gut diesem Rahmen angepaßt. Bei der Abstimmung wurden die Anträge des Vertreterkollegiums einstimmig genehmigt. Vorstand der israel. Knltnsgemeinde in Wien. Z. 13270 ex 1907. Wien, 28. November 1907. An denhohen Landesaussckuß des Erzherzogtums Oesterreich unter der Enns, Wien. Im Amtsblatte zur „Wiener-Zeitung" Nr. 273 vom 27. November 1907 ist eine Kundmachung des hochlöblichen Landesausschuffes publiziert, in welcher 3 Hilfsarztensstellen in den niederösterreichischen Landesirrenanstalten behufs Besetzung zur Ausschreibung gelangen. Nach Inhalt dieser Kundmachung haben die Bewerber nebst anderen Nachweisen den Taufschein beizubringen. Die niederösterreichischen Irrenanstalten sind, wie - der Name besagt, Landesanstalten, welche aus Landes-, das ist öffentlichen Mitteln, zu denen Angehörige aller Konfessionen beizutragen verpflichtet sind, gegründet wurden und erhalten werden. Demnach sind die Dienststellen an diesen Landesanstalten öffentliche Aemter und steht das Erfordernis, daß als Geburtsdokument ausschließlich der Taufschein.beizubringen ist, im Widerspruche mit der staatsgrundgesetzlichen Bestimmung des Artikels 3 des Gesetzes vom 21. Dezember 1867, R.-G.-Bl. Nr. 142, über die allgemeinen Rechte der Staatsbürger, wonach die öffentlichen Aemter allen Staatsbürgern gleich zugänglich sind. Da nun nach dem Wortlaute der gegenständlichen Kundmachung Angehörige der Wiener israel. Kultusgemeinde, überhaupt Israeliten, von der Bewerbung um die erwähnten Stellen ausgeschlossen wären, beehrt sich der Unterzeichnete Vorstand mit dem Beifügen, daß in ähnlichen Fällen, so z. B. in dem Falle, welcher die in der „Wiener-Zeitung" vom 25. und 27. Oktober 1898 verlautbarte Konkursausschreibung der erledigten Stellen eines Oberkommissärs und eines Kommissärs bei der Normal-Aichungs-Kommission betraf, der k. k. Handelsminister dem h. o. Einschreiten laut des in Abschrift beiliegenden Bescheides vom 5. November 1898, Z. 63641, stattgab, die Bitte zu stellen: Der hochlöbliche Landesausschuß wolle die Richtigstellung der eingangs zitierten Kundmachung im Sinne dieser Eingabe dahin anordnen, daß neben den Worten: „unter Anschluß des Taufscheines", die Worte „oder des Geburtsscheines" einzufügeu seien und des ferneren mit Rücksicht darauf, daß der Konkurstermin bereits mit Ende dieses Monates abläuft, eine entsprechende Verlängerung dieses Termines verfügen. Erster Sekretär: Der Präsident: Dr. Theodor L i e b e n w. p. Dr. Alfred Stern m. p. Wien Freitag den 29. November 1907 empfing der Unterrichtsminister Dr. Marchet im Abgeordnetenhause eine vom Abg. Dr. Mahler geführte Deputation der jüdischnationalen Studentenschaft Oesterreichs, die aus den Herren techn. Kamsler („Maccabaea"), med. Placzek („Unitas"), jur. Rosenheck („Kadimah"), techn. Schallinger („Veritas"), jur. Winterstein („Jvria") bestand. Der Sprecher der Deputation, jur. Felix Winterstein („Jvria") begründete in seiner Ansprache

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