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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-12-06 · 49 (6.12.1907) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
49 (6.12.1907)
Date
1907-12-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
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A-U1U Nr. 49 Dr Llocd's Mocbenscbrltt. Sette 815 Jahre werden die neu ausgearbeiteten Instruktionen für die Inspektoren des Religionsunterrichtes an den Mittelschulen in Beratung gezogen. Kultusvertreter Dr. Leopold K o h n beantragt, da die Instruktion größtenteils selbstverständliche Taktvorschriften enthält, die Rückverweisung der Vorlage an die zweite Kommission. Kultusvertreter Dr. Steiner fordert, daß der Religionsschulinspektor nicht nur jede Lehranstalt, sondern jede Klasse derselben mindestens zweimal im Jahre besuchte, um über die Leistungen von Lehrern und Schülern ein klares und sicheres Urteil sich zu schaffen. Kultusvertreter Dr. Berger meint, daß es nicht klug wäre, daß die Inspektoren die Lehrer förmlich überlaufen, die Lehrerschaft würde das schwer ertragen; auch er erachte die geplanten Instruktionen für entbehrlich und schließe sich dem Anträge des Herrn Dr. Leopold Kohn an. I. Vizepräsident Dr. Kohn weist eingehend die Notwendigkeit fester Normen für den Jnspektionsdienst nach und unterstützt im Uebrigen den Antrag auf Rückverweisung des Entwurfes an die zweite Kommission. Der Antrag wird angenommen. Kaiserl. Rat Dr. Theodor Lieben erstattet hierauf folgendes Referat: Ein gütiges Geschick wird im kommenden Jahre die Völker Oesterreichs zu einem seltenen Freudenfeste vereinigen: zur Feier des sechzigjährigen Regierungsjnbiläums Sr. Majestät des Kaisers. Die Juden Oesterreichs nehmen mit der, großen unerschütterlichen Liebe und Treue, die sie für die erhabene Person des edlen Herrschers erfüllt, herzinnigen und freudigen Anteil an dieser Feier. Wenngleich an der großen von der Stadtgemeinde Wien durch Errichtung einer bedeutenden Stiftung geplanten Huldigungskundgebung auch die Wiener Juden als ein Teil der Wiener Bevölkerung und kraft ihrer nicht unbedeutenden Beitragsleistung zum Stadthaushalte ihren Anteil haben, hat der Vorstand der Wiener israelitischen Kultusgemeinde angesichts der Tatsache, daß es in der Wiener Judengemeinde fast zur Tradition geworden ist, denkwürdige Abschnitte in der segensreichew"Regierung unseres geliebten Kaisers durch besondere Akte der Wohltätigkeit zu begehen, in seiner Plenarsitzung vom 9. Juni 1907 auf Grund eines Antrages des Vorstandsmitgliedes kais. Rat Jonas Weil einhellig beschloffen, das bevorstehende Regierungsjubiläum durch einen gemeinnützigen Akt zu feiern. Zur Beratung hierüber wurde eine Kommission aus dem Plenum eingesetzt, welche in mehreren Sitzungen die vorgelegenen, verschiedenartigen Anträge eingehend beraten hat und nunmehr durch das Vertreterkollegium ihre Anträge stellt. Seit vielen Jahren befinden sich teils im Besitze der Kultusgemeinde, teils im Besitze des Waisenvereines Kapitalien von Stiftungen und Widmungen für die Errichtung und Erhaltung eines Knabenwaisenhauses in der Höhe von ungefähr 600.000 Kronen. So ansehnlich dieser Betrag auch ist, reicht er doch nicht hin, damit ein Waisenhaus zu errichten und zu erhalten. Um nun zu bewirken, daß ein solches ungemein dringendes Institut geschaffen werde, stellt das Vertreterkollegium auf Grund des Beschlusses der Kaiser-Jubiläumskommiffion folgenden Antrag: Die Kultusgemeinde Wien widmet zur Feier des sechzigjährigen Regierungsjubiläums Sr. Majestät des Kaisers einen Betrag von 100.000 Kronen zum Bau eines Knabenwaisenhauses durch die Kultnsgemeinde gemeinsam mit dem Vereine zur Unterstützung und Versorgung hilfsbedürftiger Waisen der iraelitischen Kultusgemeinde Wien. Die Widmung dieses Betrages erfolgt in der Voraussetzung, daß die bestehenden Stiftungen dem angegebenen Zwecke zugeführt werden können, wozu die Genehmigung der Staatsbehörde voraussichtlich erteilt werden dürfte. Die näheren Modalitäten hinsichtlich der Durchführung dieses Beschlusses bleiben Vorbehalten. Der vorliegende Antrag bedürfte wohl nach keiner Richtung hin einer besonderen Begründung. In doppelter Beziehung dürfte er den Wünschen unserer Glaubensbrüder in Wien entgegenkommen: einmal als die Erfüllung eines tiefempfundenen Bedürfniffes auf humanitärem Gebiete, hauptsächlich aber als ein Zeichen der Liebe und Verehrung für unseren Kaiser. Unwandelbar in den wechselvollen Schicksalen unseres Vaterlandes steht die erhabene Person des edlen Fürsten als ein unerschütterlicher Hort der Gerechtigkeit; unwandelbar in der väterlichen Liebe, mit der er alle Angehörigen seines Reiches umfaßt; unberührt von beklagenswerten Erscheinungen des öffentlichen Lebens, die ihre trüben Wellen gerade im jetzigen Zeitpunkte bis in die unmittelbarste Nähe des Thrones werfen. Durch die Bedrängnisse, die wir besonders in den letzten Jahrzehnte»: über uns ergehen lasten mußten, unter dem fortgesetzten Drucke unverdienter Gehäffigkeit find wir bescheidener geworden denn je. Sonderrechte verlangten wir niemals, nur Gerechtigkeit! Und wenn uns auch diese oft und oft verwehrt wird, tröstet uns das erhebende Bewußtsein, daß es eine Stelle gibt, die höchste in diesem Staate, welche zu allen Zeiten auch uns gegenüber ihre mit Weisheit und Milde gepaarte Gerechtigkeit walten läßt. Darum haben wir Juden besonderen Anlaß, das seltene Jubelfest unseres erhabenen Monarchen mitzufeiern; und auf die Frage, in welcher Weise unserer Verehrung und Anhänglichkeit für den geliebten Kaiser der beste Ausdruck gegeben werden könnte, geben uns der Wunsch des edlen Fürsten und die Vorschriften unserer heiligen Religion die gleiche Antwort: Durch menschenfreundliche wohltätige Werke. Im Jahre 1888, anläßlich des 40jährigen Regierungsjubiläums erstand das Altersversorgungshaus unserer Gemeinde; zehn Jahre später, im Jahre 1898, beging die Wiener Judenschaft das Regierungsjubiläum durch die Errichtung des Siechenhauses; jetzt werden diese beide Anstalten infolge einer hochherzigen Schenkung erweitert, so daß nun wieder im Jubiläumsjahre diese große Humanitätsanstalt als vollendet angesehen werden kann. Unerschöpflich aber ist das Gebiet, auf dem sich Menschenfreundlichkeit und Nächstenliebe betätigen können; galt die Feier der früheren Jubiläen den Alten und Kranken, der Errichtung einer Zufluchtsstätte, wo diese Aermsten ihren Lebensabend sorglos verbringen können, so soll die kommende Feier jenen gelten, die am Morgen ihres Lebens den Unbilden eines harten Schicksales preisgegeben find. Es soll zur bleibenden Erinnerung an die beglückende sechzigjährige Regierung des Kaisers armen verwaisten Knaben ein Heim gegeben werden, als ein Wahrzeichen der Liebe und Treue der Wiener Judenschaft zu dem erhabenen Monarchen, als ein Zeichen der nie erlöschenden Dankbarkeit für sein segensreiches Walten! Nach einer kurzen Debatte, in welcher kaiserl. Rat Jonas Weil, Baurat W. S t i a ß n y, kaiserl. Rat Sachs, Dr. M. Steiner, Präsident Dr. Alfr. Stern das Wort ergriffen, wird der Antrag des Vertreterkollegiums einstimmig angenommen. Baurat Oskar Marmorek referiert über Anträge des Vertreterkollegiums betreffend die Erbauung einer neuen, allen hygienischen Aufforderungen und religionsgesetzlichen Vorschriften entsprechenden Mikwa im II. Bezirk und legt intereffante Baupläne vor, die er in ausführlicher Rede erläutert. Kultusvertreter Dr. Berger stellt den Antrag, für das gesamte Erfordernis einen Kredit von 164.000 Kronen zu bewilligen. Kultusvertreter Salo Cohn unterstützt die Anträge, durch welche den Bedürfnissen des orthodoxen Teiles unserer Gemeinde ein weitgehendes Entgegenkommen bekundet werde; er rechnet darauf, daß man auch den Wünschen der fortschrittlichen Elemente gerecht wird. Redner empfiehlt, daß das Mikwahkomitee das neue Institut dauernd unter seine Kontrolle und Inspektion nehme. Nach einem Schlußwort des Vizepräsidenten Dr. G. K o h n und Hosrat Dr. Rappaport wurden sämtliche Anträge zum Beschluß erhoben. Herrn Baurat M a r m o r e k, der diesem Mikwahreferat viele Mühe und Arbeit gewidmet, eine Reise nach Berlin und Budapest behufs Studiums der dortigen Mikwahinstitutionen nicht gescheut, spricht der Präsident für seine selbstlose Tätigkeit öffentlich den Dank aus. Kaiser!. Rat K a u d e r s drückt dem Präfidlum, dem Herrn Referenten und dem gesammteu Plenum

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