Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 48 (29.11.1907)
- Date
- 1907-11-29
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 48 Dr Llocb's Mocbenscbrirr Seite 801 Zügen das Lebensbild des Entschlafenen entwarf und damit auf alle Anwesenden tiefste Wirkung ausübte. Hierauf trat der Präsident des Mariahilfer Tempelvereines Herr Doktor Jacob Engel, an die Bahre und hielt folgenden Nachruf: „Mit dem Manne, dessen irdisch Teil hier in diesem Schrein den Schlaf der Ewigkeit vollendet, hat mich eine innige Freundschaft durch fast ein Vierteljahrhundert verbunden. An einem und demselben Tage im gleichen Jahre geboren, brachte Uns schon dieser Zufall näher. Der Verkehr im Familien-, im Freundeskreise, das gemeinsame Wirken in zahlreichen Korporationen' erzeugte zwischen uns eine reine Seelenharmonie, so daß der Hingang dieses wackeren Mannes von mir besonders tief empfunden wird und ich trostlos an dieser Bahre stehe. Eine Saite ist in meinem Herzen gerissen, die nicht wieder geknüpft werden kann, denn das Hinscheiden eines treuen und verläßlichen Freundes ist einer der herbsten Schicksalsschläge, der von Menschenherz und in Menschenbrust empfunden werden kann. Aber nicht nur als Freund stehe ich hier, wehklagend und erschüttert — ich sende Dir, unserem lieben Kollegen im Tempelvorstande und in der Bezirkskommission Mariahilf-Neubau, in meiner Eigenschaft als Präsident dieser Gemeinde und Obmann der Kommission den letzten Scheidegruß nach ins Grab. Wie freutest Du Dich mit diesen Ehrenämtern, mit welcher Hingebung oblagst Du den mit denselben verbundenen Pflichten!, und wie schätzten wir Dich, wie hoch hielten wir Deinen Rat. Wenn Du in förmlich traditioneller Weise am ersten Neujahrsfeste die Stufen zum Allerheiligsten hinaufschrittest, um als Erster im neuen Jahre den Segensspruch über die heilige Schrift zu sprechen, dann hatten wohl Alle, die Leopold Bauer kannten, das Bewußtsein, daß ein Würdiger es war, dem diese Auszeichnung zuteil wurde. Jetzt ist's zu Ende. — Du vertauschest Dein prächtig Heim mit dem stillen Gruftgewölbe, in das wir Dich nun betten mit unseren heißen Tränen. Aber wenn auch der Körper, nach dem Bibelworte, der Erde wieder gegeben wird — Deine Seele fliegt empor in wonnige Gefilde, gen Osten, dort wo die Sonne ewig, ewig lacht und wärmt. Hab Dank, Du teuerer Kollege, für all' die Liebe und Mühe, die Du unserer Gemeinde gewidmet, für all' die Freudenopfer, die Du mit freigebiger Hand in reicher Hülle ausgestreut, durch meinen Mund empfange auch den letzten Gruß des großen Freimaurerbundes, dem Du durch 20 Jahre angehörtest als ein hellblinkendes Glied in der großen, den Weltball umspannenden Bruderkette. Fahr' wohl, mein Freund, Du alter treuer Kamerad, fahr' wohl!" Dieser Nachruf, in tiefster Bewegung und doch mit großer rhetorischer Wirkung vorgetragen, hatte alle Zuhörer mächtig ergriffen. Nach ihm sprach Herr kais. Rat Wolfbauer im Namen des „Vereines reisender Kaufleute" und ein Oberbeamter für die Angestellten des Hauses. Die imposante Trauergemeinde gab nun dem Entschlafenen das allerletzte Geleite zu seiner ewigen Ruhestätte, in welche was an Leopold Bauer sterblich war, gebettet wurde. B - J- Generalversammlung des Vereines zur Ausspeisung armer israelitischer Schulkinder im XII.—XV. Bezirk Im großen Saale des Vereinshauses, XV., Herklotzgasse 21, fand Sonntag den 24. d. M. unter Vorsitz der Präsidentin Frau Regine L a n d e i s, die diesjährige ordentliche Hauptversammlung des Vereines statt. Nebst den zahlreich erschienenen Vereinsmitgliedern konnte die Präsidentin die Vertretungen der Vereine: Naskil el Dol (vertreten durch die I. Vizepräsidentin Frau Dr. Grunwald), F e r i e n h e i m (Frl. Bondy), LikurOkolim (Präsidentin Frl. Leuchtman), Talmud-Thora (Rabbiner Ehrw. Dr. Grunwald, Herr Ober-Rev. Strach, Herr G e h l b a r t), JüdischerTurnverein (Herr Börfenrat Beer), N a ch 1 a t h Jeschurun (HerrDr.Löwy) rnd den Direktor der Israelitischen Kinderbewahranstalt Herrn Fischer herzlich begrüßen. Aus dem erstatteten Geschäftsberichte, der eine stattliche Broschüre umfaßt, geht hervor, daß die Bereiusleitung im abgelaufenen Vereinsjahre wieder Außerordentliches geleistet hatte. Nicht weniger als 30.025 Portionen Speisen, 7500 Liter Milch und 6<>.000 Brote wurden innerhalb des letzten Schuljahres an die Schützlinge des Vereines verteilt. Wie alljährlich gestaltete sich auch diesmal die Generalversammlung zu einer spontanen Ovation für die Präsidentin Frau Regine Land eis, deren Tatkraft und Umsicht in allen Tonarten gepriesen wurden. Der Antrag des Herrn Almassy, auch während der Ferien die Kiuderausspeisung durchzuführen, gab zu einer eingehenden Debatte Anlaß, in der Herr Direktor Fischer dankenswerte Anregungen gab. Nach Erteilung des Absolutoriums wurden die ausscheidenden Vorstandsmitglieder einstimmig wiedergewählt. Namens des Vereines „NachlathJeschurun“ beglückwünschte Herr Dr. Löwy und namens der „Talmud- Thora" Herr Ober-Revident Strach den Verein zu den erzielten Erfolgen. Anerkennend wurde hervorgehoben das besondere Verdienst der Präsidentin, durch deren Energie den anderen jüdischen Vereinen im Bezirke auch eine Heimstätte im Vereinshause geschaffen wurde. Mit hinreißenden Worten verstand es Se. Ehrw. Rabbiner Dr. Grunwald, das Wirken des Vereines und seiner verdienten Präsidentin zu kennzeichnen, und stürmischer Beifall lohnte die aneifernden Ausführungen. An das ehemalige, derzeit in Paris wohnende Vorstandsmitglied Herrn Karl L a n d e i s wurde über einstimmigen Beschluß der Hauptversammlung ein Telegramm mit dem Danke für sein verdienstvolles Wirken im Vereine abgesendet. 8t. „Montestore", Kranken- und Unterstützungsverein, Witwen- und Waisenfond. Sonntag den 24. d. M. fand die 25jährige Gründungsfeier dieses ob seines Wirkens bestbekannten Vereines statt. Aus diesem Anlaß gab der Verein ein Gedenkblatt heraus, das die Resultate einer schweren und mühseligen Arbeit zur Kenntnis der Oeffentlichkeit bringt. Der Verein wurde am 25. März 1882 als Kranken- und Unterstützungsverein „Allianz" gegründet und auf Ersuchen der „Alliance Jsraelite" wegen Namensgleichheit anfangs des Jahres 1884 in seinem Namen geändert und nach dem Baronet Sir Moses Montesiore benannt. Der erste Obmann des Vereines war Herr Adolf Ehrenzweig; seit seiner Gründung zählt der Verein 7 Obmänner, von denen nur 2 noch am Leben find; Ignaz Semberger und Moritz Bondsi, der im Jahre 1895 einen Witwen- und Waisenfonds gründete. Alle diese Männer standen rastlos im Dienste der Humanität und haben den Verein segensreichem und wohltätigem Wirken zugeführt. Der Verein hat zur Feier seines 25jährigen Bestandes Sonntag im israelitischen Tempel in der Tempelgaffe einen Festgottesdienst abgehalten. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. D a v i b hielt die Festpredigt, die, in Form und Inhalt gleich erhebend, die überaus zahlreichen Besucher in Atem hielt. Die kantoralen Funktionen versah Oberkantor G u t t m a n n in gewohnt meisterhafter Weise mit dem Tempelchor unter Leitung des Dirigenten H e i m a n n. Abends fand im „Cafe Promenade" ein Bankett statt, das sehr animiert verlief. Der Obmann des Vereines, Herr Leopold Weinwurm begrüßte u. a. die erschienenen Ehrengäste, den Präsidenten der Kultusgemeinde Herrn Dr. Alfred Stern, Se. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. David, wie Oberkantor ©utt mann, den Vertreter der Chewra^Kadischa Herrn Dr. Markus Spitzer, Herrn Dr. Bloch, den Obmann vom Verein „Nächstenliebe" Herrn Rosenblatt, Herrn Feldbauer vom Verein „Selbsthilfe" und Herrn Adolf Popper vom Verein „6deseä schel Eines“ rc.