Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 48 (29.11.1907)
- Date
- 1907-11-29
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 802 Dr. Llocd s MocbenscbrLN. Nr. 48 Sowohl der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Herr Dr. Alfred Stern und der Herr Bezirksschulrat Doktor Marcus Spitzer, als auch Herr Rabbiner Dr. David nnd die anderen Ehrengäste zeichneten den Verein durch geistreiche Ansprachen auS, die jubelnd akklamiert wurden. Nach Verlesung der eingelangten Glückvunsch-Telegramme fand das Bankett sein Ende. Das Menu, vom Herrn Restaurateur Eduard Herlinge r, II., Taborstraße 36 beigestellt, fand ungeteilte Anerkennung. In einer Festsitzung erfolgte durch den Obmann Herrn Leopold W e i n w u r m die Ueberreichung eigens gestifteter Jubiläumsriuge an 25 Gründer des Vereines. An den Kaiser wurde ein Huldigungstelegramm abgesendet. Preßburg. (Die Juden und die Elisabeth- Feier.) Anläßlich der vorige Woche hier stattgefundenen Elisabeth-Feier empfing Erzherzog Friedrich, der bei der Feier den Kaiser vertrat, unter anderen Deputationen auch eine Abordnung der beiden hiesigen jüdischen Gemeinden. Die orthodoxe Gemeinde erschien unter Führung des Oberrabbiners Akiba Schreiber, während die neologe Gemeinde vom Kultuspräüdenten Dr. Löwinger geführt wurde. Auf die Ansprachen der Führer der Deputationen antwortete der Erzherzog: „Für die Rmnens der Preßburger israelitischen Kultusgemeinde verdolsMchte Huldigung, über die ich Sr. Majestät Bericht erstatten wtt»e, empfangen Sie meinen Dank. Es ist ein neuer Beweis, Wie aufrichtig sie auch an diesem schönen Feste teilnehmen, das iton der ungeteilten Pietät gegenüber einer der ruhmvollsten Gestalten der großen historischen Vergangenheit des Vaterlandes beseelt ist." Es sei hier bemerkt, daß die Deputationen der beiden jüdischen Gemeinden gesondert empfangen wurden. Die Huldigungskundgebung der orthodoxen Inden Ungarns an den Kaiser. Anläßlich der vierzigsten Wiederkehr des Tages, an welchem Kaiser Franz Josef als König von Ungarn der gesetzlichen Gleichberechtigung der Juden Ungarns die allerhöchste Sanktion verliehen hatte, sandte die orthodoxe Zentralkommission Ungarns eine in ungarischer Sprache abgefaßte Hutdigungsadresse an den Kaiser, die in deutscher Uebersetzung wie folgt lautet: Eure kaiserl. und königl. apostolische Majestät! Unser allergnädigster Herr! In der Plenarsitzung der amtlichen Vertretung der Gemeinschaft der ungarläudischen autonomen, orthodoxen, israelitischen Konfession denken wir mit Seelenergriffenheit an jene gnädige väterliche Fürsorge unseres erhabenen Herrn und Königs zurück, welche Eure Majestät vor vierzig Jahren durch allergnädigste Sanktionierung des Gesetzartikels 17 vom Jahre 1867 den gesamten israelitischen Bewohnern des Landes gegenüber als liebevoller Vater jedes einzelnen Ihrer Völker zu bekunden geruht haben. Dieser Akt Eurer Majestät bleibt in der Kulturgeschichte Ungarns für ewige Zeiten mit goldenen Lettern verzeichnet, in der Tiefe unseres Herzens aber glüht und wird glühen von Geschlecht zu Geschlecht die lodernde Fackel der unauslöschlichen Dankbarkeit und der mit unverbrüchlicher Anhänglichkeit gepaarten Liebe, welche auch bei jeder Gelegenheit in unseren Bechäusern in den an den himmlischen Vater gerichteten heißen Gebeten, sich kundgibt, die wir zum Allmächtigen emporsenden, auf daß er Eure Majestät jeden Segen und jede Gnade zuteil werden laffe. Auch jetzt statten wir der Gnade der Vorsehung unseren Dank dafür ab, daß sie, auch unsere eifrigen Gebete erhörend, Eure Majestät die teure Gesundheit zur Beglückung Ihrer Länder und Völker wiedergegeben und uns die Erfüllung unserer sehnlichsten Hoffnung in Aussicht gestellt hat, daß Eure Majestät noch recht lauge Jahre hindurch auch weiter Ihre Völker und Länder beglücken werden. Und nun geruhen Eure Majestät uns zu gestatten, daß wir uns mit untertänigster Huldigung für die Zukunft der allerhöchsten Gnade Eurer Majestät empfehlen können und daß wir im Bewußtsein der väterlichen Liebe Eurer Majestät mit tiefster Ergebenheit bitten, uns auch fernerhin in der bisher bekundeten väterlichen Liebe zu behalten und zu geruhen, uns auch weiterhin in der uns durch allerhöchste und allergnädigste Verfügung gesicherten separaten. Organisation und in unserer Autonomie zu beschützen. Wonach wir unter dem Ausdruck unserer tiefen Unter - tanen-Huldigung und unserer aus tiefster Seele entspringenden Anhänglichkeit verbleiben Eurer Majestät ergebenste Diener, im Namen der Zentralkommission der ungarländischen autonomorthodoxen israelitischen Konfession: Adolf Frankl, m.x., Präses. Ludwig H a rt st e in, m.p., Beirat. Ein liberaler Graf. Aus Tremblowa in Galizien wird uns geschrieben: Der hiesige Großgrundbesitzer Graf Baworowsky, dessen ehrlicher Liberalismus in Galizien bekannt ist, hat in den letzten Tagen wieder bewiesen, daß er kernen Unterschied zwischen Nationalitäten und Konfessionen kennt. Graf Baworowsky spendete für arme Mittelschüler 3000 Kronen mit der ausdrücklichen Bestimmung. daß je 1000 Kronen für polnische, ruthenische und jüdische Studierende verwendet werden sollen. Bemerkenswert ist, daß Graf Baworosky anläßlich der letzten Reichsratswahl seine Kandidatur beim polnischen NatioNalrat angemeldet hatte, doch wurde seine Kandidatur von den Polen nicht bestätigt. Die Konfiftorialwahlen in Frankreich. Am 10. November haben in ganz Frankreich die Wahlen zum Konsistorium stattgefunden. Früher nahm die jüdische Bevölkerung Frankreichs nur in sehr geringem Maße Anteil an der Wahl; die diesjährigen Wahlen erlangten indessen durch den Umstand, daß sie die ersten Wahlen nach Erlaß des Trennungsgesetzes sind, erheblich größere Bedeutung. Früher bestand das Konsistorium aus insgesamt 12 Mitgliedern, einem für jede Provinz einschließlich Algier. Jetzt ist dieser Modus geändert worden. Nunmehr entsendet jede jüdische Gemeinde nach dem Verhältnis ihrer Stärke Delegierte ins Konsistorium, dem aber höchstens 200 Mitglieder angehören dürfen. Es ist klar, daß ein solches Parlament erheblich mehr Interesse erweckt, als die frühere aristokratische Körperschaft; diesmal war daher zum erstenmale auch ' so etwas wie ein Wahlkampf zu verspüren. Die meisten jüdischen Gemeinden Frankreichs haben sich dem Konsistorium unterworfen, nach dem Gesetz steht es ihnen bekanntlich frei, sich zu Kultusverbänden zusammenznschließen oder nicht. In Paris beteiligten sich an der Wahl nur 3221 Wähler, für eine so große Gemeinde eine verhältnismäßig geringe Zahl. Gewählt wurden Baron Gustave von Rothschild, Narcisse Leven, Henri Aron, Albert Levy, Masse, Rene Dreyfus, Helbronner, Eugen See und Alfred Neymarck. Für die neue „Reformbewegung" zeigt sich nirgends irgend welches Interesse. Die Stellung der zwei jüdischen Duma- Abgeordneten. Die dritte Duma weist bekanntlich nur zwei jüdische Abgeordnete auf und zwar den Libauer Deputierten Nisselowitsch und den Abgeordneten des Kownoer Gouvernements N. Friedman n. Herr Nisselowitsch hat sich in der Duma dem „Deutschen Klub" der baltischen Abgeordneten angeschlossen, in dem er allein die Opposition bildet, da der Klub sich auf Grund des Programmes der reaktionären Rechten konstituiert hat. Was die jüdischen Wähler Nisselowitsch' von ihm in der Duma erwarten, geht aus dem Begrüßungstelegramm hervor, das der genannte Abgeordnete am Tage der Dumaeröffnung aus Libau erhielt. Das Telegramm lautet: „Das Libauer jüdische Wahlkomitee begrüßt die Eröffnung der Duma und wünscht den besten Erfolg in der Arbeit zum Wohle Rußlands im Allgemeinen und in der Erreichung der vollen Gleichberechtigung für unser vielgeprüftes Volk im Besonderen."