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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-11-29 · 48 (29.11.1907) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
48 (29.11.1907)
Date
1907-11-29
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Nr. 48 Sette 8oo Dr. Mocb's Mocbenscdrltt. seiner thätigen Menschenliebe und des Patriotismus; durch rastlose Anstrengung zur Sammlung milder Beyträge, wozu er selbst mittelst einer ansehnlichen Summe den Impuls gab, vorzüglich aber durch selbsttätige Handanlegung bey der berühmten Anstalt zu Prag zur Labung und Linderung der Schmerzen jener bey Dresden und Culm verwundeten Krieger, wo Christen und Juden in so schönem Verein nach Einem edlen Zwecke strebten, *) ward in ihm der Keim eines Hebels gelegt, welches mehrere Wochen zerstörend auf ihn wirkte und dem er endlich unterlag.“ Er starb am 18. Dezember 1813. Heber seine Dichtungen s. Herrmann a. a. 0. 102 f. Er war ein Vetter des bekannten Prager Arztes Jonas Jeitteles. Hegen den Erlass Josets II., dass auch die Juden dienen sollten, protestierten die galizianischen Judengemeinden aus E’urcht, der Jude werde beim Militär seine religiösen Pflichten vernachlässigen müssen. Sie forderten die Gemeinde Triest auf, mit ihnen Hand in Hand zu gehen. Doch diese rühmt im Gegenteil den Monarchen, dass er seinen Juden das Recht, das Vaterland zu schützen, eingeräumt habe. („Voss. Zeitung“ vom 17. Aug. 1788 in der „Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland“, Bd. HI, S. 186.) Die „Voss. Zeitung“ vom 28. Mai 1789 berichtet über die Rede, die der Prager Oberrabbiner Ezechiel Landau in der dortigen Kaserne an 25 zum Militärfuhrwesen ausgehobene Juden gehalten hat. Die Rede giebt G. Wolf in der „Neuzeit“, Jahrg. VI (1866) wieder. Zum Andenken wurden an jene Rekruten Tabakspfeifen verteilt, die sich hie und da noch in den Familien forterben. Der Pfeifenkopf zeigt das Bildnis Ezechiel Landaus und die Umschrift: „Seyd Gott getreu und dem Kayser.“ Ezechiel Landau mahnt die israelitischen Soldaten zur Religion und Vaterlandsliebe, Monat Ijar 5549. In der „Voss. Zeitung“ vom 13. Juni 1789 (a. a. 0.) heisst es weiter: „Von den Juden, die in den kaiserlichen Armeen dienen, haben sich einige bereits durch ein sehr gutes Betragen ausgezeichnet. Der Prinz von Hohenlohe hat einen, der im vorigen Jahre bei den Szekler Husaren Dienste nahm, weil er vielen Mut zeigte, zum W achtmeister avanciert. Zwei andere, die bei ihren Regimentern schon Unteroffiziere waren, sind als Lieutenants bei dem Vukassowiehischen Freikorps angestellt worden.“ Weiteres s. bei Wolf: „Wie wurden die Juden in Oesterreich militärpflichtig? (Wiener Jahrbuch 1868, 8. 34 L). Unter Erzherzog Karl wurde verfügt, dass die Rubrik „Religion“ aus den Militärpässen wegbleiben solle. Heber den Leutnant Joachim Pollak s. Wiener Jahib?1855, 8. 236 ff. Daselbst Jahrgang 5615, 8. 16, heisst es: „Honig, welcher dem Erzherzog Carl auf dem Schlachtfelde das Leben rettete, wurde schon 1810 Leutnant und avancierte späterhin als Jude zum Hauptmann“ usw. Zum 'Schlüsse eine bisher übersehene Angabe: Verhandlungen der bayerischen Kammer der Abgeordneten im Jahre 1841 über die Verhältnisse der jüdischen Glaubensgenossen, Würz bürg, J. St. Richter, 8. 49. „Ich kenne Soldaten, die mit Wunden in Russland bedeckt worden sind; Soldaten, die viele Jahre des Lebens daran gesetzt haben, diese Pflicht des Staatsbürgers zu erfüllen.“ ImUebrigen siehe über Juden als Soldaten: G. Wolf, Ferdinand II. und die Juden, 8. 22, „Die Welt“ 1904 *) Vdrgi Vanihagen v. Eu.se, Bahel H, 124 ff. Nr. 10 und 11 und die Geschichte des Infanterie-Regiments Nr. 30, die unter anderem aus dem Jahre 1814 einen mit der silbernen Tapferkeitsmedaille dekorierten Korporal Aron Kares erwähnt. Korrespondenzen. Ein Notschrei ans Jerusalem. Die Redaktion Von Dr. Bloch's Wochenschrift erhielt am 24. November vom Oberrabbiner aus Jerusalem die nachfolgende Depesche: „De Jerusalem, 24./11. Die Teuerung der Lebensmittel ist entsetzlich, die Lage der Armen äußerst kritisch, die Aussichten für die Zukunft überaus traurig, rasche Geldhilfe unerläßlich. Getreide und Mehl jedoch vorzuziehen." Ausruf an unsere Glaubensbrüder! Am 27. November d. I ist an den Obmann des gefertigten Komitees ein Telegramm nachstehenden Inhaltes eingelaufen : Jerusalem den 27. November 1907. Teuerung Lebensmittel erschreckend, Lage Armer sehr kritisch, Zukunft äußerst traurig, rasche Abhilfe unerläßlich, Getreide, Mehl erwünscht. Oberrabbiner Panise l. Wir hoffen, daß diese Nachricht aus dem Heiligen Lande bei unseren Glaubensbrüdern nicht ungehört Verhallen werde, und bitten, milde Gaben an das gefertigte Komitee zu Händen des Herrn D. K o h n, I., Zelinkagasse Nr. 11‘- (Postsparkassen- Konto 83289) gelangen zu lassen. DasKomitee zur Entgegennahme von Liebesgaben für die Armen der österreichisch-ungarischen Gemeinden im Heiligen Lande: Oberrabbiner Dr. M. G ü d e m a n n. Dr. Alfred Berger. D. K o h n. Leopold Bauer. In der Vollkraft seines Schaffens, im blühenden Mannesalter hat ein unerbittliches Geschick den Angesehenen Großindustriellen Leopold Bauer dahingerafft. Vorzeitig und unerwartet trat der Tod an ihn heran und Keiner, der ihn noch vor wenigen Tagen gesehen, konnte ahnen, daß diese kraftstrotzende Natur schon den Keim des Todes in sich barg. Leopold Bauer war ein Mann, der sich die Erfolge seines Lebens gleichsam mit eigener Hand geschmiedet; aus kleinen Anfängen, mit den bescheidensten Mitteln, hat er aus eigener Kraft, durch Tüchtigkeit, Arbeitsamkeit und zähe Ausdauer sich zu einem der größten Industriellen unseres Reiches emporgeschwungen, sein Unternehmen zu einem der bedeutendsten und angesehensten zu gestalten gewußt. Als glücklicher Besitzender hat er aber von seinem Wohlstände den edelsten Gebrauch gemacht; er war ein Förderer aller gemeinnützigen und humanitären Bestrebungen unserer Glaubensgenossen, ein herzensguter, edler Mensch. Dem Mariahilfer Tempelverein, dem er durch ein Dezennium als Vorstandsmitglied angehörte, bedeutet sein Heimgang ein unersetzlicher Verlust und zahlreiche andere Korporationen trauern um einen unermüdlichen, pflichtgetreuen, allzeit opferwilligen Mitarbeiter. Sonntag vormittags wurden seine sterblichen Reste zu Grabe geleitet; es war eine Trauerfeier, würdig des Toten, erhebend durch die Zahl und die gesellschaftliche Stellung der Leidtragenden, die eine Auslese der vornehmsten Berufskreise aufwies. In der Zeremonienhalle des Friedhofes fungierte' Herr Oberkantor Dünmann in ergreifender Weise, worauf Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. T a g l i ch t in großen

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