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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-11-29 · 48 (29.11.1907) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
48 (29.11.1907)
Date
1907-11-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 796 Nr. 48 Dr. Llocb's MocbensebrtN. Colorado vertritt die Interessen der Familie im Westen. William beschäftigt sich momentan nicht aktiv mit den Geschäften; bis vor kurzer Zeit war er der aktive Leiter der Mexikanischen Geschäfte. Von dem Umfang der Guggenheim'schen Betriebe erhält man einen Begriff, wenn man erfährt, daß die „Amerika« Smelting and Refining Company" ein Stammkapital von 100 Millionen, die „Guggenheim Exploration Company" 25 Millionen, die „American Smelters Securities Comp." 47 Millionen Prioritäts- und 30 Millionen Dollars gewöhnliche voll eingezahlte Aktien besitzen. In diesen drei Gesellschaften besitzen die Guggenheims die Majorität der Aktien. Außerdem sind sie in der Direktion von zehn anderen, großen Minenunternehmungen, deren Geschäfte sich bis auf den Congodistrikt in Afrika erstrecken, vertreten. Jüdische Frauen i« Uem Mark. Von Frances Maule Bjorkman-New-Iork. Es wäre intereffant, zu erfahren, ob die New-Iorker im Allgemeinen wiffeü, daß ein großer Teil der Frauen, die an der Spitze des öffentlichen Lebens stehen, dem Judentume entstammen. Nehmen wir welches Tätigkeitsgebiet immer — Kunst, Literatur, Musik, Schauspielkunst, Wohltätigkeit, Erziehung, Industrie, Sport — nehmen wir die bestehenden sozialen Bewegungen und wir finden überall unter den Frauen, die an der Spitze stehen, eine bedeutende Anzahl hervorragender jüdischer Frauen. Zumindest die vier wichtigsten Bewegungen, welche in den letzten Jahren in New-Iork entstanden, sind von jüdischen Frauen ins Leben gerufen worden und die Fortschritte vieler anderer sind hauptsächlich ihrer Mitarbeit, ihrem Einflüsse oder ihrem Wohltätigkeitssinne zu danken. In der Kunst nehmen sie eine nicht minder, hervorragende Stellung ein. Rosalia Loew Whitney, Mitglied des Rates der „Leg^l aid society" (Allgemeiner Rechtsschutz), wird allgemein als die Initiatorin dieser Organisation anerkannt, deren segensreiche Wirksamkeit in New-Iork heute schon unentbehrlich geworden. Frau Emilia M. B u l o w a gilt als die bedeutendste Advokatin. Mirjam M i ch e l s o n, eine glänzende noch junge Journalistin und Novellistin, die aus dem Westen nach New-Iork kam, hat sich unter den gegenwärtigen Dichtern einen Ehrenplatz errungen. Auch Anette K o h n zählt zu den gefeierten Dichterinnen Amerikas. Martha Morton — den Intimeren als Mrs. Herman C o n h e i« bekannt — verfaßte schon als junges Mädchen einige viel beachtete Dramen, deren manche preisgekrönt sind. Der Agitation der Mrs. Annie Nathan-Meyer ist die Entstehung des „Barnard College" zu verdanken. Katharina M. Cohen nimmt unter den weiblichen Bildhauern den ersten Platz ein und Rebekka Mahler, Adelina Oppenheim und Florence I. Schönfeld zählen zu den bedeutendsten Malerinnen. Unter den weiblichen Musikern ist Jeanne Franko — ihr wirklicher Name ist Krämer — die hervorragendste. Des einzigen Erfolges im Theater während der letzten zwei Saisons kann sich Madame Bertha K a l i s ch, eine galizische Jüdin, rühmen, deren Uebertritt von der Iiddisch- Bühne zur englischen sensationell gewirkt hat. Frau Kalisch, gehörte lange Zeit verschiedenen jüdischen Theatern des East- End an und hat niemals englisch gesprochen. Heute ist sie der Star der ersten englischen Bühne von New-Iork. Madame Alla Nazimova, „eine feurige junge Russin", die als die Repräsentantin der reinen slavischen Kunst gefeiert wird, ist eine ruffische Jüdin. Auf dem Gebiete des Sports, besonders der Pferdezucht, ist die resolute Witwe des verstorbenen Finanziers Adolf Ladenburg, Mrs. Emily Ladenburg, unübertroffen. Es gibt in der Tat kein Gebiet weiblicher Betätigung, das nicht jüdische Namen aufweisen würde, die in jeder New-Iorker Familie geläufig sind. Hier ist z. B. Rose Harriet P a st o r, eine junge russische Jüdin, die mit acht Jahren in einer Schwitzbude im East-End durch Anfertigung von Pantoffelsohlen ihr Leben ftisten mußte, in den kurzen Abenden studierte, Gedichte träumte und über ein neues philosophisches System grübelte, während sie in einer Tabakfabrik Zigarren drehte, und die dann schließlich, wie eine zum Leben erweckte Prinzessin im Märchen, einen Prinzen in Gestalt eines jungen amerikanischen Millionärs mit sozialistischen Neigungen heiratete. Schon lange hatte New-Dork nicht Gelegenheit, sich mit einer so echt romantischen Liebesaffaire zu beschäftigen, wie die Heirat der Rose Harriet Pastor mit dem jungen I. G. Phelps Stokes. Als sie sich kennen lernten, hatte Rose eben die Fabriksarbeit aufgegeben und erhielt sich und ihre Familie durch literarische Beiträge, welche sie jüdischen Blättern lieferte. Ihr Schriststellername „Zelda" ging bald im Ghetto von Mund zu Mund. Außer der ständigen Rubrik „dust among onrselves, girls“ (Wir Mädchen unter uns), welche sie mit den „Jewish Daily News“ redigierte, lieferte sie Gedichte, Skizzen, Erzählungen und ernste Artikel über wirtschaftliche Arbeiten und soziale Fragen. Ihr ererbtes Naturell als russische Jüdin, das grausame und unmenschliche Schwitzen, das sie als Kind durchzumachen hatte, ihr Leben in der Tabakfabrik drängten sie so sehr, ihre Aufmerksamkeit auf die Ungerechtigkeiten des großindustriellen Systems zu konzentrieren, daß sie schließlich eine aktive, kämpfende Sozialistin wurde. James G. Phelps Stokes. der auf dem University-Settlement wohnte und sich der Aufklärungsarbeit unter der armen Ghettobevölkerung widmete, traf oft zusammen mit dem bleichen, hageren, jungen jüdischen Mädchen mit dem großen, glänzenden braunen Augen und dem geistvollen Gesichte und dem dichten goldbraunen Haare, sah, wie sie unter der armen Volksmasse sich bewegte, ihre Wünsche und Klagen anhörte, für die Kranken sorgte und sie alle mit dem Herannahen einer besseren Zeit vertröstete. Zwei Jahre sind verflossen, seitdem dieses seltsame Paar, in so romanhafter Weise zusammengebracht, sich zum ewigen Bunde vereinigte, mit der eingestandenen Absicht, ihre segensreiche Arbeit für das bedrückte Volk gemeinsam fortzusetzen. Und sie find sich beide gleich geblieben. Das Humanitätsgefühl, das Rose Harriet Pastor als Fabriksmädel aus dem Ghetto erfüllt hatte, ist zu einer lodernden Flamme angewachsen, seitdem sie Mrs. I. G. Phelps Stokes geworden und über Millionen verfügt. Obgleich sie die Besitzerin eines Palais in der Fifth Avenue sein könnte und obgleich ein prachtvolles Landschloß im Sound (zwischen Seeland und Schweden) auf seine Herrin wartet, zieht sie es dennoch vor, ein Stockwerk in einem einfachen Eastend-Hause zu bewohnen, um nur immer unter ihrem geliebten Volke sein zu können. Sie hat ihre Arbeit unter ihren alten Freunden niemals unterbrochen und pflegt in Gesellschaft ihres Mannes in ihre Versammlungen zu gehen und dort, belehrende Vorträge zu halten. Vor einigen Monaten waren die New-Gorker Blätter voll mit humoristischen Artikeln gegen die sogenannte ,.Antinoire cruisade“ (Feldzug gegen den Straßenlärm). Diese Bewegung, die durch die Jüdin Mrs. Jsaac A. Rice in Szene gesetzt wurde, wurde auch durch das Publikum anfangs mehr oder weniger als Scherz behandelt, aber bald hatten die kommunalen Behörden den Ernst der Frage erkannt und auf Grund eingehenden Studiums wurden Gesetze betreffend die Benützung von Pfeifen und Signalglocken der Lökaldampfer erlassen, und heute besteht bereits eine große, sämtliche Gesellschaftsschichten der Stadt umfassende Organisation, welche die Abstellung des Straßenlärms, besonders in der Nähe von Spitälern anstrebt. Eine andere rasch populär gewordene Bewegung, deren Initiatorin eine hochherzige Jüdin ist, hat den Zweck, augenkranken Kindern freie ärztliche Behandlung und die Beistellung von Gratisaugengläsern zu gewähren. Miß Julia R i ch m a n, Kreisschulinspektorin, war die erste, die in Zeitungsartikeln und Versammlungsreden darauf hinwies, daß man von Kindern, die kurzsichtig sind, keine guten Fortschritte in der Schule erwarten könne. Ihrer unermüdlichen Agitation ist es zu verdanken, daß jetzt daran geschritten wird, in den New-Iorker Schulen eine systematische ärztliche Inspektion einzuführen. Miß Richman genießt auch sonst den Ruf einer hervorragenden Pädagogin.

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