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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-11-22 · 47 (22.11.1907) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
47 (22.11.1907)
Date
1907-11-22
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 47 Dr Ltocd's Mscvenscvrttr. Sette 789 Eines Abends kam er von seinen Krankenvisiten" nach Hause und sand sein Kind mit fiebergerötetem Antlitze in seimm Bettchen liegen, der stiere Blick irrte wie hilfesuchend im Zimmer umher; die Wärterin war am Fußende des Bettes eingeschlafen. Sie fuhr erschreckt in die Höhe, als sie Tritte im Kinderzimmer. hörte. „Wo ist meine Frau," fragte Dr. Rosen, „die gnädige Frau war vor einer Stunde hier und zum Theaterbesuche angekleidet, sie meinte, das Kind wäre nur von einer rasch vorübergehenden Indisposition befallen, und wenn der Herr Doktor nach Hause käme, werde er schon nach dem rechten sehen und falls cs dann noch nötig sein sollte, Anordnungen treffen." Harry war über diese Gefühllosigkeit entsetzt und doch hatte Pia ein warmes fühlendes Herz, dieses wurde aber von der Sucht, sich zu vergnügen, übertönt. Harry machte seiner Gattin keine Vorwürfe, aber der Stachel saß in seinem Innersten und seine Neigung zu Pia begann zu erkalten. Pia schien das gar nicht zu bemerken, sie ging nach wie vor ihrem Vergnügen nach. Zwei Monate nach diesem Vorgänge erkrankte Pia plötzlich, Harry war auswärts als Consiliarius beschäftigt und konnte vor Abend nicht zurückkehren. Die Schmerzen wurden immer intensiver und so blieb nichts anderes übrig, als einen Arzt herbeizuholen; Dr. Voigt erschien im Krankenjimnier. Dr. Voigt konstatierte einen Kolikanfall, ordnete beruhigende Mittel an und verweilte am Krankenbette, bis die Schmerzen behoben waren. Dr. Voigt, ein Studiengeuosse ihres Gatten, entpuppte sich als angenehmer Causeur und als er nach zwei Stunden das Krankenzimmer verließ, hatte Pia die Genugtuung, daß sich die Zahl ihrer Verehrer und Bewunderer um einen vermehrte, und dafür — so sagte sie sich — konnte sie schon das bischen Schmerzen in den Kauf nehmen. Pia traf nun mit Dr. Voigt in Gesellschaften und auf ihren Spaziergängen zusammen und stets war er bereit, sich vor ihren Huldigungswagen zu spannen. Mit der Zeit entspann sich ein Freundschaftsverhältnis, welches bald andere Formen annehmen sollte. Die Gesellschaft begann bereits über Pia Rosen abfällig zu sprechen; nur Dr. Rosem der jede Gesellschaft vorsätzlich mied, merkte nichts. Es war auf einem einsamen Spaziergange, als Doktor Voigt an Pia die Frage stellte, was ans jener Dame geworden, bei deren Mutter Dr. Rosen als Studiosus der Medizin wohnte; wie er sich zu erinnern wisse, hat sie Frieda Reich geheißen und Harry Rosen galt als deren erklärter Verlobter. Die Verlobung sollte nach den abgelegten Rigorosen veröffentlicht werden. Der Stachel saß tief. Also eine Braut hatte Harry, davon hat er nie eine Erwähnung gemacht. Es war das Gespenst der unerfüllten Liebe, das sich zwischen sie drängte. Mit dem Gedanken an eine Dritte ist er vielleicht in die Ehe getreten. Er beging also einen fortwährenden Ehebruch, einen Ehebruch, den das Gesetz erlaubt, der von der Religion eingesegnet war. Ja, diese Dritte raubt mir seine Zärtlichkeit, raubt sie mir im Geiste für Sekunden. Und wer weiß, ob ich sie je besessen, ob seine Liebe nicht stets der Dritten gegolten. Mit der Liebe zu einer anderen im Herzen, hat er mich heimgeführt, und das ist nach jüdischem Rechte Ehebruch. Als Harry am Abend heimkehrte, war die erste Frage, die Pia an ihn richtete, was aus Frieda Reich, seiner ehemaligen Braut, geworden sei. Harry wurde verlegen, faßte sich aber bald und schilderte ihr sein reines, lauteres Verhältnis mit Frieda; daß es durch Differenzen rein religiöser Natur'zum Bruche kam, daß er aber seit dieser Zeit von Frieda nichts mehr gehört, sie wäre verschollen. „Seit dem Bruche mit Frieda waren Jahre vergangen, als ich Dich heimführte, ihr Bild war in meinem Herzen verwischt; die Zeit heilt ja alle Wunden und was in meinem Herzen lebt, ist nicht einmal Erinnerung an die schönen Tage der reinen Jugendliebe, es ist nur ein Gefühl der Hochachtung für die Ueberzeugungstreue und Glaubensstärke, die sie bekundete. Meine religiösen Anschauungen haben sich nicht geändert, ich stehe heute wie damals aus dein Standpunkt des Unglaubens und der Negierung jeder positiven Religion, nichts destoweuiger habe ich vor jeder ehrlichen religiösen Ueberzeugung die größte Hochachtung." Diese mit vieler Wärme gesprochenen Worte machten auf Pia nicht den Eindruck, den sie bezweckten. Ja, er sprach von Frieda mit so viel Wärme, mit so viel Hochachtung, daß er ihr Bild noch immer im Herzen tragen müsse. Er hat Frieda noch immer nicht vergessen; sie stand stets zwischen uns, dieser Gedanke verließ sie nicht mehr, verwirrte ihre Sinne, brachte ihren Geist in Aufregung. Auch die Tugend kann zur Gewohnheit werden, oder wenigstens allen Reiz verlieren, so daß sie Gewohnheit scheint. Wer weiter in ihr verbleibt, hat kein großes Verdienst mehr, wer ihr wieder untreu wird, hat keinen großen Widerstand zu brechen. Auch Pias Tugend war mehr Gewohnheit als tiefer sittlicher Ernst und Dr. Voigt hatte keinen allzugroßen Widerstand zu besiegen. Pia in ihrer schrankenlosen Genußsucht ließ sich von Dr. Voigt zur Flucht überreden und die Wärterin ihres Kindes leistete ihr dabei Vorschub. Sie hatte immer über größere Barschaften zu verfügen, diese sowie alle ihre Wertgegenstände übergab sie Dr. Voigt, zu ihm ließ sie auch Kleidungsstücke und Wäsche schaffen und während ihr Gatte sie auf einem Balle wähnte, suchte sie mit ihrem Galan das Weite. (Fortsetzung folgt.) Nene Bücher. Prof. Dr. Adolf Brach, Rabbiner und Prediger in Brüx. Zur Erinnerung an den 700jährigen Todestag des jüdischen Geisteshelden Moses Maimonides. Vierte Auflage. Preis 40 Heller. Verlag von Julius Ach in Brüx. Durch jede Buchhandlung zu beziehen. Diese Schrift haben wir bereits besprochen. Die vierte Auflage wird vom Verfasser mit folgendem Vorwort einbegleitet: „Die anerkennende Besprechung, die Herr Dr. D. Feuchtw a n g, Rabbiner in Wien, der 3. Auflage vorliegender Schrift in der „Neuen Freien Presse" vom 2. September 1906 widmet (Vgl. Seite 16), schließt mit den Worten: „Biachs Schrift sei namentlich der Jugend wärmstens empfohlen". So sehr auch die gut gemeinte Empfehlung an die Jugend der Verbreitung meiner Schrift förderlich sein könnte, so halte ich es doch, um Mißverständniffen vorzubeugen, für meine Pflicht, hervorzuheben, daß ich bei Abfassung dieser populär-wissenschaftlichen Volksschrift vor allem die jüdische Intelligenz, die Hochschuljugend, dann auch die obersten Klassen der Gymnasien und Realschulen im Auge hatte. Volks- und Bürgerschülern, auch Schülern des Untergymnafiums und der Unterrealschulen fehlen die nötigen Vorkenntnisse zum Verständnisse dieser Schrift. Jedenfalls sei Herrn Dr. F e u ch t w a n g der innigste Dank für feine freundliche Rezension ausgesprochen. Vorliegende 4. Auflage ist ein unveränderter Abdruck der 3. Auflage. Etwaige Anregungen aus Fach- oder Laienkreisen werde ich gerne berücksichtigen, wenn vorliegende Auflage ebenso freundliche Aufnahme wie die früheren finden wird. Brüx, im November 1906. Der Verfasser.

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