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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-11-22 · 47 (22.11.1907) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
47 (22.11.1907)
Date
1907-11-22
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 788 Dr. Mocd's MocvenscdrM. Nr. 47 und Versorgung des dermaligen Standes von über 800 Zöglingen erfordern, haben den Vorstand des genannten Vereines zu dem Beschlüsse genötigt, die Aufnahme von Knaben während der Monate Dezember und Jänner zu sistieren. Graz. In der Nacht vom 1. auf dem 2. d. M. wurde das Kasselokal der hiesigen Kultusgemeinde erbrochen, die eiserne Wertheimkafse angebohrt und wurden folgende Effekten aus derselben gestohlen: Ein Va 1860er Los, Serie 19.060/4; ein Vs 1864er Los, Serie 1722/69; eine Staatsrente Nr. 384.546. Der Verdacht fiel auf einen jungen Mann, der tagszuvor in der Kanzlei um Almosen ansprach und angab, von Lemberg nach Triest reifen zu wollen, um dort eine Stelle anzutreten. Es wird hier gerichtlich nach dem, der Polizei bekannten Einbrecher gefahndet. Nachdem derselbe, wie es den Anschein hat, es zunächst auf die jüdischen Amtskassen abgesehen hat und sich dort als Bittender vorstellt, so glauben wir gut zu tun, die Kultusgemeinden vor diesem gemeingefährlichen Individuum hierdurch warnen zu müssen. Bür-Szt. - Miklös (Preßburger Komitat). Unlängst verschied hierorts der Senior der hiesigen israelitischen Kultusgemeindc Herr Simon Katz im 85. Lebensjahre; der Betreffende war ein sehr gottesfürchtiger, gastfreundlicher Mann. Biele Juden, auch viele Christen gaben dem edlen Verklärten das Geleite auf den israelitischen Gottesacker. Am offenen Grabe widmete der Gelehrte, Herr Ignatz Neubauer aus Malaczka dem teueren Tobten warme, herzliche, innige Abschiedsworte. Herr Neubauer sprach aufrichtige und gut gemeinte Worte; der Redner bekundete ein profundes und tiefes hebräisches Wissen; kein Auge blieb trocken während dieser ergreifenden Nachrede. Das Andenken des Herrn Simon Katz sei gesegnet für alle Zeiten. Er ruhe in Frieden. Falkeuau a. Eg. Fräulein Flora P o l l a k, Tochter des Herrn Karl Pollak, Fabrikant, Tempelvorsteher rc., hat sich mit Herrn JUC. Arthur Mohr, k. k. Firranz-Konzeptspraktikant in Salzburg, verlobt. Der Verein der jüdischen Hochschüler „Bar Kochba" in Prag feiert am t8. Jänner 1908 das Fest seines 30semestrigen Bestandes Da bei diesem Anlässe eine Zusammenkunft aller ehemaligen Mitglieder beabsichtigt wird, ersuchen wir hiemit alle Alte Herren und alle ehemaligen Bundesbriider des Studentenvereines „Makkabäa", des Vereines der jüdischen Hochschüler, sowie des Vereines der jüdischen Hochschüler ..Bar Kochba" in Prag, ihre derzeitigen Adressen dem gefertigten Festausschuß in kürzester Zeit bekanntgeben zu wollen. DerFestausschußdesVereines „Bar Kochba" Prag, Elisabethstraße 6. Preßburg. Unsere hiesige orthodoxe Jsraelitengemeinde hat durch den Tod eines 'ihrer ältesten und hochachtbarsten Mitglieder einen sehr herben Verlust erlitten. Es ist dies Herr Sigmund Steiner, Senior-Ehef der gleichnamigen Verlagsbuchhandlung, welcher in der letzten Oktoberwoche im hohen Alter von 87 Jahren aus dem Leben geschieden ist. Herr Sigmund Steiner,, ausgezeichnet durch vielseitige Geistesbildung und seinen vorzüglichen bescheidenen Charakter, war eine der markantesten Persönlichkeiten in unserer Stadt, welche von Jung und Alt, von Juden und Christen gekannt und hochverehrt war. Sein ganzes Leben war eine ununterbrochene Kette der emsigsten Arbeit und unablässigster Selbstausbildung, die er sich trotz seiner Erblindung, mit der er fast ein halbes Lebensalter zu kämpfen hatte, auf dem Vermittlungswege durch zweite Hand in sehr reichem Maße anzueignen unausgesetzt bemüht war. Er war so recht der Typus jenes biedermännischen, strengreligiösen, konservativen Judentums ans dem Vormärz, welches jüdisches und profanes Wissen, hebräische u".d fremdsprachliche Literatur zu vereinigen wußte, was ihn auch in den Stand setzte,.die von ihm ursprünglich hier errichtete Leihbibliolhek nach und nach zu einer der angesehensten und renommiertesten Buch- und Musikalienhandlung zu erweitern und auszugestalten. Er war und blieb ein treues Mitglied unserer Gemeinde und beteiligte sich lebhaft und mit ganzer Hingabe an und für die gute Sache bei allen humanitären und kulturellen Institutionen, über welche wir hier verfügen. Möge sein Andenken zum Segen sein! — ss— Amsterdam. Prof. I. Oppenheim in Leyden, der dem Kuratorium des hiesigen Rabbiner-Seminars angehört, ist zum Mitglied des Staatsrates ernannt worden. Feuilleton. Der Kaalleschmiroh. Von Dr. F. Richard H e i n s ch e l. (Fortsetzung.) Da wollte er es in die Menge hiueinrufen, nicht das Studium der mündlichen Lehre, nein, ich bin der Mörder meines Vaters, doch eine wohltätige Ohnmacht umfing ihn, und als er aus ihr erwachte, ging er wochenlang wie im Traume umher. Sechs Monate später begruben sie auch seine Mutter. In den ersten Monaten war die Trauer Harrys so dumpf und schwer, daß er glaubte, dem Wahnsinn zu verfallen — und war er nicht von einer Wahnvorstellung befallen, daß er sich für deu Mörder seines Vaters hieU? Doch die Jngendkraft und die Vernunft siegte. Er fand an stiuem Berufe, der ihn seit der glücklichen Kur bei Pia, immer weitere Kreise eröffnete, immer mehr Hilfesuchende brachte, Gefallen, und bei seiner Pflichttreue und dem sittlichen Ernst, mit welchem er diesen ausübte, gebrach es ihm an Zeit, an sich selbst zu denken. Zum Vergessen an sein schweres Herzleid, trug das heitere Wesen seiner Braut auch nicht wenig bei. So oft es sein Beruf erlaubte, weilte er in ihrer Nähe, und es gelang ihr immer die Sorgenfalte von seiner Stirne zu scheuchen. Nach Ablauf des Trauerjahres führte er Pia heim. Josef Bergmann überließ dem jungen Ehepaare, die herrlich gelegene Villa, er selbst zog sich in sein Stadthaus zurück. Es war ein ruhiges Glück, welches Pia an der Seite Harrys genoß. Sie hatte alle Freiheiten, einen Mann, der ihr keinen Wunsch versagte, und der Umstand, daß sie im Hause ihres Gatten jedem religiösen Zwange und allen Einschränkungen, die das Judentum seinen Bekennern auferlegte, enthoben war, trug nicht wenig zu ihrem Glücke bei. Im Hause ihres Vaters wurde dem traditionellen Judentum noch strenge Rechnung getragen, bei ihrem Hange zum Genußleben trugen diese Einschränkungen zum Verleiden ihres Daseins nicht wenig bei; nun war sie davon enthoben. Daß ihr Vater von dieser unjüdischen Haussühruug schmerzlich berührt war, an ihrem Tische keinen Bissen genoß, ja es säst gänzlich mied, war ihr zwar unlieb, aber sie wollte ihre Bequemlichkeit und ihren Wunsch, zu genießen, nicht in den Kauf geben und wählte von zwei Uebeln — wie sie zu sagen pflegt — das für sie angenehmere. Harry hatte für seine Frau nur wenig Zeit, sein Beruf nahm ihn oft bis spät in die Nacht hinein in An-, spruch, und er war froh, daß seine Frau an allerlei Sport und Vergnügen Zeitvertreib fand und sich das Leben so angenehm wie möglich machte. Sie ritt, jagte, besuchte Theater und Konzerte, der Zuschuß des Vaters und ihres Gatten, ein nicht unerhebliches Einkommen, gestatteten ihr jeden Luxus. Die Geburt einer Tochter nach zweijähriger Ehe, der Harry den Namen seiner Mutter, Rut, beilegte, blieb Pia kein langes Hindernis in ihrer Vergnügungssucht, eine tüchtige Wärterin und eine pflichttreue Amme sorgten für das Kind vortrefflich. Harry widmete dem Kinde, das er wie seinen Augapfel hütete, jede freie Minute. Wie kein menschliches Glück ungetrübt, so fiel auch mancher dunkle Schatten auf das Eheglück Harrys und Pias. Und dort, wo nicht die sittliche Kraft vorhanden, es festzuhalten, es zurück zu erobern, entschwindet es gänzlich. Harry empfand es schmerzlich, daß seine Gattin um das Wohl der kleinen Nut so wenig besorgt war, sie überließ das Kind bezahlten Dienern, auch zu Zeiten, wo es der mütterlichen Pflege bedurfte.

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