Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 47 (22.11.1907)
- Date
- 1907-11-22
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 782 Sr. JBiocö s Mlocbensevritt. Sir. 47 lautem Beifall sofort geschah. Hierauf begann die Beteilung der 50 anwesenden Kinder, welche durchschnittlich vom Fuß bis zum Kopf mit guten und praktischen Winterkleidern ausgestattet wurden. Als Gründerinnen des Vereines sind im Rechenschaftsberichte notiert, die Damen: Bamberger Emma, Blaßkopf Anna, Drechsler Mina, Dub Emma, Frankfurter Jeanette v., Frankl Rosa, Fuchs Regine, G r o a g Charlotte, H o f m a n n Karoline, I a c o b y Therese, Lichtblau Berta, Lichtblau Charlotte, Lichtblau Marie, Lichten st ein Julie, Mandler Karoline, Ostersetzer Marie, Schaffer Johanna, Singer Regine, Spitzer Leonore, Spitzer Marie, Stärk Elise, Dr., Stieglitz Berta, Dr., Weiß Berta, Tempelverein (Wieden und Margareten). Die Amtstracht der jüdischen TempelfunMonäre. Sehr geehrter Herr Redakteur! Die ausgezeichnete Rede, die unser hochverehrter Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann anläßlich der Talmud-Thoraschuleinweihuug gehalten, und mit dem trefflichen Sprichwörter „Kleider machen Leute" eingeleitet hatte, bietet mir Anlaß eine nicht ganz unwichtige Angelegenheit öffentlich zur Sprache zu bringen. Nicht nur beim Menschen urteilt man nach der Kleidung auf sein inneres Wesen! — auch bei den unterschiedlichen öffentlichen Bauten zieht man Schlüffe auf die Fortschritte der Bevölkerung. Dies hat einer lange in mir schlummernden Frage zum Ausdrucke verholfen, warum unsere Herren Funktionäre nicht auch ihre Amtskleidung der Würde und dem Range entsprechend verbeffern ließen? So wie man früher von einfachen Leuten in einen armseligen Zimmer die Andacht verrichten ließ, so hat mau heute prächtige Tempelbauten mit intelligenten, gebildeten Seelsorgern, mit Chor und Orgelbegleitung. Die ehrwürdigen Herren Rabbiner, die nach streng orthodoxen Observanzen kein deutsches Buch lesen durften, sind heute Promovierte Doktoren der Philosophie, die Herren Kantoren sind absolvierte Konservatoristen, nur die Amtskleidung hielt mit dem Zeitgeiste nicht Schritt. Ich spreche dies nicht allein vom fachmännischen Standpunkte als langjähriger Lieferant vieler Kultusgemeinden, sondern vor Allem von ästhetischen Standpunkt aus. Wir haben heute Funktionäre, die unserer Religionsgenossenschaft alle Ehre machen — sollen die nicht auch mit der Amtskleidung würdig repräsentiert sein? Einem Gerichtsfunktionär oder einem Feldmarschall bezeugt man im einfachen Kleide gewiß nicht die Achtung und Referenz — als erst durch die Distinktion an seiner Uniform und somit auch den gebührenden Respekt. Ist denn irgendwo gesagt, daß der das Amt versieht, kein entsprechend vornehm dezentes Kleid tragen darf? Soll die Würde unserer Seelsorger nicht auch äußerlich distinguiert sein? Tritt hier nicht mit einem besonders starken Ton die Maxime auf: Kleider machenLeute? Warum sollen unsere ausgezeichneten Männer noch immer in dem einfachen Habit den Gottesdienst versehen? Warum darf nur Tallis und Proches ein kostbarer Schmuck sein — Ich bitte Sie, hochgeehrter Herr Redakteur, diese Zeilen der Oeffentlichkeit zuzuführen und die beteiligten Kreise zur Diskussion in Ihrem geschätzten Blatte aufzurusen. Ich bin sicher, daß meine Anregung selbst bei den gefetzestreuen Glaubensgenossen Beifall finden wird, alle werden es umi entsprechend finden, wenn unsere Seelsorger bei ihren öffentlichen Funktionen (als Hochzeiten und Leichenbegängnissen) in vornehmer dezenter Kleidung erscheinen. In der Art, wie diese Herren würdevoll erscheinen, ehren sie ihr Ami und uns selbst wie Kohan ha Godol anno dazumal. Meine Londoner Ausstellungstalare haben überall, wie mir unparteiisch sowohl Juden und Christen, insbesondere auch Fachleute, bestätigten, großartig gefallen; gelegentlich einer Ausstellung vor dem verehelichen Plenum der israelitischen Kultusgemeinde hat man mir den Beifall nicht versagt — aber — es gilt, dieser Erkenntnis gemäß die Einrichtung zu schaffen. Mit vorzüglicher Hochachtung Rudolf Goldstein. Ein neuer galizischer Hilfsverein. Ju Kolomea wurde dieser Tage ein neuer „Hilfsverein für galizische Juden" ins Leben gerufen. Die Statuten des Vereines find von der Statthalterei bereits genehmigt worden. Die Gründer des Vereines gingen von dem Standpunkte aus, daß den Juden Galiziens nur in Galizien selbst geholfen werden könne und daß ein Hilfsverein, der den galizischen Juden Nutzen bringen soll, in Galizien selbst seinen Sitz haben und von galizischen Juden, denen die Verhältnisse des Landes genau bekannt sind, geleitet werden müsse. Auch sind die Proponenten der Ansicht, vaß die ersten Fonds in Galizien selbst aufgebracht werden müssen, und es sei kein Zweifel, daß wenn der Verein ernste Arbeit leisten werde, für konkrete Vorschläge auch die reichen Juden des Auslandes sich zugänglich zeigen werden. In dem Aufrufe, den die Gründer des neuen Hilfsvereines versenden, sind die folgenden Arbeiten als die nächsten Ziele des Vereines angegeben: 1. Sammlung genauer statistischer Daten über jeden einzelnen Juden in Galizien. Es soll die Lage jeder einzelnen jüdischen Familie, besonders aber die Arbeitsfähigkeit und Fertigkeit jedes einzelnen Familienmitgliedes, sowie deren Gesundheitszustand genau festgestellt werden. Die Kenntnis dieser Einzelheiten erscheint unerläßlich, bevor man überhaupt zu einer positiven Arbeit schreitet. Auf Grund dieser Statistik hoffen die Gründer sowohl Ursache und Grad der jüdischen Armut genau kennen zu lernen, als auch in der Lage zu sein, die zweckdienlichsten Mittel zur Behebung derselben anzugeben. 2. Organisierung der jüdischen Arbeitsvermittlung im ganzen Lande. Bisher pflegte der Jude einer kleinen Stadt, der arbeitslos war, auszuziehen und planlos zu wandern, bis er Arbeit fand. Glückte es ihm, Arbeit irgend wo zu finden, so lange der kleine Barvorrat, den er vom Hause mitnahm, nicht erschöpft war, so war das Uebel nicht so groß. Gingen aber die geringen Geldmittel aus, ehe er Arbeit fand, so begann er unter dem Vorwände, auf der Arbeitssuche zu sein, seine Glaubensgenossen um Unterstützung auzugehen und allmälig ward er dann zum Professionsbettler, der für eine Arbeit nicht mehr zu haben war. Hunderte solcher Bettler leben jetzt in Galizien, die niemals so tief gefallen wären, wenn sie seinerzeit, als sie auszogcn, Arbeit zu suchen, ein bestimmtes Ziel gehabt hätten, wo sie auch wirklich hätten ihren Fähigkeiten entsprechende Arbeit finden können. Ueberall bestehen bereits solche Arbeitsvermittlungen für Juden, nur nicht in Galizien. Der Verein will auch die Hausindustrie fördern und den Absatz der fertigen Ware erleichtern. 3. Die Errichtung von Gewerbeschulen für alle Handwerke, in denen die Zöglinge einen dem Leben der galizischen Juden angcpaßten Unterricht genießen sollen. (Besonders soll auf das religiöse Leben der Schüler Rücksicht genommen werden.) Den Schülern soll morgens und abends soviel Zeit übrig bleiben, um dem Thorastudium obliegen zu können. 4. Die Errichtung von Wohlfahrtsanstalten in jeder galizischen Stadt, damit das körper- und seelenverderbende Schnorrerwesen im Lande allmälig ein Ende nehme. Der Verein soll wenigstens einmal jährlich eine Generalversammlung abhalten und den Rechenschaftsbericht der Vereinsleitung entgegennehmen. Der Sitz des Vereines ist vorläufig Kolomea, da die Anregung zur Gründung des Vereines von hier ausgegangen ist. Die Jahresbeiträge der ordentlichen Mitglieder betragen 4 K. Die Unterzeichner des Aufrufes betonen ausdrücklich, daß der Verein nicht im Dienste irgend einer Partei stehe, er sei weder national, noch chassidisch und auch nicht anderer Parteirichtung, es kann ihm also jedermann beitreten. Der Verein hat bereits seine Tätigkeit begonnen und besorgt schon jetzt Arbeitsvermittlungen, die sich vorläufig nur auf Galizien beschränken, es ist jedoch eine Kooperation mit auswärtigen Arbeitsnachweisen ins Auge gefaßt. Arbeitsnachweise werden auch an Nichtmitglieder auf eine schriftliche Anfrage hin erteilt. Als Gründer des Vereines haben den Aufruf folgende Herren aus Kolomea unterzeichnet: Mendl Bretter, Moses