Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 47 (22.11.1907)
- Date
- 1907-11-22
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 47 Dr. MöLV's Möcüenscbrin. Seite 783 Breuer, Elias Kriß, Dr. Flecker, Dr. Landau und Isaak Weber. Die Adresse des Vereines lautet: „Hilfsverein für galizische Juden" in Kolomea (Galizien). Klausenburg. (Juden und Rumänen.) Der Sekretär des rumänischen Kulturvereines in Siebenbürgen, Oktavian G o g a, veröffentlichte vor einiger Zeit in der Zeitschrift des Vereines einen Hetzartikel gegen die Juden, der so scharf war, daß die hiesige Staatsanwaltschaft sich veranlaßt sah, gegen den Verfasser des Artikels die öffentliche Anklage wegen Aufreizung zu erheben. In der am 14. d. M. in dieser Sache abgehaltenen Schwurgerichtsverhandlung verantwortete sich der Angeklagte dahin, daß er die Rumänen nicht gegen die Juden hetzen, sondern nur zeigen wollte, um wie vieles erfinderischer und raffinierter die Juden seien als die Rumänen, weßhalb diese gegen die Juden niemals aufkommen könnten." Als Goga sah, daß das hierauf erfolgte Plaidoyer des Staatsanwaltes auf die Geschwornen einen starken Eindruck machte, griff er zu einem Auskunftsmittel, mit dem man fich in Ungarn jetzt, wie es scheint, selbst vom Galgen loskaufen kann. Der Ultrarumäne Goga, der im Verlaufe der ganzen Verhandlung sich nur der rumänischen Sprache bediente, hielt seine Verteidigungsrede in ungarischer Sprache. Der Kniff gelang, die gerührte Jury hat den gefährlichen, antisemitischen Agitator einstimmig freigesprochen.s Oftböhmischer Zionistentag. Sonntag den 1. Dezember 1907, nachm, halb 3 Uhr, findet in K o l i n a./E. in den Sälen des Cafe Polaeek der Erste O st b ö h m i s ch e Z i o n i st e n t a g mit folgender Tagesordnung statt: I. Begrüßung. II. Referate (deutsch und tschechisch): a) Das zionistische Programm; d) Palästinaarbeit; c) Zionistische Arbeit in den tschechischen Gegenden. III. Debatte. Es ergeht an alle Gesinnungsgenoffen Ostböhmens die Einladung zum Besuche dieses Zionistentazes, welcher Verständigung durch persönliche Fühlungnahme und Aussprache, Informierung über den Stand der Bewegung und Anbahnung einer festeren Organisation bezweckt. Jeder Gesinnungsgenosse, bezw. Gefinnungsgenossin kann an der Tagung teilnehmen. Auch Gäste haben Zutritt. Die Namen der Referenten werden noch bekanntgegeben werden. Am Abend öffentliche Versammlung des' Jüdischen Volksvereines „Zion" Kolin, ebendort, in der die Herren Dr. Ludwig Singer, Kolin, und Dr. Emil Margulies, Trautenau, sprechen werden. Trautenau, im November 1907. Mit Zionsgruß Zionistisches Rayon-Komitee für Ostböhmen. Die Leitung Im Aufträge: Emil Margulies. Budapest. Auf Anregung des Stadtrepräsentanten Herrn Dr. Jakob Schächter intervenierten der Oberrabbiner der Pester Kongreßgemeinde Herr Dr. Samuel K o h n und der Rombachtempel-Rabbiner Herr Dr. Jlles Adler, welche ebenfalls Stadtrepräsentanten-Mitglieder sind, beim Bürgermeister B a r c y wegen Befreiung der jüdischen Schulkinder vom Schreiben am Sabbath in allen Kommunalschulen, sobald dies die Betreffenden verlangen. Der Herr Bürgermeister bewilligte dieses Ansuchen und erließ sofort die entsprechenden Weisungen an die kommunalen Schulleiter. Deutsches Bureau der „Alliance Jsraelite Universelle". Das Zentral-Komitee der „Alliance Jsraelite Universelle" hat in einer seiner jüngsten Sitzungen beschlossen, eine Studienkommission nach Abessynien zu entsenden zur Erforschung der wirtschaftlichen, sittlichen und gesellschaftlichen Lage der Falaschas in den verschiedenen Provinzen, wo das Vorkommen von solchen durch frühere Forschung sestgestellt worden ist. Mit der Leitung der Expedition ist Herr Nahum beauftragt, Professor am Rabbiuerseminar in Konstantinopel, der in der Schule für lebende orientalische Sprachen und in dem Rabbinerseminar von Paris seine Ausbildung erhalten hat. Unter den Begleitern des Herrn Nahum wird fich auch ein israelitischer Arzt befinden. Jassy. Für die jüdischen Schüler, welche in die öffentlichen Gymnasien nicht ausgenommen wurden, gründeten vorläufig eine erste Gymnasialklaffe unser Rabbiner Dr. I. Niemirower und die Herren Doktoren Steuermann Lippe und Burstin. Im Hofe des jüdischen Hospitals baute Frau Karoline Lewi eine großartige Totenkammer. Bei der Einweihung derselben hoben mit Recht die Herren Rabbiner Dr. Niemirower und Dr. Lippe hervor, daß in letzter Zeit in Jassy mehrere Wohltätigkeitsinstitute gegründet wurden, so z. B. im Spitalshofe ein Asyl für unheilbare Kranke. Darf maa Jndenkinder stehlen? Es find seit Jahren viele Fälle von Internierung von Judenkindern ^gegen den Willen ihrer Eltern — in Klöstern vorgekommen. Bis jetzt war es eine gewisse klerikale Gruppe katholischer Polen, die diesen Sport betrieben hatte. Man könnte Bände über diese Fälle schreiben — nur muß man zugeben, daß es in der letzten Zeit in dieser Beziehung ruhiger geworden ist. Aber neu ist es, daß das Echtrussenblatt „Rußkoje Znamia" die Theorie aufstellt, daß man den Juden Kinder stehlen und sie in den Schoß der orthodoxen Kirche bringen darf. Zu der Nachricht, daß die Familie Potschalitz gegen die Magd, welche ihnen die Kinder geraubt, und gegen die Häupter der Johanniten, welche bei diesem Raub ihre Hand im Spiel gehabt haben, einen Kriminalprozeß anstrengt, protestiert die Zeitung folgendermaßen: „In Bälde steht ein Prozeß bevor, dank welchem die Juden, die in ihrer Frechheit alles Maß verloren haben, wieder das religiöse Gefühl der griechisch-orthodoxen Leute einer schweren Prüfung unterwerfen werden. Gegen einfache russische Leute, welche den Schwestern Potschalitz die Reinheit des orthodoxen Glaubens erklärt haben, ist eine Kriminalverfolgung angestrengt. Bis jetzt gab es noch keine Gesetzesbestimmung, die es den rnffifchen Leuten verbietet, die Lehre der orthodoxen Kirche zu bekennen. Bald werden wohl die Juden an die russische Regierung die Forderung stellen, den orthodoxen Geistlichen zu verbieten, in Kirchen und Versammlungen Predigten abzuhalten." Es ist bemerkenswert, wie vorzüglich die russische „Kulturwelt" erlernt hat, die gleißnerische Sprache mit sophistischen Verdrehungen ganz nach der Ar^ vrumouts et eonsortes zu führen. Die jüdische Aristokratie in England. Von Maurice B r o d s k y in London. Sechzehn jüdische Pairs und Baronets mit erblichem Adel werden in England offiziell als Juden anerkannt. Es gibt ihrer wohl siebzehn, aber der siebzehnte, Lord B u r n h a m, der steinreiche Eigentümer des „Daily Telegraph" ist in die offizielle Liste nicht ausgenommen worden. Dies geschah wohl mit Rücksicht aus den Erben des Lordtitel, Hon. Hary Lawsou, der in einer Wählerversamlung in East-End einmal öffentlich erklärt hatte, er sei kein Jude. Es ribt also vierzehn jüdische Ritter, die vor ihren Namen den Titel Sir führen und deren Gattinnen lebenslängliche „Ladys" sind. Im Ganzen leben gegenwärtig 31 jüdische Familienhäupter, die in die Aristokratie Englands ausgenommen wurden, und diese bilden mit ihren Frauen und zahlreichen Nach-. kommen und Verwandten eine Art jüdischer Aristokratie. .Aber sie leben nicht abgeschieden von der christlichen Aristokratie. Sie legen großes Gewicht daraus, mit dem alten englischen Adel regen Familienverkehr zu unterhalten, was in vielen Fällen auch zu Mischehen zwischen der jüdischen und christlichen Aristokratie geführt hat. Sv hat zum Beispiel Baron M i ch e 11) a m, ein Sohn des verstorbenen Baron Ster n, in: Jahre 1898 Miß Almöe Geraldine B r a d s a w, die Tochter des reichen Rittergutsbesitzers am Schloß Powderham in Devon hire, heimgerührt. Der Ehe entstammen zwei Söhne: der achtjährige Hermann Alfred, der zukünftige Erbe des Familientitels wird nichts