Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 47 (22.11.1907)
- Date
- 1907-11-22
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 780 Dr. Lioco s MoevensevrLrr. Stt. 47 Den Samt haben die Motten arg zerfressen, sonst ist das Gewebe gut erhalten, mit Ausnahme etwa der oberen Ecken, wo die Fäden auseinandergerissen find. Die Farben haben eine außerordentliche Frische bewahrt. Zwei Spruchbänder verschlingen sich von der Mitte nach rechts, das über der Königin ragt: [B] escheyd . mich . konig . ob . blumen . vnd . kind . Glich . an . art . ode(r.) vnglich . sint . Das linke antwortet: [D] ie . bine . sin . guote . blum nit . spart , das . knuwen . zoigt . dir . wiplich art . [B], [Dj und die Punkte des ersten Verspaares sind rot, die Punkte des zweiten grün, (r) verschwindetuntereiner Windung des Bandes.^ Diese Inschrift zeigt Abweichungen von den beiden andern. Ich hebe hervor: guote blum statt rechte Blum und das knuwen sKnienj zoigt statt dieses kindt zeigt. — Die Londoner Lesart ist ungleich bezeichnender: denn durch das Knien beim Aufnehmen der Aepfel in den Rockschoß zeigt ja das Kind sein weiblich art, sie ist gewiß die ursprüngliche. Damit stimmt überein, daß nach einem Vermerk der Direktion der Teppich aus dem 15. Jahrhundert stammt, aus Deutschland: danach wäre er der älteste unter den uns bisher bekannten, mehr als 50 Jahre älter als der Amsterdamer, mehr als 10O Jahre älter als der Kirschkauer. Herr Dolch fragte bei der Direktion des South Kenfington-Museum an, ob sie ihm vielleicht die genaueren Daten über Herkunft, Erwerb und Alter des Teppichs Mitteilen könne, erhielt aber den Bescheid, daß solche Angaben grundsätzlich verweigert würden. Vielleicht gelingt es diesen Zeilen, von neuem die Aufmerksamkeit auf die Königin von Saba und ihre Rätsel zu lenken; hier gehören weitere Entdeckungen und Funde durchaus in das Reich der Möglichkeit. Friedr. v. der Leyen. Korrespondenzen. Aus den Plenarsitzungen des Kultusvorstandes vom 15. und 17. November 1907 unter dem Borsitze des Präsidenten Herrn Dr. Alfred Stern. Beginn 10 Uhr vormittags. An Spenden find eingelaufen: Von Herrn Dr. Josef Stein noe der Verlassenschaft Albert Brasch mann für die wohltätige Zwecke nach dem Ermeffen des Kultusvorstandes.K 395.15 Von Herrn Jacques Karpeles anläßlich einer glücklich überstandenen Operation für den Handlungskrankenverein ..K 100«— für die Chewra-Kadischa.L 50*— für die Armenanstalt.. . L 50.— K 200.— Von Herrn Bernhard Hirsch für eine Wohltätigkeitsanstalt der Kultusgemeinde . K 100.— Von einem Unbekannten durch Herrn Siegmund Löwy für russische Juden.K 20,— Von „Anonymus" zur Anschaffung für Holz und Kohle für Arme.K 10.— Von Herrn Dr. Alfred Berger noe eines Anonymus in Breslau für die Schulküche in der Brigittenau. . . K 160.— Im Einlaufe befindet sich eine Einladung des zum Leiter des neuerrichteten Röntgen-Laboratoriums im Spitale der Kultusgemeinde berufenen Herrn Doktor I. Robinsohn zur Besichtigung des nunmehr fertiggestellten Institutes. Die in der Generalversammlung der Chewra-Kadischa vom 27. Oktober 1907 erfolgte Wiederwahl der Herren Moritz Breitner, Jakob Kann und'.Samuel Stein er zu Vorstandsmitgliedern der Chewra-Kadischa wird zur Kenntnis genommen, weiters die Neuwahl der Herren Ignaz Klein und Leopold Otto im Sinne des Statutes bestätigt. Zum Mitgliede der historischen Kommission der Kultusgemeinde wird Herr Dr. Wilhelm Pappenheim berufen. Dem Tempelvereine für Wieden und Margarethen wird behufs Ankauf eines Bauplatzes für einen Tempel der seinerzeit bewilligte Betrag unter der Voraussetzung zur Auszahlung angewiesen, daß das Vorhandensein des für den Ankauf erforderlichen Restbetrages nachgewiesen wird. An den Tempelbau wird erst dann geschritten werden, wenn auch das erforderliche Baukapital vorhanden sein wird. Dem im Stadttempel wirkenden I. Kantor Don Fuchs wird der Titel eines „Ober-Kantor-Stellvertreters" verliehen. Gleichzeitig wird beschlossen, auch hinsichtlich der kantoralen Funktionen bei Trauungen zwischen dem Genannten und Oberkantor Josef Singer einen Turnus einzuführen, wie er schon derzeit hinsichtlich der Funktionen an Freitag-Abenden und Samstagen besteht. Bezüglich der kantoralen Funktionen bei Leichenbegängnissen wird gleichzeitig beschlossen, einen noch näher zu bestimmenden Turnus zwischen den Herren Oberkantor Josef Singer, Oberkantor Bela Guttmann und Oberkantor- Stellvertreter Don Fuchs einzuführen. In der am 17. November 1907 stattgehabten Fortsetzung der Plenarsitzung wurden folgende Subventionsansuchen erledigt : Bethausverein im XX. Bezirke, Bethausverein Oseh Tow im HI. Bezirke, Bethausverein Stumpergaffe, Verein zur Errichtung und Erhaltung von Horten für schulpflichtige Kinder, „Kinderheim", Verein für verkrüppelte Kinder, Verein für Arbeitsvermittlung für jüdische Hochschüler, Elternverein „Pestalozzi", Bikur Chaulim Hospital in Jerusalem, Verein „Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchen- und Arbeiterinnen-Heim bewilligt. Nach Erledigung von Personalien und Stiftungsangelegenheiten wird die Sitzung geschlossen. Bethaus-Spenden. ' Im Gemeindetempel Stadt: Hermann Feldstein K 20.—, David Gartenberg 50.—, Arnold Deutsch 30 —, Alexander Pollak 10.—, Dr. Ludwig Hesky 10.—, Wilhelm Pleß 20.—, Theodor Ritter von Goldschmidt 200.— , Emil Blum 10.—, Doktor Alfred Stern 100.-, Alfred Waizner 20.—, kaiserl. Rat Moritz Waizner 20.—, Zerline Thal 50.—, Alexander Kübel K 10.—. Im Gemeindetempel Leopold st adt: Jakob Kann K 200.—, Adolf Schram«! 20.—, Jakob Steiner 30.—, Adolf Stransky K 10.—. Israelitisches Altersversorgungshaus. (Wien, IX., Seegasse 9.) Die Wenigsten kennen das große 3 Stock hohe Haus, das mit seinen 30 Fenstern Gassenfront, den gut gepflegten Gartenanlagen wohl der Beachtung wert ist. Hier haben zeither 280 alte Leute Aufnahme gefunden und jetzt hat die israelitische Kultusgemeinde einen Neubau aufführen lassen, in dem noch 40 Personen Unterkunft und Pflege gewährt werden soll: Zunächst interesiierte es mich, als ich letzthin das Haus besuchte, diesen Neubau mit seinen sonnigen, auf Eisensäulen erbauten, mit Eisenwänden versehenen Tagräumen kennen zu lernen. Dann aber ließ ich es mir angelegen sein, das schon seit 1890 bewohnte Versorgungs- und Siechenhaus zu besichtigen und wahrlich, ich rechne die da zugebrachte Stunde nicht zu den verlorenen und möchte fast all diejenigen beneiden, die in werktätiger Menschenliebe so Vollendetes für die armen Alten geschaffen. Altersversorgungsanstalt und Siechenhaus, ein Gebäudekomplex, der in den Jahren 1890, 1898 und 1907 erbaut wurde, ist nach den Plänen Meister Stiaßnys erstanden, des bewährten Baukünstlers, dem wir Juden so viele Monumentalbauten verdanken, die Kultus- oder Humanitätszwecken dienen. Beide Anstalten haben große hohe Räume, die mit allen hygienischen Behelfen versehen sind. Ein bequemer Aufzug, so groß und breit, daß auch 2 Betten in demselben Raum finden, führte mich hinauf in den III. Stock.