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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-11-22 · 47 (22.11.1907) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
47 (22.11.1907)
Date
1907-11-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 47 L)r. JSlocö's Mocdenscdrtn. Seite 775 In ungetrübter geistiger und körperlicher Frische trifft ihn das Greisenalter noch immer in voller Tätigkeit, jetzt mit einer großangelegten religionsgeschichtlichen Arbeit beschäftigt, daneben auch die leichtere Literatur nicht vernachlässigend, das von früh bis spät unausgesetzte Schaffen nur ab und zu unterbrechend durch einsame Fußwanderungen in der Umgebung von Wien, deren Anstrengungen mancher Jüngere nicht gewachsen wäre. Mit äußeren Ehren ist sein an Arbeit und Mühe reiches Leben nicht gekrönt worden. In Italien wird zwar „il Landau“ von den dankbaren Fachgenoffen mit aufrichtiger Verehrung genannt und Staat und gelehrte Gesellschaften haben es an Ordensauszeichnung und Verleihung der Ehrenmitgliedschaft nicht fehlen lassen. In Oesterreich aber ist ihm das Schicksal des Propheten im Vaterlande zuteil geworden. Die zünftigen Gelehrten vermögen es nicht über sich zu bringen, den Autodidakten, der es ohne den vorgeschriebenen Studiengang und ohne seminaristischen Drill ihnen gleichzutun versucht, für voll anzunehmen, auch die Betätigung in Tagesblättern und das Auftreten gegen klerikale Unduldsamkeit gehören zu den Dingen, die in diesen Kreisen gerade nicht zur Empfehlung gereichen. Gleichwohl kann er, wenn er von dem heutigen Gipfelpunkte zurückblickt, sich mit Befriedigung sagen, sein Leben wohl angewendet zu haben, und darin die Ermutigung finden, rüstig weiter zu schaffen bis an die äußerste Grenze menschlicher Tätigkeit. Esperanto als Welthilfssprache angenommen. Aus Paris wird uns geschrieben: In neunzehn Sitzungen von je fast dreistündiger Dauer hat vor kurzem in einem Hörsaale des College de France zu Paris eine hiezu autorisierte Kommission die Auswahl einer geeigneten internationalen Vermittlungssprache getroffen und hiezu die von dem Warschauer Arzte Dr. L. Z a m e n h o f vor nunmehr zwanzig Jahren geschaffene künstliche „Esperanto"-Sprache als das von allen vorhandenen Systemen dem aufgestellten Ideal einer für jeden leicht erlernbaren, für alle Zwecke dienlichen künstlichen Sprache am nächsten kommende in ihren Grundzügen angenommen. Aenderungen der vollständig ausgearbeiteten und bereits seit Jahren in aller Welt praktisch gehandhabten Sprache find nur insofern vorgeschlagen, als eine noch konsequentere Durchführung ihrer Prinzipien erzielt werden soll. Daher behält die schon bestehende umfangreiche Literatur ihren Wert und jeder Esperantist wird sich leicht mit den Modifikationen befreunden können. Die eingangs erwähnte Kommission setzte sich zusammen aus den deutschen Gelehrten Dr. W. Förster, Direktor der Berliner Sternwarte; Geheimrat Profeffor W. O st w a l d, Direktor des Physikalisch-chemischen Institutes der Leipziger Universität, und Dr. Schuchardt, Linguist der Grazer Universität; ferner dem Belgier Profeffor L e P a i g e, Direktor der königl. Akademie in Brüssel; dem Dänen Dr. O. I e s p e r s e n, Professor der Kopenhagener Universität; dem Amerikaner G. Horowey, Redakteur von „Harpers Weekly" in New-Aork; den Franzosen Profeffor F. B o i r a e. Rektor der Dijoner Universität; Doktor Ch. B o u ch a r d, Mitglied der medizinischen Akademie in Paris; dem Griechen Professor P. L a m b r o s, Rektor der Athener Universität; dem Ungar Profeffor Dr. E ö t v ö s in Budapest; dem Spanier Dr. Barrios, Profeffor der Medizin und Senatspräfident in Peru; dem Kenner der ruffischen Sprache Baudoin de CourteNay, Professor der Petersburger Universität; dem Italiener Dr. G. Peano, Professor der Turiner Universität, endlich dem Engländer T. W. S t e a d, Herausgeber der „Review of Reviews" in London. Als Sekretäre fungierten die Franzosen Mathematikprofessor Dr. L. Le au und Dr. L. Couturat, die Verfasser einer umfassenden Geschichte der Weltsprachen. Ihre Mandate hatten die Genannten von der seit 1900 in Paris bestehenden Ddlögation pour l’adoption d’une langue universelle auxiliaire erhalten, der 357 gelehrte und andere Gesellschaften und 1011 Männer der Wissenschaft aus allen Nationen angehören. Diese Delegation hatte sich heuer im Mai, wie noch erinnerlich sein dürfte, an die in Wien tagende Affoziation der wissenschaftlichen Akademien gewendet mit dem Ersuchen, die Frage der Entscheidung über eine internationale Hilfssprache auf die Tagesordnung ihrer Beratungen setzen zu wollen. Die Akademien haben sich jedoch als hiefür inkompetent erklärt und nun nahm die Delegation die Entscheidung selbst in die Hand, die das vorhin angeführte Resultat zeitigte. Als Präsident der von ihr eingesetzten Kommission fungierte Geheimrat Professor Ostwald, der auch in der „Frankfurter Zeitung" vom 7. d. M. bereits kurzen Bericht über die Erfüllung der Aufgabe der Kommiffion erstattete. Es wird nun Sache der Delegation sein, die Regierungen der Kulturstaaten für die Einführung der von ihr vorgeschlagenen Welthilfssprache im öffentlichen Unterricht zu intereffieren. Der Wiener Esperantoklub und zahlreiche Ortsgruppen in der Provinz, welche bisher für die Verbreitung des Esperantos in den österreichischen Kronländern wirkten, haben in ihrer letzten Versammlung die Entscheidung der Delegation den Mitgliedern unter brausendem Beifalle verkündet. Es erübrigt nur, daß durch öffentliche Unterrichtskurse Gelegenheit zum Erlernen dieser ungemein leichten Hilfssprache geboten wird, wozu vom Wiener Klub (Geschäftsstelle VII. Bezirk, Bandgaffe 31) Lehrkräfte bereitwillig zur Verfügung gestellt werden. Jüdische Stimmen über die Englandsreise des deutschen Kaiserpaares. Anläßlich der Reise des deutschen Kaiserpaares nach England hat ein englischer Journalist eine Reihe von hervorragenden englischen Persönlichkeiten um ihre Ansicht über die Bedeutung dieser Kaiserreise für beide Staaten gebeten. Unter den Befragten nahmen Baron Alfred de Rothschild, Doktor Hermann Adler, Chief-Rabbi of England, und Israel Zangw i l l nicht den letzten Platz ein. Es wird die deutschen Juden sicherlich intereffieren, zu erfahren, was die genannten Herren über die Kaiserreise zu sagen haben. Deshalb seien diese Erklärungen hier reproduziert: Baron Alfred de Rothschild: Wir sehen dem Besuche Seiner Majestät des Kaisers Wilhelm mit großer Freude entgegen und hoffen zuversichtlich, daß seine Anwesenheit in England die freundlichen Gefühle aller friedlichen Leute in beiden Ländern verstärken werde. Ich selbst stehe seit jeher einer Freundschaft beider Völker höchst sympathisch gegenüber und glaube, daß es keine verläßlichere Gewähr des Weltfriedens gäbe, als den freundschaftlichen. Zusammenschluß der beiden größten Militärstaaten, des einen zu Lande, des anderen zur See, was aber durchaus nicht etwa als Verkleinerung irgend eines anderen Landes aufgefaßt werden darf. Vom Standpunkte der Finanz beurteilt man Fragen und Verhältnisse dieser Art sehr realistisch. Finanzgeschäfte werden ja bekanntlich nicht „pour les beaux yeux des peuples“ gemacht — und bei der Abschätzung der Sicherheiten friedlicher Entwicklung kommt man naturgemäß zu dem Schluffe, daß eine innige Annäherung Deutschlands und Englands, deren politische Verhältnisse volle Beständigkeit verbürgen, den dauernden Weltfrieden bedeuten würde. Es ist ja manches vorgefallen, das die guten Beziehungen der beiden Völker zeitweilig zu verdunkeln schien, und es find sicherlich Fehler begangen worden. Aber wer begeht keine Fehler? Individuen und Völker find menschlich, und die Frage geht nur nach dem Maße und der Menge der Fehler. Mein Vater pflegte zu sagen : „Der klügste Mann ist der, der die wenigsten Fehler begeht." Nun, auch mit diesem Maße messend, muß man Kaiser Wilhelm den klügsten Männern zuzählen. Als Bismarck ging, glaubte man, es würde schlechter werden, es ist aber eher das Gegenteil eingetroffen usw. usw. Viel Gutes könnte die Presse beider Länder bewirken, und es wäre sehnlich zu wünschen, daß die ehrliche freundliche Stimmung, die dem Besuche vorangeht und ihn sicherlich begleiten wird, auch späterhin zum Ausdruck gelange, oder wenigstens nicht durch grundlose, unfreundliche Kundgebungen abgelöst werde. Dr. Hermann Adler, Oberrabbiner von England: Wir müffen alle mit tiefer Genugtuung den bevorstehenden Besuch des deutschen Kaisers begrüßen, eines Monarchen, gleich aus-

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